Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
Session 5i: Einzelbeiträge: Inklusion
| ||
| Präsentationen | ||
Jugendliche Stimmen zur Inklusion – regionale, internationale und globale Perspektiven Jugendlicher in unterschiedlichen bildungspolitischen Systemen 1: KPH Edith Stein, Österreich; 2: Freie Universität Berlin, Deutschland Österreich und Italien verfolgen hinsichtlich der schulischen Inklusion unterschiedlich Ansätze, wodurch die Chancen von Schüler*innen, am Bildungssystem gleichberechtigt teilzuhaben und sich aktiv einzubringen, beeinflusst werden. Während Österreich noch ein ausdifferenziertes Sonderschulsystem besitzt, löste Italien bereits 1977 alle Sonderschulen auf (Salino 2024; Janovsky & Resinger 2022). Die UN-Behindertenrechtskonvention, von Österreich 2008 und Italien 2009 ratifiziert, rückt das Thema in den Fokus schulpolitischer Bemühungen und betont das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderungen und fordert ein inklusives Bildungssystem ohne Diskriminierung, das Chancengleichheit und lebenslanges Lernen gewährleistet (Vereinte Nationen 2006). Der Beitrag geht aus von den globalen Voraussetzungen der schulischen Inklusion am Beispiel der UN- Behindertenrechtskonvention (ebd.) und dem hierin verankerten menschenrechtlichen Verständnis von Behinderung, und begibt sich dann anhand empirischer Befunde der Lebensweltenstudie von dieser globalen Perspektive immer weiter hin zu lokalen, regionalen und konkret schul- und unterrichtsspezifischen Perspektiven der Jugendlichen. Dabei soll die im Call for Papers aufgeworfene Frage auf der Grundlage des umfangreichen Datensatzes fokussiert werden: Welche Bedeutung haben Partizipation, Teilhabe und Inklusion in globalen und lokalen Kontexten? Die Lebensweltenstudie, welche die empirische Basis des Beitrags darstellt, untersuchte zwischen März 2020 und Januar 2021 die Lebenswelten von über 6.500 Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren in Tirol, Südtirol und dem Trentino (Janovsky & Resinger 2022). Dabei wurden die jungen Menschen anhand eines quantitativen Online-Fragebogens zu verschiedenen Lebensbereichen befragt, unter anderem auch zu Inklusion, Partizipation und Teilhabe. Aktuell findet eine erneute Erhebung in der EUREGIO statt, bei welcher Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren zu diesen und weiteren Themenfeldern befragt werden. Ziel des Beitrags ist es, anhand der Daten von 2021 die jugendlichen Perspektiven auf Partizipation, Teilhabe und Inklusion darzulegen und mithilfe der derzeit in Erhebung befindlichen Daten Veränderungen, Tendenzen und Perspektiven aufzuzeigen. Der Beitrag fokussiert auf Fragen der schulischen Inklusion: die berichtete soziale Distanz gegenüber Menschen mit Behinderungen, das Normalitätsdenken der Jugendlichen mit Blick auf das Thema Behinderungen sowie das eigene Erleben der Inklusion in der Klasse. Die Ergebnisse der Studie von 2021 zeigen u.a. deutliche Unterschiede hinsichtlich der politischen Wohnregion (Tirol, Südtirol, Trentino), der besuchten Schulform und der Rolle der Lehrperson. Demgegenüber zeigen wir auf, dass hinsichtlich der geografischen Wohnregion (städtisch, intermediär, ländlich) keine relevanten Unterschiede identifiziert werden können. Es soll in diesem Zusammenhang somit u.a. diskutiert werden, inwiefern die Teilhabemöglichkeiten Jugendlicher von globalen und lokalen systemischen Strukturen geprägt sind und welche Konsequenzen sich daraus bildungspolitisch und pädagogisch identifizieren lassen. „Dem Gemeinsamen auf der Spur…?!“ – Videographische Interaktionsanalysen von Schüler:innen vor dem Hintergrund diversitätssensibler Lehr- und Lernmaterialien Universität Innsbruck, Österreich Die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich zur Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems, das allen Schüler:innen gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch, dass inklusive Reformen nicht konsequent greifen und exklusive Beschulungsformen zuletzt wieder zugenommen haben. Dieser Trend wird in vielen europäischen Bildungssystemen dokumentiert, sodass Inklusion eine gesellschaftliche internationale Herausforderung darstellt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Teilhabe im Unterricht konkret ermöglicht werden kann. Der Beitrag fokussiert empirisch rekonstruierbare Teilhabeprozesse von Schüler:innen im Umgang mit diversitätssensiblen Lehr- und Lernmaterialien. Grundlage bildet das Lehr-Lern-Labor für inklusive Bildung, in dem Studierende gemeinsam Lernkisten entwickeln, erproben und weiterentwickeln. Diese Materialien orientieren sich an der Differenzierungsmatrix nach Sasse und Schulzeck (2021), an den ITM Kriterien für inklusionssensible Bildungsmaterialien (Vogt et al., 2021) sowie Kriterien des Universal Design vor Learning (CAST, 2024) und fördern kooperatives Lernen an einem fächerübergreifenden gemeinsamen Gegenständen (Feuser, 2013). Im vergangenen Wintersemester wurden diese Lernsettings erstmals videographisch untersucht, um Interaktionen von Schüler:innen in inklusiven Lerngruppen mehrdimensional zu rekonstruieren. Die leitende Forschungsfrage lautet: Wie zeigt sich Teilhabe von Schüler:innen in kooperativen Lernsituationen mit diversitätssensiblen Materialien und welche sozialen, sprachlichen, körperlichen und materiellen Bedingungen fördern oder begrenzen sie? Zur Beantwortung werden die Daten nach der erziehungswissenschaftlichen Videographieforschung (Dinkelaker & Herrle, 2009) ausgewertet, die eine systematische Kombination verschiedener Analysemethoden zur Rekonstruktion unterschiedlicher Ebenen ermöglicht. Insgesamt werden drei Analyseebenen untersucht: vom sozialen Prozess über die Kooperation zur Materialität als Ermöglichungs- oder Hemmnisfaktor, wobei in diesem Beitrag v.a. die Ergebnisse hinsichtlich der Teilhabe vorgestellt werden. Der Fokus liegt bewusst auf „gelingenden Inklusionsmomenten“, um die Perspektive vorwiegend defizitorientierter Beschreibungen zu erweitern. Gerade weil die simultane Informationsflut ein prägendes gesellschaftliches Moment darstellt, wird über die Videoanalyse im Kontrast sichtbar gemacht, was gegenwärtig im Alltag unmöglich erscheint: das genaue Wahrnehmen und Analysieren von alltäglichen Praktiken von Schüler:innen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Zieldimension der Teilhabe. Gleichzeitig zeigt die methodische Herangehensweise, wie lokale Unterrichtspraktiken im Kontext globaler Bildungsdiskurse (Glokalisierung) empirisch zugänglich werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich Teilhabeprozesse in Anlehnung an Booth & Ainscow (2019) sowohl auf sprachlicher Ebene als auch in sozialen und körperlichen Prozessen zeigen. Daraus resultierende Aspekte der Involviertheit, Kommunikation und Barrierefreiheit, werden vorgestellt und diskutiert. Der Beitrag liefert damit Einsichten in die Gestaltung von Bildung im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse, in dem er zeigt, wie Partizipation, Teilhabe und Inklusion im Unterricht realisiert werden können. Bildungsfachkräfte in tertiären Bildungssettings – ein inklusives Qualifizierungsmodell PPH Augustinum, Österreich Gerade im Bereich inklusiver Bildung stellt sich die Frage, wie international formulierte menschenrechtliche Ansprüche, insbesondere jene der UN-Behindertenrechtskonvention, in konkrete, lokal verankerte Professionalisierungsprozesse übersetzt und nachhaltig implementiert werden können. Der Beitrag greift diese Fragestellung auf und stellt das Konzept der Inklusiven Bildungsfachkräfte als Beispiel innovativer Bildungsentwicklung in der Pädagog*innenbildung vor. Ausgangspunkt ist ein international einzigartiges Qualifizierungsmodell, das seit 2013 am Institut für Inklusive Bildung in Kiel umgesetzt wird und mittlerweile an zahlreichen Standorten in Deutschland etabliert ist. Menschen mit Lernschwierigkeiten werden dort in einem dreijährigen Qualifizierungsprogramm zu Bildungsfachkräften ausgebildet, die als Expert*innen in eigener Sache nicht nur an der Hochschullehre mitwirken, sondern diese aktiv mitgestalten (Institut für Inklusive Bildung, 2025). Empirische Studien belegen die Wirksamkeit dieses Ansatzes: Die Einbindung von Bildungsfachkräften in Lehrveranstaltungen führt bei Studierenden zu einer implizit positiveren Einstellung gegenüber Inklusion, baut Hemmschwellen ab und erhöht die Sensibilität für Barrieren (Kloska et al., 2022; Mechler et al., 2023). Der Beitrag fokussiert die Konzeptionsphase eines österreichischen Pilotprojekts, das als Kooperationsprojekt einer Pädagogischen Hochschule und einer Trägerorganisation im Bereich der Behindertenhilfe entwickelt wurde und ab Herbst 2026 implementiert werden soll. Im Zentrum steht die Frage, wie ein lokal erfolgreiches, global inspiriertes Modell unter Berücksichtigung regionaler Bildungsstrukturen, rechtlicher Rahmenbedingungen und institutioneller Besonderheiten adaptiert und weiterentwickelt werden kann. Dabei sind insbesondere die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Behindertenhilfe zu berücksichtigen, die sich deutlich von jenen in Deutschland unterscheiden. Zentrale Elemente des Projekts sind derzeit neben der Schaffung adäquater Rahmenbedingungen auch partizipative Entwicklungsprozesse, die sich konsequent an der UN-Behindertenrechtskonvention orientieren. In einem Projektteam aus Personen mit und ohne Behinderungen wird aktuell an einem mehrstufigen und barrierearmen Bewerbungsprozess sowie an der Entwicklung des Curriculums gearbeitet. Anders als in Kiel sollen Menschen mit Behinderungen in der Qualifizierungsphase nicht ausschließlich die Rolle von Lernenden einnehmen, sondern an der inhaltlichen Gestaltung und Vermittlung der Lehrangebote aktiv mitwirken. Ein weiteres Ziel besteht darin, im Rahmen der Umsetzung des Curriculums Lehrende mit Behinderungen zu akquirieren, die als Vortragende tätig sind. Diese beiden Bereiche – Bewerbungsprozess und Curriculumentwicklung – werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Der Beitrag stellt neben dem Konzept auch erste Ergebnisse der Begleitevaluation vor. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Pädagog*innenbildung und zur nachhaltigen Verankerung inklusiver Expertise im Bildungssystem. Zentral ist jedoch die Umsetzung des menschenrechtlichen Anspruchs auf Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Behinderungen, der im Projekt dadurch eingelöst wird, dass sie als aktiv gestaltende Akteur*innen in Qualifizierung, Lehre und Wissensproduktion mitwirken. | ||
