Veranstaltungsprogramm
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„Endlich läuft es wie von Zauberhand“: Rechtschreiben durch automatisiertes Handschreiben?
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Referat
„Endlich läuft es wie von Zauberhand“: Rechtschreiben durch automatisiertes Handschreiben? 1Pädagogische Hochschule Luzern,; 2Hochschule für Heilpädagogik, Zürich; Ausgangslage: Erkenntnisse aus europäischen Ländern belegen, dass etwa 50 % aller Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten im Sinne einer Lese-Rechtschreibstörung auch Probleme mit der Handschrift bekunden – in noch nicht restlos geklärten Zusammenhängen (Di Brina et al., 2018; van Reybroeck & Gosse, 2024). Obwohl dieser Sachverhalt in der Praxis von grosser Bedeutung ist, wurde er in der deutschsprachigen Fachliteratur (z. B. Büttner et al., 2023) bislang selten diskutiert. Aus der Schreibforschung ist bekannt, dass ein evidenzbasiertes Förderangebot zur Automatisierung der Handschrift Ressourcen im Arbeitsgedächtnis freisetzen kann. Dadurch verbessert sich die Schreibflüssigkeit sowie die Textqualität (Limpo et al., 2017). Damit dies auch unter erschwerten Bedingungen für die Zielgruppe mit kombinierten Schwierigkeiten gelingt, sind zu Beginn eine fallbezogene Diagnostik sowie eine massgeschneiderte Förderung notwendig (Hurschler Lichtsteiner, 2020, 2024). Dies wirft die Frage auf, ob für diese Zielgruppe ein Handschrifttraining die Leistung in Aufgaben verbessert, bei denen die Handschrift, die Rechtschreibung oder die Kombination dieser Teilfertigkeiten erfasst werden. Methode Die Stichprobe umfasst im Verlauf von vier Jahren vier Kohorten der 3.–6. Klasse. Zwei Kohorten wurden bereits 2023 (N=14; 8m und 6w) und 2024 (N=12; 11m und 1w) erhoben. Zwei weitere Kohorten von 2025 und 2026 werden bis Sommer 26 ausgewertet sein. Alle Kinder weisen als Einschlusskriterium sowohl Rechtschreib-Schwierigkeiten als auch handschriftliche Beeinträchtigungen auf. Ab der ersten Durchführung wurden zur Erfassung der handschriftlichen Leistungen die Schriftproben digital aufgezeichnet und mit dem Programm CSWin (Marquardt, 2024) analysiert. Die Rechtschreibung wurde mit der Hamburger Schreibprobe (May et al., 2022) erfasst. Ab der 2. Kohorte wurden zusätzlich zum Prä- und Postdesign Verlaufsmessungen eingeführt und deskriptiv ausgewertet. Sie orientieren sich am Verfahren des Curriculum-based measurements (vgl. Hosp & Hosp, 2003; Voss et al., 2017) und umfassen einen ABC-Schreibtest sowie Diktate von randomisierten Wortlisten. Ab der 4. Kohorte werden die Daten mittels eines prüfstatistischen Verfahrens für kontrollierte Einzelfallstudien ausgewertet (Jain & Spiess, 2012). Ergebnisse Alle Kinder der zwei bisherigen Kohorten zeigten nicht nur messbare Fortschritte in den handschriftlichen Leistungen, sondern auch deutliche Verbesserungen ihrer Rechtschreibleistungen – obwohl Letztere nicht gezielt geübt wurden. Die vorgestellten Resultate werden sich auf alle vier Kohorten beziehen. Literatur Büttner, G., Brandenburg, J., Fischbach, A. & Hasselhorn, M. (2023). Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb. Hogrefe. Di Brina, C., Averna, R., Rampoldi, P., Rossetti, S., & Penge, R. (2018). Reading and writing skills in children with specific learning disabilities with and without developmental coordination disorder. Motor Control, 22(4), 391–405. Hosp, M. K., & Hosp, J. L. (2003). Curriculum-based measurement for reading, spelling, and math: How to do it and why. Preventing School Failure (45)1, 1-7. Hurschler Lichtsteiner, S. (2020). Differenzierende Beurteilung der Handschrift – ein Bestandteil der Schreibförderung. Leseforum Schweiz(3), 1–26. Hurschler Lichtsteiner, S. (2024). Grafomotorische Beeinträchtigungen: Erkennbar in digitalen Handschriftanalysen von Kindern der zweiten Primarklasse. Lernen und Lernstörungen, 13(2), 97–108. Jain, A., & Spieß, R. (2012). Versuchspläne der experimentellen Einzelfallforschung. Empirische Sonderpädagogik, 4(3/4), 211-245. Limpo, T., Alves, R. A., & Connelly, V. (2017). Examining the transcription-writing link: Effects of handwriting fluency and spelling accuracy on writing. Learning and Individual Differences, 53, 26–36. Marquardt, C. (2024). Zum Potenzial der digitalen Erfassung zur Analyse der Schreibmotorik. Lernen und Lernstörungen, 13(2), 89–95. May, P., Malitzky, V. & Vieluf, U. (2022). HSP+ [Ausgabe ab 2018], 1. Aufl.). Ernst Klett. van Reybroeck, M. & Gosse, C. (2024). Handwriting difficulties in developmental dyslexia. In T. Inoue, U. Maurer, C. McBride & Y. Ye (Eds.), Routledge International Handbook of Visual-motor skills, Handwriting, and Spelling. (pp. 381–395). Taylor & Francis. Voss, S., Sikora, S. & Mahlau, K. (2017). Vorschlag zur Konzeption eines curriculumbasierten Messverfahrens zur Erfassung der Rechtschreibleistungen im Grundschulbereich. Empirische Sonderpädagogik, 9(2), 184–194. | ||