Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 5j: Symposium: Wohlbefinden SuS
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Heterogenität, Einflussfaktoren und Entwicklung von Schulischem Wohlbefinden bzw. Schulentfremdung – Ergebnisse quantitativer Studien in der Sekundarstufe in Österreich Die empirische Forschung zu schulischem Wohlbefinden (SWB) - verstanden als multidimensionales Konstrukt aus affektiven, kognitiven und sozialen Bewertungen schulischer Erfahrungen - zeigt klar dessen Einfluss auf verschiedene Outcomes, insbesondere den schulischen Lernerfolg von Schüler:innen. Es steht in positivem Zusammenhang mit sozialen Bedingungen in der Schule wie dem Klassenklima (Hascher et al., 2018; Serke, 2019). Allerdings nimmt SWB während der Schullaufbahn häufig ab. Zudem steht niedriges SWB im Zusammenhang mit ungünstigeren Bildungsbiographien. Das Konstrukt der Schulentfremdung, das als Muster negativer kognitiver und affektiver Einstellungen gegenüber zentralen schulischen Erfahrungsdomänen, insbesondere dem Lernen, den Lehrpersonen und Peersverstanden werden kann, greift dieses Phänomen auf. Es gilt als zentraler Indikator eines schrittweisen Loslösungsprozesses von Schule und Bildung (Hascher & Hadjar, 2018). Im Unterschied zu SWB nimmt Schulentfremdung im Lauf der Schullaufbahn eher zu. Zudem wurden systematische Zusammenhänge zwischen SWB und Schulentfremdung empirisch bestätigt. So konnten Hascher und Morinaj zeigen, dass positive Dimensionen von SWB positiv mit dem Konstrukt der Schulentfremdung korrelieren. Negative Dimensionen von SWB dagegen korrelieren negativ mit Schulentfremdung (Morinaj & Hascher, 2017). Das Symposium präsentiert 3 quantitative Studien zu schulischem Wohlbefinden und Schulentfremdung unter Schüler:innen der Sekundarstufe in Österreich. Analysiert werden erstens die Stabilität latenter Wohlbefindensprofile über ein Schuljahr, zweitens Risikofaktoren niedrigen Wohlbefindens anhand soziodemografischer und individueller Merkmale und drittens Zusammenhänge zwischen Lebenskompetenzen und Schulentfremdung auf Individual- und Klassenebene. Ziel ist ein integrativer Blick auf Entwicklung, Heterogenität und relevante individuelle, soziale und strukturelle Einflussfaktoren. Abschließend findet eine gemeinsame Diskussion im Plenum statt. Beiträge des Symposiums Veränderungen im Wohlbefinden von Sekundarschülern in der Schule: ein personenzentrierter Ansatz mittels latenter Transitionsanalyse Theoretischer Hintergrund Schulisches Wohlbefinden (SWB) wird aufgrund seiner weitreichenden Konsequenzen für verschiedene Schüler:innenoutcomes (Hascher et al., 2018) mittlerweile von der Bildungspolitik zunehmend anerkannt und berücksichtigt (OECD, 2023). Trotz der zunehmenden Priorisierung des SWB zeigen empirische Studien (Buecker et al., 2023) konsequent dessen Rückgang im Verlauf der Bildungskarriere – insbesondere in Phasen der Transitionen im Bildungswesen. Bisher haben nur wenige Studien explizit untersucht, wie sich das SWB von Schüler:innen während und um Übergangsphasen herum verändert und welche individuellen und kontextuellen Faktoren (z.B. akademische Leistung und Sozialbeziehungen zu Lehrkräften und Peers) zu diesen Veränderungen beitragen. Fragestellung Die Studie untersucht, ob eine Klassifizierung von Schüler:innen anhand ihres SWB zu Beginn der Sekundarschule stabil bleibt, oder ob sich die aufgefundenen latenten Profile, sowie die Zugehörigkeit zu diesen in Abhängigkeit von Schulart, Geschlecht, Migrationshintergrund, akademischer Leistung und wahrgenommenen Sozialbeziehungen im Laufe eines Schuljahres verändert. Methode Es wurden Daten von n = 1.346 Schüler:innen (Alter: M = 10.19, SD = 0.48; 80.7% weiblich, 25.7% Migrationshintergrund, 51.5% in Realschulen) ausgewertet, die an mindestens zwei der drei Messzeitpunkte zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 teilgenommen hatten. Zunächst wurden latente Profilanalysen (LPA) separat für jeden der Messzeitpunkte berechnet. Die dort extrahierten Profile wurden im Anschluss mittels latenten Transitionsanalysen (LTA) auf Stabilität geprüft und dahingehend analysiert welchen Einfluss die genannten Kovariaten auf die Eingruppierungs- und Wechselwahrscheinlichkeit zwischen den Profilen nehmen. Ergebnisse Die Ergebnisse zeigen zunächst für alle drei Messzeitpunkte eine vier-Profil-Lösung (hohes SWB: 28-43%, ambivalentes SWB: 28-37%; moderates SWB: 11-39%, niedriges SBW: 5-10%). Ferner zeigen sie, dass das ungünstigste der vier identifizierten Profile, das eine vergleichsweise höhere Anzahl von Jungen und Schüler:innen mit Migrationshintergrund aufweist, am wenigsten stabil ist (t1: B = .35, S.E. = 0.12, t2: B = .41, S.E. = 0.07). Die Qualität der sozialen Beziehungen steht in Zusammenhang mit günstigeren Profilübergängen: Schüler:innen, die ihre sozialen Beziehungen als positiver empfinden, werden häufiger Profilen zugeordnet oder wechseln zu Profilen, die ein hohes Maß an SWB widerspiegeln. Die schulischen Leistungen der Schüler:innen stehen ebenfalls in Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit eines Profilwechsels, obwohl die Auswirkungen relativ gering und heterogen sind. Diskussion Die durchgeführte Studie liefert wertvolle Einblicke in die Dynamik des SWB kurz nach dem Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, individuelle Unterschiede in den Wohlbefindensprofilen zu berücksichtigen, sowie den Einfluss sozialer Beziehungen und schulischer Leistungen auf das SWB der Schüler:innen. Bibliografie
Buecker, S., Luhmann, M., Haehner, P., Bühler, J. L., Dapp, L. C., Luciano, E. C. & Orth, U. (2023). The development of subjective well-being across the life span: A meta-analytic review of longitudinal studies. Psychological Bulletin, 149(7-8), 418–446. https://doi.org/10.1037/bul0000401 Hascher, T., Morinaj, J., & Waber, J. (2018). Schulisches Wohlbefinden: Eine Einführung in Konzept und Forschungsstand. In K. Rathmann & K. Hurrelmann (Eds.), Leistung und Wohlbefinden in der Schule: Herausforderung Inklusion. (S. 66-82). Beltz Juventa OECD. (2023). PISA 2022 Results (Volume II): Learning during - and from - disruption. OECD. https://doi.org/10.1787/a97db61c-en Wenn Schule belastet: Eine Subgruppenanalyse zu Schüler:innen mit niedrigem schulischem Wohlbefinden Theoretischer Hintergrund Fragestellung Methode Ergebnisse Diskussion Bibliografie
Hascher, T. (2012). Well-Being and Learning in School. In N. M. Seel (Hrsg.), Encyclopedia of the Sciences of Learning (pp. 3453–3456). Springer US. https://doi.org/10.1007/978-1-4419-1428-6_1832 Jugendforschung Pädagogische Hochschulen Österreichs, J. P. H. (Hrsg.). (2026). Lebenswelten 2025. Einstellungen und Werte von Jugendlichen in Österreich. (1. Auflage). Beltz Juventa. Serke, B. (2019). Schulisches Wohlbefinden in inklusiven und exklusiven Schulmodellen: Eine empirische Studie zur Wahrnehmung und Förderung des schulischen Wohlbefindens von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen. Klinkhardt, Julius. Individuelle Ressourcen und klassenbezogene Kontexte: Lebenskompetenzen als Schutzfaktoren gegen Schulentfremdung in der Sekundarstufe II Theoretischer Hintergrund Schulentfremdung beschreibt negative kognitive und affektive Einstellungen von Schüler:innen gegenüber zentralen schulischen Erfahrungsdomänen (Hascher und Hadjar 2018) und gilt als Indikator eines schrittweisen Loslösungsprozesses von Schule und Bildung (Morinaj et al. 2020). Unterschieden werden dabei Entfremdung vom Lernen, von den Lehrpersonen und von Mitschüler:innen. Schulentfremdung ist mit einem erhöhten Risiko des vorzeitigen Verlassens des Bildungssystems verbunden und beeinträchtigt gelingende Übergangs- und Transitionsprozesse zwischen Schule und Beruf bzw. Ausbildung (Böhn und Deutscher 2022). Während die Forschung zu Schulabbruch und schulischer Desintegration bislang vor allem Risikofaktoren fokussiert, liegen vergleichsweise wenige empirische Befunde zu ressourcenorientierten Schutzfaktoren gegen Schulentfremdung vor (Pollak et al. 2024; Cipriano et al. 2023). Ein vielversprechender ressourcenorientierter Ansatzpunkt ist die Förderung von Lebenskompetenzen (Life Skills; WHO − World Health Organization 1997). Life Skills umfassen intra- und interpersonale psychosoziale Fähigkeiten zur konstruktiven Bewältigung schulischer und entwicklungsbezogener Anforderungen. Aus lebenslauf- und präventionsorientierter Perspektive können Lebenskompetenzen als individuelle psychosoziale Ressourcen zur Bewältigung schulischer Anforderungen verstanden werden, die potenziell mit Schulentfremdung zusammenhängen. Theoretische Ansätze zur Schulentfremdung betonen, dass schulische Einstellungen wesentlich durch soziale und institutionelle Kontexte, insbesondere die Klasse als zentrales soziales Bezugsfeld, mitgeprägt werden (Morinaj et al. 2020). Fragestellung Der vorliegende Beitrag untersucht anhand von Daten aus dem Projekt „Promoting Life Skills (ProLiSk)“, wie Lebenskompetenzen auf Individual- und Klassenebene mit Schulentfremdung zusammenhängen. Im Zentrum stehen drei Fragestellungen: (2) Inwiefern gehen individuelle Lebenskompetenzen mit geringerer Schulentfremdung in allen drei Domänen einher? (3) Zeigen sich über individuelle Kompetenzen hinaus klassenbezogene Kontext- bzw. Kompositionseffekte der Lebenskompetenzen? Methodik Datengrundlage ist eine Querschnittserhebung (T1) von Schüler:innen der 9. Schulstufe in der Sekundarstufe II (AHS, BHS, BMS, PTS) in Oberösterreich und Vorarlberg. Neben individuellen Lebenskompetenzen werden klassenbezogene Merkmale in Form aggregierter Lebenskompetenzen berücksichtigt, um Kontext- und Kompositionseffekte des Klassenumfelds zu prüfen. Alle Modelle kontrollieren zentrale soziodemografische und schulische Hintergrundmerkmale (u.a. Geschlecht, Migrationshintergrund, Familiensprache, sozioökonomischer Bildungshintergrund). Ergebnisse Erwartet werden signifikante negative Zusammenhänge zwischen Lebenskompetenzen und Schulentfremdung auf Individual- und Klassenebene. Dabei wird geprüft, ob sich neben individuellen auch klassenbezogene Kontext- und Kompositionseffekte zeigen. Der Beitrag leistet einen empirischen Beitrag zur Schulentfremdungsforschung, indem individuelle und klassenbezogene Lebenskompetenzen theoriegeleitet als potenzielle Schutzfaktoren gemeinsam analysiert werden. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf systemische, klassenbezogene Präventions- und Förderperspektiven in der Sekundarstufe II sowie auf gelingende Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf diskutiert. Bibliografie
Böhn, Svenja; Deutscher, Viola (2022): Dropout from initial vocational training – A meta-synthesis of reasons from the apprentice's point of view. In: Educational Research Review 35, S. 100414. DOI: 10.1016/j.edurev.2021.100414. Cipriano, Christina; Strambler, Michael J.; Naples, Lauren H.; Ha, Cheyeon; Kirk, Megan; Wood, Miranda et al. (2023): The state of evidence for social and emotional learning: A contemporary meta-analysis of universal school-based SEL interventions. In: Child development 94 (5), S. 1181–1204. DOI: 10.1111/cdev.13968. Hascher, Tina; Hadjar, Andreas (2018): School alienation – Theoretical approaches and educational research. In: Educational Research 60 (2), S. 171–188. DOI: 10.1080/00131881.2018.1443021. | ||
