Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 6l: Einzelbeiträge: Bildungstheorie
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Vom Ende einer sterblichen Welt. Bildungstheoretische Implikationen des drohenden Massenaussterbens Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Bildung für nachhaltige Entwicklung gewinnt zunehmend an Bedeutung und ist bestrebt, die globalen Maßstäbe der Klimakrise und des Anthropozäns mit lokalen Praxen zu verknüpfen. Auffällig ist, dass das drohende Sechste Große Massenaussterben bislang kaum auf seine bildungstheoretischen Implikationen hin befragt wurde, obwohl sich an diesem Phänomen paradigmatisch die Verschränkung lokaler und globaler Prozesse zeigt. Denn jedes Aussterbe-Ereignis ist universal und partikular zugleich: Keine Art stirbt nur für sich, sondern konkretes Aussterben hat Auswirkungen auf weitreichende ökosystemische Zusammenhänge, und dennoch ist es als Ereignis einzigartig. Im Zentrum meines Beitrags steht die bildungstheoretische Annäherung an diese Problematik. Ausgangspunkt bildet der Ansatz von Forster und Scherrer (2021), die den Begriff der Globalisierung angesichts einer zunehmenden Zerstörung der Welt neu fassen und daraus einen spezifischen Bildungsbegriff gewinnen. Die Autor_innen spitzen Bildung insofern zu, als die primäre Herausforderung der Globalisierung in der Praxis besteht, eine Welt zu bilden. Eine solche Praxis der Weltbildung ist dabei einem singulären, lokalen Engagement verpflichtet, das zugleich auf den universalistischen Anspruch zielt, eine lebbare Welt zu schaffen. Mithilfe des Romans „Der Letzte seiner Art“ (Grimbert 2024) über das Artensterben des Riesenalks möchte mein Beitrag das Phänomen von Aussterbe-Ereignissen in diesen Bildungsbegriff integrieren und reflektieren. Die Diskussion des Romans soll es ermöglichen, den bildungstheoretischen Einsatz des Textes zu dessen Grenzen zu treiben und zu überschreiten. Damit schließt mein Beitrag an erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzungen an, die das Erkenntnispotenzial literarischer Texte hervorheben. Unter anderem Koller (2014) insistiert darauf, dass Literatur nicht nur eine illustrative, sondern ebenso eine theoriebildende Funktion erfüllen kann. Dies kann für Bildungstheorien besonders bedeutsam sein, da literarische Texte „verdrängte Aspekte des pädagogischen Feldes zu erfassen [vermögen]“ (ebd.: 342). Theoriebildend und methodisch gilt es daher, nicht allein den Inhalt, sondern ebenso die literarische Form dezidiert zu analysieren, um so „Bildung als Textgeschehen“ (ebd.) zu erschließen. Zentral ist die Frage: Welche Impulse kann die literarisch fundierte Reflexion des Aussterbens für eine zeitgemäße Bildungstheorie im Kontext der Glokalisierung bieten? Das argumentative Ziel des Beitrages besteht sodann darin, die Zuwendung zur Welt nicht nur in der schöpferischen Bildung der Welt aufzusuchen, sondern das Moment des Verlustes einer sterblichen Welt zu fokussieren. Menschliche Lebensweisen haben angesichts des gegenwärtigen Massenaussterbens somit einen verantwortlichen Teil daran, (k)eine Welt zu bilden. Damit eröffnet der Beitrag eine neue Perspektive auf bildungstheoretische Fragestellungen im Anthropozän. Denn die Erfahrung von Verlust erscheint somit nicht als reines Defizit, sondern als unverzichtbarer Bestandteil und womöglich verdrängter Aspekt der Weltbildung selbst. Über Apokalypse-Blindheit und Bildung – Herausforderungen hinsichtlich planetarer Zukunft Universität Innsbruck, Österreich Günther Anders konstatiert in seinem ersten Band der „Antiquiertheit des Menschen“ (1956), dass Menschen apokalypse-blind seien, da sie die menschliche Zerstörungskraft nicht wahrhaben möchten, obwohl sie tagtäglich mit dieser – vor allem in den Medien – konfrontiert werden würden (vgl. Anders, 2018a [1956], 259ff.). Seine mittlerweile vor 70 Jahren gemachte Diagnose trifft heutzutage umso mehr zu, da sich die Zerstörungskraft um ein Vielfaches potenziert hat und die bewusste Beschäftigung sich durch Fake News, alternative Fakten etc. zum Teil ins Gegenteil gewendet hat. Dabei ist diese Blindheit nicht nur auf globaler Ebene sichtbar, sondern ebenso auf lokaler: Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen finden überall statt und der globale Klimawandel zeigt sich regional (vgl. Otto 2023). Wissenschaftlich wird seit Jahrzehnten darauf verwiesen und nachgewiesen, dass die Menschheit nicht nur sich selbst auslöschen kann (und wird), sondern dass das planetare Ökosystem genauso betroffen ist – und ohne dieses kann die Menschheit nicht überleben. Das sich der Planet Erde in irgendeiner Art und Weise wieder nach dem Verschwinden des Menschen erholen wird, ist durch die Erdgeschichte mehr als bewiesen (vgl. Lohwasser 2025). Weshalb die Menschheit dazu neigt, diese Tatsachen zu negieren und die eigene Zerstörungskraft zu verdrängen, kann zwar psychologisch teilweise nachvollzogen werden, aber weshalb vor allem politisch und gesellschaftlich keine gemeinsame Strategie entwickelt wird, ist umso weniger nachvollziehbar. Dieser Beitrag möchte sich in diesem Zusammenhang theoretisch einerseits mit der Apokalypse-Blindheit, wie sie Günther Anders postuliert hat, und deren Konsequenzen beschäftigen, weiters soll in diesem Kontext gefragt werden, wie bildungstheoretisch darauf geantwortet werden kann und wie eine Bildungstheorie auf die Apokalypse-Blindheit antworten kann. Dabei werden mögliche alltagsbezogene Möglichkeiten, die glokal wirken können und in der Hochschulbildung in Projekten durchgeführt wurden, aufgezeigt. | ||
