Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 1/2e: Symposium: Kooeration im elementarpädagogischen Kinderschutz
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Professionelle Kooperationen im elementarpädagogischen Kinderschutz Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Bekanntwerdens institutionalisierter Gewaltpraktiken und veränderter rechtlicher Bestimmungen hinsichtlich der verpflichtenden Einführung von Kinderschutzkonzepten gerieten lange unterbelichtete Überlegungen, die kinderrechts- und kindeswohlorientierte Bildung betreffen, zunehmend in den medialen, fachlichen und wissenschaftlichen Fokus. Kinderschutz erscheint hierbei zugleich als global und gesamtgesellschaftlich relevantes, nationalstaatlich bzw. föderal gerahmtes und regional auszugestaltendes Phänomen. Professionsübergreifend und international besteht fachliche Einigkeit, dass professionelle Zusammenarbeit im Kinderschutz von zentraler Bedeutung ist (exemplarisch: Toros et al., 2021). Vor dem Hintergrund der UN-Kinderrechtskonvention wird daher die Forderung nach einer realen Einlösung des normativen Anspruchs innerhalb wie außerhalb des Bildungssystems, in Forschung und Praxis sowie über vielfältige theoretische und empirische Wissensbestände hinweg, geltend gemacht (Santen & Seckinger, 2003; Loch; 2018). Im elementarpädagogischen Kontext ist dies auf drei Ebenen von besonderer Relevanz: Einerseits im Hinblick auf die innerinstitutionelle Kooperation innerhalb elementarpädagogischer Einrichtungen (z.B. Zusammenarbeit im Team bzw. zwischen Fach-, Führungs- und Assistenzkräften), andererseits multiprofessionell-interorganisational über Einrichtungsgrenzen und über Disziplinen, Professionen und Felder hinweg (z.B. zwischen Fachkräften der Elementarpädagogik sowie Sozialen Arbeit). Darüber hinaus ist es wichtig, die Zusammenarbeit mit den Eltern bzw. Familien sowohl in Bezug auf die konkrete Gestaltung der Kooperation als auch bezüglich der Familienbilder, die die Zusammenarbeit der Fachkräfte mitbeeinflussen, zu berücksichtigen. International liegen bereits bedeutsame empirische Befunde zu (multi-)professionellen Kooperationsbeziehungen vor, die nicht nur einer weiteren Fundierung resp. Theoretisierung bedürfen, sondern aufgrund des Forschungsdesiderats im österreichischen Kontext auch einer nationalstaatlich gerahmten Ausdifferenzierung bedürfen. Das Symposium greift diese Lücken auf und wendet den Blick auf
Das Symposium versteht sich als sektions- und methodenübergreifend. Wenngleich im formalen Einreichformular je eine jeweilige Festlegung erforderlich ist, so ist es Anliegen der Beitragenden, darauf hinzuweisen, dass in den Vorträgen Überlegungen aus Elementarpädagogik und Sozialpädagogik/Sozialer Arbeit artikuliert werden. Empirische Ergebnisse entstammen sowohl qualitativen als auch quantitativen Zugängen und verweisen entsprechend auf ein breites methodisch-methodologisches Spektrum. Beiträge des Symposiums Professionelle Kooperation im Kontext der Implementierung von Kinderschutzkonzepten in der elementarpädagogischen Praxis In Wien verpflichtet seit 2024 das Wiener Kindergartengesetz alle Einrichtungen, mittels eines Kinderschutzkonzepts darzulegen, wie Kinderrechte gewahrt und Kinder vor Gewalt geschützt werden. Dieses Konzept beinhaltet eine Risikoanalyse, einen Verhaltenskodex, einen Krisenleitfaden sowie einen Plan zur Implementierung. Zur Implementierung dieser Kinderschutzkonzepte in der pädagogischen Praxis liegt bislang wenig Empirie vor; zugleich fehlt eine diesbezügliche Systematisierung der Erfahrungen, Haltungen und Orientierungen pädagogischer Fachkräfte sowie die Auseinandersetzung mit Fragen zur Bedeutung professioneller Kooperation in elementarpädagogischen Teams und zwischen Vertreter*innen verschiedener Funktionen (bspw. Elementarpädagog*in-Leitung-Kinderschutzbeauftragte). Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen eines Forschungsschwerpunkts am Masterstudiengang Kinder- und Familienzentrierte Soziale Arbeit in Kooperation mit dem Fachbereich Elementarpädagogik an der HCW (Hochschule für angewandte Wissenschaften Campus Wien) derzeit mehrere Teiluntersuchungen zur Implementierung von Kinderschutzkonzepten in den drei Bereichen Kinderkrippe, Kindergarten und Hort durchgeführt und die Ergebnisse miteinander in Beziehung gesetzt. In Kinderkrippe und Kindergarten wurden qualitative Leitfadeninterviews mit Elementarpädagog*innen und Kinderschutzbeauftragten durchgeführt (Hellferich, 2011), im Hort Gruppendiskussionen eingesetzt (Bohnsack et al., 2009). Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022). Der Fokus liegt darauf, die in den Einrichtungen vorhandenen Erfahrungen zur Implementierung sowie die damit verbundenen kooperativen Aushandlungsprozesse in den Blick zu nehmen und systematisch zu verdichten. Die Ergebnisse der Teiluntersuchungen zeigen, dass – aus Perspektive elementarpädagogischer Fachkräfte – Krisenleitfaden und Verhaltenskodex bei Verdachts- und Gefährdungsfällen unterstützen und die Aufmerksamkeit für Kinderrechte und Gewaltformen schärfen. Umsetzungsbedarfe bestehen insbesondere bei Risikoanalyse und Beschwerdemöglichkeiten. Herausforderungen liegen in strukturellen Rahmenbedingungen, unterschiedlicher Teammitwirkung, der Qualität der jeweils vorliegenden Konzepte sowie Unsicherheiten im Umgang mit interner Gewalt. Im Hort wird – ebenfalls aus Perspektive der Fachkräfte – eine Diskrepanz zwischen Vorgabe und Praxis sichtbar; viele Elementarpädagog*innen fühlen sich unzureichend qualifiziert und unterstützt. Als förderlich werden kontinuierliche Weiterbildungen, verbesserte Rahmenbedingungen sowie partizipative Prozesse der Konzeptentwicklung benannt. Die Beteiligung von Kindern gilt als zentral, stößt im Alltag jedoch auf strukturelle Hürden. Professionelle Kooperation erweist sich als Schlüssel für eine erfolgreiche Implementierung: Gelingen hängt wesentlich von Teamzusammenarbeit, aktiver Beteiligung des gesamten elementarpädagogischen Teams, partizipativen Prozessen und klaren Zuständigkeiten ab. Bibliografie
Bohnsack, R., Przyborski, A. & Schäffer, B. (2009). Einleitung: Gruppendiskussion als Methode rekonstruktiver Sozialforschung. In R. Bohnsack, A. Przyborski & B. Schäffer (Hrsg.), Das Gruppendiskussionsverfahren in der Forschungspraxis (S. 7-25). Wuppertal: Verlag Barbara Budrich. Helfferich, C. (2011). Die Qualität qualitativer Daten: Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. 4. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien. Kuckartz, U. & Rädiker, S. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim, Basel: Beltz Juventa. Multiprofessionell-interorganisationale Kooperation im Kinderschutz: Perspektiven von Fachkräften aus Elementarpädagogik und behördlicher Kinder- und Jugendhilfe Kinder haben das international verbriefte und nationalstaatlich bzw. bundesländerspezifisch zu realisierende (Kinder-)Recht auf ein sicheres Aufwachsen (für Österreich: Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern, 2011: BGBl. I Nr. 4/2011). Demgegenüber machen empirische Befunde darauf aufmerksam, dass das Erleben von Gewalt in unterschiedlichem Ausmaß und vielfältigen Formen – u.a. im familiären Kontext – für viele Kinder in Österreich Realität ist. Im Sinne einer Schlüsselrolle tragen Elementarpädagog:innen, die im institutionellen Alltag in engem Kontakt mit Kindern und Familien stehen, erhebliche Verantwortung bzw. werden ‚responsibilisiert‘, professionell auf Signale zu achten, die auf Gefährdungslagen von Kindern hindeuten. Besondere Relevanz kommt auch der multiprofessionell-interorganisationalen Zusammenarbeit mit Fachkräften der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe zu – nicht nur, um Gefährdungslagen professionell einschätzen, sondern auch, um mit Blick auf das ‚Kindeswohl‘ präventiv und interventiv angemessen zu hande). Im Vortrag wird ein Einblick in Ergebnisse eines aktuellen explorativen Forschungsprojekts eröffnet, das sich mit Perspektiven von Fachkräften befasst. Es widmet sich der bisher in Österreich weitgehend unbelichteten multiprofessionell-interorganisationalen Zusammenarbeit von Fachkräften aus Elementarpädagogik sowie behördlicher Kinder- und Jugendhilfe im Spannungsfeld von kinderschutzbezogener Prävention und Intervention. Theoretisch ist die Studie insbesondere durch Konzepte der multiprofessionellen Kooperation (bspw. Eckhardt & Cloos, 2021) bzw. des ‚doing collaboration‘ (Betz & Bollig, 2023) fundiert. Empirisch baut es auf ersten Befunden auf, die auf eine unzureichende Zusammenarbeit von Fachkräften der Elementarpädagogik sowie behördlichen Kinder- und Jugendhilfe verweisen, Kooperationsstrukturen problematisieren und eine Verankerung fundierter Fort- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte bzw. die Bereitstellung von Ressourcen für eine strukturelle Verschränkung, die insbesondere auch in Krisenzeiten Wirksamkeit entfalten sollen, fordern (bspw. Kapella, Wernhart & Hornung, 2023). Das derzeit laufende resp. bis zum Kongress voraussichtlich abgeschlossene Forschungsprojekt bearbeitet in diesem Kontext die erkenntnisleitende Frage, wie österreichische Fachkräfte aus Elementarpädagogik sowie behördlicher Kinder- und Jugendhilfe die interorganisational-multiprofessionelle Kooperation einschätzen. Empirisch wurde dieses Erleben der Kooperation im Kinderschutz resp. im Falle (potenzieller) Gefährdungen des Kindeswohls bundesweit, anhand eines Online-Fragebogens erhoben, der Fachkräfte beider Felder adressierte. Der Beitrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse der Studie, auf Basis deskriptiv-statistisch analysierter Items (vorrangig Likert-skaliert) sowie qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewerteter offener Antworten. Der inhaltliche Fokus liegt auf der Diskussion der Potenziale und Herausforderungen, die von den befragten Fachkräften im Rahmen der multiprofessionell-interorganisationalen Kooperation benannt bzw. eingeschätzt wurden. Bibliografie
Betz, T. & Bollig, S. (2023). Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in der frühkindlichen Bildung. Doing Collaboration als Konzept zur Erforschung der Praxis eines Programms. In R. Schelle, K. Blatter, S. Michl & B. Kalicki (Hrsg.), Qualitätsentwicklung in der frühen Bildung. Akteure – Organisationen – Systeme (S. 200-227). Weinheim, Basel: Beltz Juventa. Eckhardt, A. G. & Cloos, P. (2021). Multiprofessionelle Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe und Schule. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research, 16(3), 269-271. Kapella, O., Wernhart, G., & Hornung, H. (2023). Evaluierung der Kinder- und Jugendhilfe in Vorarlberg. Verfügbar unter: https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/85189 [Datum des Zugriffs: 02.07.2024]. Wie können kinderschutzorientierte Kooperationsstrukturen aufgebaut werden? In dem Vortrag wollen wir auf Basis von zwei aktuellen Forschungsprojekten Herausforderungen von Kooperationen in den Feldern Elementarpädagogik und Kinder- und Jugendhilfe in Italien thematisieren, mit dem Ziel, einen Beitrag zur Theoretisierung professioneller Kooperationen im Kinderschutz zu leisten. Dabei wird von der empirisch fundierten Grundannahme ausgegangen, dass gelingender Kinderschutz auf Kooperationen zwischen Fachkräften unterschiedlicher Berufsgruppen sowie auf der Zusammenarbeit zwischen Organisationen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Aufträgen beruht, unter möglichst weitgehendem Einbezug von Familien (u.a. Loch, 2016). Eines der Projekte bezieht sich auf die jeweils getrennte sowie teilweise gemeinsame Fortbildung von Fachkräften der Pädagogik der frühen Kindheit (0-6 Jahre) und von Sozialarbeiter:innen der Sozial- und Gesundheitssprengel. Dieses Projekt wurde von Save the Children und der Fondazione Nazionale Assistenti Sociali in Italien initiiert und wird von der Freien Universität Bozen wissenschaftlich begleitet (Mauri & Schir, 2025-2026). Das andere Projekt zielt auf die Entwicklung von Standards für Kinderschutzkonzepte in der Kleinkindbetreuung in Südtirol durch die Zusammenarbeit der Landesverwaltung Bozen und der Freien Universität Bozen. Ferner wird die Umsetzung der Schutzkonzepte in die Praxis wissenschaftlich begleitet (Loch & Schir, 2023-2026). Beide Projekte basieren auf Methoden der qualitativen Aktionsforschung. Im Vortrag wird aufgezeigt, welche Herausforderungen bestehen, handlungsfeldübergreifende Kooperationen zwischen Kinderbetreuungsdiensten und Sozialer Arbeit zu entwickeln, die bisher kaum Berührungspunkte im Alltag hatten, obwohl sie oftmals mit denselben Familien arbeiten. Dieser Ansatz wird von der Hypothese getragen, dass durch politische Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Pädagogik und Sozialer Arbeit soziale Ungleichheit und andere Benachteiligungen bis hin zu Gewalt reduziert werden können. Aus diesem Grund werden die Kooperation und der Aufbau von Kooperationsstrukturen mit unterschiedlichen Instrumenten (wie kontinuierlicher Dialog, Fortbildung, Definition von Aufgabenbereichen) wissenschaftlich begleitet und gefördert. Die Erkenntnisse der wissenschaftlich begleiteten Kooperationsprozesse sollen im Rahmen dieses Beitrages vorgestellt und im Kontext der internationalen Theoriebildung zu Kooperationen (u.a. Peleman, 2018) im Kinderschutz (u.a. Hall & Slembrouck, 2001) diskutiert werden. Bibliografie
Hall, C. & Slembrouck, S. (2001). Parent participation in social work meetings. The case of child protection conferences. European Journal of Social Work, 4(2), 143-160. Loch, U. (2016). Kinderschutz mit psychisch kranken Eltern. Ethnographie im Jugendamt. Weinheim: Beltz Juventa. Peleman, B., Lazzari, A., Budginaite, I., Siarova, H., Hauari, H., Peeters, J. & Cameron, C. (2018). Continuous professional development and ECEC quality. Findings from a European Systematic literature review. European Journal of Education, 53, 9-22. | ||
