Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
Session 6c: Symposium: Global citizenship
| ||
| Präsentationen | ||
Facetten von Global Citizenship Education in schulischen und universitären Kontexten Globalität und Glokalität als Rahmenbedingungen des Alltagslebens sind kein neues Phänomen in Erziehungs- und Bildungswissenschaft und Bildungspraxis. Das Verständnis für globale Entwicklungen und Veränderungen durch Bildung zu fördern, ist in Folge zunehmender Globalisierung und ökologischer Gefährdungen, aber auch im Kontext sozialer Bewegungen ein wichtiges Ziel verschiedener pädagogischer Ansätze. Der Umgang mit der Polykrise und die Suche nach Lösungen, nach alternativen Entwicklungswegen oder notwendigen Anpassungen, rücken die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft, Bildung und ihren Institutionen stärker in den Fokus. Global Citizenship Education (GCED) ist in den letzten Jahren zu einem international anerkannten pädagogischen Forschungs- und Praxisfeld geworden - als Teil der Bildungsziele der Globalen Agenda 2030 und der Sustainable Development Goals. In Österreich ist dies vor allem dank der Bemühungen der österreichischen UNESCO Kommission und des seit 2012 an der Universität Klagenfurt organisierten dreijährigen Masterstudiengangs (Fortbildung) Global Citizenship Education sowie der Implementierung des UNESCO Chairs on Global Citizenship Education, Culture of Diversity and Peace an der Universität Klagenfurt sichtbar geworden. Unter dem Begriff Global Citizenship Education finden sich unterschiedliche Zugänge, die sowohl die Theorieentwicklung als auch die Praxis prägen. Gemeinsam ist diesenunterschiedlichen Ausrichtungen von Global Citizenship Education die Orientierung an einer global community, die Anerkennung der Komplexität einer globalisierten Welt und die Haltung als „global citizen“, der/die globales Denken entwickelt, weltoffen ist und sich der Perspektivität sowie der Grenzen der jeweils eigenen Wahrnehmung der „Welt“ bewusst ist. Die Zugänge unterscheiden sich vor allem in Hinblick auf die Implikationen, die mit dem Begriff des Globalen verbunden sind, ihr jeweiliges Verständnis des Terminus (global) citizenship und die Herangehensweisen an die Umsetzung von Global Citizenship Education. Mit dem Universitätslehrgang und der Etablierung in Bildungsinstitutionen hat auch die Forschungstätigkeit zu GCED zugenommen. Das Symposium präsentiert Aspekte des facettenreichen Forschungs- und Praxisfelds Global Citizenship Education vor. Im Beitrag 1 wird die Bedeutung einer kritischen, inklusiven GCED für die Professionalisierung von Lehrpersonen in Zeiten der Glokalisierung fokussiert. Im Beitrag 2 werden globale Strukturen wie Kolonialität, globale Ungleichheiten und Positionierungen mit lokalen/universitären Kontexten verknüpft. Im Beitrag 3 wird am Beispiel eines Sparkling Science Projekts gezeigt, wie partizipative Forschung mit Schüler:innen zu glokalen Themen deren Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge vertiefen und Selbstwirksamkeit stärken kann. Beiträge des Symposiums Global Citizenship Education - kritisch & inklusiv In diesem Beitrag wird die empirische Forschung zur Bedeutung und zu den Potenzialen einer kritischen und inklusiven Global Citizenship Education für die Professionalisierung in der Lehrer:innenbildung vorgestellt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Phase des Berufseinstiegs von Lehrkräften gelegt, die als besonders sensible, aber zugleich chancenreiche Zeit für transformative Lernprozesse erkannt wird. Der Beitrag analysiert das Potenzial in dieser frühen Berufsphase, um eine kritische Global Citizenship Education in schulische Praxis zu übersetzen und nachhaltige Veränderungen in Schulkulturen anzustoßen. Glokalisierung – das gleichzeitige Wirksamwerden globaler Dynamiken und lokaler Kontexte – bildet dabei den Rahmen, in dem Bildungssysteme, Schulen und Lehrpersonen neue Antworten auf Fragen globaler Gerechtigkeit, Migration, Digitalisierung und sozialer Ungleichheit finden müssen. Konzepte einer kritischen, postkolonial informierten GCED, die an Traditionen kritischer Pädagogik sowie politischer Bildung und Demokratiepädagogik anschließen, können angehende Lehrpersonen befähigen, globale Machtverhältnisse und deren lokale Auswirkungen im Unterricht zu thematisieren und Alternativen zu bestehenden Ordnungen von Ungleichheit sichtbar zu machen. Verflechtungen von Globalem und Lokalem werden didaktisch fruchtbar, zum Beispiel indem globale Machtverhältnisse mit lokalen Erfahrungsräumen von Schülerinnen verknüpft und glokale Konfliktlinien (z.B. Rassismus, Ressourcenkonflikte, ökologische Krisen) im Unterricht reflektiert werden. Bibliografie
Beutel, W., Lange, D., Himmelmann, G., & Gloe, M. (2022). Handbuch Demokratiepädagogik. Wochenschau Verlag. Maurič, U. (2024). Global Citizenship Education in der Lehrer* innenbildung: Potenzial und Chancen für Demokratiepädagogik in der Phase des Berufseinstiegs. Springer Fachmedien Wiesbaden. Maurič, U., & Scherling, J. (2021). Dealing with incompleteness: Cognitive justice as a lodestar for teaching global citizenship in higher education in Austria. In S. Wiksten (Hrsg.), Centering Global Citizenship Education in the Public Sphere (S. 28-41). Routledge. Zum transformativen Potenzial von Global Citizenship Education für den Bildungsraum Universität Der Beitrag fragt nach dem transformativen Potenzial von Global Citizenship Education für den Bildungsraum Universität. Wie weit ist die Universität als Bildungsraum und als soziokultureller Raum offen für das Infragestellen von Wissen, von herkömmlichen Orientierungsmustern und welche Bedeutsamkeit hat eine kritische Global Citizenship Education in diesem Raum? Diese Fragestelllungen werden in zweierlei Hinsicht diskutiert: Einerseits wird untersucht, welche Aspekte von Global Citizenship Education in diversen Lehrpraxen der kritischen Lehre bereits zu finden sind. Auf empirischer Basis (qualitative, problemzentrierte Interviews mit Lehrenden der Universität Wien, die themenzentriert ausgewertet wurden) werden das Potenzial einer machkritischen Lehre sowie daraus sich ergebende Herausforderungen im universitären Alltag, mit denen Lehrende ebenso wie Studierende konfrontiert sind, rekonstruiert. Andererseits diskutiert der Beitrag am Beispiel von marginalisierten Studierenden, insbesondere anhand der Situation von Studierenden aus dem globalen Süden an österreichischen Universitäten, inwiefern die konsequente Umsetzung einer kritischen Global Citizenship Education zu (mehr) Bildungsgerechtigkeit an der Universität sowie zu einem Empowerment dieser Gruppe von Studierenden führen könnte. Der Blick auf Vermittlung und Interaktion mit den Studierenden, der Umgang mit Diversität und Heterogenität fördert einen intersektionalen Blick auf die Praxen kritischer Lehre, die einen machtkritischen Zugang sowie rassismuskritische und diskriminierungssensible Dimensionen umfasst. Dabei wird auch nach tradierten Praktiken kolonialen Denkens und Handelns gefragt und die Debatte um Möglichkeiten und Grenzen von Dekolonialisierungsprozessen aufgegriffen. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse wird der Ausblick auf Möglichkeiten einer solidarischen Praxis geöffnet. Bibliografie
Andreotti, V. de O. (2021). Depth education and the possibility of GCE otherwise. Globalisation, Societies and Education, 19(4), 496–509. Kernegger, M. (2023). Global Citizenship Education. Machtkritische Lehre und postkoloniale Perspektive als transformative Kräfte an der Universität. Südwind-Verlag. Varela, M. D. M. C., & Dhawan, N. (2020). Postkoloniale Theorie: Eine kritische Einführung (3. Auflage). transcript Verlag. Partizipative Bildung im Sparkling-Science-Projekt „CHANGE“ zwischen Global Citizenship Education und lokaler Sozialforschung Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die Beobachtung, dass schulische Bildung in Österreich gesellschaftliche Transformationsprozesse – etwa Globalisierung, Nachhaltigkeit und digitale Transformation – häufig nur fragmentarisch abbildet. Vorherrschende monodisziplinäre Strukturen sowie organisatorische Rahmenbedingungen erschweren eine nachhaltige Verankerung interdisziplinärer und partizipativer Lernformen. Vor diesem Hintergrund wurde an einer Schule eine schulautonome Weiterentwicklung der Stundentafel initiiert, in deren Rahmen unter anderem Global Citizenship Education (GCED) und Advanced Media Competences (AMC) eingeführt wurden. In diesem neuen Schulfach wird das Sparkling Science Projekt „CHANGE“ durchgeführt. Theoretisch verortet sich das Sparkling Science Projekt an der Schnittstelle von Global Citizenship Education, Citizen Science, transformativer Bildung sowie partizipativer Sozialforschung. Ansätze der GCED gehen davon aus, dass Lernende globale Zusammenhänge nicht nur kognitiv verstehen, sondern auch ihre eigene Rolle innerhalb komplexer gesellschaftlicher Systeme reflektieren sollen. Citizen Science erweitert diesen Zugang, indem wissenschaftliche Praxis geöffnet und gesellschaftliche Teilhabe an Forschung ermöglicht wird. In Verbindung mit Konzepten der Glokalisierung wird Bildung hier als dynamischer Prozess verstanden, der lokale Erfahrungsräume mit globalen Entwicklungen verschränkt. Methodisch folgt „CHANGE“ einem qualitativen, partizipativen Citizen-Science-Ansatz. Schüler:innen der 8. Schulstufe entwickeln im GCED-Unterricht eigenständig Forschungsfragen zu sozialer Ungleichheit im lokalen Kontext. Aufbauend auf Impulsen von Expert:innen sowie Begegnungen mit sozialen Einrichtungen planen die Jugendlichen ihre Projekte des forschenden Lernens selbstständig. Ein besonderer Fokus liegt auf reflexiven Lernphasen, in denen die Schüler:innen ihre Rolle als Forschende diskutieren und ethische Aspekte der Datenerhebung berücksichtigen. Lehrende übernehmen die Funktion von Lernbegleiter:innen und unterstützen sowohl den wissenschaftlichen Prozess als auch die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen wie Teamarbeit, Moderation und Projektmanagement. Erste Ergebnisse zeigen, dass partizipative Forschung das Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge vertieft und das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärkt. Durch die Verbindung von lokaler Sozialforschung mit globalen Fragestellungen entsteht ein Lernraum, der Austausch, Solidarität und Verbundenheit zwischen lokalen Lebensrealitäten und globalen Diskursen fördert. In der Umsetzung des Sparkling Science Projekts zeigt sich, dass strukturelle Anpassungen im Schulalltag notwendig wären, etwa hinsichtlich Zeitressourcen, Bewertungskultur und institutioneller Unterstützung. Insgesamt verdeutlicht das Projekt, dass Bildung im Kontext von Glokalisierung eine zentrale Rolle in gesellschaftlichen Transformationsprozessen einnehmen kann, wenn Schüler:innen nicht nur Wissen konsumieren, sondern als aktive Forschende an der Gestaltung von Zukunftsperspektiven beteiligt werden. Bibliografie
Bourn, D. (2020). The Bloomsbury handbook of global education and learning. Bloomsbury Academic. Heigl, F., Kieslinger, B., Paul, K. T., Uhlik, J., & Dörler, D. (2019). Toward an international definition of citizen science. Proceedings of the National Academy of Sciences, 116(17), 8089–8092. UNESCO. (2015). Global citizenship education: Topics and learning objectives. UNESCO Publishing. | ||
