Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2d: Forschungswerkstatt: Mathematik
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Die Rolle der Raumvorstellung beim Aufbau mentaler Repräsentationen für die Zahlenverarbeitung und das Rechnen Karl-Franzens Universität Graz, Österreich In zahlreichen Studien wurde bereits ein kausaler Zusammenhang zwischen Raumvorstellung und arithmetischen Kompetenzen nachgewiesen. Einerseits spiegelt sich diese Beziehung in der Repräsentation von Zahlen entlang eines mentalen Zahlenstrahls wider, der in westlichen Kulturen von links nach rechts verläuft. Das Konzept des mentalen Zahlenstrahls wird sowohl durch den SNARC-Effekt gestützt, bei dem kleinere Zahlen mit der linken und größere mit der rechten Seite des Raums assoziiert werden, als auch durch den Distanzeffekt, der schnellere Urteile bei größeren Zahlenunterschieden zeigt. Andererseits werden diese räumlich-numerischen Assoziationen auch durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse betont, welche die zentrale Rolle des intraparietalen Sulcus für die numerische Kognition hervorheben, da dieser eng mit räumlichen Prozessen verknüpft ist. Darüber hinaus spielt das Arbeitsgedächtnis, insbesondere der visuell-räumliche Anteil, eine entscheidende Rolle für Rechenleistungen und stellt damit einen weiteren indirekten Zusammenhang zwischen Raumvorstellung und mathematischen Kompetenzen her. Doch wie stark beeinflusst die Raumvorstellung tatsächlich die mathematische Kompetenzentwicklung im Grundschulalter? Um diese Frage systematisch zu beantworten, wird im Rahmen einer Dissertation eine umfassende längsschnittliche Interventionsstudie mit ca. 400 Schüler:innen der 3. Klasse Primarstufe durchgeführt. Die Experimentalgruppe erhält ein sechswöchiges Raumvorstellungstraining mit drei 15-minütigen Trainingseinheiten pro Woche mittels des digitalen Tools RIF3.0, das über 1.600 interaktive Aufgaben zum Training des Raumvorstellungsvermögens bietet. Um eine Benachteiligung der Kontrollgruppe zu vermeiden, erhält diese ebenso ein digitales Training, bei dem der Fokus auf Inhalten liegt, die nichts mit Mathematik oder Raumvorstellung zu tun haben. Veränderungen in zentralen mathematischen Kompetenzen werden mittels Pre-, Post- und Follow-Up-Tests erfasst. In diesen werden numerische Fähigkeiten sowie arithmetische Aspekte erhoben, um sowohl kurzfristige als auch nachhaltige Effekte sichtbar zu machen. Außerdem sollen die Ergebnisse die Bedeutung von Raumvorstellungsübungen für die mathematische Kompetenzentwicklung verdeutlichen sowie praxisrelevante Implikationen für die Grundschulmathematik aufzeigen. Die Forschungswerkstatt bietet einen Einblick in die theoretischen Ansätze zum Zusammenhang von Raumvorstellung und mathematischer Kompetenzentwicklung in der Primarstufe. Darüber hinaus werden das methodische Vorgehen sowie die Aufgabenformate der Erhebungen vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert. Ergebnisse der Hauptstudie können leider noch nicht gezeigt werden, da diese erst für das letzte Quartal 2026 geplant ist. Es werden jedoch erste Befunde der Pilotierungsphase präsentiert, die Aufschluss über die Praktikabilität der Aufgaben, deren Verständlichkeit sowie erste Hinweise auf deren Messsensitivität geben. In Anlehnung an das ÖFEB-Tagungsthema der Glokalisierung verbindet die Forschungswerkstatt internationale Forschungsergebnisse zum räumlichen Denken mit den spezifischen curricularen und schulischen Rahmenbedingungen der Primarstufe in Österreich und lädt zur gemeinsamen Reflexion praxisrelevanter Implikationen ein. | ||
