Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2f: Symposium: Lagzeitstudie Selbstwert und Leistungsbereitschaft
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Prädiktoren der Entwicklung von Selbstwert und Leistungsbereitschaft im Jugend- und Erwachsenenalter: Herausforderungen und Befunde einer über Jahrzehnte laufenden Langzeitstudie Die seit nahezu fünf Jahrzehnten laufende Langzeitstudie LifE ermöglicht es, individuelle Entwicklungsverläufe von Selbstwert und Leistungsbereitschaft über die Lebensspanne hinweg nachzuzeichnen. Mit insgesamt acht Messzeitpunkten bietet sie eine seltene empirische Grundlage zur Untersuchung langfristiger Stabilität und Veränderung motivationaler und selbstwertbezogener Merkmale. Das Symposium bündelt drei Beiträge, die auf Basis der LifE-Daten schulische, soziale und individuelle Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Selbstwert und Leistungsbereitschaft im Jugendalter sowie deren Stabilität im Erwachsenenalter untersuchen. Außerdem werden zentrale methodische Herausforderungen einer seit 47 Jahren laufenden Längsschnittstudie im Kontext gesellschaftlicher, globaler und digitaler Veränderungen diskutiert. Das Symposium trägt damit sowohl inhaltlich zum Verständnis langfristiger Entwicklungsprozesse als auch methodisch zur Diskussion von zentralen Herausforderungen und Lösungsansätzen sowie zur Datenqualität in langjährigen Panelstudien bei. Im ersten Beitrag wird die Längsschnittstudie LifE vorgestellt, die seit 1979 Lebensverläufe und Generationenbeziehungen untersucht. Die Stichprobe wurde zu fünf Messzeitpunkten im Jugendalter sowie im Alter von 35, 45 und zuletzt 2024 mit 57 Jahren befragt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Herausforderungen der wiederholten Kontaktaufnahme über mehrere Jahrzehnte hinweg sowie auf Strategien zur Steigerung der Rücklaufquoten unter veränderten Kommunikationsbedingungen (Berger, Grob, Fend, Lauterbach 2005). Im Rahmen des zweiten Beitrags wird vor dem Hintergrund sozialer, körperlicher und kognitiver Veränderungen während der Pubertät untersucht, welche schulischen, sozialen und individuellen Ressourcen oder Stressoren die Entwicklung eines positiven Selbstwerts im Jugendalter beeinflussen. Außerdem wird aufgrund bisheriger Forschungserkenntnisse (Steiger et al., 2014) die geschlechtsspezifische Entwicklung des Selbstwerts analysiert und geprüft, inwiefern sich Prädiktoren zwischen Mädchen und Jungen unterscheiden. Der dritte Beitrag befasst sich mit der Entwicklung von Leistungsbereitschaft zwischen dem zwölften und sechzehnten Lebensjahr sowie mit ihrer langfristigen Stabilität im frühen, mittleren und späten Erwachsenenalter. Ausgehend von theoretischen Annahmen (Heckhausen, 1980) wird analysiert, welchen Einfluss kompetenz-, autonomie- und verbundenheitsbezogene Prädiktoren sowie Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugungen auf individuelle Veränderungsverläufe der Leistungsbereitschaft haben. Beiträge des Symposiums Lösungsansätze zu methodischen Herausforderungen bei der Steigerung des Rücklaufs in Langzeitstudien am Beispiel der LifE-Studie vor dem Hintergrund glokaler Entwicklungen Längsschnittlich angelegte Panelstudien sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Forschungslandschaft (vgl. Schupp 2022). Im Rahmen von Panelstudien werden Antworten von den gleichen Personen auf die gleichen Fragen zu verschiedenen Erhebungszeitpunkten gewonnen, die dann zueinander in Beziehung gesetzt werden. So lassen sich Veränderungen und Kontinuitäten im Zeitverlauf erkennen. Mit diesen wertvollen Erkenntnissen sind untrennbar Herausforderungen verbunden, die sich einerseits aus dem Studiendesign selbst aber auch aus dem gesellschaftlichen Wandel in Zusammenhang mit Globalisierung und Digitalisierung ergeben. Generell sehen sich Durchführende von Längsschnittstudien mit einer sinkenden Beteiligung im Laufe der Zeit, einer selektiven Ausfallquote und zunehmenden Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme mit den Teilnehmenden konfrontiert (vgl. Berger, Grob, Fend, Lauterbach 2005). Dazu kommen gesellschaftliche Veränderungen wie konkurrierende Zeitanforderungen, strengere Datenschutzbestimmungen und Kommunikationspraktiken, die sich aufgrund des Fortschritts in Technik und sozialen Medien wandeln. Die LifE-Studie ist die am längsten laufende prospektive Längsschnittstudie zu Lebensverläufen und generationenübergreifenden Beziehungen im deutschsprachigen Raum. Rund 1.300 Personen haben seit 1979 an acht Erhebungswellen teilgenommen, die erste im Alter von etwa 12 Jahren und die letzte im Jahr 2024 im Alter von etwa 57 Jahren. Bei den Befragungen der Teilnehmenden im Erwachsenenalter 2002, 2012 und 2024 wurden in der LifE-Studie mit 82 bis 85 Prozent sehr hohe Rücklaufquoten erzielt. Allerdings lag der Rücklauf 2024 14 und 25 Tage nach Befragungsstart mit 35 gegenüber 41 Prozent und 54 gegenüber 58 Prozent jeweils unter dem von 2012. In dem Beitrag wird dargelegt, welche Strategien angewendet wurden, um den Rücklauf 2024 vor dem Hintergrund der genannten Herausforderungen doch noch auf das Niveau der Vorgängerbefragungen zu bringen. Von zentraler Bedeutung war dabei das adaptive Vorgehen während der Nachfassaktion. Dies betraf vor allem die veränderten Kommunikationspraktiken, die sich u.a. darin zeigten, dass quasi flächendeckend Mobiltelefone verwendet, die Nummern aber nicht veröffentlicht werden; auch Festnetzanschlüsse sind immer seltener zu finden. Gleichzeit sind viele Informationen im Internet veröffentlicht. Aus diesem Grund wurde die schon vor der Befragung durchgeführte Recherche via AdressResearch, dem Recherchedienst der Deutschen Post AG, durch eine fortlaufende Internetrecherchen erfolgreich unterstützt. Zahlreiche Teilnehmende, zu denen keine gültige Telefonnummer und Postadresse mehr vorlagen, konnten so doch kontaktiert werden. Indem diese und weitere Strategien in den Kontext der breiteren Literatur zur Lebensverlaufsforschung gestellt werden, soll der Beitrag zu den laufenden methodischen Diskussionen über die Teilnehmerbindung und Datenqualität in langjährigen Panelstudien beitragen. Bibliografie
Schupp, Jürgen (2022). Quantitative Paneldaten. In Baur, Nina; Blasius, Jörg (Hrsg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, S. 1247-1263. Wiesbaden: Springer VS. Berger, Fred; Grob, Urs; Fend, Helmut; Lauterbach, Wolfgang (2005). Möglichkeiten zur Optimierung der Rücklaufquote in postalischen Befragungen. Bericht über die Vorstudie zum Forschungsprojekt LifE. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation. 25(1): 99-107. Soziale, schulische und individuelle Prädiktoren der Selbstwertentwicklung im Jugendalter Der Selbstwert einer Person spielt eine entscheidende Rolle für verschiedene Lebensbereiche wie soziale und romantische Beziehungen, den Bildungsbereich, den Arbeitskontext, Kriminalität/Delinquenz und den Gesundheitsbereich, einschließlich der Entwicklung von Depression. (Orth & Robins, 2018). Angesichts der Bedeutung der Selbstwertentwicklung im Jugendalter für die psychische Gesundheit und soziale Integration im Erwachsenenalter (Steiger et al., 2014), ist es wichtig, die schulischen, familiären und sozialen Erfahrungen zu untersuchen, die die Entwicklung eines positiven Selbstbildes in der Adoleszenz beeinflussen. Körperliche Veränderungen in der Pubertät sowie Veränderungen im Bildungsbereich und Beziehungen zu Gleichaltrigen können im Jugendalter zu individuellen Unterschieden im Selbstwert beitragen. Zudem zeigen sich im Laufe des Jugendalters Geschlechtsunterschiede im Selbstwertniveau (Steiger et al., 2014). Allerdings ist noch ein besseres Verständnis der Faktoren erforderlich, die die Selbstwertentwicklung im Laufe des Jugendalters beeinflussen. In diesem Beitrag wird untersucht, wie sich der Selbstwert im Laufe des Jugendalters von 12 bis 16 Jahren entwickelt und welche unterstützenden oder belastenden Faktoren zu Beginn des Jugendalters, wie die Einschätzung der schulischen Begabung, des eigenen Aussehens und der Akzeptanz von Gleichaltrigen sowie die Beziehung zu den Eltern, sich auf das Selbstwertniveau und die Selbstwertveränderung im Laufe des Jugendalters auswirken. Hierfür werden die Daten der Langzeitstudie LifE verwendet, in der zwischen 1979 und 1983 jährlich rund 2000 Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren und zu drei weiteren Messzeitpunkten im Erwachsenenalter befragt wurden. Mithilfe von latenten Wachstumskurvenmodellen werden in einem ersten Schritt Niveau und Veränderung des Selbstwerts im Jugendalter geschätzt, in einem zweiten Schritt Einflüsse von sozialen, schulischen und individuellen Prädiktoren zu Beginn des Jugendalters auf die Selbstwertentwicklung im Laufe des Jugendalters betrachtet und in einem dritten Schritt geschlechtsspezifische Einflüsse auf Prädiktoren des Selbstwerts untersucht. Erste Analysen zeigen, dass der Selbstwert sich im Jugendalter positiv entwickelt und Jungen im gesamten Verlauf des Jugendalters einen höheren Selbstwert berichten als Mädchen. Außerdem beeinflussen unterschiedliche Muster von Eltern-Kind-Beziehungen die Entwicklung des Selbstwerts im Jugendalter. Es wird erwartet, dass auch Beziehungen zu Gleichaltrigen, das eigene Körperbild und Einschätzungen der eigenen Begabung im Schulkontext den Selbstwert im Jugendalter beeinflussen (Birkeland et al., 2012). Die Ergebnisse der Untersuchung tragen dazu bei, entscheidende Faktoren in der Formung des Selbstwerts zu erkennen, die als Grundlage für Interventionen zur Stärkung des Selbstwerts in der Adoleszenz dienen können. Dies ist vor dem Hintergrund der Bedeutung des Selbstwerts für verschiedenste Lebensbereiche von großer Relevanz. Bibliografie
Birkeland, M. S., Melkevik, O., Holsen, I., & Wold, B. (2012). Trajectories of global self-esteem development during adolescence. Journal of Adolescence, 35(1), 43–54. https://doi.org/10.1016/j.adolescence.2011.06.006 Orth, U., & Robins, R. (2018). Development of Self-Esteem Across the Lifespan. In D. P. McAdams, R. L. Shiner, & J. L. Tackett (Hrsg.), Handbook of Personality Development (S. 328–344). NY: Guilford Press. Steiger, A. E., Allemand, M., Robins, R. W., & Fend, H. A. (2014). Low and decreasing self-esteem during adolescence predict adult depression two decades later. Journal of Personality and Social Psychology, 106(2), 325–338. https://doi.org/10.1037/a0035133 Entwicklung und Stabilität von Leistungsbereitschaft vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter Gesellschaftliche, technologische und arbeitsweltliche Transformationsprozesse wie Digitalisierung und flexibilisierte Erwerbsverläufe stellen veränderte Anforderungen an Bildungs- und Entwicklungsverläufe. Diese globalen Entwicklungen wirken auf lokale schulische Bildungskontexte zurück und erfordern, dass Lern- und Entwicklungsprozesse über die Lebensspanne tragfähig gestaltet werden. Motivationale Prozesse sind dabei zentral, da sie lernbezogenes Verhalten, schulische Leistungen und langfristige Entwicklungsverläufe beeinflussen. Die in der Schule entwickelte Leistungsbereitschaft, von der angenommen wird, dass sie langfristig wirksam bleibt, beeinflusst nicht nur das Aufgreifen von Lern- und Leistungsanforderungen, sondern auch die Intensität, Ausdauer und Zielgerichtetheit der Auseinandersetzung mit (sich wandelnden) Anforderungen (Schunk et al., 2014). Gleichzeitig weisen Längsschnitt- und Metaanalysen auf eine Abnahme intrinsischer Motivation und fähigkeitsbezogener Selbstkonzepte im Verlauf der Schulzeit hin (z.B. Scherrer & Preckel, 2019). Vor diesem Hintergrund soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Leistungsbereitschaft über die Schulzeit entwickelt, welche Faktoren einem Rückgang entgegenwirken und wie stabil leistungsbezogene motivationale Orientierung über die Lebensspanne hinweg bleibt. Ausgehend von motivationspsychologischen Ansätzen, die Motivation als Zusammenspiel personaler Dispositionen und situativer Anforderungen verstehen (Heckhausen, 1980), wird schulische Leistungsbereitschaft als relativ stabile, sozial geformte Orientierung betrachtet. Bildungstheoretisch stützt sich diese Perspektive auf Klafkis Verständnis von Leistungsfähigkeit und -bereitschaft als gesellschaftlich vermitteltes Phänomen. Die Selbstbestimmungstheorie knüpft hier an, indem sie die Internalisierung von Leistungsanforderungen über die Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit erklärt. Bandura betont die Bedeutung von Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugungen für die Aufrechterhaltung von Motivation. Zur Prüfung dieser Annahmen werden Längsschnittdaten der LifE-Studie herangezogen, bei der ausgehend von 1979 Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren jährlich und erneut im frühen, mittleren und späten Erwachsenenalter befragt wurden. Entwicklungsverläufe über die Schulzeit werden mittels latenter Wachstumskurvenmodelle analysiert, wobei Kontextfaktoren theoriegeleitet nach der Selbstbestimmungstheorie sowie den Erfolgserwartungen nach Bandura als Prädiktoren der individuellen Veränderungsraten modelliert werden. Die langfristige Stabilität der Leistungsbereitschaft wird durch die Verknüpfung der Erhebungen im Jugend- und Erwachsenenalter mittels autoregressiver Strukturgleichungsmodelle untersucht. Erste Analysen zeigen in Übereinstimmung mit bisherigen Befunden, dass die Leistungsmotivation im Jugendalter sinkt. Jugendliche mit hoher emotionaler Verbundenheit zu den Eltern weisen höhere Ausgangswerte und flachere Abnahmeverläufe als Jugendliche mit geringerer Verbundenheit auf. Darüber hinaus wird erwartet, dass autonomieunterstützende Lernumwelten, hohe Selbstwirksamkeitserwartungen und Kontrollüberzeugungen sowie die Beziehungsqualität der Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung und der Peerbeziehungen einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Leistungsbereitschaft haben. Die Ergebnisse sollen insgesamt dazu beitragen, die Entwicklung schulischer Leistungsbereitschaft und die sie beeinflussenden motivationalen und kontextuellen Bedingungen besser zu verstehen sowie ihre Bedeutung für längerfristige Bildungs- und Entwicklungsverläufe empirisch einzuordnen. Bibliografie
Heckhausen, H. (1980). Motivation und Handeln. Heidelberg: Springer. Scherrer, V., & Preckel, F. (2019). Development of motivational variables and self-esteem during the school career: A meta-analysis of longitudinal studies. Educational Psychology Review, 89(2), 211–258. https://doi.org/10.3102/0034654318819127 Schunk, D. H., Pintrich, P. R., & Meece, J. L. (2014). Motivation in education: Theory, research, and applications (6th ed.). Pearson. | ||
