Veranstaltungsprogramm
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Übergang Schule-Beruf von Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf
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Referat
Übergang Schule-Beruf von Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf 1FHNW; 2PHBern; , Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf treten seltener nach der Sekundarstufe I in die Berufsbildung (Hupka Brunner et al., 2012). Es werden Ergebnisse von zwei Studien zu den Herausforderungen von Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf im Lehrstellenmarkt vorgestellt und danach diskutiert. Die erste Studie berichtet Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus der Trail-Studie. Sie untersucht Bedingungen für die Chance auf einen Direktübertritt und das Ausmass der Passung zwischen Jugendlichen und ihrem Beruf. Wenn Jugendliche einen passenden Beruf finden, erbringen sie bessere Leistungen und arbeiten zufriedener (Kristof-Brown et al., 2005). Es wird die relative Bedeutung von distalen Merkmalen wie der Schulform (Regelschulung vs. sonderpädagogische Förderklassen und Sonderschulung), sozialpädagogischem Förderbedarf, Leistungen in Mathematik und Deutsch, emotionalen Problemen und Verhaltensproblemen von Jugendlichen im Lehrstellenmarkt untersucht. Zudem wird die Bedeutung proximaler Merkmale wie die berufliche Selbstwirksamkeit und die Elternunterstützung bei der Lehrstellensuche analysiert. Die Fragen werden mit 1230 Jugendlichen aus der Deutschschweiz und der Romandie aus Regelschulklassen mit tiefen Anforderungen Anforderungen (N=1230), Sonderschulklassen sowie sonderpädagogischen Förderklassen (N=227) mit Fragebogen und Leistungstests analysiert. Die Ergebnisse zeigen Effekte von Schultyp, sonderpädagogischem Förderbedarf, Leistungen im Textverständnis, emotionale Probleme, Probleme mit Gleichaltrigen, Elternunterstützung und berufliche Selbstwirksamkeit auf die Wahrscheinlichkeit eines Direktübertritts. Emotionale Probleme haben einen stärkeren Effekt als die Leistungen in Mathematik. In einer zweiten Mehrebenenanalyse zur Vorhersage der Passungswahrnehmung erwiesen sich nur die proximalen Variablen als signifikant. Jugendliche aus Sonderschulen und sonderpädagogischen Förderklassen sind gegenüber Jugendlichen in Regelschulklassen im Lehrstellenmarkt benachteiligt. Die Ergebnisse zeigen erstmals für Jugendliche mit Risiken die hohe Bedeutung von emotionalen Problemen und Problemen mit Gleichaltrigen. Konsequenzen für die schulische Unterstützung von Jugendlichen mit Risiken im Lehrstellenmarkt werden diskutiert. Der zweite Beitrag befasst sich mit den Auswirkungen unterschiedlicher integrativer Massnahmen auf den Übergang von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II. Mit der zunehmenden integrativen Beschulung in der Schweiz steigt der Einsatz reduzierter individueller Lernziele (RILZ) und von Nachteilsausgleich (NAG). Forschung zeigt, dass RILZ überdurchschnittlich häufig bei Lernenden aus sozial benachteiligten Familien vergeben wird, während NAG häufiger bei Lernenden aus Familien mit höherem sozioökonomischem Status/Bildungsniveau vorkommt (Sahli Lozano et al., 2023). Unklar ist, wie sich diese Massnahmen auf die berufliche Laufbahn auswirken. Ziel ist zu prüfen, inwiefern RILZ und NAG den Eintritt in die Sekundarstufe II beeinflussen; dieser Übergang gilt als zentraler Meilenstein für künftige Bildungschancen (Becker & Glauser, 2018). Die Analysen stützen sich auf Daten der Berner Längsschnittstudie BELIMA mit 2297 jungen Erwachsenen, darunter 85 mit RILZ und 77 mit NAG. Mittels Regressionsanalysen und Propensity Score Matching werden die nachobligatorischen Ausbildungswege von in Bezug auf Geschlecht, sozioökonomischen Status, Migrationshintergrund, IQ und Schulleistungen vergleichbaren Lernenden mit und ohne Massnahmen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Berufswünsche von Lernenden mit Massnahmen nicht von denjenigen vergleichbarer Lernenden ohne Massnahmen unterscheiden. Lernende mit RILZ treten jedoch signifikant häufiger in Bildungsgänge mit tieferem kognitivem Anspruchsniveau ein; diese Unterschiede bleiben über mehrere Jahre bestehen. Bei NAG gelingt es hingegen, anfängliche Nachteile nach dem Übertritt auszugleichen. Weder RILZ noch NAG haben einen klaren Einfluss auf verspätete Eintritte, Ausbildungswechsel oder Lehrvertragsauflösungen (Lustenberger et al., 2025). Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass RILZ sensibel und zurückhaltend eingesetzt werden soll. Erforderlich sind sorgfältige Abklärungen, transparente Begründungen und eine enge Begleitung rund um den Übertritt, damit Bildungsoptionen offenbleiben. Ebenso lässt sich ableiten, dass NAG allen offenstehen soll, die ihn benötigen, mit professioneller Abklärung, transparenter Dokumentation und verlässlicher Umsetzung im Unterricht. Im Anschluss an die beiden Inputs werden Fragen aus dem Publikum beantwortet und Chancen, Risiken sowie Implementationen der Ergebnisse für Bildungssteuerung und Praxis diskutiert. | ||