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Kooperationen mit Eltern mit Fluchtmigrationsgeschichte: Postkoloniale Perspektiven und partizipative Ansätze
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Referat
Kooperationen mit Eltern mit Fluchtmigrationsgeschichte: Postkoloniale Perspektiven und partizipative Ansätze Institut Spezielle Pädagogik und Psychologie Pädagogische Hochschule FHNW; Die aktuelle Forschung zur Schnittstelle von Fluchtmigration und Behinderung reproduziert vielfach kulturalisierende sowie religiös aufgeladene Bilder von Familien, die in diesem Spannungsfeld positioniert werden (Amirpur 2016, 2020). In der Migrationsforschung finden wir eine Wissensproduktion vor, die Otheringprozesse begünstigt (Unger 2022) und häufig in einen „Migrantismus“ mündet, der Menschen entlang ethnisch-kultureller Herkünfte kategorisiert und mit vereinfachendem Rezeptwissen für den Umgang mit Migrant*innen einhergeht (Yildiz 2022). Postkolonial geprägte Machtstrukturen beeinflussen wissenschaftliche Aushandlungen im Kontext Flucht und Behinderung und bringen Menschen mit Migrationsgeschichte und Behinderung aus dem globalen Süden als “the Other of the Other” hervor (El-Lahib 2017).El-Lahib kommt in seinen Analysen zu dem Ergebnis, dass durch diese Ver-Anderungsprozesse Dominanz- und Machtansprüche der Mehrheitsgesellschaft bezweckt werden (El-Lahib 2015). Afeworki Abay zeigt im deutschsprachigen Kontext, dass Differenz in sozialen Zusammenhängen machtvoll durch Othering-Prozesse hergestellt wird. Ableistische und rassistische Wissensordnungen bilden (noch immer) einen „konstitutiven Bestandteil gesellschaftlicher Ungleichheits- und Diskriminierungsverhältnisse“(Afeworki Abay 2023). Dass sich diese Machtverhältnisse in der Lebensrealität und den Orientierungen von Eltern mit Fluchtmigrationsgeschichte und einem Kind mit Beeinträchtigung niederschlagen, konnte im Rahmen eines aktuellen Dissertationsprojekts – wenn auch nur in Einzelfällen –, in dem mit der Dokumentarische Methode mehrsprachige Interviews ausgewertet wurden, empirisch aufgezeigt werden. Der Beitrag möchte zunächst selbstkritisch die Frage stellen, wie postkoloniale Machtverhältnisse und Denkweisen in der Heilpädagogik reflektiert werden. Nach dieser Reflexion werden Methoden aus der partizipativen Forschung mit Blick auf die Anwendung in der Gestaltung von Elternkooperationen vorgestellt. Partizipative Forschung hat zum Ziel, Prozesse gemeinsam mit den Menschen zu gestalten, deren Lebenswelt und Handlungen untersucht werden sollen. Dabei sollen bestehende Machtstrukturen und Denkroutinen “gebrochen”, hinterfragt und aufgelöst werden (Bergold und Thomas 2012). Dies ist auch für die Handlungspraxis von Heilpädagog*innen unabdingbar, um Beziehungen und Kooperationen mit Eltern (mit und ohne Migrationsgeschichte) zu gestalten. In einem Projekt, das begleitend zur genannten Dissertation mit Eltern mit Fluchtgeschichte und einem Kind mit Beeinträchtigung stattgefunden hat, wurden partizipative Methoden in der Gestaltung von Workshops mit den Elternteilen eingesetzt. Diese Erfahrungen sollen im Hinblick auf ausgewählte Methoden – wie etwa Photovoice und Community Mapping –für die Handlungspraxis von Heilpädagog*innen reflektiert werden. Im Zentrum steht die Frage, ob diese Methoden vor dem Hintergrund der theoretischen Einordnung und der Ergebnisse des aktuellen Dissertationsprojekts einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung von Kooperationen mit Eltern mit Fluchtmigrationsgeschichte im heilpädagogischen Kontext leisten können – und ob sie dazu geeignet sind, bestehende Machtverhältnisse zu hinterfragen und zu reduzieren. Literatur Afeworki Abay, Robel (2023): Dekolonialisierung des Wissens. Dissertation (Gesellschaft der Unterschiede, 85). Amirpur, Donja (2016): Migrationsbedingt behindert? Familien im Hilfesystem : Eine intersektionale Perspektive. Bielefeld: transcript Verlag. Amirpur, Donja (2020): Behinderung, Migration und Flucht. In: Susanne Hartwig (Hg.): Behinderung. Kulturwissenschaftliches Handbuch. Berlin, Heidelberg: J.B. Metzler Verlag, S. 277–281 Bergold, Jan; Thomas, Stefan (2012): Participatory Reserach Methods a methodological approach in Motion. In: Forum qualitative research 13 (1). El-Lahib, Yahya (2015): Ableism, Racism and Colonialism in Canadian Immigration: Exploring constructions of people with disabilities. Dissertation. El-Lahib, Yahya (2017): Theoretical Dimensions for interrogating the intersection of disability, immigration and social work. In: International Social Work 60 (3) Unger, Hella von (2022): Diversifizierung, Reflexivität und Partizipation. Strategien gegen Ver-Anderung in der Forschung. In: Irini Siouti, Tina Spies, Elisabetz Tuider, Hella von Unger und Erol Yildiz (Hg.): Othering in der postmigrantischen Gesellschaft - Herausforderungen und Konsequenzen für die Forschungspraxis // Othering in der postmigrantischen Gesellschaft. Bielefeld: transcript (Postmigrantische Studien, Band 12), 85 – 106 Yildiz, Erol (2022): Postmigrantische Lesart. Theoretische und methodisch-methodologische Implikationen. In: Irini Siouti, Tina Spies, Elisabetz Tuider, Hella von Unger und Erol Yildiz (Hg.): Othering in der postmigrantischen Gesellschaft - Herausforderungen und Konsequenzen für die Forschungspraxis // Othering in der postmigrantischen Gesellschaft. Bielefeld: transcript (Postmigrantische Studien, Band 12), 31 - 56. | ||