Veranstaltungsprogramm der VHB Tagung
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Sitzungsübersicht |
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I-WK: Organisation als abhängige Variable: Eine Diskussion zur Reaktivierung kontingenztheoretischer Betrachtungen formaler Organisation
Sitzungsthemen: I-WK, ORG
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| Zusammenfassung der Sitzung | ||
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Fast unabhängig von der jeweils gewählten Organisationstheorie war lange Zeit die Analyse von Organisationsformen und die Ausgestaltung der formalen Strukturen dieser Organisationsformen zentraler Kern der Organisationsforschung. Dazu nutzte die Organisationsforschung sowohl ökonomische als auch soziologische Theorien. Die Analyse formaler Organisation als abhängige Variable ist in den letzten Jahren jedoch zunehmend in den Hintergrund gerückt. Dies dürfte nicht zuletzt darin begründet liegen, dass viele Organisationstheorien weit über den Untersuchungskontext Organisation hinaus Aussagekraft besitzen und damit auch Forschung zum Beispiel mit Blick auf soziale Bewegungen, zu technologischen Diskursen oder Online-Communities erlauben. Die Theorien eröffnen insofern neue Forschungsfelder für die Organisationsforschung. Die Anwendungsbreite und Aussagekraft der genutzten Theorien sprechen für sie. Auf der anderen Seite erscheint diese Entwicklung jedoch nicht unproblematisch, da ein Kernelement von Organisation, nämlich die formale Struktur, zunehmend aus dem Blick gerät. Dies erscheint umso problematischer, als sich eben nicht nur die Bedingungen, unter denen Organisationen operieren, ändern, sondern in Folge dieser Veränderungen auch die formalen Strukturen von Organisationen angepasst werden. Diese Rückwirkung auf die formale Struktur ist jedoch nur begrenzt und nicht systematisch untersucht worden. Kurzum, in der Organisationsforschung wird zunehmend die Frage vernachlässigt, wie sich formale Strukturen unter verschiedenen Bedingungen entwickeln und wie die Leistungsfähigkeit von formaler Organisation unter den sich verändernden Bedingungen variiert. Organisation als abhängige Variable verschwindet somit zunehmend aus aktuellen betriebswirtschaftlichen Debatten und theoretischen Betrachtungen. Ein zentraler theoretischer Ansatz, der formale Organisation rigoros als abhängige Variable berücksichtigte, ist die Kontingenztheorie. Die kontingenztheoretischen Betrachtungen der formalen Strukturen von Organisationen wurden oft für ihre vereinfachten Annahmen kausaler Beziehungen und wegen ihrer methodischen Schwächen kritisiert. Dennoch bleibt die Grundkonzeption einer 1 kontingenztheoretischen Betrachtung wertvoll: Sie bietet nach wie vor eine fundierte Grundlage zur Beschreibung formaler Organisationsstrukturen und wird in der Lehre explizit oder implizit vermittelt. Es stellt sich die Frage, ob es lohnend ist, kontingenztheoretische Betrachtungen auf Basis verbesserter theoretischer Annahmen und methodischer Herangehensweisen erneut aufleben zu lassen. Eine Reaktivierung kontingenztheoretischer Überlegungen zur formalen Organisation würde sich auch aus der Perspektive der strategischen Managementforschung, der Innovationsforschung sowie der Personal- und Führungsforschung lohnen: Veränderungen der strategischen Ausrichtung, Innovationen des Geschäftsmodells, neue Wettbewerbslogiken oder veränderte Personalstrukturen wirken sich unmittelbar auf die formalen Strukturen aus – beispielsweise in Bezug auf die Arbeitsteilung, die Entscheidungsarchitektur und die Delegation/Nicht-Delegation von Verantwortung. Eine kontingenztheoretisch erneuerte Perspektive eröffnet somit die Möglichkeit, organisationale Gestaltung wieder stärker als Ergebnis strategischer und personalbezogener Entscheidungen zu begreifen und zentrale Brücken zwischen den betriebswirtschaftlichen Bereichen der Organisations-, Strategie-, Innovations- und Personalforschung zu schlagen. Es fehlt jedoch aktuell eine systematische Weiterentwicklung kontingenztheoretischer Überlegungen, die den veränderten organisationalen Realitäten – etwa im Zuge der digitalen Transformation oder neuen Formen der Arbeitsorganisation – gerecht wird. Relevant erscheint eine Reaktivierung kontingenztheoretischer Perspektiven auch, weil in öffentlichen und politischen Debatten ein stetiges Interesse an Fragen formaler Organisation in unterschiedlichen Kontexten erkennbar ist – etwa an Bürokratie/Entbürokratisierung, open organizing, Formalisierung und Digitalisierung oder der Vorteilhaftigkeit unterschiedlicher struktureller Koordinationsinstrumente. Die Betriebswirtschaftslehre könnte auch in diesen Debatten eine stärkere Stimme haben, diese wird oft jedoch nicht eingebracht. Der Fokus kontingenztheoretischer Ansätze auf die Leistungsfähigkeit bestimmter struktureller Arrangements in unterschiedlichen Situationen könnte in diesen Debatten entscheidende und für die Organisationspraxis wichtige Impulse setzen. Diese I-WK-Sitzung soll eine kritische Diskussion darüber anstoßen, ob und wie die kontingenztheoretische Betrachtung formaler Organisation in der Betriebswirtschaftslehre reaktiviert werden sollte. Im Mittelpunkt stehen exemplarisch folgende Fragen:
Hinsichtlich des Ablaufs sollen zunächst kurze Impulsvorträge der Teilnehmer:innen des Panels die unterschiedlichen Perspektiven auf die Relevanz und Anschlussfähigkeit kontingenztheoretischer Ansätze für aktuelle Fragen der Organisations- und Managementforschung eröffnen. Die Moderation wird übernommen von Prof. Dr. Peter Walgenbach (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Prof. Dr. Simon Oertel (Paris Lodron Universität Salzburg). Im Anschluss diskutiert das Panel offene Fragen gemeinsam mit dem Publikum. Dabei soll ein digitales Whiteboard genutzt werden, um die Diskussion zu dokumentieren und im Anschluss allen Interessierten zugänglich zu machen. Das resultierende Dokument soll Interessierten auch nach der Veranstaltung die Möglichkeit bieten, sich zur Thematik auszutauschen. Ziel ist es, zentrale Herausforderungen und Potenziale einer zeitgemäßen Weiterentwicklung kontingenztheoretischer Überlegungen zu identifizieren und Impulse für eine stärkere Integration in die Forschung zu Organisation, Personal und Strategie zu geben. Zusammensetzung des Panels:
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Organisation als abhängige Variable: Eine Diskussion zur Reaktivierung kontingenztheoretischer Betrachtungen formaler Organisation | ||
