Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 1/2c: Einzelbeiträge: Informelle Kompetenzmessung
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Frühe Grammatik, frühe Chancen: Validierung des Grammatikfähigkeiten-Gruppenscreenings (GraF GruS) für Kindergarten und frühe Volksschule 1: Universität Graz, Österreich; 2: Zentrum für Empirische Inklusionsforschung, Universität Graz, Österreich; 3: Humboldt-Universität Berlin, Deutschland; 4: Universität Paderborn, Deutschland Ausgangslage und theoretischer Hintergrund: Grammatikfähigkeiten sind entscheidend für Kommunikationsfähigkeit, Literalität und schulischen Erfolg (Ulrich, 2017). Die Diagnose von rezeptiven Grammatikschwierigkeiten bei jungen Kindern ist jedoch herausfordernd, da diese in spontaner Sprache oft unentdeckt bleiben und das Sprachverständnis erheblich beeinträchtigen können (Spreer et al., 2019). Bevor Lehrkräfte grammatische Schlüsselkompetenzen adäquat und individuell fördern können, sollten sie diese zunächst mittels standardisierter Instrumente erheben. Im Kindergarten- bzw. Schulalltag ist dies im Einzelsetting aber schwer umsetzbar, weshalb Gruppenverfahren notwendig erscheinen (Lüke et al., 2016). Für die Einschätzung rezeptiver grammatischer Fähigkeiten gibt es für den Kindergarten- und Grundschulkontext bislang kaum ökonomisch einsetzbare standardisierte Gruppenverfahren, die keinerlei Schriftsprachkompetenzen der zu testenden Kinder voraussetzen. Im Fokus dieses Beitrags steht das Grammatikfähigkeiten Gruppenscreening (GraF GruS), was Pädagog*innen hierfür eine Lösung bietet. Forschungsfrage, Ziele, evtl. Hypothesen Ziel des Beitrags ist die Darstellung der psychometrischen Prüfung des GraF GruS zur Erfassung rezeptiver morphologischer und syntaktischer Kompetenzen bei Kindern von 4 bis 8 Jahren. Die leitende Forschungsfrage ist: Erreichen die verschiedenen Aufgabenformate des GraF GruS angemessene Reliabilitäts- und Validitätswerte? Wir erwarten zufriedenstellende interne Konsistenz sowie konvergente Zusammenhänge mit anderen Testinstrumenten sowie Lehrkräfteinschätzungen sprachlicher Kompetenzen. (Methodisches) Vorgehen Wir stellen Ergebnisse der Validierung, die im November/Dezember 2025 in Kindergärten (n=ca. 150) und im Januar/Februar 2026 in Schulen (n= ca. 400) sowohl in Graz als auch Berlin durchgeführt wurden, vor. Zur Überprüfung der Validität des Instruments wurden Lehrpersoneneinschätzungen, zwei etablierte Verfahren zur Erfassung grammatischer Fähigkeiten (TROG-D; SpraVesT) sowie ein Verfahren zur Erfassung des Leseverständnisses (GraLeV) mit verschiedenen Teilstichproben eingesetzt. Ziel ist es, die Validität des GraF GruS zu evaluieren und seine Eignung für den Einsatz im schulischen Kontext zu bestätigen. Ergebnisse und Diskussion Die Pilotdaten deuten auf kindgerechte Bearbeitbarkeit und gute Akzeptanz der variierenden Formate (u. a. Grammatikalitätsurteile, Zuordnungsaufgaben, Symbolwahl für Genus, grafische Markierungen), sowie bereits zufriedenstellende Reliabilitätswerte einzelner Untertests hin. Durch Adaptionen in einzelnen Untertests werden daher nun zufriedenstellende Reliabiliätswerte in allen Untertests erwartet, sowie zufriedenstellende Validitätswerte. Das GraF GruS adressiert diagnostische Lücken in der Gruppenprüfung rezeptiver Grammatik und bietet eine praktikable Grundlage für frühzeitige, informierte Förderung in Kindergarten und Volksschule. 10 Jahre Bildungsstandarderhebungen in Österreich – Bedingungen (langfristiger) Kompetenzentwicklungen auf Schul- und Systemebene 1: IQS, Österreich; 2: JKU Linz Nach mehr als 10 Jahren der nationalen Kompetenzmessungen in Österreich ist es Zeit für ein Zwischenfazit. Welche Schlussfolgerungen können wir aus den bisher durchgeführten Studien zu den zwischen 2012 und 2019 durchgeführten Bildungsstandardüberprüfungen (BIST-Ü) ziehen? Dieser Beitrag ist der Erörterung dieser Frage gewidmet, um abschließend Desiderate für den zukünftigen Umgang mit den vorhandenen Daten sowie den ersten Ergebnissen des BIST-Ü-Folgeprojekts iKMPLUS zu formulieren. Der Beitrag bezieht sich hauptsächlich auf die Ergebnisse des Sammelbands „10 Jahre Bildungsstandarderhebungen – Bedingungen (langfristiger) Kompetenzentwicklungen auf Schul- und Systemebene“ (George, Zintl & Helm, 2025), in dem zahlreiche Studien die Daten der BIST-Ü nutzen, um längsschnittliche Fragestellungen der Bildungsforschung in Österreich zu analysieren. Betrachtet man die Ergebnisse aus den BIST-Ü seit 2012, so ist auffällig, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in allen durch die BIST-Ü getesteten Fächern sowohl auf der Primarstufe, als auch auf der Sekundarstufe, seit der Baseline-Erhebung 2009 gestiegen sind (Helm, George & Altrichter, 2025). Mit dem Ziel, die Hintergründe von Verbesserungen in den Schülerinnen- und Schüler-Leistungen nachvollziehen zu können, untersuchten die Autorinnen und Autoren des Sammelbands den Zusammenhang zwischen Kompetenzsteigerungen und zahlreichen, potenziell relevanten Faktoren auf System-, Schul- und Unterrichtsebene. Die Ergebnisse dieser Studien unterstreichen erneut die Relevanz der sozialen Herkunft der Schülerschaft für die Leistungen bei Kompetenzerhebungen (u. a. Gargitter & Gniewosz sowie auch Weber, Bacher & Bruneforth im Sammelband). Die Ergebnisse der Studien zeigen allerdings auch, dass es neben sozioökonomischen Disparitäten weitere relevante Faktoren geben muss, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler langfristig beeinflussen. Schließlich weichen zahlreiche Schulen bei den BIST-Ü von ihrem Erwartungswert positiv ab (Helm, George & Altrichter, 2025). Das bedeutet, dass es gewisse Schulen schaffen, signifikant besser abzuschneiden, als man dies allein aufgrund ihrer sozialen Zusammensetzung erwarten würde. Dies eröffnet Handlungsspielräume in der Schul- und Unterrichtsentwicklung (Klinglmair, George & Winkler, 2026). | ||
