Veranstaltungsprogramm
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Zusammenarbeit verstehen. Ein ethnografischer Blick auf kooperative Praxis.
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Referat
Zusammenarbeit verstehen. Ein ethnografischer Blick auf kooperative Praxis. Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich, Schweiz; , Unser Beitrag basiert auf einer ethnografischen Feldforschung, die wir in einer Deutschschweizer Primarschule mit inklusivem Profil durchgeführt haben. Im Fokus unserer einjährigen Untersuchung stand die Profession Schulische Heilpädagogik. Im Rahmen unserer wiederholten teilnehmenden Beobachtungen in verschiedenen Situationen des täglichen Schulbetriebs hat sich uns deren professionelles Handeln als kontextabhängig und situativ gezeigt. Kooperation erschien als stetig wandelndes und sich anpassendes Zusammenspiel, in welchem sich Lehrpersonen, Schulassistenzen, Schulleitung und weitere Fachpersonen aufeinander bezogen. Dabei wurde deutlich, dass professionelle Rollen nicht in erster Linie Positionen im institutionellen Gefüge sind. Vielmehr erschlossen sie sich uns als sozial und interpretativ realisierte Performanzen (Laube, 2022). Wir möchten daran anschliessend Kooperation performativ, als in und über Interaktionen erfolgende, mit Sinn versehenen Darstellungen (Goffman, 1969, 1973, 1986) verstehbar machen. In diese Darstellung eingebunden sind nicht nur Professionen, sondern immer auch Schüler:innen. Unsere Daten zeigen, dass ,Kooperation‘ nicht nur zwischen Professionen vollzogen, sondern wesentlich über Schüler:innen konstituiert wird. Denn Professionen beanspruchen in vielen Situationen schulischen Alltags Deutung, indem sie Schüler:innen als zu ihnen (speziell) zugehörig markieren. In Kooperationen werden professionelle Unterschiede sozial glaubhaft gemacht – oder negiert (Sander, 2008). Wir schlagen daher in unserem Beitrag vor, Kooperation praxistheoretisch als „Doing“ (Bennewitz, 2015) zu verstehen. Auf der Basis von ethnographischen Feldprotokollen legen wir dar, wie sich dieses Doing in verschiedenen Situationen des schulischen Alltags vollzieht. Wir legen dar, wie sich darin Professionen als sich voneinander (nicht)unterscheidende Professionen hervorbringen: Etwa sprachlich, über Positionen im Raum und über das Performieren von (Nicht)Zuständigkeiten für Schüler:innen(gruppen). Rollen werden im Rahmen kooperativer Praxis situativ ausgehandelt und sichtbar gemacht, jedoch nicht als überdauernde Modi. Vielmehr wird davon immer wieder (auch explizit) Abstand genommen. In diesen Praktiken, in denen sich Akteur:innen nicht vollständig mit Rollenzuschreibungen identifizieren, sondern diese modifizieren oder unterlaufen, ohne jedoch die Interaktion zu gefährden, lassen sich Aspekte von Rollendistanz erkennen (Goffman, 1973). Hinsichtlich der Entwicklungen hin zu einer inklusionsorientierten Schule erscheint diese nicht als Zurückweisung oder Abweichung. Vielmehr lässt sie sich als Ausdrucksform eines kooperativen Handelns verstehen, in welchem mit Mehrdeutigkeiten, Spannungen und situativen Herausforderungen umgegangen wird. In unserem empirischen Material wird deutlich, dass Rollendistanz eine Bedingung darstellt, um von Differenzmarkierungen und festschreibenden Bezeichnungen Abstand zu nehmen. Literatur Bennewitz, H. (2015). „Doing School“. Akteure, Unterricht und Organisation in praxistheoretischer Perspektive. In K. Bräu & C. Schlickum (Hrsg.), Soziale Konstruktionen in Schule und Unterricht: Zu den Kategorien Leistung, Migration, Geschlecht, Behinderung, soziale Herkunft und deren Interdependenzen (S. 35–47). B. Budrich. Goffman, E. (1969). Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag (19. Auflage). Piper. Goffman, E. (1973). Interaktion: Spaß am Spiel, Rollendistanz. Piper. Goffman, E. (1986). Interaktionsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikation. Suhrkamp. Laube, S. (2022). Rolle(nspiel) und Rollendistanz. In K. Lenz & R. Hettlage (Hrsg.), Goffman-Handbuch (S. 213–217). J.B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-476-05871-3_28 Sander, K. (2008). Machtspiele im Krankenhaus: „doing gender“ oder „doing profession“? [42 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(1), Art. 4. | ||