Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
Digitale unterstützte Sprachanalyse in der interprofessionellen Sprachförderung
| ||
| Präsentationen | ||
Referat
Digitale unterstützte Sprachanalyse in der interprofessionellen Sprachförderung 1Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH), Schweiz; 2Departement für Sonderpädagogik, Universität Freiburg, Schweiz; 3Schule Horgen; Die Sprachförderung mehrsprachiger Kinder sowie von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen ist eine zentrale Aufgabe interprofessioneller Zusammenarbeit. Dabei müssen diagnostische Verfahren sprachliche Heterogenität, begrenzte Zeitressourcen und die Anschlussfähigkeit für die Förderplanung berücksichtigen. Die Spontansprachanalyse gilt international als „Goldstandard” der informellen Sprachdiagnostik (Ebert, 2020). Sie ermöglicht eine alltagsnahe Erfassung sprachlicher und kommunikativer Fähigkeiten und ist besonders bei sprachlich und kulturell diversen Populationen relevant (Escobedo et al., 2023; Heilmann & Miller, 2023). Im Alltag werden Spontansprachanalysen jedoch bislang wenig systematisch eingesetzt, da ihre Erhebung und Auswertung zeitaufwendig sind (Bawayan & Brown, 2022). Damit bleibt ein zentrales Potenzial ungenutzt, um Sprachkompetenzen authentisch und ressourcenschonend zu erfassen. Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten, um diese Herausforderungen zu adressieren. Der Beitrag stellt das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Digital unterstützte Spontansprachanalyse DigiSpon1” vor, das am Schnittpunkt von Logopädie, Sonderpädagogik und Computerlinguistik angesiedelt ist. Das Kooperationsprojekt der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH), der Universität Zürich, der Universität Freiburg und der PHBern zielt auf die Entwicklung einer KI-basierten Software ab, die mündliche Sprachproben automatisiert transkribiert und anhand linguistischer Kennwerte auswertet (Kempe Preti et al., 2024). Diese Analysen liefern Fachpersonen eine datenbasierte Grundlage zur Einschätzung kindlicher Sprachfähigkeiten und eröffnen neue Perspektiven für eine gemeinsame Planung und Evaluation sprachfördernder Massnahmen im Sinne einer durchgängigen Sprachbildung (Schaller et al., 2025). Für die Entwicklung eines Prototyps wurden Sprachproben von 110 vier- bis siebenjährigen ein- und mehrsprachigen Kindern erhoben und transkribiert, um damit die Software zu trainieren. Im Referat werden das Projekt vorgestellt sowie zwei Beispiele für die Anwendung des Prototyps in Forschung und Praxis vorgestellt. Am Beispiel einer Einzelfallstudie wird gezeigt, wie DigiSpon zur Beobachtung der Wortschatzentwicklung eingesetzt werden kann, indem mithilfe der automatisierten Analyse intraindividuelle Veränderungen in der Varianz und Häufigkeit verwendeter Verben in einer handlungsorientierten Intervention bei zwei Kindern im frühen Primarschulalter sichtbar gemacht werden. Eine Vergleichsstudie zum Wortschatz, die digitale Sprachanalyse verwendet, zeigt auf der Basis der im Projekt erhobenen Sprachproben, wie sich lexikalische Diversität und verbale Vielfalt zwischen den ein- und mehrsprachigen Kindern unterscheiden (Rüegg 2024). Die vorgestellten Studien veranschaulichen, wie die digitale Sprachanalyse die Forschung und Praxis der Sprachförderung und -therapie stärken kann. Zugleich werden Grenzen und zukünftige Entwicklungsschritte diskutiert. Der Beitrag lädt Forschende und Praktiker:innen ein, über neue Wege der Sprachdiagnostik nachzudenken, bei denen digitale Instrumente keine technologischen Ersatzhandlungen darstellen, sondern gemeinsame Reflexions- und Entscheidungsprozesse in der Sprachförderung und -therapie unterstützen. Literatur: Bawayan, R., & Brown, J. A. (2022). Diagnostic decisions of language complexity using informal language assessment measures. Language, Speech, and Hearing Services in Schools, 53(2), 466–478. https://doi.org/10.1044/2021_LSHSS-21-00065 Ebert, K. D. (2020). Language Sample Analysis With Bilingual Children: Translating Research to Practice. Topics in language disorders, 40(2), 182–201. https://doi.org/10.1097/TLD.0000000000000209 Escobedo, A. G., Gallagher, J. F., Potapova, I., Pham, G., & Pruitt-Lord, S. (2023). Understanding (un)grammaticality in context: Evidence from young Spanish-English bilinguals over time. Journal of Communication Disorders, 101, 2–19. https://doi.org/10.1016/j.jcomdis.2022.106281 Heilmann, J., & Miller, J. F. (2023). Systematic analysis of language transcripts solutions: A tutorial. Perspectives of the ASHA Special Interest Groups, 1–18. Kempe Preti, S., Winkes, J., Ebling, S. & Schaller, P. (2024). Aktuelle Forschungsprojekte: Digital unterstützte Spontansprachanalyse: DigiSpon 1. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 93 (2), 141–143. Rüegg, R. (2024). Der Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Wortschatz ein- und mehrsprachiger Kinder – Eine vergleichende Untersuchung “persönlicher Erzählungen”. Masterarbeit, Universität Fribourg. Schaller, P., Winkes, J., & Kempe Preti, S. (2025). Automatisch gestützte Auswertung von mündlichen Sprachproben- Potenzial für multiprofessionelle datenbasierte Entscheidungen im Schulalltag. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 31(8). | ||