Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 1/1c: Einzelbeiträge: LehrerInnen, pädagogische Fachkräfte
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Glokalisierung in der Hochschullernwerkstatt – subjektive Wahrnehmungen von Studierenden des Bachelorstudiums Primarstufe KPH Wien/NÖ, Österreich Ausgehend von der Annahme, dass Studierende, die künftig junge Menschen beim Erschließen der Welt (Kahlert 2022) begleiten und unterstützen werden, selbst noch eher unreflektiert ihr Wissen und ihre persönliche Einstellung zu glokalen Verflechtungen äußern, braucht es im Rahmen des Studiums Raum und Zeit für eine forschend-reflexive Auseinandersetzung. Im Zentrum dieses Beitrages seht ein Seminar zur fachdidaktischen Praxisforschung im 6. Semester des Bachelorstudiums für Primarstufe an der KPH Wien/NÖ. In Form einer inklusionspädagogisch ausgerichteten Hochschullernwerkstattarbeit „Sachunterrichts-werkstatt“ (Brzobohaty & Schmidt-Hönig 2025) setzen sich Studierende intensiv mit individuellen Vorstellungen von der Welt und glokaler Zusammenhänge auseinander. Darüber hinaus gehen sie berufsrelevanten sowie gesellschaftlichen Fragestellungen nach, verstehen Forschung als ständige Herausforderung für ihre Weiterbildung und können aktuelle Forschung in ihrem zukünftigen Arbeitsbereich rezipieren (Curriculum 2019). Durch eine innovative Lehr- und Lernkultur in einer materialgestützten Lernumgebung bietet die Hochschullernwerkstatt einen barrierefreien Zugang zu fachlichen Themengebieten des Lehrplans. In der „Sachunterrichtswerkstatt“ wird Studierenden ermöglicht, unterrichtliche Erfahrungs- und Begegnungssituationen „als Basis für zukunftsorientierte Lernsituationen“ (Schöps 2016, 234) zu planen, auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Studierende werden auffordert, sich mit den Ansprüchen eines inklusiven Sachunterrichts forschend und handelnd auseinanderzusetzen, wobei überfachliche Kompetenzen im Fokus stehen. Durch die konkrete Hochschullernwerkstattarbeit wird die Absicht verfolgt, die Studierenden (N=28) mit ihren individuellen Weltbildern – Vorstellungen von der Welt in Form von gezeichneten Landkarten – sowie Konzepten zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu konfrontieren und sie für die Relevanz der Entwicklung einer eigenen Werthaltung sowie ihrer Vorbildfunktion zu sensibilisieren. Dazu werden die Studierenden aufgefordert, eine Landkarte von der Welt aus dem Gedächtnis und ohne Hilfmittel zu zeichnen. Im Anschluss daran beschreiben sie in Form eines Fachaufsatzes den Erstellungsprozess und reflektieren ihr Wissen. Darüber hinaus erlangen die Studierenden mittels einer Mental-Map-Erhebungen Einblicke in die Vorstellungen von der Welt bei Schüler:innen (N= 45) einer vierten Schulstufe. Durch diese mehrgliedrige und mehrdimensionale Auseinandersetzung mit einerseits kindlichen Weltbildern und andererseits den zentralen Aspekten der Glokalisierung werden Studierende zur Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen über die Welt angeleitet. Im Rahmen dieses Beitrages werden die Fachaufsätze der Studierenden hinsichtlich ihrer Vorstellungen von der Welt sowie ihrer Wahrnehmung von Glokalisierung qualitativ (Kuckartz & Rädiker 2024) analysiert. Die Ergebnisse führen zu Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Hochschullernwerkstättenarbeit im neuen Curriculum für das Bachelor- und Masterstudium Primarstufe. Ziel ist es, die Sachunterrichtswerkstatt der KPH Wien/NÖ zu einem Ort zu machen, an dem Studierende ihre persönliche Haltung reflektieren, fachliche Kompetenzen erweitern und vor allem ein Verständnis für glokale Prozesse aufbauen können. Erziehen und Unterrichten: Was interessiert Lehrkräfte und welche Rolle spielen dabei Lerngelegenheiten im Beruf und das Erleben von Kompetenz? 1: Pädagogische Hochschule der Diözese Linz, Österreich; 2: Institut für Wirtschafts- und Berufspädagogik, Johannes Kepler Universität Linz In der deutschen und österreichischen Bildungspolitik werden Unterrichten und Erziehen als die zentralen Aufgabenbereiche im Lehrer:innenberuf angesehen (Bulant, 2025; Seibert, 2009). Dennoch nimmt der Kompetenzbereich Erziehen in der pädagogischen Forschung sowie in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung einen vergleichsweise geringen Stellenwert ein (BMBWF, 2025; Kanold & Liebers, 2021; Kunina-Habenicht et al., 2012). Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie, wie ausgeprägt das Interesse von Lehrkräften am Erziehen und Unterrichten ist und welche Bedeutung die Nutzung von Lerngelegenheiten im Berufsalltag für das Kompetenzerleben und die Interessenwahrnehmung einnimmt. Es wird angenommen, dass die Kompetenz von Lehrkräften im Erziehen und Unterrichten durch die Nutzung von formalen und informellen Lerngelegenheiten gesteigert wird (Mayr, 2007) und sich das Kompetenzerleben wiederum förderlich auf die Interessenwahrnehmung auswirkt (Krapp, 1998; Lewalter et al., 2001). Ziel der Studie ist es, mögliche Bedarfe in der Lehrkräftefortbildung aufzuzeigen. Die verwendeten Daten wurden in den Jahren 2018/19 im Rahmen des Längsschnittprojekts TEDCA (Teachers’ Education, Development and Career in Austria; Mayr et al., 2022) erhoben. Die repräsentative österreichische Stichprobe (N = 645) besteht aus Lehrkräften der Primarstufe (48.5 %), der Sekundarstufe (41.9 %) und Sonderschullehrkräften (9.6 %). 86.1 % der Personen sind weiblich, das Durchschnittsalter beträgt 38.5 Jahre und die durchschnittliche Berufserfahrung liegt bei 12.3 Jahren. Für die Analysen wurden je sechs Items der Lehrer-Interessen-Skalen (LIS; Mayr, 1998) ausgewählt, die repräsentativ für erzieherische bzw. unterrichtliche Tätigkeiten von Lehrkräften sind. Des Weiteren wurden acht Items aus einem Fragebogen herangezogen, welcher die Nutzung und Nützlichkeit unterschiedlicher Lerngelegenheiten durch Lehrkräfte erfasst (vgl. Röhl et al., 2024). Den deskriptiven Analysen zufolge ist das Interesse von Lehrkräften am Unterrichten (M = 4.21, SD = 0.55) höher ausgeprägt im Vergleich zum Interesse am Erziehen (M = 3.73, SD = 0.68) (Cohen’s d = .79, 95 % KI [.63, .95]). Zudem bestätigen Pfadanalysen den vermuteten Zusammenhang zwischen der Kompetenz im Erziehen bzw. Unterrichten und dem jeweiligen Interesse. Hinsichtlich der Bedeutung der Lerngelegenheiten zeigt sich, dass sich einige Lernwege (z. B. das Reflektieren der Lernfortschritte der Schüler:innen) auf die Erziehungs- und Unterrichtskompetenz und in der Folge auf das Interesse auswirken, während andere Lernwege (z. B. der Austausch mit Kolleg:innen) keine Relevanz haben. Auf Basis der Ergebnisse wird darauf hingewiesen, dass in der Lehrkräftefortbildung formale und auf die Erziehungsaufgaben ausgerichtete Lerngelegenheiten, die Informations- und Erprobungsanteile beinhalten (Lipowsky, 2010), verstärkt angeboten und deren Nutzung forciert werden sollten. Im Rahmen des Vortrags werden die methodischen Einschränkungen der Studie berichtet und Forschungsdesiderate für zukünftige Studien aufgezeigt. Welche Bedeutung hat das Kognitionsbedürfnis pädagogischer Fachkräfte? 1: Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich; 2: Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, Deutschland Das Kognitionsbedürfnis beschreibt die Neigung, sich mit Denken zu beschäftigen und Freude daran zu haben (Cacioppo & Petty, 1982, S. 116). Als Persönlichkeitsmerkmal spielt das Kognitionsbedürfnis für die Bereitschaft, sich auf kognitiv anspruchsvolle Aufgaben einzulassen, eine zentrale Rolle. Dies ist für die pädagogische Praxis relevant, da sich die Aufgaben durch ein hohes Maß an Komplexität, Mehrdeutigkeit und Unvorhersehbarkeit auszeichnen (Fröhlich-Gildhoff et al., 2011). Elementarpädagogische Fachkräfte stehen vor der Herausforderung, die Fülle an Informationen, mit denen sie in den alltäglichen Interaktionen mit Kindern konfrontiert sind, effizient zu verarbeiten. Dies erfordert, die kognitiven Ressourcen auf Informationen zu fokussieren, die für Interaktionen relevant sind, welche die Entwicklung der Kinder unterstützen (germane load), während irrelevante Ereignisse im pädagogischen Alltag (extraneous load) zu vernachlässigen sind (Cash & Pianta, 2023). Folglich geht die Bewältigung bestimmter Situationen mit einem kognitiven Aufwand einher, der gegenüber anderen Anforderungen zu priorisieren ist. In diesem Zusammenhang erscheint die Beziehung zwischen dem Kognitionsbedürfnis und dem pädagogischen Handeln von elementarpädagogischen Fachkräften bedeutsam, allerdings wurde sie bislang kaum untersucht. Der vorliegende Beitrag setzt an diesem Desiderat an, indem analysiert wird, inwiefern die Effekte unterschiedlicher Professionalisierungsformate (Coaching, Fortbildung und die Kombination beider Formate) vom Kognitionsbedürfnis abhängen. Inhaltlich setzen die Formate an der Anregungsqualität elementarpädagogischer Fachkräfte an, d. h. an Interaktionen, in denen Kinder zum Denken und Sprechen angeregt werden. Dazu wurde eine experimentelle Prä-Post-Studie mit randomisierter Zuordnung elementarpädagogischer Fachkräfte (N = 132) durchgeführt. Die Ergebnisse der multiplen Regressionsanalysen zeigen, dass Personen mit einem höheren Kognitionsbedürfnis stärker von der Fortbildung in Bezug auf die Anregungsqualität profitieren, während Personen mit einem niedrigeren Kognitionsbedürfnis stärker vom Coaching profitieren. Insgesamt unterstreichen diese differentiellen Effekte die Bedeutung individueller Voraussetzungen für die Wirksamkeit von Professionalisierungsformaten. Für eine passgenaue Gestaltung von Lernangeboten für elementarpädagogische Fachkräfte erscheint insbesondere der gezielte Einsatz unterschiedlicher Professionalisierungsformate sinnvoll. | ||
