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Should I stay or should I go? Bedingungen und Prozesse, die Dropout in verschiedenen Phasen des Studiums und Berufs(quer)einstiegs vorhersagen (B3) – Methodologische Zugänge und Synergiepotenzial
Gabriele Hörl1, Sabine Bergner2, Corinna Koschmieder3, Marlies Matischek-Jauk3, Florian H. Müller5, Aljoscha Neubauer2, Barbara Weißenbacher2, Daniel Dulle3, Anna Kanape2, Vanessa Kopfmüller4, Laura Schiffmann1, Jennifer Schwarze-Kreulitsch5, N N3
1: Private Pädagogische Hochschule Augustinum, Österreich; 2: Universität Graz; 3: Pädagogische Hochschule Steiermark; 4: Johannes Kepler Universität Linz; 5: Universität Klagenfurt
Um geeignete (potenzielle) Lehrkräfte im Bildungssystem zu halten, müssen jene Faktoren eruiert werden, die zu Studienabbruch bzw. Berufsausstieg führen. Dropout ist ein multikausaler, in Phasen ablaufender Prozess, der durch individuelle, strukturelle und situative Faktoren bedingt ist. Bislang fokussieren Studien v.a. Abbruchquoten und Abbruchgründe. Unser Projekt erforscht zudem, welche Personen mit welchen Merkmalen wie lange in Studium bzw. Beruf bleiben und ob, wann und wie Selbstselektion funktional ist:
Sind es die besser oder schlechter geeigneten Kandidat:innen, die ihr Studium nicht beginnen; ihr Studium früh oder nach der ersten Schulpraxis abbrechen; ihre Abschlussarbeiten nicht bewältigen?
Sind es die besser oder schlechter geeigneten Lehrer:innen, die nach Ausbildung nicht in eine Schule gehen; vom Berufseinstieg in den Berufsausstieg übergehen; quereinsteigen und wieder aussteigen?
Ziel ist evidenzbasiertes Wissen zur Empfehlung und Planung kurz- und langfristiger Maßnahmen entlang des gesamten Spektrums der Wege in den Lehrberuf.
In sechs Teilprojekten wird Dropout in unterschiedlichen Phasen, Schultypen und -stufen erforscht:
Viele Lehramtsstudieninteressierte gehen am Weg zum Zulassungstest und direkt danach verloren (Koschmieder et al., 2022), die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt. Projekt A ist explorativ angelegt und untersucht u.a. den Zusammenhang von Studienabbruch mit den Übergangserfahrungen, dem Gelingen der akademischen Integration und der Bewältigung des Studieneinstiegs.
Motivationale Bedingungen und Prozesse spielen im Lehramtsstudium eine doppelte Rolle (König et al., 2018). Projekt B generiert Wissen darüber, wie sich Motivation, Interesse und Studienabbruchsabsicht im Längsschnitt in frühen Studienphasen entwickeln und untersucht, ob tatsächlich jene mit ungünstigen Profilen abbrechen und jene mit günstigen Profilen bleiben.
Die Schulpraxis spiel bei Studienabbrüchen von Lehramtsstudierenden eine Schlüsselrolle. Studien fokussieren fast ausschließlich Verbleibende. Projekt C untersucht Studienabbruch/sneigung in dieser Phase, und prüft die Wirksamkeit spezifischer Interventionen zur Vermeidung von Abbrüchen.
Viele Lehrerpersonen weisen stark ausgeprägte dysfunktionale arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM) auf (Schaarschmidt, 2005). Projekt D fokussiert den frühen Berufsausstieg und untersucht, wie sich dysfunktionale AVEM entwickeln, und ob dies einen Dropout von Lehrpersonen mit niedriger Unterrichtsqualität begünstigt.
Führungsstrukturen im Allgemeinen und Führungskräfte im Besonderen haben maßgeblichen Einfluss auf Kündigungsabsichten. Projekt E untersucht die Rolle der Schulleitung beim Ausstieg von Lehrpersonen systematisch aus einer organisationalen Perspektive.
Es gibt für Österreich keine gesicherte Evidenz, ob und wie erfolgreich Quereinsteiger:innen tatsächlich in den Beruf eintreten und wie lange sie dort verweilen. Projekt F schließt diese Forschungslücke.
Die Forschungswerkstatt thematisiert die methodologischen Zugänge der Teilprojekte und soll die im Gesamtprojekt angelegten Synergiepotenziale (Datensätze, Überschneidungen) sichtbar und nutzbar machen.