Veranstaltungsprogramm
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Session 6j: Symposium: Resilienz im Bildungswesen
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Strukturelle Kapazitäten als Beitrag zur Resilienzentwicklung im Bildungswesen - Bausteine der Resilienz II Das Resilienzkonzept stellt einen tragfähigen Ansatz dar, um Bildungsprozesse inklusiver und entwicklungsförderlicher zu gestalten und damit die psychische Gesundheit junger Menschen zu stärken. In der Forschung werden, neben individuellen Ressourcen, soziale und strukturelle Ressourcen zunehmend hervorgehoben (Ungar 2013). Opp (2017) betont die Bedeutung sicherer Räume, die Kinder für Lernprozesse und die Bewältigung ihres Alltags benötigen. Bildungseinrichtungen können solche sicheren Räume auf unterschiedliche Weise zur Verfügung stellen sowie kontinuierlich adaptieren und weiterentwickeln, indem sie förderliche Rahmenbedingungen bzw. Prozesse initiieren, die Kompetenz(erleben), Wachstum und Selbstwirksamkeit ermöglichen und somit eine soziale Resilienzressource darstellen (vgl. Hofmann et al., 2021). Das Symposium greift einen zentralen Schwerpunkt des B3-Forschungsprojekts "Bausteine der Resilienz" auf und widmet sich der Frage, welche Bedeutung strukturellen Ressourcen – neben sozialen und individuellen Ressourcen – für eine resilienzförderliche pädagogische Begleitung von Schüler:innen zukommt. Darüber hinaus wird diskutiert, inwiefern die Widerstandsfähigkeit von Schulen im Sinne organisationaler Resilienz selbst zu einer entwicklungsförderlichen Atmosphäre beitragen kann. Der erste Beitrag im Symposium untersucht aufbauend auf einem Verständnis von organisationaler Resilienz als nach außen krisenstabilisierender und zugleich nach innen entwicklungsförderlicher organisationaler Fähigkeit (Hoffmann, 2017; Soucek, Schlett, & Pauls, 2018), den Stellenwert des Konzepts der Eigeninitiative als Wirkmechanismus im Mikrosystem Schule. Im Rahmen des zweiten Beitrags wird die Relevanz der Förderung von Beratungs- und Mentoringkompetenzen von angehenden Lehrpersonen und eines sich daraus veränderten Rollenverständnisses diskutiert. Die Begleitung der psychischen und sozialen Entwicklung der Schüler:innen ist in diesem Kontext neben dem Lehren von Inhalten zunehmend auch eine zentrale Aufgabe von Lehrpersonen (z.B. Gardner & Stephens-Pisecco, 2019). Im dritten Beitrag werden Möglichkeiten zur gezielten Prävention und Stärkung der psychischen Gesundheit von Schüler:innen durch eine multiprofessionelle Zusammenarbeit – die aktuell auch politisch gefordert wird (z.B. Der Standard, 2025) - diskutiert. Beispielhaft werden Effekte eines gemeinsamen Kunstworkshops von Lehrpersonen mit Psycholog:innen in Bezug auf Selbstmitgefühl und Körperbild Resilienz dargestellt und diskutiert. Anhand dieser drei Beiträge, die Ergebnisse interdisziplinärer, empirischer und multimethodisch durchgeführter Studien berichten, wird diskutiert, wie Kapazitäten des strukturellen Umfelds und dabei insbesondere institutionell bereitgestellte Ressourcen die Resilienzentwicklung von Schüler:innen und Studierenden nachhaltig fördern können. Das Symposium steht in direktem Zusammenhang zu Symposium I, in dem Transitionen im Bildungsverlauf vom Kindergarten bis zur Hochschule im Mittelpunkt stehen. Die Beiträge in Symposium I und II ergeben zusammen mehrere “Bausteine”, die im Sinne von Innovationen als forschungsbasierte Grundlagen für Veränderungen im Bildungsbereich dienen können. Beiträge des Symposiums Resiliente Schulen – Fokus Eigeninitiative Im Zeitalter der Polykrise geraten Schulen immer mehr unter Druck, ihre Aufgaben als Bildungs- und Sozialeinrichtungen zu erfüllen. Alte Lösungen und Pläne werden obsolet, neue Lösungen und Strategien müssen erst gefunden und entwickelt werden. Während wir in unserer ersten Studie „Organisationale Resilienz in Schulen – Von der Ist-Stand-Analyse zu Entwicklungsansätzen für die Schule der Zukunft“ den Ist-Stand der Resilienz in österreichischen Mittelschulen erfasst haben, ging es in der 2. darauf aufbauenden Studie um die Frage der dynamischen Aktivierung der schulischen Potenziale. Wir fragten uns: „Unterscheiden sich Schulen mit einer hohen Ausprägung organisationaler Resilienz im proaktiven Verhalten aller Akteur*innen, insbesondere von Lehrkräften?“ Dabei fokussierten wir „Eigeninitiative“, definiert nach Frese (2001) als selbststartendes, proaktives und beharrliches Handeln, bei dem eine Person aus eigener Motivation heraus aktiv wird, Probleme überwindet und die Umwelt gestaltet, als möglichen Wirkmechanismus für das Entstehen resilienter Strukturen und Prozesse. Ergänzend untersuchten wir das Zusammenwirken mit „Handlungsspielraum“ und „Selbstwirksamkeit“ als weitere Aspekte organisationaler Resilienz. Schulleiter und Lehrpersonen wurden im Querschnitt mittels Onlinebefragung per LimeSurvey zu verschiedenen Aspekten von organisationaler Resilienz (Schulte et al., 2016), Eigeninitiative (Fay & Frese, 2001), Handlungsspielraum (Prümper et al., 1995) und Selbstwirksamkeit (Jerusalem & Schwarzer, 2003) befragt. Unter Berücksichtigung der schulischen Mehrebenenstruktur wurden potenzielle Zusammenhänge zwischen Eigeninitiative, Selbstwirksamkeit und Handlungsspielraum im Kontext organisationaler Resilienz geprüft. Mögliche Moderations- und Mediationsbeziehungen wurden berücksichtigt, ohne die funktionale Rolle der beteiligten Konstrukte vorab festzulegen. Bibliografie
Frese, M. (2001). Personal initiative: The theoretical concept and empirical findings. In M. Erez, U. Kleinbeck, & H. Thierry (Eds.), Work Motivation in the Context of a Globalizing Economy (pp. 99–110). Erlbaum. Hoffmann, G. P. (2017). Organisationale Resilienz. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-53944-6 Schulte, E.-M., Gessnitzer, S. & Kauffeld, S. (2021). FITOR - Fragebogen zur individuellen, Team und organisationalen Resilienz. Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-63685-5 Mentoring als Sprungbrett – Förderung von Beratungskompetenz und Resilienzorientierung in der Lehramtsausbildung In einer zunehmend komplexen Welt mit globalen Herausforderungen und lokalen Auswirkungen gewinnt die Förderung von Kompetenzen gegenüber reiner Wissensvermittlung an Bedeutung. Lehrpersonen sind dabei gefordert, nicht nur als Wissensvermittler:innen, sondern verstärkt als Lernbegleiter:innen zu agieren. Beratungskompetenz und die Befähigung zur Begleitung sowie Anregung selbstregulierten und lebenslangen Lernens werden zu zentralen professionellen Kompetenzen. Gleichzeitig zeigt die Resilienzforschung, dass vertrauensvolle Beziehungen zu Bezugspersonen eine wesentliche soziale Ressource für die Bewältigung von Herausforderungen darstellen. Mentoring-Beziehungen können hier als Schutzfaktor wirken und die Resilienz von Jugendlichen nicht nur in kritischen Entwicklungsphasen stärken. Im Rahmen des B3-Projekts „Bausteine der Resilienz“ wird u. a. untersucht, inwiefern eine strukturierte Mentor:innenausbildung im Lehramtsstudium solche Kompetenzen angehender Lehrpersonen fördert und ihr Rollenverständnis in Richtung einer resilienzorientierten Haltung verändert. Zudem wird analysiert, wie Lehramtsstudierende durch die praktische Mentoring-Erfahrung lernen, vertrauensvolle Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen, die als soziale Ressource zur Resilienzförderung bei Schüler:innen der Sekundarstufe dienen können. Im Rahmen eines zweisemestrigen Wahlmoduls im Umfang von 12 ECTS an der Universität Salzburg wurden Lehramtsstudierende zu Mentor:innen ausgebildet. Die Ausbildung umfasste beispielsweise psychologisches Hintergrundwissen zu Mentoring, sozialen Interaktionen und Gesprächsführung, Begabungs- und Motivationsförderung sowie der Begleitung selbstregulierten Lernens. Die Studierenden betreuten über zwei Semester hinweg in eigenständigen, außerschulischen und mindestens zweimal monatlich stattfindenden Treffen eine:n Mentee zwischen 12 und 14 Jahre. Neben den drei vorbereitenden und begleitenden Lehrveranstaltungen wurden sie darüber hinaus durch Supervision unterstützt. Die Datenerhebung erfolgte durch Pre- und Post-Erhebungen. Diese enthielten Skalen zu unterschiedlichen Beratungskompetenzen sowie zum Rollenverständnis. Zudem wurden Logbucheinträge nach jedem Mentoring-Treffen dokumentiert (Zielsetzung, Ortswahl, Zufriedenheit). Die Stichprobe umfasst 50 Mentor:innen (58 % weiblich, durchschnittlich im 7. Semester) aus vier Kohorten. Die Ergebnisse zeigen signifikant positive Effekte der Mentor:innenausbildung auf die Beratungskompetenz, diagnostische Kompetenz, Kompetenz zur Begleitung selbstregulierten Lernens sowie Beratungswissen. Zudem veränderte sich das Rollenverständnis der Studierenden deutlich in Richtung einer begleitenden Lehrendenrolle. Die Befunde legen nahe, dass das Lehramtsstudium – insbesondere für die Sekundarstufe – stärker Elemente integrieren sollte, die angehende Lehrpersonen im Beraten und Coachen schulen und mit denen sie ihr Rollenverständnis als resilienzfördernde Lernbegleiter:innen entwickeln können. Bibliografie
DuBois, D. L., & Karcher, M. J. (2014). Handbook of youth mentoring. SAGE Publications, Inc., https://dx.doi.org/10.4135/9781412996907. Rönnau-Böse, M. & Fröhlich-Gildhoff, K. (2024). Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne. Stuttgart: Kohlhammer. Ziegler, A. (2009). Mentoring: Konzeptuelle Grundlagen und Wirksamkeitsanalyse. In H. Stöger, A. Ziegler & D. Schimker (Hrsg.), Mentoring: Theoretische Hintergründe, empirische Befunde und praktische Anwendung (S. 7–29). Lengerich: Pabst Science Publisher. Mit Kunst und Selbstmitgefühl Körperbild-Resilienz stärken – funktioniert das? Der Übergang zum jungen Erwachsenenalter ist mit zentralen Entwicklungsaufgaben verbunden, darunter der Aufbau erster romantischer Beziehungen sowie die Positionierung in der Peergroup. Diese Prozesse gehen häufig mit einer erhöhten Sensibilität gegenüber dem eigenen Aussehen einher. Der Einfluss sozialer Medien kann bestehende Unsicherheiten zusätzlich verstärken und körperbezogene Selbstbewertungen negativ beeinflussen. Obwohl diese Themen für die psychosoziale Entwicklung bedeutsam sind, können sie im regulären schulischen Unterricht oftmals weder ausreichend noch mit der notwendigen Sensibilität aufgegriffen werden. Gleichzeitig stellen sie eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Lehrplaninhalten dar, insbesondere im Bereich der Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung. Vor diesem Hintergrund erscheint die Implementierung außercurricularer Workshops als geeigneter Ansatz, um Jugendlichen einen geschützten und reflexiven Raum zur Auseinandersetzung mit Körperbild und Selbstmitgefühl zu bieten. Auf Grundlage der Arbeiten von Mahon und Hevey (2022) wurde ein eintägiger Schulworkshop (240 Minuten) konzipiert, der Selbstmitgefühlsübungen mit einer kritischen Reflexion sozialer Medien verbindet. In Kooperation mit einer Kunstlehrkraft wurden klassische Selbstmitgefühlsinterventionen kreativ-künstlerisch umgesetzt, um einen erfahrungsorientierten Zugang zu ermöglichen. Der Workshop wird mit zwei Schulklassen im Alter von 14 bis 18 Jahren pilotiert. Die Machbarkeit des Formats wird im Sinne von Akzeptanz, Engagement und potenzieller Effektivität überprüft. Darüber hinaus erfolgt eine differenzierte Evaluation einzelner Trainingsbestandteile. Zur Datenerhebung wird ein Mixed-Methods-Design eingesetzt: Quantitative Daten werden deskriptiv sowie mittels Prä-Post-Vergleichen analysiert, qualitative Daten werden anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Durch die Integration beider Datenquellen werden Metainferenzen gebildet, um folgende Forschungsfragen zu beantworten: (1) Ist der Workshop im schulischen Kontext machbar? und (2) Welche Elemente erweisen sich im Klassenkontext als besonders wirksam bzw. herausfordernd? Die Ergebnisse liefern erste Hinweise zur praktischen Umsetzbarkeit kunstbasierter Selbstmitgefühlsinterventionen zur Förderung von Körperbild-Resilienz im Jugendalter. Bibliografie
Mahon, C., & Hevey, D. (2023). Pilot trial of a self-compassion intervention to address adolescents' social media-related body image concerns. Clinical child psychology and psychiatry, 28(1), 307–322. https://doi.org/10.1177/13591045221099215 | ||
