Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
Session 1/2d: Einzelbeiträge: Kritische Medien
| ||
| Präsentationen | ||
Wie bitte empowern? Ansätze für erfolgreiche Lerninterventionen gegen die Entmachtung durch Big Tech Universität Wien, Österreich Lokale Lernbedingungen in Schulen sind mittlerweile von globalen Technologieanbietern durch die Bereitstellung und Nutzung von Lernplattformen geprägt. Big Tech Unternehmen geben globale Standards vor, die nicht immer zu den situativen Bedürfnissen und Handlungsspielräumen von Schüler*innen passen (Barany et al., 2024) und zu einem Gefühl der Ohnmacht führen kann (Quinn & Epstein, 2023). Um dem etwas entgegenzusetzen, braucht es Lernansätze, die lokale Bedingungen schaffen, wie etwa Computational Empowerment (CE), um Schüler*innen in ihrer Selbstermächtigung zu stärken. CE ist eine partizipative Methode zur Gestaltung und Dekonstruktion von Technologien. Durch die aktive Auseinandersetzung und Reflexion werden Lernende darin unterstützt, digitale und datenfizierte Systeme zu verstehen, zu kritisieren und aktiv mitzugestalten (Dindler, Smith, & Iversen, 2020; Iivari et al., 2023). Im Sinne des Design-Based Learning setzen sich die Lernenden mit einem für sie relevanten Problem auseinander – in diesem Fall mit der selbstbestimmten Nutzung von Lernplattformen – und entwickeln dafür eigene Lösungsansätze. Die Annahme dabei ist, dass partizipative, designorientierte Lernsettings Schüler*innen darin unterstützen, ihre Handlungsspielräume zu erweitern – nicht nur für die Schule, sondern auch darüber hinaus (Barany et al., 2024). Allerdings ist unklar, wie der Anspruch und die Vision von CE im formalen Schulsetting tatsächlich gelebt werden können (Göbl et al., 2023). Es stellt sich somit die Frage: Welche Bedingungen führen dazu, dass Schüler*innen längerfristig von partizipativen Lerninterventionen in der Schule profitieren können? Zur Beantwortung dieser Frage führen wir an drei österreichischen Mittelschulen Workshops durch. Die Schüler*innen sind zwischen 10 und 14 Jahre alt und haben heterogene soziale Hintergründe. In fünf aufeinander aufbauenden Workshops analysieren Schüler*innen bestehende Plattformen, formulieren Anforderungen und Designideen und entwickeln darüber hinaus Prototypen und Anwendungsszenarien, die einen stärkeren Fokus auf ihre eigenen Bedürfnisse legen. Als Datengrundlage analysieren wir die erstellten Artefakte und Papierprototypen, Workshopnotizen sowie Interviews mit den beteiligten Lehrkräften und ausgewählten Schüler*innen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass partizipative, empowernde Ansätze von Schüler*innen und Lehrer*innen als bestärkend wahrgenommen werden, insbesondere im Hinblick auf Motivation, Ownership und den Wunsch nach größerer Gestaltungsfreiheit. Die CE-Workshops sind insbesondere dann förderlich, wenn Schüler*innen reale Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume erhalten. Gleichzeitig können das Klassenklima und die Wahrnehmung fehlender Handlungsspielräume Herausforderungen darstellen. Wie die Analyse zeigt, kann CE – unter bestimmten Bedingungen – dazu beitragen, in glokalisierten Unterrichtskontexten globale technologische Strukturen nicht nur zu thematisieren, sondern auch hinsichtlich der eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen und anzupassen. Lernen wird so als situiertes, gestaltendes und reflexives Handeln innerhalb realer digitaler Infrastrukturen verstanden. Bourdieu und digitale Bildungsungleichheiten im Zeitalter der KI – ein Systematic Review Universität Klagenfurt, Österreich In hohem Tempo verändert generative künstliche Intelligenz (KI) die Bildungspraxis und eröffnet neue Lernpotenziale. Zugleich gehen mit diesem Prozess aber auch Risiken einher. Eines dieser Risiken besteht vor dem Hintergrund der Befunde der Forschung zum digital divide in der Potenzierung bestehender Bildungsungleichheiten durch soziale Disparitäten in der Nutzung von Large Language Models durch Schüler:innen. Trotz dieser Gefahr scheinen bildungssoziologische Fragen nach Nutzungspraktiken generativer KI in Lernkontexten bislang noch weitestgehend ungeklärt. Dabei bietet insbesondere die an Bourdieu anschließende Forschung Anknüpfungspunkte zur Untersuchung KI-induzierter digitaler Bildungsungleichheiten, insofern die Sozialtheorie des französischen Soziologen einerseits bereits seit Jahrzehnten als Ansatz in der Untersuchung von Bildungsungleichheiten etabliert ist und andererseits auch in der Literatur zur digitalen Kluft rezipiert wird. Der hier vorliegende Beitrag zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, den bisherigen Forschungsstand zu digitalen Bildungsungleichheiten unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung von KI aus der konflikttheoretischen Perspektive Bourdieus systematisch darzustellen. Die dabei im Rahmen des Einzelvortrags in den Vordergrund gestellte Forschungsfrage lautet wie folgt: Wie wird Bourdieus Sozialtheorie in der Forschung zu digitalen Bildungsungleichheiten — unter besonderer Berücksichtigung von KI — theoretisch rezipiert und methodisch operationalisiert? Die Arbeit ist methodisch als Systematic Review konzipiert, folgt den PRISMA-Leitlinien und berücksichtigt dabei Alexanders feldspezifische Überlegungen zur Bildungsforschung. Für die Literatursuche wurde auf die einschlägigen internationalen Datenbanken zurückgegriffen. Neben qualitativen und quantitativen Untersuchungen sowie Studien mit einem Mixed-Methods-Design wurden auch konzeptionelle Beiträge in die Auswahl der Literatur inkludiert, sofern derartige Arbeiten auch deutsch- oder englischsprachig vorlagen. Im Zuge der Literatursuche konnten 41 Artikel auf der Datenbank SCOPUS und 222 Artikel auf der Datenbank Web of Science Core Collection ausgemacht werden. Davon handelt es sich bei 24 Artikeln um Duplikate; in Summe werden im Zuge des Systematic Reviews somit 239 Artikel untersucht. Die Publikationen wurden zunächst anhand ihrer Titel und Abstracts gesichtet und daran anschließend im Volltext auf ihre Relevanz für die Forschungsfrage sowie bestimmte Einschlusskriterien überprüft. Erste Ergebnisse zeigen, dass rund drei Viertel der identifizierten Publikationen innerhalb der letzten zehn Jahre erschienen sind und nahezu alle einbezogenen Studien nicht weiter als zwanzig Jahre zurückreichen. Die Einbeziehung der wenigen Publikationen aus den frühen 2000er-Jahren ermöglicht es, keine zeitlichen Einschränkungen vorzunehmen und das durch die gewählten Suchbegriffe abgesteckte Forschungsfeld von seinen Anfängen an systematisch zu synthetisieren. Weichgezeichnet und rangezoomt. Implikationen der Digitalität für eine glokal gedachte kritische Medien-/Bildung Universität Innsbruck, Österreich Bisherige Digitalisierungsverständnisse fokussierten meist eine Transition vom Analogen zum Digitalen. Konzepte wie Post-/Digitalität (Cramer, 2014; Murray, 2020; Stalder, 2019) hingegen betonen die generelle Durchdringung nahezu aller Lebensbereiche und insbesondere von Bildungskontexten durch die Architektur und die Logiken digitaler Technologien (Dander et al., 2024). Diese werden insbesondere von TechGiganten dominiert (Srinivasan & Bloom, 2021) und kuratiert und haben in dieser Gemachtheit enormen Einfluss auf Bildungskontexte und Lern-/Bildungsprozesse (Picciano, 2024). Insofern Medienbildung und informatische Grundbildung in Österreich nicht zuletzt durch die Einführung des Pflichtfaches „Digitale Grundbildung“ als notwendiger Bestandteil schulischer Bildung legitimiert wurde, stellt sich die Frage wie im Rahmen einer digitalen und informatischen Medien-/Bildung (U. Schmid & Gärtig-Daugs, 2018) und im speziellen im genannten Fach sowohl eine jeweils individuelle und damit auch regionale Medienpraxis und gleichzeitig überregionale und globale Entwicklungen und Implikationen digitaler Technologien berücksichtigt werden können. Im Zentrum steht die Frage, wie die Mediennutzenden sowohl kritische Einblicke in bspw. digital-kapitalistische Strukturen (Zuboff, 2018) von TechGiganten erhalten als auch parallel dazu in ihrer jeweiligen Handlungspraxis handlungsfähig bleiben (sollen); trotz oder gerade wegen möglicher Paradoxien und Unvereinbarkeiten der genannten Thematiken. Der Beitrag fokussiert die Frage nach pädagogischen und allgemein-/didaktischen Antworten auf paradoxale und widersprüchliche Konstellationen der jeweils eigenen digitalen Mediennutzung (bspw. im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit (Maurer et al., 2024), individuelle Datenssicherheit oder Einschätzung proprietärer digitaler Tools uvm.) eingebettet in regionale und standortspezifische sowie überregionale (bspw. EU-Regulierungen wie AI Act, Digital Services Act und Digital Markets Act) Kontexte, aber insbesondere auch im Hinblick auf globale Entwicklungen und Problematiken (bspw. Ausbeutung von Rohstoffen für die Technologieherstellung, von Arbeitskräften bspw. sogenannte „Click-Workers“ im globalen Süden (WBGU, 2019)). Die hier genannten Themenfelder werden nicht detailliert diskutiert. Der Beitrag zielt darauf ab die Paradoxien und Widersprüche der individuellen Medienpraxis, insbesondere von Heranwachsenden, als spezifische Phänomene im Kontext einer glokalen Perspektive näher zu beschreiben. Diese werden dann im Hinblick auf mediendidaktische Fragen in anderen schulischen Fächern oder pädagogischen Kontexten wirksam. Dabei orientieren wir uns an Arbeiten zur Post-/Digitalität, aus den Critical Technology Studies und der kritischen Medienbildung (Niesyto, 2017; Tulodziecki et al., 2014) respektive der schulischen informatischen und digitalen Grundbildung. Nebst der Beschreibung lädt der Beitrag im Anschluss zur offenen Diskussion ein. | ||
