Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Selbstwert und Persönlichkeit
Zeit:
Samstag, 12.11.2022:
9:00 - 10:30

Chair der Sitzung: Elisabeth Bögl, PH Salzburg / ÖZBF, Österreich
Ort: Hörsaal CUG.19b

CUG.19b 73 TN

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Präsentationen
9:00 - 9:30

Zweifelhafte Selbstzweifel: das Imposter-Phänomen bei Hochbegabten

Stiller, Anne-Kathrin; Evers, Wiebke

Karg-Stiftung, Deutschland

Unter dem Imposter-Phänomen leiden Personen, die trotz objektiver und oft überdurchschnittlicher Erfolge stark an sich und ihren Leistungen zweifeln und sich als Hochstapler:innen fühlen (z.B. Kolligian & Sternberg, 1991). Sie fürchten Misserfolge, empfinden Erfolge jedoch als unverdient (Bravata et al., 2020). Auch Hochbegabte sind von diesen Gefühlen betroffen. Hohe Erwartungen von außen üben gepaart mit hohen eigenen Ansprüchen starken Leistungsdruck aus. Anhand der Literatur zum Thema geben wir einen Überblick über das Imposter-Phänomen in Bezug auf die Gruppe der hochbegabten Kinder und Jugendlichen. Es wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren mit Imposter-Gefühlen verbunden sind. Beleuchtet werden sowohl kontextuelle (z.B. Erwartungen seitens Familie und Schule) als auch persönliche Faktoren (u.a. Neigung zum sozialen Vergleich, Perfektionismus, Attributionsmuster und Mind-Set; (u.a. Caselman, Self & Self, 2006; Lane, 2015; Pannhausen, Klug & Rohrmann, 2020). Darüber hinaus werden Einflussfaktoren wie die Knüpfung des Selbstwertgefühls an Leistungen und das Begabungsverständnis (z.B. implizite Theorien von Intelligenz; z.B. Snyder, Malin, Dent & Linnenbrink-Garcia, 2014) diskutiert. Ein besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang auf die in der Begabtenförderung unterrepräsentierten Gruppen gerichtet (z.B. Frauen in einem von Männern dominierten Berufszweig oder Student:innen, die als erste Abiturient:innen der Familie studieren) (z.B. Pulliam & Gonzales, 2018). Aufgrund ihrer Angehörigkeit zu einer Minorität innerhalb der Minorität der Hochbegabten haben sie ein erhöhtes Risiko, an ihrer Zugehörigkeit zu zweifeln. Sie sehen sich häufig mit einander widersprechenden Peer-Group-Kulturen und Stereotypen (stereotype threat) konfrontiert (Cochran, 2018). Praktische Implikationen für die Prävention und Verringerung von Imposter-Gefühlen bei hochbegabten Kindern und Jugendlichen werden insbesondere mit Blick auf Lehrpersonen und Beratende diskutiert.



9:30 - 10:00

Wenn kluge Köpfe nicht gern "leisten": Prävention von Underachievement im Rahmen der Begabungs- und Leistungsförderung

Saring, Barbara

ConfidentMinds, München

Hohe Begabungen zeigen sich – erwartungswidrig – oft nicht in entsprechend guten schulischen Leistungen. Was wissen wir heute über die Faktoren, die in Schule und Familie die Entstehung eines „Underachievements“ begünstigen können? Kennen wir umgekehrt die Gelingensbedingungen für die Transformation von hohem Potenzial in ganz praktischen Schulerfolg? Der Entwicklung einer günstig ausgeprägten Leistungsmotivation wird dabei in den meisten Erklärungsmodellen eine zentrale Rolle zugesprochen. Schwache Leistungsmotivation ist in Situationen des Underachievements zugleich mögliche Ursache und beobachtbares Symptom.

Ausgehend von Del Siegles Modell der Leistungsorientierung (Achievement Orientation Model) werden im Vortrag grundlegende theoretische Zusammenhänge sichtbar gemacht und wesentliche Handlungsfelder aufgezeigt. Aus der Perspektive langjähriger Beratungspraxis nehmen wir konkrete Methoden in den Blick, die dazu beitragen können, einer möglichen schulischen Minderleistung vorzubauen und die Leistungsmotivation besonders begabter Schüler_innen zu wecken und zu fördern.



10:00 - 10:30

Alles eine Frage der Passung? Minoritätenstress bei Hochbegabten

Baudson, Tanja Gabriele1,2,3

1Vinzenz Pallotti University, Deutschland; 2Institute for Globally Distributed Open Research and Education (IGDORE); 3Mensa in Deutschland e.V.

Passung zwischen persönlichen Voraussetzungen und Unterstützungsmöglichkeiten der Umwelt ist der Entwicklung zuträglich – sowohl in Bezug auf Leistung als auch in Bezug auf sozio-emotionales Wohlbefinden. Diese Idee thematisieren diverse theoretische Ansätze. Umgekehrt begünstigen Passungsprobleme Stress, was die Entfaltung von Potenzialen behindern kann. Hiervon sind v.a. stigmatisierte Minderheiten betroffen (z. B. Fryberg, 2013). Das Minoritätenstressmodell (Meyer, 2003) postuliert, dass diese mit zwei zusätzlichen Arten von Stressoren konfrontiert sind: distalen (z. B. Diskriminierung) und proximalen Stressoren (z. B. die Internalisierung von Vorurteilen). Eine wichtige Coping-Ressource ist der positive Kontakt zu anderen Mitgliedern der Minderheit (Cass, 1979, 1984; Meyer, 2003).

Hochbegabte sind eher eine ambivalente als eine klar stigmatisierte Gruppe: Sie gelten einerseits als leistungsstark, andererseits als sozial schwierig und psychisch anfällig (Baudson, 2016; Baudson & Preckel, 2013, 2016; Fries et al., submitted; Pollet & Schnell, 2017). Dass das Geschenk der hohen Begabung durchaus nicht unproblematisch ist, zeigen beispielsweise Befunde zum „stigma of giftedness“ (Coleman & Cross, 1988) sowie zu sozioemotionalen Herausforderungen Hochbegabter (z. B. Neihart, 1999; Neihart et al., 2015; Rinn, 2020).

Diese Studie reanalysiert die knapp 750 Mensa-Mitglieder aus der Stichprobe von Baudson und Ziemes (2016) vor dem Hintergrund des Minoritätenstressmodells. Hierbei werden die Rolle multipler Belastungen (z. B. 2e) und die Bedeutung von Kontakt mit anderen Hochbegabten für das psychosoziale Wohlbefinden und die Einstellung zur eigenen Begabung untersucht. Die Studie unterstreicht ferner die Bedeutung von Hochbegabtenvereinen als unterbeforschtem (und möglicherweise unterschätztem) entwicklungsförderlichem Kontext für hochbegabte Erwachsene, v.a., wenn diese als „Spätdiagnostizierte“ von Fördermaßnahmen in Schule und Studium nicht profitieren konnten.



 
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