Veranstaltungsprogramm
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Gemeinsam auf dem Weg? Betrachtung der Bildungssituation von Schüler:innen mit komplexer Behinderung und Überlegungen zur (Aus-)Bildung von Lehrpersonen
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Referat
Gemeinsam auf dem Weg? Betrachtung der Bildungssituation von Schüler:innen mit komplexer Behinderung und Überlegungen zur (Aus-)Bildung von Lehrpersonen 1Universität Fribourg, Schweiz; 2Pädagogische Hochschule Bern, Schweiz; 3Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Deutschland; , Gemeinsam auf dem Weg? Trotz aktueller inklusiver Bestrebungen stellt sich bei kritischer Betrachtung der Bildungssituation von Schüler:innen mit komplexer Behinderung in Deutschland und in der Schweiz die Frage, ob tatsächlich alle Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu einer “Schule für alle” unterwegs sind. So werden entsprechende Schüler:innen bis heute in beiden Ländern (fast) ausschliesslich in separativen Schulen unterrichtet (Bernasconi, 2024; Snozzi et al., 2023; 2024). Zudem steigt die Zahl der Lernenden in separativen Schulklassen seit Jahren sukzessive an (Lanners, 2024), wobei sich insbesondere die Anzahl an Schüler:innen mit Autismus-Spektrum-Störung und/oder herausfordernden Verhaltensweisen erhöht (Baumann et al., 2021). Das hat zur Folge, dass Schüler:innen mit komplexer Behinderung auch im separativen System zunehmend eine Randgruppe bilden. Es ist des Weiteren davon auszugehen, dass der Mangel an heilpädagogischen Fachpersonen (Ziehbrunner et al., 2019) nicht nur integrative, sondern auch separative Schulen in deutlichem Ausmass betrifft. Auf dem Weg zu einer Schule für alle, erhärtet sich die Befürchtung, dass Kinder mit komplexer Behinderung eine „neue Form der Marginalisierung“ (Fornefeld, 2016, S. 224) erfahren und „Restklassen“ (Fornefeld, 2011) Tatsache werden. Der Beitrag skizziert die aktuelle Bildungsstiuation von Schüler:innen mit komplexer Behinderung in Deutschland und in der Schweiz. Davon ausgehend werden Überlegungen für die inklusionsorientierte Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen entwickelt, welche die Lebenssituation und Bildungsansprüche von Kindern mit komplexer Behinderung berücksichtigen. Eine zentrale Rolle spielen in diesem Zusammenhang bildungstheoretische Auseinandersetzungen und Reflexionen (z.B. Schindler, 2021; Stommel, 2023), die Entwicklung einer pädagogischen Haltung und der Erwerb von Kompetenzen in Didaktik und Methodik sowie in der (interdisziplinären) Zusammenarbeit. Die Zusammenarbeit mit Fachpersonen anderer Disziplinen und mit Mitarbeitenden ohne Fachausbildung (z.B. Klassenassistent:innen, Praktikant:innen, Zivildienstleistende/Menschen im Bundesfreiwilligendienst) sowie die Zusammenarbeit mit Eltern erweisen sich im komplexen Handlungsfeld von separativen Schulen als grosse Anforderungen an die Fachpersonen (z.B. Weiß, 2024). Literatur Baumann, D., Dworschak, W., Kroschewski, M., Ratz, C., Selmayr, A. & Wagner, M. (Hrsg.). (2021). Schülerschaft mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung II (SFGE II). Bielefeld: Athena. Bernasconi, T. (2024). Schülerinnen und Schüler im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung in NRW. Aktuelle Befunde zu Veränderungen und Herausforderungen der schulischen Praxis. Zeitschrift für Heilpädagogik 75(10), 446-456. Fornefeld, B. (2011). Was geschieht mit dem 'Rest'? Anfragen an die Behindertenpolitik - Teil 1. In M. Dederich & K. Grüber (Hrsg.), Herausforderungen. Mit schwerer Behinderung leben (S. 39–53). Mabuse. Fornefeld, B. (2016). Bildung bei komplexen Beeinträchtigungen. In M. Dederich, I. Beck, G. Antor & U. Bleidick (Hrsg.), Handlexikon der Behindertenpädagogik: Schlüsselbegriffe aus Theorie und Praxis (3., erweiterte und völlig überarbeitete Aufl., S. 222–226). W. Kohlhammer. Lanners, R. (2024). Integration vor Separation im Spiegel unserer Statistik. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 30(9), 2-12. Schindler, A. (2021). Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwerer und mehrfacher Behinderung gestalten. Studie zum Bildungsverständnis des heilpädagogischen Fachpersonals. ATHENA bei wbv. https://doi.org/10.3278/6006403w Snozzi, R., Zurbriggen, C.L.A., & Müller, C.M. (2023). School transfers in special education: frequency, direction, and timing of transfers between different school settings. European Journal of Special Needs Education, 39(2), 249-264. https://doi.org/10.1080/08856257.2023.2207056 Snozzi, R., Müller, C.M., & Zurbriggen, C.L.A. (2024). School placement trajectories of students with special educational needs – A longitudinal analysis of administrative data. Journal of Research in Special Educational Needs, 25(1), 103-117. https://doi.org/10.1111/1471-3802.12714 Stommel, T. (2023). Bildung und Staunen. Eine bildungsphilosophische Perspektive im Kontext geistiger und schwerer Behinderung. transcript. Weiß, H. (2024). Zur Zusammenarbeit mit Eltern und Familien im Spannungsfeld von Anspruch und Realität. Der kritische Umgang mit großen Erwartungen in einem komplexen Handlungsfeld. Sonderpädagogische Förderung heute 69(3), 238-256. Ziehbrunner, C., Fäh, B., & Gyseler, D. (2019). Mangel an heilpädagogischen Fachpersonen. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 25(10), 16-20. | ||