Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 3n: Symposium: Schulentwicklungsberatung
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It takes two to tango!? Empiriegestützte Einblicke in die Zusammenarbeit von SchulentwicklungsberaterInnen und Schulleitungen im Rahmen eines Schulentwicklungsprozesses Schulen werden zunehmend durch SchulentwicklungsberaterInnen unterstützt, ihre Fähigkeiten zur eigenständigen Schulentwicklung zu stärken. Dabei begleiten diese die Schulleitungen bei der Strukturierung schulischer Veränderungsprozesse sowie bei der Ausarbeitung von Strategien in den Bereichen Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung. Die Schulleitung spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle, da sie selbst integraler Bestandteil dieser Prozesse ist und ihr Führungsverhalten, ihre Kommunikationsstrukturen sowie ihr Umgang mit Veränderung maßgeblich den Erfolg bestimmen. SchulentwicklungsberaterInnen und Schulleitung stehen dabei in einem engen und wechselseitigen Verhältnis. Während die BeraterInnen begleitende, moderierende und reflektierende Funktionen übernehmen, liegt die Verantwortung für Umsetzung, Beteiligung des Kollegiums und Nachhaltigkeit der Maßnahmen bei der Schulleitung. Vor diesem Hintergrund rückt die Zusammenarbeit von SchulentwicklungsberaterInnen und Schulleitungen als zentrale Ermöglichungsbedingung schulischer Entwicklung zunehmend in den Fokus der empirischen Schulforschung. Beratungs- und Führungstätigkeiten werden dabei nicht als getrennte Handlungsfelder, sondern als ko-konstruktive Praxis verstanden, in der Ziele, organisationsbezogene Deutungen und Entwicklungsstrategien gemeinsam ausgehandelt und umgesetzt werden (können). Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass qualitativ hochwertige Schulentwicklungsprozesse nur dann gelingen, wenn diese Zusammenarbeit durch gegenseitiges Vertrauen, Rollenklarheit und geteilte Zielvorstellungen geprägt ist. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit in system- und organisationsbezogene Rahmenbedingungen eingebettet, die Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Handlungsspielräume bzw. -logiken (vor-)strukturieren. Sie verläuft daher weder kontext- noch konfliktfrei, sondern erfordert vielmehr kontextsensitive und situationsbezogene Aushandlungsprozesse. Vor diesem skizzierten Hintergrund widmen sich die Beiträge des Symposiums der Frage, wie die Zusammenarbeit von SchulentwicklungsberaterInnen und Schulleitungen im Schulentwicklungsprozess gestaltet wird, welchen Herausforderungen sie unterliegt und wie Beratungs- und Führungsrollen produktiv aufeinander bezogen werden können? Besonderes Interesse gilt dabei:
Ziel des Symposiums ist es, Zusammenarbeit als zentrale Voraussetzung erfolgreicher Schulentwicklungsprozesse sichtbar zu machen und einen Austausch zwischen Forschung, Beratung und Praxis zu ermöglichen, der zur Weiterentwicklung kooperativer Beratungs- und Führungsansätze einen Beitrag leistet. Beiträge des Symposiums Zur Rolle der Schulleitung in Schulentwicklungsberatungsprozessen aus inter-nationaler Perspektive – ein Scoping Review Schulentwicklungsprozesse sind in vielen Bildungssystemen zunehmend in komplexe Arrangements der Neuen Steuerung eingebunden. In diesem Kontext kommt der Schulleitung seit geraumer Zeit eine zentrale Rolle als Schnittstelle zwischen externen Steuerungsimpulsen und schulinterner Entwicklungsarbeit zu. Entsprechend haben auch externe Formen der Schulentwicklungsberatung, etwa Prozessbegleitung, die Arbeit mit „critical friends“ oder staatlich organisierte Unterstützungsprogramme, sowohl in Österreich als auch international an Bedeutung gewonnen. Trotz dieser Entwicklung fehlt bislang ein Überblick darüber, wie Schulleitungen solche Beratungsprozesse im Zusammenspiel unterschiedlicher Steuerungsakteur:innen und -logiken vor Ort initiieren, gestalten und in die schulische Entwicklungsarbeit integrieren. Vor diesem Hintergrund zielt der vorliegende Beitrag darauf ab, die Rolle der Schulleitung in Schulentwicklungsberatungsprozessen systematisch zu analysieren. Daraus ergeben sich die folgenden Forschungsfragen: FF1: Wie wird die Rolle der Schulleitung im Zusammenhang mit externen Schulentwicklungsberatungsprozessen in unterschiedlichen Bildungssystemen verstanden, kontextualisiert oder theoretisch aufgearbeitet? FF2: Welchen Einfluss haben die Handlungen und Entscheidungen von Schulleitungen in Beratungsprozessen auf die Umsetzung und Integration schulischer Entwicklungsmaßnahmen? Die Literatursuche erfolgte in einschlägigen internationalen Datenbanken (Scopus, Web of Science, ERIC) und umfasst deutsch- sowie englischsprachige qualitative, quantitative, Mixed-Methods-Studien sowie konzeptionelle Beiträge aus unterschiedlichen Bildungssystemen. Die eingeschlossenen Arbeiten werden inhaltlich im Hinblick auf das Rollenverständnis von Schulleitungen sowie auf die Ausgestaltung der Beratungsprozesse vor dem Hintergrund kontextspezifischer Steuerungsarrangements analysiert. Erste Ergebnisse zeigen, dass Schulleitungen in Beratungsprozessen multiple, teils spannungsreiche Rollen einnehmen, die sich (auch) aus ihrer Position als intermediäre Akteurin innerhalb des Mehrebenensystems Schule ergeben. Hierbei konnten bereits in Teilen wiederkehrende Spannungsfelder zwischen Unterstützung und Rechenschaftslegung, Autonomie und externer Steuerung sowie kurzfristiger Problembearbeitung und langfristiger Organisationsentwicklung identifiziert werden. Ferner ist die Nutzung externer Beratungsangebote ersten Erkenntnissen zufolge weniger auf die Spezifik einzelner Beratungsformate zurückzuführen, sondern scheint vielmehr mit der generellen Zielpriorisierung/Gewichtung des Schulentwicklungsberatungsprozesses von Seiten der Schulleitung zusammenzuhängen. Der Beitrag befindet sich in einem fortgeschrittenen Arbeitsstadium und wird bis zur ÖFEB 2026 zur Ergebnispräsentation fertiggestellt. Bibliografie
Dedering, K. (2024): Unterstützungssysteme im einzelschulischen Entwicklungsprozess. Zeitschrift für Bildungsforschung, 14 (2), 179-205. https://doi.org/10.1007/s35834-024-00423-y Gunter, H. M., Hall, D. & Mills, C. (2015). Consultants, consultancy and consultocracy in education policymaking in England. Journal of Education Policy, 30(4), 518-539. https://doi.org/10.1080/02680939.2014.963163 Tricco, A. C., Lillie, E., Zarin, W., et al. (2016). A scoping review on the conduct and reporting of scoping reviews. BMC Medical Research Methodology, 16(1), 15. https://doi.org/10.1186/s12874-016-0116-4 Wenn Leitung durch Schulentwicklungsberatung dynamisch wird. Empirische Einsichten in Akteurskonstellationen und Aushandlungsprozesse in Schulentwicklungsprozessen Schulentwicklungsberatung (SEB) wird im deutschsprachigen Diskurs als organisationale Beratungsform verstanden, die schulische Entwicklungsprozesse nicht über formale Entscheidungsmacht, sondern über Strukturierung, Moderation und die Rahmung organisationaler Aushandlungen unterstützt (Dedering et al. 2022). Anknüpfend an organisations- und beratungstheoretische Ansätze kann SEB als Berater:innen–Klient:innensystem beschrieben werden, in dem Beratungs- und Schulsystem in wechselseitiger Interaktion ein temporäres Beratungssystem ausbilden. Innerhalb dieses Systems werden Rollen, Zuständigkeiten sowie Steuerungs- und Leitungsfunktionen nicht vorausgesetzt, sondern situativ hervorgebracht und ausgehandelt. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Beitrag die übergreifende Fragestellung, wie sich Leitungsrollen und -dynamiken in Schulentwicklungsprozessen mit Schulentwicklungsberatung verändern und an welchen Prozesspunkten diese Veränderungen ausgehandelt bzw. sichtbar werden. Der Vortrag basiert auf zwei voneinander unabhängigen empirischen Forschungsprojekten, die einerseits unterschiedliche Phasen schulischer Beratungsprozesse und andererseits die damit verbundenen Tätigkeiten in den Blick nehmen. Der erste Teil des Beitrags (Braun) greift empirische Ergebnisse aus laufenden Schulentwicklungsberatungsprozessen auf und fokussiert Aushandlungen von Leitungs- und Steuerungsfunktionen im Verlauf einer Beratung (Braun et al. 2025). Im Zentrum stehen dabei prozessuale Knotenpunkte wie die schrittweise Einbindung von Stellvertretungen und Qualitäts-Schulkoordinator:innen, die Einrichtung und Leitung von Steuergruppen sowie die Moderation zentraler schulischer Kommunikations- und Entscheidungsformate durch Schulentwicklungsberater:innen. Die Analysen verdeutlichen, dass Schulentwicklungsberater:innen in diesen Situationen eine strukturierende und intermediäre Rolle einnehmen: Sie gestalten Prozessarchitekturen, rahmen Aushandlungen und stabilisieren Entwicklungsverläufe, ohne selbst formale Leitungsfunktionen zu übernehmen. Der zweite Teil des Beitrags (Windischbauer) baut auf einer ersten Analyse zur Anfangsphase schulischer Beratungsprozesse in Österreich (Windischbauer & Kemethofer, online first) auf. Im Rahmen von fünf multiperspektivischen Fallstudien im Längsschnitt wurden Dokumente, Beobachtungen und Interviews mit Schulleitungen, Schulentwicklungsberater*innen und anderen relevanten Akteur*innen, wie den zuständigen Schulqualitätsmanager*innen, Qualitätsschulkoordinator*innen und Stellvertretungen inhaltsanalytisch betreffend Leitungsdynamiken, die sich bereits im Zuge der Auftragsklärung aber auch im weiteren Verlauf der Prozesse zeigen, ausgewertet. Die Befunde machen deutlich, dass bereits sehr früh bestehende Strukturen geöffnet werden und neue Gesprächsräume, Rollenverständnisse und Entscheidungsmodalitäten entstehen, in denen Führung neu verteilt und teilweise neue Akteur*innen in diese Aufgabe miteingebunden werden. Zusammengenommen zeigen die Befunde beider Projekte, dass veränderte Leitungsfunktionen in Schulentwicklungsprozessen nicht kontinuierlich, sondern punktuell verdichtet auftreten. Führung wird in diesen Situationen geteilt, erweitert oder temporär verschoben, sodass sich Shared bzw. Extended Leadership als situative Praxis rekonstruieren lässt (Dedering et al. 2022). Abschließend diskutiert der Beitrag, welche dieser dynamischen Konstellationen sich als tragfähig erweisen, wie temporäre Leitungsarrangements stabilisiert oder wieder aufgelöst werden und inwiefern ergänzend klar definierte Projekt- oder Transferrollen erforderlich sind, um geteilte Führung im Rahmen schulischer Entwicklungsprozesse nachhaltig zu verankern. Bibliografie
Braun, K., Brauckmann-Sajkiewicz, S., & Kemethofer, D. (2025). „Die wissen ja auch nicht so genau, was sie wollen“ – Empiriegestützte Einsichten in die Rolle und das Handeln von Schulentwicklungsberater:innen in Kärnten. phpublico, 15, 60–66. https://doi.org/10.5281/zenodo.17574615 Dedering, K., Kamarianakis, E., & Racherbäumer, K. (2022). Schulentwicklungsberatung: Begrifflich-konzeptionelle Grundlegung, empirische Betrachtung und (kritische) Perspektivierung. Die Deutsche Schule, 114(4), 345–362. https://doi.org/10.31244/dds.2022.04.04 Windischbauer, S., & Kemethofer, D. (online first). Zentrale Phänomene in der Anfangsphase schulischer Beratungsprozesse – Fallstudien in Österreich. Die Deutsche Schule. Advance online publication. It Takes More than Two to Tango: Schulkultur als Boden und Rhythmus schulischer Entwicklungsprozesse an Schulen in benachteiligten Lagen Schulentwicklungsprozesse zielen grundsätzlich auf eine nachhaltige Verbesserung pädagogischer Qualität. In der schulischen Praxis zeigt sich jedoch wiederholt, dass entsprechende Initiativen häufig nicht in einer tiefgreifenden Veränderung von Schulkultur münden, was sich insbesondere darin zeigt, dass Veränderungen auf der Ebene der Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen sowie verbesserte Lernergebnisse der Schüler:innen vielfach ausbleiben. Diese Problematik gewinnt vor dem Hintergrund anhaltender Bildungsungleichheiten besondere Relevanz, da es bislang nicht systematisch gelingt, Schulen in sozial benachteiligten Lagen so zu unterstützen, dass sie die Lernleistungen ihrer Schüler:innen nachhaltig fördern können. Vor diesem Hintergrund wurden in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Schulentwicklungsprojekte initiiert, in denen auch Schulentwicklungsberatung als zentraler Unterstützungsakteur mitgedacht und implementiert wurde. Schulentwicklungsberater:innen übernehmen dabei häufig die Aufgabe, schulische Veränderungsprozesse auf der Ebene der Einzelschule zu strukturieren, zu moderieren und strategisch zu begleiten (vgl. Dedering et al., 2022, Dean et al. 2021). Zugleich zeigt sich, dass Beratungsprozesse erheblich variieren, etwa hinsichtlich ihrer zeitlichen Anlage, ihrer institutionellen Einbettung sowie ihrer inhaltlichen Ausrichtung. Bislang wurde jedoch nur unzureichend untersucht, ob, unter welchen Bedingungen und in welcher Ausgestaltung Schulentwicklungsberatung zu Entwicklungsprozessen beiträgt, die auch auf der Ebene der Schulkultur bis hin zu Schüler:innenleistungen wirksam werden. Der vorliegende Beitrag greift diese Forschungslücke auf und untersucht auf der Grundlage mehrerer empirischer Studien zu Schulen in sozial benachteiligten Kontexten das Zusammenspiel von Schulentwicklungsberatung und Schulleitung. Im Zentrum steht die Frage, wie Beratungsprozesse in Interaktion mit Schulleitungen gestaltet werden, um Schulentwicklungsprozesse so zu initiieren und voranzutreiben, dass sie über formale Strukturveränderungen hinausgehen und Schulkultur nachhaltig transformieren. Methodisch basiert der Beitrag auf einem Datenkorpus von leitfadengestützten Interviews (N = 20) mit Schulentwicklungsberater:innen und Schulleitungen, die mit der dokumentarischen Methode ausgewertet wurden (Bohnsack et al. 2013). Die Rekonstruktionen verweisen darauf, dass sowohl auf Seiten der Schulentwicklungsberatungen als auch der Schulleitungen unterschiedliche Praktiken, professionelle Orientierungen und Relevanzsetzungen schulkulturelle Deutungsmuster vorhanden sind, die Schulentwicklungsprozesse jeweils spezifisch präfigurieren. Darüber hinaus zeigt sich, dass eine primär strategische Ausrichtung von Schulentwicklungsberatung, die auf die Implementierung formaler Strukturen und Instrumente fokussiert, nicht auszureichen scheint, um tiefgreifende kulturelle Veränderungen zu bewirken. Die Analysen scheinen den Ausspruch „Culture eats Strategy for Breakfast“ zu bestätigen, da Strategien wirkungslos bleiben, wenn sie die Orientierungen, Routinen und Sinnzuschreibungen der Einzelschule unberücksichtigt lassen. Daran anknüpfend diskutiert der Beitrag Implikationen für Schulentwicklungsberatung mit besonderem Fokus auf Schulen in sozial benachteiligten Kontexten. Bibliografie
Bohnsack, R., Nentwig-Gesemann, I., & Nohl, A. M. (Eds.). (2013). Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis: Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Springer-Verlag. Dean, I., Beckmann, L., Racherbäumer, K., & Bremm, N. (2021). Obligatory coaching in the con-text of the model project ‚Talent Schools‘: a means for educational equity and improvement of achievement outcomes? International Journal of Mentoring and Coaching in Education, 10 (4), 466–485. Dedering, K., Kamarianakis, E., & Racherbäumer, K. (2022). Schulentwicklungsberatung. Begrifflich-konzeptionelle Grundlegung, empirische Betrachtung und (kritische) Perspektivierung. DDS – Die Deutsche Schule, 114 (4), 345–362. | ||
