Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2e: Einzelbeiträge: Quereinsteigerinnen
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Klassenführung von Quereinsteiger:innen in der österreichischen Sekundarstufe: Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kontext glokaler Bildungsherausforderungen JKU Linz, Österreich Der anhaltende Lehrkräftemangel stellt das österreichische Bildungssystem vor erhebliche Herausforderungen und hat in den letzten Jahren zu einer verstärkten Rekrutierung von Quer- und Seiteneinsteiger:innen geführt. Diese Entwicklung ist Ausdruck global wirksamer Strukturprobleme, die sich in lokal sehr unterschiedlichen schulischen Kontexten konkretisieren. Vor dem Hintergrund des Konzepts der Glokalisierung wird deutlich, dass Professionalisierungsanforderungen an Lehrkräfte zunehmend im Spannungsfeld globaler Rahmenbedingungen und lokaler Handlungsspielräume zu verorten sind. Quereinsteiger:innen bringen häufig umfangreiche berufliche Vorerfahrungen mit, stehen jedoch zugleich vor spezifischen professionsbezogenen Entwicklungsaufgaben, insbesondere im Bereich der anerkennenden Klassenführung, der Rollenfindung und der adressat:innenbezogenen Vermittlung (Keller-Schneider, 2020). Klassenführung gilt dabei als zentrale Dimension von Unterrichtsqualität und als wesentlicher Faktor für Lernklima, Motivation und Leistungsentwicklung von Schüler:innen (Klieme, 2022). Der Beitrag untersucht die Qualität der Klassenführung von Quereinsteiger:innen an österreichischen Schulen der Sekundarstufe und vergleicht deren Selbsteinschätzung mit der Fremdwahrnehmung durch ihre Schüler:innen. Theoretisch basiert die Studie auf dem Linzer Konzept der Klassenführung (LKK), das Klassenführung als Zusammenspiel der Dimensionen Beziehungsförderung, Kontrolle und Unterrichtsgestaltung konzeptualisiert (Lenske & Mayr, 2015). Empirisch knüpft der Beitrag an bestehende Befunde zur Klassenführung von Lehramtsstudierenden in herausfordernden Unterrichtskontexten an, erweitert diese jedoch um eine bislang vergleichsweise wenig untersuchte Akteursgruppe. Die Datengrundlage bildet eine Vollerhebung von Quereinsteiger:innen im Rahmen eines berufsbegleitenden Qualifizierungsprogramms sowie die zugehörigen Schüler:inneneinschätzungen, erhoben mit dem Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK). Zur Analyse der Selbst- und Fremdwahrnehmung werden sowohl manifeste Mittelwertvergleiche als auch latente Strukturgleichungsmodelle mit Messinvarianzprüfungen im Mehrebenendesign eingesetzt. Erste Analysen legen nahe, dass Quereinsteiger:innen ihre Klassenführung insgesamt positiv einschätzen und in weiten Teilen innerhalb der empirisch definierten Bandbreite erfolgreicher Lehrpersonen liegen (Lenske & Mayr, 2015). Gleichzeitig deuten sich insbesondere in der Dimension Beziehungsförderung systematische Abweichungen zwischen Selbst- und Schüler:innensicht an. Diese Befunde werden im Hinblick auf professionsbiografische Besonderheiten von Quereinsteiger:innen sowie auf glokale Spannungsverhältnisse zwischen globalen Anforderungen an Schule und lokal wirksamen pädagogischen Interaktionen diskutiert. Zwischen QMS-Anspruch und Schulrealität: Quereinsteiger:innen als hybride Akteur:innen professioneller Lerngemeinschaften Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich Der anhaltende Lehrkräftemangel wird bildungspolitisch zunehmend mit global diskutierten Rekrutierungsstrategien wie dem Einsatz von Quereinsteiger:innen adressiert, deren Umsetzung sich jedoch in lokalen schulischen Kontexten unterschiedlich ausgestaltet. Mit der flächendeckenden Einführung des Qualitätsmanagements für Schulen (QMS) im Schuljahr 2021 ist professionelle Zusammenarbeit an österreichischen Schulen normativ klar gerahmt. Im Qualitätsbereich 3.4 wird Schule als professionelle Lerngemeinschaft (PLG) konzipiert, in der Kooperation, kollegiales Feedback und gemeinsame Unterrichtsentwicklung systematisch und datenbasiert erfolgen sollen (BMBWF, 2021). Während diese Anforderungen organisationsseitig verbindlich formuliert sind, ist bislang wenig darüber bekannt, wie sie von spezifischen Akteursgruppen im Schulalltag gedeutet und umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund rücken Quereinsteiger:innen als spezifische Akteursgruppe in den Fokus. Sie agieren in einem Spannungsfeld, in dem global verhandelte Lösungen für den Lehrkräftemangel auf lokale Schul- und Kollegiumskulturen treffen. Sie bringen aufgrund ihrer nicht-traditionellen Ausbildungswege besondere Erfahrungen und Perspektiven ein, bewegen sich aber zugleich in institutionell vorgegebenen Erwartungsstrukturen (Dadvand et al., 2024). Quereinsteiger:innen können damit als hybride Akteur:innen verstanden werden, die zwischen QMS-bezogenen Normsetzungen und schulischer Praxis vermitteln und professionelle Zusammenarbeit mitgestalten. Der Beitrag untersucht, wie Quereinsteiger:innen an Tiroler Sekundarstufenschulen professionelles Zusammenarbeiten im Rahmen von QMS wahrnehmen und im Schulalltag deuten. Im Fokus stehen dabei Formen formeller und informeller Kooperation, die erlebten strukturellen Bedingungen für professionelle Lerngemeinschaften sowie die selbst zugeschriebene Rolle vor dem Hintergrund ihrer Berufsbiografie. Grundlage sind schriftliche, reflexive Portfolios (N = 30), die im Rahmen eines verpflichtenden berufsbegleitenden Hochschullehrgangs entstanden sind. Die Texte thematisieren Erfahrungen mit Zusammenarbeit, wahrgenommenen PLG-Elementen, strukturellen Rahmenbedingungen sowie der eigenen Positionierung im Kollegium und wurden mittels induktiver, theorieentwickelnder Analyse in Anlehnung an die Gioia-Methodologie ausgewertet (Gioia et al., 2013). Die Ergebnisse zeigen, dass Quereinsteiger:innen professionelle Lerngemeinschaften vor allem als allgemeinen Orientierungsrahmen wahrnehmen, dessen Umsetzung im Alltag jedoch stark von lokalen Strukturen, Teamkulturen und der Schulleitung abhängt. Zugleich bringen sie einen Blick von außen in bestehende Teams ein, erkennen Routinen, blinde Flecken und Kooperationslücken und nutzen vor allem niedrigschwellige, informelle Situationen wie Materialtausch oder kurze Gespräche als Andockstellen, über die sie Zugehörigkeit aufbauen. Auf dieser Grundlage entwickelt der Beitrag ein Prozessmodell, in dem Quereinsteiger:innen zwischen vorsichtiger Anpassung und aktiver Mitgestaltung pendeln: Sie stabilisieren den Alltag, indem sie strukturelle Lücken schließen (reparative Agency), und speisen ihren Außenblick als Ressource in die schulische Zusammenarbeit ein (transformative Agency). So nehmen Quereinsteiger:innen eine besondere Position im organisationalen Gefüge der Schule ein, aus der heraus sie zwischen QMS-Ansprüchen und lokaler Schulpraxis vermitteln und zur Weiterentwicklung professioneller Lerngemeinschaften beitragen können. Validität und Akzeptanz des TESAT-SC: Ergebnisse aus zwei Kohorten von Quereinsteiger:innen Universität Graz, Österreich Angesichts globaler Dynamiken und heterogener Lernvoraussetzungen sind faire, evidenzbasierte Instrumente zur Erhebung der Lehrer:inneneignung notwendig. Im Rahmen der zweiten Stufe eines dreistufigen Zertifizierungsprozesses absolvieren Bewerber:innen für den Quereinstieg in die Sekundarstufe Allgemeinbildung das Online‑Assessment Teacher Student Assessment Austria-Second Career (TESAT‑SC; Weissenbacher et al., in press). Dieses erfasst persönlichkeits‑ und einstellungsbezogene Merkmale, die für den Lehrer:innenberuf relevant sind: Emotionsregulation, Gesundheits‑ und Erholungsverhalten, die Big Five der Persönlichkeit, Offenheit für Vielfalt sowie Wertschätzung von Kreativität. Ziel der vorliegenden Längsschnittstudie ist es, (1) die soziale Validität – Akzeptanz und wahrgenommene Berufsrelevanz – und (2) die prädiktive Validität (Zusammenhänge mit selbsteingeschätztem Berufserfolg, Wohlbefinden und Klassenführung) zu prüfen. Daten wurden in zwei Kohorten über mehrere Messzeitpunkte erhoben. Zu t0 absolvierten die Kandidat:innen das 90‑minütige, beaufsichtigte Online‑Assessment TESAT-SC. Online‑Nacherhebungen nach den ersten Schulwochen (t1) bzw. am Ende des ersten Schuljahres (t2) erzielten Rücklaufquoten von etwa 45–50 %. Für die Analysen zur sozialen Validität wurden alle Teilnehmenden der Kohorte 1 (N = 825) zum Zeitpunkt t1 berücksichtigt. Zur Analyse der prädiktiven Validität wurden jene Teilnehmenden berücksichtigt, die zum Zeitpunkt t2 als Lehrkräfte beschäftigt waren: N = 354 (Kohorte 1) und N = 427 (Kohorte 2). Die Ergebnisse zeigen eine hohe soziale Validität: die Bewerber:innen sind mit den Inhalten und der technischen Durchführung zufrieden und bewerten die Passung zu beruflichen Anforderungen als hoch. Dabei unterschieden sich die einzelnen Subskalen nur gering: Emotionsregulation und Big Five wurden als am relevantesten eingeschätzt; Gesundheits‑ und Erholungsverhalten war am wenigsten – aber dennoch überdurchschnittlich – akzeptiert. Fast alle erfassten Merkmale sagten den selbsteingeschätzten Berufserfolg signifikant voraus, wenngleich die Effekte überwiegend klein bis moderat waren. Der Zusammenhang zwischen dem TESAT‑SC‑Gesamtergebnis und dem selbsteingeschätzten Berufserfolg betrug r = 0.28 (Kohorte 1) bzw. r = 0.23 (Kohorte 2). Dabei zeigten Big Five‑Merkmale – insbesondere Gewissenhaftigkeit und Extraversion – die stärksten Zusammenhänge. Trotz geringerer Akzeptanz war auch Gesundheitsverhalten mit zwei der Erfolgskriterien assoziiert, was verdeutlicht, dass soziale und diagnostische Validität nicht zwingend übereinstimmen. Offenheit für Vielfalt und Wertschätzung von Kreativität zeigten begrenzte Vorhersagekraft – möglicherweise aufgrund Transparenz und sozialer Erwünschtheit –, sodass alternative Formate oder angepasste Gewichtungen sinnvoll sein könnten. Insgesamt wird das TESAT‑SC gut angenommen, gleichwohl weiteres Optimierungspotenzial hinsichtlich der prädiktiven Validität besteht. Das TESAT‑SC bietet eine praxisnahe, evidenzbasierte Entscheidungshilfe und professionalisiert Auswahlverfahren durch standardisierte Erhebungen nicht‑kognitiver Merkmale; damit unterstützt es systemisch tragfähige Personalentscheidungen in einer beschleunigt glokalisierten Bildungswelt mit heterogenen Lerngruppen. | ||
