Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 4/2d: Einzelbeiträge: Digitalisierung
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Digitale Lernortkooperation im dualen System als glokales Bildungsarrangement 1: Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich; 2: Landesberufsschule Dornbirn 2 Die duale Berufsausbildung ist zunehmend von digitalen Transformationsprozessen geprägt, die sowohl globale technologische Entwicklungen als auch lokale institutionelle und organisationale Bedingungen kontextualisieren. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag digitale Lernortkooperationen zwischen Berufsschule und Betrieb im Sinne glokaler Bildungsarrangements, in denen globale Trends wie z. B. Digitalisierung und der Künstliche Intelligenz auf lokal verankerte Ausbildungspraktiken, Kooperationskulturen und professionelle Handlungsmuster einwirken. Empirische Grundlage bildet eine qualitative Studie mit leitfadengestützten Expert:inneninterviews mit Lehrpersonen berufsbildender Schulen und betrieblichen Ausbildungsverantwortlichen. Ziel der Untersuchung ist es, Wahrnehmungen, Erfahrungen und Gestaltungslogiken digital unterstützter Lernortkooperation zu rekonstruieren und zentrale Gelingensbedingungen sowie Spannungsfelder zu identifizieren. Methodologisch ist die Studie qualitativ-explorativ angelegt und folgt einer inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Medien und Tools das Potenzial besitzen, Lernortkooperation zeitlich, räumlich und organisatorisch zu flexibilisieren und neue Formen der Abstimmung, Transparenz und gemeinsamen Lernbegleitung zu initiieren. Gleichzeitig werden erhebliche glokale Asymmetrien sichtbar: Unterschiede hinsichtlich digitaler Infrastruktur, organisationaler Kultur, Ressourcenlage und professionellen Kompetenzen prägen die Umsetzungsmöglichkeiten auf lokaler Ebene. Globale technologische Entwicklungen wirken dabei nicht deterministisch, sondern entfalten ihre Wirkung erst im Zusammenspiel mit lokalen Rahmenbedingungen und Akteurskonstellationen. Besonders deutlich wird die Bedeutung sozialer, kommunikativer und pädagogischer Kompetenzen der beteiligten Akteur:innen für das Gelingen digitaler Lernortkooperation. Digitale und KI-gestützte Anwendungen werden weniger als Ersatz, sondern vor allem als unterstützende Werkzeuge für Koordination, Individualisierung und Lernprozessbegleitung wahrgenommen. Der Beitrag leistet einen theoretisch und empirisch fundierten Beitrag zur Diskussion um Bildung in Zeiten der Glokalisierung, indem er aufzeigt, wie globale Digitalisierungsdynamiken in der beruflichen Bildung lokal angeeignet, transformiert und pädagogisch gestaltet werden. Abschließend diskutiert der Beitrag Implikationen für die Weiterentwicklung digitaler Lernortkooperationen und für die Professionalisierung von Lehr- und Ausbildungspersonal. Globale Plattformlogiken und ihre schulischen Aushandlungen: Lernplattformen als glokales Spannungsfeld von Zugehörigkeit und Inklusion Universität Wien, Österreich Bildung ist zunehmend von der Verschränkung globaler und lokaler Prozesse geprägt. Lernplattformen veranschaulichen diese Dynamik: Sie werden überwiegend von international agierenden Technologieunternehmen entwickelt und folgen globalen Logiken der Standardisierung, Effizienz und Kontrolle (Perrotta, 2024). Ihre Wirkung entfalten sie jedoch in lokalen, schulischen Kontexten. Dieser Beitrag trägt empirisch zur Diskussion glokaler Bildungsprozesse bei, indem er Lernplattformen als Schnittstelle zwischen globalen Plattformlogiken und lokalen Aushandlungsprozessen sichtbar macht und untersucht, wie sie für eine inklusivere digitale Bildung adaptiert werden können. Anknüpfend an relationale Raumtheorien verstehen wir Lernplattformen als soziale Räume, in denen Zugehörigkeitsordnungen – und damit Prozesse von Inklusion und Exklusion – durch in Plattformen eingeschriebene Nutzungslogiken, Gestaltungsentscheidungen und Machtverhältnisse hervorgebracht werden (Hummrich, 2010). Ergänzend greifen wir in diesem Beitrag Data-Justice-Ansätze auf, um datenbasierte Formen von Sichtbarkeit, Teilhabe und Marginalisierung auf Lernplattformen mitzudenken (Pangrazio et al., 2024). Vor diesem Hintergrund adressieren wir folgende Forschungsfrage: Inwiefern können Schüler*innen im Spannungsfeld globaler Plattformlogiken und lokaler schulischer Kontexte in ihrem Zugehörigkeitsgefühl zu (digitalen) Lernräumen unterstützt werden? Methodisch basiert die Studie auf einem partizipativen Design-Based-Research-Ansatz (Dindler et al., 2020), der an drei Mittelschulen in sozial benachteiligten Kontexten durchgeführt wird. In jeweils fünf Workshops pro Schule reflektieren Schüler*innen bestehende Plattformen und entwickeln Prototypen ihrer „idealen“ Lernplattform. Sie werden als zentrale Akteur*innen einbezogen, um lokale Perspektiven gegenüber global geprägten technologischen Bedingungen zu stärken. Die Analyse der Workshops folgt der dokumentarischen Methode (Bohnsack, 2011). Erste Ergebnisse zeigen, dass Schüler*innen Bedarf an Personalisierung, Autonomie und Selbstbestimmung sowie an mehr und flexibleren Kommunikationsräumen äußern. Personalisierung erweist sich dabei als mehrdimensional und steht in einem Spannungsverhältnis zu den standardisierenden Plattformlogiken: Schüler*innen wünschen sich mehrsprachige Benutzer*innenoberflächen und Inhalte und identifizieren Sprache als Barriere für Zugehörigkeit auf Lernplattformen. Darüber hinaus zeigen ihre Ideen zu adaptiven Lernsettings und KI-gestützten Tutorings Potenziale für inklusivere Lernmöglichkeiten auf Lernplattformen. Personalisierung ist zugleich eng mit Gestaltungsfreiheit und individuellem Ausdruck verknüpft: So fordern Schüler*innen individualisierbare Benutzer*innenoberflächen, Avatare und andere Gestaltungsoptionen. Diese Forderungen zeigen, dass Zugehörigkeitsempfinden nicht allein durch Zugang, sondern auch durch selbstbestimmte digitale Identitätsgestaltung entsteht. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund zunehmend datafizierter Schulen bedeutsam, in denen Schüler*innen verstärkt über datenbasierte Repräsentationen („data-doppelgangers“; Pierlejewski, 2020) erfasst und klassifiziert werden. Neben Personalisierung artikulieren die Schüler*innen ein Bedürfnis nach mehr Kommunikationsmöglichkeiten und gemeinschaftsbezogenen Funktionen. Dies verdeutlicht die Bedeutung von Gemeinschaft und sozialer Einbettung für ihr Zugehörigkeitsempfinden auf Lernplattformen. Die Forderung nach „safer spaces“ macht zudem sichtbar, dass bestehende Lernplattformen nicht von allen Schüler*innen gleichermaßen als inklusiv erlebt werden. Die digitale Transformation in Folge der Corona-Lockdowns? Zum Vergleich von Unterrichtsinteraktionen vor und nach den Corona-Lockdowns als Glokalisierungsphänomen RPTU Kaiserslautern-Landau, Deutschland Die Corona-Lockdowns und die damit verbundenen digitalen Unterrichtsversionen werden immer wieder mit einer grundsätzlichen Transformation des schulischen Unterrichts in Deutschland verbunden (Proske et al. 2024; Vogt & Schmidt 2021). Einerseits wird dabei das Verhältnis nationaler Besonderheiten zu globalen Trends selten problematisiert, andererseits zeichnen mikrologische erziehungswissenschaftliche Studien mitunter ein Bild sich ändernder Praktiken mit digitalen Medien bei gleichbleibenden grundlegenden oder sich minimal verschiebenden Logiken (z.B. König & Lischka-Schmidt 2024). Allerdings erfolgen diese Aussagen selten anhand von Daten, bei denen dieselben Agierenden untersucht werden. Anhand von videographischen Daten aus dem Spanischunterricht von drei Lehrpersonen, die vor (2019 bzw. 2020) und nach (2022) den Lockdowns aufgenommen worden sind (Tesch & Grein 2023), werden die Fragen nach Transformation und glokalen Spuren diskutiert. Die Lehrpersonen unterrichten in denselben Klassenstufen und deshalb unterschiedliche Lerngruppen, sodass die Analysen auf die Lehrpersonen und in den Klassen jeweils etablierte Routinen im Vergleich fokussieren (Bohnsack 2017). Zwei Lehrpersonen unterrichten an derselben Schule, die dritte an einer anderen Schule und in einem anderen deutschen Bundesland. Als Datengrundlage werden Video- und Audiodateien von je drei Kameras und vier Diktiergeräten genutzt. Zur Analyse wird die dokumentarische Methode genutzt (Bohnsack 2017), die mit Bezug auf Bourdieus Habitusbegriff (Bourdieu 1998) auf die Rekonstruktion von Orientierungsrahmen als grundlegenden Logiken der Praxis zielt. Die Methode ist zur Unterrichtsforschung etabliert (Asbrand & Martens 2018). Die Analysen verweisen auf eine grundsätzliche Ähnlichkeit der fachbezogenen Orientierungsrahmen vor und nach den Lockdowns, auch mit digitalen Werkzeugen, die vorher nicht präsent waren. Insbesondere das Lehrwerk bleibt in seiner Rolle als zentrales Medium (Gerlach & Leupold 2019) des untersuchten Spanischunterrichts erkennbar, sodass eher von Reproduktion als von Transformation zu sprechen ist. Unterschiede zwischen den drei Fällen werden allerdings mit Blick auf die jeweiligen Schulen sichtbar, exemplarisch dass grundlegende Arbeitsroutinen an der sozioökonomisch schwächer verorteten Schule prekär geworden sind. | ||
