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Überzeugungen und Rollenerwartungen zur Zusammenarbeit: Die Perspektiven von Lehrpersonen und Eltern im Vergleich
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Referat
Überzeugungen und Rollenerwartungen zur Zusammenarbeit: Die Perspektiven von Lehrpersonen und Eltern im Vergleich PHBern, Schweiz; In integrativen Schulsystemen, in denen ein hoher Anteil von Kindern mit besonderen Bedürfnissen unterrichtet wird, gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen, pädagogischen Fachkräften und Eltern zunehmend an Bedeutung. Für die multiprofessionelle Kooperation liegen inzwischen wichtige konzeptionelle Beiträge vor, die den Wert ko-konstruktiver Zusammenarbeit bei komplexen Problemstellungen hervorheben (Gräsel et al., 2006; Grosche et al., 2020). Für die Elternzusammenarbeit stellt sich die Frage, ob vergleichbare ko-konstruktive Prozesse ebenfalls gewinnbringend sein könnten. Ob Eltern und Lehrpersonen bereit sind, in dieser Weise zu kooperieren, hängt wesentlich von ihrem Verständnis von Zusammenarbeit und den damit verbundenen Rollenerwartungen ab. Diese Erwartungen steuern das Verhalten in sozialen Interaktionen und sind zentral für eine wirksame Kooperation. Es ist anzunehmen, dass kongruente bzw. ähnliche Rollenerwartungen die Zusammenarbeit besonders fördern (Wheeler et al., 2024). Bislang wurden jedoch Rollenerwartungen von Eltern und Lehrpersonen hinsichtlich ihrer Kooperation kaum empirisch untersucht. Der vorliegende Beitrag untersucht daher Überzeugungen und Rollenerwartungen von Eltern und Lehrpersonen und prüft, inwiefern sich Inter- und/oder Intragruppenunterschiede zeigen. Zu diesem Zweck werden im Januar 2026 im Kanton Bern Fokusgruppeninterviews (Krueger & Casey, 2015) mit Eltern und Lehrpersonen durchgeführt. Ziel ist es, zu erfahren, wie sie ihre Zusammenarbeit verstehen und welche Erwartungen sie an die jeweiligen Rollen knüpfen. An drei Schulstandorten mit unterschiedlicher sozioökonomischer Lage finden jeweils ein Fokusgruppeninterview mit Eltern und eines mit Lehrpersonen statt. Pro Interview nehmen sechs Personen teil, die die Teilnahmekriterien erfüllen (Lehrpersonen: mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, Mindestpensum 40 %, Unterricht auf der 3.–6. Primarstufe; Eltern: mindestens ein Kind in einer 3.–6. Klasse, genügende Deutschsprachkenntnisse, um am Gespräch teilnehmen zu können). Die insgesamt sechs Gespräche werden leitfadenbasiert geführt, transkribiert und mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) ausgewertet. Die Kategorien werden sowohl induktiv mit Blick auf Elternzusammenarbeit als auch deduktiv anhand bestehender theoretischer Arbeiten zur multiprofessionellen Kooperation (z. B. Grosche et al., 2020) entwickelt. Erste Ergebnisse werden bis Sommer 2026 vorliegen und können am Kongress präsentiert werden. Lehrpersonen begegnen in der Praxis einer sehr heterogenen Elternschaft. Ein vertieftes Verständnis der möglicherweise divergierenden Überzeugungen und Rollenerwartungen ist sowohl für die Ausbildung angehender Lehrpersonen als auch für die schulische Praxis bedeutsam. Ein entsprechendes Bewusstsein kann präventiv wirken, indem unterschiedliche Vorstellungen explizit thematisiert und potenzielle Konflikte frühzeitig adressiert werden. Dies gilt in besonderem Masse für Konstellationen, in denen der Kontakt zwischen Lehrpersonen und Eltern aufgrund von zusätzlichem Unterstützungs- und Förderbedarf der Schüler*innen besonders intensiv und konfliktanfällig ist. Langfristiges Ziel der Studie ist die Entwicklung eines Messinstruments zur Erfassung von Erwartungen an die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen. Ein solches Instrument birgt beträchtliches Potenzial für die Untersuchung von Überzeugungen und Erwartungen in Eltern-Lehrpersonen-Dyaden sowie für internationale und interkulturelle Vergleichsstudien. Literatur Gräsel, C., Fussangel, K. & Pröbstel, C. (2006). Lehrkräfte zur Kooperation anregen – eine Aufgabe für Sisyphos? Zeitschrift für Pädagogik, 52(2), 205-219. https://doi.org/10.25656/01:4453 Grosche, M., Fussangel, K., & Gräsel, C. (2020). Kokonstruktive Kooperation zwischen Lehrkräften. Aktualisierung und Erweiterung der Kokonstruktionstheorie sowie deren Anwendung am Beispiel schulischer Inklusion. Zeitschrift für Pädagogik, 66(4), 461-479. https://doi.org/10.25656/01:25803 Krueger, R. A., & Casey, M. A. (2015). Focus groups: A practical guide for applied research (5th ed.). Sage. Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. überarb. Aufl.). Beltz. Wheeler, L. A., Brown, K. E., Witte, A. L., Chen, D., Sheridan, S. M., Gormley, M. J., Brower, E. S., Lee, S. & Mendes Gomes, R. (2024). Parent-teacher relationships: Factors that relate to dyadic congruence. The Elementary School Journal, 125(1), 132-150. https://doi.org/10.1086/731239 | ||