Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2c: Einzelbeiträge: Europa
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eTwinning als Professionalisierungsmaßnahme im globalen Kontext PPH, Österreich Die Anforderungen des 21. Jahrhunderts machen Schulentwicklungsprozesse notwendig, die den schulischen Alltag sowie die Bildungs- und Lernprozesse von Kindern unmittelbar beeinflussen. Dies gilt insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Sprache und Globalisierung. Im neuen österreichischen Curriculum für die Primarstufe werden unter anderem die Erziehung zur „Offenheit dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer gegenüber“ und die Befähigung zur „Teilhabe am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt“ (BMBWF 2023, 1. Teil) als wichtige Bildungsziele formuliert. Ergänzend dazu sollen die 13 übergreifenden Themen die Schüler*innen auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen vorbereiten (BMBWF, 2023). An dieser Stelle setzt die europäische Plattform eTwinning an, die Pädagog*innen über Ländergrenzen hinweg digital vernetzt. Sie bietet das Potenzial, den Erwerb europäischer Werte sowie digitaler und sprachlicher Grundkompetenzen zu fördern. Forschungsergebnisse zeigen, dass digitale Begegnungen mit Europa den Unterricht bereichern und zur Entwicklung digitaler, interkultureller und sprachlicher Kompetenzen von Schüler*innen beitragen können (Gilleran, 2019). Für die Primarstufe besteht jedoch weiterhin Forschungsbedarf hinsichtlich der Frage, inwiefern Professionalisierungsmaßnahmen durch internationale Kooperationen mit eTwinning unterstützt werden und dadurch Schulentwicklungsprozesse angeregt werden können. Vor diesem Hintergrund wurde ein qualitatives Studiendesign gewählt, in dem elf Primarstufenlehrkräfte aus Österreich begleitet wurden, die im Unterricht mit europäischen Partnerschulen (n=11) digital kooperierten. Über einen Zeitraum von zwei Schuljahren nahmen sie an der Fortbildung „Europa in der Klasse – digital internationale Freundschaften knüpfen“ teil. Die im Rahmen von Online-Gruppendiskussionen und Interviews erhobenen Daten wurden transkribiert und mithilfe von Maxqda deduktiv-induktiv analysiert. Auf Basis der Ergebnisse sowie einer ergänzenden Literaturrecherche wurde ein professionelles Kompetenzmodell entwickelt. Es beschreibt jene Kompetenzen von Pädagog*innen, mit denen internationale Kooperationen durch eTwinning umgesetzt werden und somit die „europäische Dimension“ (Rat der EU, 2018) im Unterricht realisiert wird. Europa erleben – Europa erzählen: Narrative Zugänge zu European Citizenship Education im Kontext globaler Verantwortung und lokaler Praxis PH Wien, Österreich Die zunehmende Verschränkung lokaler, europäischer und globaler Dynamiken im Kontext von Glokalisierung stellt Bildungsprozesse vor die Herausforderung, diese Ebenen nicht isoliert, sondern in ihren Wechselwirkungen erfahrbar zu machen. European Citizenship Education (ECE) ist dabei als wesentlicher Teil umfassender globaler Verantwortungsdiskurse zu verstehen. Bildungsprozesse bewegen sich in einem komplexen Spannungsfeld aus Europabildung, Globalisierung und Glokalisierung: Europapolitische Bildung fokussiert auf politische, rechtliche, historische, kulturelle und institutionelle Dimensionen des europäischen Integrationsprozesses, integriert globale Herausforderungen und berücksichtigt lokale Kontexte. Die Verbindung von lokalen Erfahrungen und globalen Prozessen gilt als unabdingbar, um ein reflektiertes und kritisches europäisches Bewusstsein zu entwickeln. Der Beitrag verortet sich theoretisch an der Schnittstelle zwischen europapolitischer Bildung, Glokalisierungsansätzen und affektivem Lernen. Diese Perspektiven werden anhand eines praxisorientierten Weiterbildungsformats für Lehrkräfte konkretisiert: einer seminaristisch eingebetteten Reise nach Brüssel im Rahmen eines dreimoduligen Hochschullehrgangs zur Europabildung. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die direkte Erfahrung europäischer Institutionen – in Verbindung mit affektivem Lernen und strukturierter Reflexion – nicht nur kognitives Wissen vertieft, sondern auch die Fähigkeit stärkt, europäische und globale Zusammenhänge kritisch zu reflektieren und für die lokale pädagogische Praxis nutzbar zu machen. Der Vortrag konzentriert sich auf zwei Forschungsfragen: (1) Wie können praxisorientierte Weiterbildungsformate das Bewusstsein für Wechselwirkungen zwischen europäischer, globaler und lokaler Ebene fördern? (2) Welche methodischen Zugänge eignen sich, um Erfahrungen im Kontext der ECE für die Förderung von Global Citizenship Education sichtbar zu machen und in die Praxis zu transferieren? Die empirische Grundlage bilden Praxisberichte von rund 90 Lehrkräften der Sekundarstufe, die an einem Hochschullehrgang zur Europabildung teilnahmen. Die Brüsselreise umfasste Besuche zentraler EU-Institutionen, themenorientierte Fachvorträge sowie Diskussionen mit Expert*innen. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer narrativer Analyse, die individuelle Erzählungen als Ausdruck von Lern- und Deutungsprozessen rekonstruiert. Analytisch stehen drei Dimensionen im Vordergrund: individuelle Erfahrungen und Bedeutungszuschreibungen, prägende Wendepunkte affektiv-kognitiver Reflexion sowie die Verknüpfung individueller Erfahrungen (Mikroebene) mit übergeordneten Diskursen zu Europabildung, Glokalisierung und globaler Verantwortung (Makroebene). Erste Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die unmittelbare Begegnung mit europäischen Institutionen und Akteurinnen als zentraler Lernzuwachs wahrgenommen wird. Europa und die EU erscheinen nicht primär als abstraktes politisches System, sondern als konkret erfahrbarer Handlungsraum. Hervorgehoben wird das Zusammenspiel aus fachlicher Vorbereitung, erlebnisbasierten Lernsettings und narrativer Reflexion. Viele Lehrkräfte sehen das eigene Erleben europäischer Institutionen als Voraussetzung für den Transfer in ihre lokale Praxis, etwa bei Schülerinnenreisen oder projektorientierten Unterrichtsformaten. Insgesamt verdeutlichen die Auswertungen das Potenzial erfahrungsbasierter Weiterbildungsformate, um ECE als Brücke zu Global Citizenship zu nutzen und Glokalisierung als handlungsleitendes Bildungsprinzip zu stärken. „United in Diversity“: Die Europäische Dimension an (Anerkannten) Europäischen Schulen und der Aufbau der AES-Tirol Universität Innsbruck, Österreich Bildung in Zeiten der Glokalisierung erfordert, lokale Implementationen mit übergeordneten Referenzrahmen zu verschränken. Der Beitrag adressiert dieses Spannungsfeld, indem er die Europäische Dimension als Schnittstelle zwischen nationalen, europäischen und globalen Bezugspunkten untersucht – verstanden als erster Baustein eines erweiterten Weltbürgertums, der zugleich bewusst um globale Perspektiven ergänzt wird. Im Fokus stehen die (Anerkannten) Europäischen Schulen (ES/AES, https://www.eursc.eu/de/), die die Europäische Dimension als Wertefundament curricular verankern und Mehrsprachigkeit, harmonisierte Lehrpläne und Wertebildung verbinden, um interkulturelle Verständigung und Identitätsbildung zu fördern. Die akkreditierte AES‑Tirol, seit 2023/24 im Aufbau, agiert als öffentliche Schule im Schnittfeld nationaler Vorgaben und europäischer Netzwerkstrukturen und bietet als österreichweit erster Standort Potenzial für übertragbare Musterlösungen. Im Vortrag wird basierend auf zwei qualitativen Teilstudien folgenden leitenden Fragestellungen nachgegangen: Wie ist die Europäische Dimension in etablierten ES strukturell und pädagogisch verankert (Teilstudie I), und wie wird sie an der im Aufbau befindlichen AES‑Tirol konzeptionell und praktisch realisiert (Teilstudie II)? Ziel ist, Bedingungen, Herausforderungen und Gelingensfaktoren zu identifizieren und in tragfähige Umsetzungsstrategien zu überführen. Teilstudie I basiert auf sieben 15–40‑minütigen Expert:inneninterviews (Inspektion, Lehrkräfte, Schulleitung; 06/2023–04/2024). Teilstudie II umfasst acht 45–60‑minütige Präsenzinterviews (06–07/2025) mit Leitungen, Koordination und Schulqualitätsmanagement der AES‑Tirol; ausgewertet mittels computerunterstützter qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz/Rädiker) unter Nutzung heuristischer Codierparadigmen. Systemisch tragen, so zeigen die Untersuchungsergebnisse, ein spezifisches Konzept mehrsprachigen Unterrichts an den (A)ES, harmonisierte Curricula, „Europäische Stunden“, Jahresplanungen und das European Baccalaureate die Europäische Dimension. Austausch- und Kooperationsstrukturen wie mixed‑class‑Formate, architektonisch unterstützte Begegnungsräume und schulübergreifende Aktivitäten sowie regelmäßige (Re‑)Akkreditierungs‑Audits sichern Interaktion und Qualität. In der AES‑Tirol sind zentrale Elemente angelegt (sektionsübergreifender Unterricht, Partnerschulen/Mobility, Job‑Shadowing) und werden durch sichtbare Symbole sowie Projekte alltagswirksam; europäische Werte werden im Unterricht jedoch bislang seltener explizit benannt. Lehrpersonen sind Schlüsselakteure der Alltagsimplementation; ihre Haltungen und Praktiken tragen die gelebte Europäische Dimension. Die explizitere Verankerung europäischer Werte im Unterricht, eine stärkere Harmonisierung über Sprachsektionen hinweg und die Professionalisierung des Kollegiums erscheinen zentral, um lokale Schulentwicklung mit europäischer Vernetzung zu verschränken und die AES‑Tirol als Leuchtturm innovativer Bildung zu profilieren. | ||
