Veranstaltungsprogramm
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Zusammenarbeit unter Lernenden: Lernen mit- und voneinander in Schulen mit personalisierten Lernkonzepten
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Referat
Zusammenarbeit unter Lernenden: Lernen mit- und voneinander in Schulen mit personalisierten Lernkonzepten Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Schweiz; Der Beitrag präsentiert Ergebnisse einer Studie zum Lernen mit- und voneinander auf der Sekundarstufe an Schulen mit personalisierten Lernkonzepten, entstanden im Rahmen des perLen-Projekts (Müller Bösch, 2025; Stebler et al., 2018, 2024). Im Zentrum steht die Frage, wie Schüler:innen im personalisierten, inklusiven Unterricht Lernräume des Miteinanders (mit-) gestalten – auch jenseits formal geplanter Gruppenarbeiten. Die Beobachtungen (Müller Bösch, 2025) zeigen, dass Lernende selbst in scheinbar individuellen Lernsituationen vielfältige Formen der Zusammenarbeit entwickeln: Sie tauschen Material aus, helfen einander, beobachten sich gegenseitig, lächeln oder sprechen leise miteinander. Diese Mikroprozesse des miteinander Lernens verdeutlichen, dass Lernen im inklusiven Unterricht stets auch ein soziales Geschehen ist, in dem Beziehung, Unterstützung und gemeinsames Sinnstiften entstehen. Zur Analyse dieser Prozesse im Unterrichtsgeschehens wurde ein Modell (in Anlehnung an Messner, 2019; Aebli, 2003; Lyman, 1981) mit drei zentralen Modi entwickelt und im Rahmen der Grounded-Theory-Analyse als theoretische Linse berücksichtigt: Ich, Du und Wir. Dabei zeigt sich, dass Lernende sich fortlaufend zwischen individuellen Phasen (Ich-Modus), dialogischen Austauschmomenten (Du-Modus) und kooperativen Phasen (Wir-Modus) bewegen. Diese Dynamik verdeutlicht, dass selbständiges und gemeinsames Lernen keine Gegensätze darstellen, sondern sich wechselseitig ergänzen. Individuelles Lernen wird durch soziale Interaktionen angeregt, während Kooperation auf Eigenverantwortung aufbaut. Die Ergebnisse zeigen, dass personalisierte Lernkonzepte Räume schaffen, in denen Zusammenarbeit spontan und situativ entsteht. Lernende übernehmen Verantwortung für sich und andere, initiieren Unterstützung und gestalten Lernbeziehungen aktiv. Zusammenarbeit zeigt sich dabei nicht nur als Methode, sondern als Ausdruck einer gelebten Lernkultur. Zugleich wird sichtbar, dass diese Prozesse mit Spannungsfeldern verbunden sind: zwischen Eigenverantwortung und Kooperation, Symmetrie und Asymmetrie, Nähe und Distanz. Lernende müssen fortlaufend aushandeln, wann sie helfen, Hilfe annehmen oder sich abgrenzen. Diese Aushandlungsprozesse sind Teil des Lernens selbst – sie fordern und fördern soziale, emotionale und kooperative Kompetenzen. Lehrpersonen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie gestalten die Rahmenbedingungen, moderieren Spannungsfelder und unterstützen die Entwicklung von Strategien der Selbst- und sozial geteilten Regulation (Järvelä et al.). Die Befunde regen dazu an, Lernen mit- und voneinander als zentralen Bestandteil einer inklusiven Lehr- und Lernkultur zu verstehen – einer Kultur, die Vielfalt als Chance begreift und Zusammenarbeit unter Lernenden als Schlüssel einer Schule für alle anerkennt. Literatur: Aebli, H. (2003). Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. Medien und Inhalte didaktischer Kommunikation, der Lernzyklus (12. Auflage). Klett-Cotta. Järvelä, S., Järvenoja, H., Malmberg, J., & Hadwin, A. F. (2013). Exploring Socially Shared Regulation in the Context of Collaboration. Journal of Cognitive Education and Psychology, 12(3), 267–286. https://doi.org/10.1891/1945-8959.12.3.267 Lyman, F. T. (1981). The responsive classroom discussion: The inclusion of all students. In A. S. Anderson (Ed.), Mainstreaming Digest (pp. 109–113). Aufgerufen am 2. Februar 2025 von https://archive.org/details/mdu-univarch-027524?utm_source Messner, R. (2019). «Tiefen-Didaktik» – Zur praktischen Wende der Lehr-Lernforschung. In R. Messner & U. Steffens (Hrsg.), Unterrichtsqualität. Konzepte und Bilanzen gelingenden Lehrens und Lernens. Grundlagen der Qualität von Schule 3 (S. 29–56). Waxmann. Müller Bösch, C. (2025). Lernen mit- und voneinander in Schulen mit personalisierten Lernkonzepten. Eine Untersuchung der Lehr-Lern-Kultur in heterogenen Lerngruppen an Sekundarschulen (Unveröffentlichte Dissertation). Universität Fribourg, Schweiz. Stebler, R., Pauli, C., & Reusser, K. (2018). Personalisiertes Lernen. Zur Analyse eines Bildungsschlagwortes und erste Ergebnisse aus der perLen-Studie. Zeitschrift für Pädagogik, 64(2), 159–178. https://doi.org/10.25656/01:21816 Stebler, R., Pauli, C., & Reusser, K. (2024). Personalisiertes Lernen in Schulen der Deutschschweiz. Ergebnisse der perLen-Studie. In G. Brägger & H.-G. Rolff (Hrsg.), Handbuch Lernen mit digitalen Medien (S. 1099–1125). Beltz. | ||