Veranstaltungsprogramm
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Session 4/2a: Symposium: Berufseinstieg Lehramt
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Berufseinstieg als Lehrperson: Multiperspektivische Befunde von Berufseinteigenden, Mentor*innen und Schulleitungen aus der FONEB-Studie Der Berufseinstieg in das Lehramt stellt eine zentrale Phase professioneller Entwicklung dar, in der individuelle Kompetenzzuschreibungen (Beer et al., 2025), relationale Unterstützungsprozesse (Dammerer et al., 2025) und organisationale Rahmungen ineinandergreifen. Angesichts zunehmend diversifizierter Qualifikationswege, der damit einhergehenden steigenden Heterogenität der Berufseinsteigenden sowie struktureller Herausforderungen des Bildungssystems gewinnt die Induktionsphase als Ort professioneller Aushandlung besondere Bedeutung (Pädagogische Hochschulen Österreichs, 2025). Im Rahmen der österreichweit angelegten Studie des hochschulübergreifenden Forschungsnetzwerks Berufseinstieg (FONEB) werden über mehrere Jahre hinweg Akteur*innen des Berufseinstiegs in einem Mixed-Methods-Design untersucht. Das vorliegende Symposium greift auf Daten der dritten österreichweiten Erhebungswelle zurück, die im Dezember und Januar 2026 durchgeführt wurde. An der quantitativen Online-Erhebung beteiligten sich 656 Berufseinsteigende der Primar- und Sekundarstufe sowie 213 Mentoratspersonen. Darüber hinaus wurden leitfadengestützte Interviews mit 13 Schulleitungen geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die drei Beiträge des Symposiums basieren auf dieser gemeinsamen Datengrundlage und eröffnen eine systematisch verschränkte, multiperspektivische Analyse des Berufseinstiegs als Lehrperson. Beitrag 1 untersucht professionelle Kompetenzen aus der Perspektive der Berufseinsteigenden (Mentees) und der sie begleitenden Mentor*innen. Während sich in der Primarstufe eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zeigt, schätzen Berufseinsteiger*innen der Sekundarstufe – insbesondere im Quereinstieg – ihre Kompetenzen in Bereichen wie Klassenführung, diagnostischer Kompetenz und Beziehungsgestaltung signifikant höher ein als ihre Mentor*innen. Die Befunde verweisen damit auf schulstufen- und zugangsbezogene Unterschiede in der Passung und machen die Induktionsphase als einen Ort professioneller Kalibrierung sichtbar. Beitrag 2 richtet den Fokus auf Betreuung, Stile und Inhalte des Mentorings. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede in der Wahrnehmung von Betreuungsqualität und Kooperationsmöglichkeiten aus Mentee- und Mentor*innnenperspektive. Insbesondere betreuungsbezogene Themen und verfügbare Zeitressourcen erweisen sich als Spannungsfelder, die für die Qualität der Induktionsphase bedeutsam sind. Beitrag 3 erweitert die Perspektive auf die organisationale Ebene unter Einbezug einer zentralen Akteursgruppe im Berufseinstieg. Auf Grundlage leitfadengestützter Interviews mit Schulleitungen wird schulische Führung nicht primär als unmittelbare Begleitinstanz, sondern als struktur- und rahmengebende Akteurin professioneller Entwicklung rekonstruiert. Sichtbar werden zentrale Handlungsfelder, Verantwortungszuschreibungen sowie strukturelle Spannungs- und Problemlagen im Kontext des Berufseinstiegs. Das verbindende Erkenntnisinteresse des Symposiums besteht darin, Passungsprozesse zwischen individueller Kompetenzzuschreibung, mentorieller Begleitung sowie organisationaler Gestaltung und Unterstützung auf Führungsebene herauszuarbeiten und systematisch zu analysieren. Professionalisierung – insbesondere in der Phase des Berufseinstiegs – wird dabei nicht als isolierter Kompetenzaufbau konzeptualisiert, sondern als relationaler Prozess verstanden, der sich im Zusammenwirken unterschiedlicher Akteur*innen und institutioneller Erwartungsebenen konstituiert. Das Symposium bündelt diese Perspektiven und eröffnet empirisch fundierte Implikationen für die Ausgestaltung der Induktionsphase im österreichischen Bildungssystem. Beiträge des Symposiums Wahrgenommene Kompetenzen im Berufseinstieg – Perspektive der Berufseinsteigenden und der Mentor*innen im Vergleich Der Berufseinstieg von Lehrpersonen stellt eine zentrale Phase der Professionalisierung dar, in der sich die im Rahmen der Ausbildung erworbenen Kompetenzen im schulischen Handlungsfeld bewähren und weiterentwickeln. Der vorliegende Beitrag untersucht die professionelle Kompetenz von Primar- und Sekundarlehrpersonen aus zwei Perspektiven: die Selbsteinschätzung durch die Berufseinsteigenden und Fremdeinschätzung durch die sie begleitenden Mentor*innen. Theoretisch verortet sich die Studie im kompetenztheoretischen Ansatz der Lehrer:innenprofessionalisierung, der Professionalität als Zusammenspiel kognitiver, motivationaler und sozialer Dispositionen versteht. Als Bezugsrahmen dienen die fünf Kompetenzbereiche der Pädagog:innenbildung NEU (allgemeine pädagogische Kompetenz, fachliche und fachdidaktische Kompetenz, soziale Kompetenz, Diversitäts- und Genderkompetenz sowie Professionsverständnis). Im Zentrum stehen zwei Fragestellungen: (1) Wie schätzen Berufseinsteigende der Primar- bzw. Sekundarstufe ihre Kompetenzen ein und wie werden diese von ihren Mentor:innen beurteilt? (2) Inwiefern unterscheiden sich Selbst- und Fremdeinschätzungen innerhalb der Schulstufen Primar- und Sekundarstufe? Zur Beantwortung dieser Fragen werden Daten aus der dritten Erhebungswelle der Studie des österreichweiten Forschungsnetzwerks Berufseinstieg (FONEB) herangezogen. An der Online-Erhebung beteiligten sich n = 887 Berufseinsteigende (Primarstufe, Sekundarstufe) sowie 200 Mentor:innen. Die Kompetenzen wurden mittels des EvaPäd (Flick-Holtsch et al., 2023a) erhoben, ein standardisierter Onlinefragebogen mit zwölf Subskalen auf einer sechsstufigen Likertskala. Die Auswertung erfolgte deskriptiv sowie inferenzstatistisch mittels t-Tests zum Vergleich von Selbst- und Fremdeinschätzungen. Die Ergebnisse zeigen insgesamt hohe Kompetenzwerte in allen untersuchten Bereichen. Für die Primarstufe ergeben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdeinschätzungen, was auf eine weitgehende Übereinstimmung in Bezug auf die Kompetenzen zwischen Berufseinsteigenden und Mentor:innen hindeutet. In der Sekundarstufe hingegen schätzen Berufseinsteigende ihre Kompetenzen in mehreren Bereichen – insbesondere der Klassenführung, der diagnostischen Kompetenz und der Beziehung zu Schüler:innen – signifikant höher ein als ihre Mentor:innen. Dies zeigt sich insbesondere bei Personengruppen, die über kein traditionelles Lehramtsstudium verfügen, sondern über den Quereinstieg oder einen Sondervertrag in den Beruf als Lehrperson einsteigen. Keine Unterschiede zwischen Mentor:innen und Mentees zeigen sich im Professionsverständnis sowie in der Diversitäts- und Genderkompetenz. Die Befunde unterstreichen die Bedeutung der Induktionsphase als Reflexionsraum für professionelle Selbsteinschätzung im Berufseinstieg. Die hohe Selbsteinschätzung in den Kompetenzen der Berufseinsteigenden deckt sich auch mit anderen Studien (Flick-Holtsch et al., 2023b; Prenzel et al., 2021). Ein Erkenntnisgewinn in dieser Studie liegt darin, dass die – selbsteingeschätzten – Kompetenzen der Berufseinsteigenden mit den Fremdeinschätzungen durch die Mentor:innen kontrastiert werden. Die Unterschiede zwischen Mentor:innen und Mentees können evtl. durch eine Überschätzung erklärt werden. Theoriebasiert durchgeführte Unterrichtsbeobachtungen wären als ergänzende Methode sinnvoll, um diese Befunde zu stützen oder einzuschränken. Bibliografie
Flick-Holtsch, D., Hollenstein, L., Haldimann, M., Taras, A., Brühwiler, C., & Biedermann, H. (2023a). Erhebungsinstrument Evaluierung der PädagogInnenbildung NEU in Österreich (EvaPaed) Junglehrpersonen. Fünf Kompetenzbereiche. Pädagogische Hochschule St. Gallen. https://www.phsg.ch/sites/default/files/download/2023/EvaPaed_5-Kompetenzbereiche_Junglehrpersonen-1.pdf Flick-Holtsch, D., Hollenstein, L., Haldimann, M., Taras, A., Brühwiler, C., & Biedermann, H. (2023b). Evaluierung der PädagogInnenbildung NEU in Österreich – Abschlussbericht zur Primarstufe und Sekundarstufe Allgemeinbildung. In A. Schnider, M.-L. Braunsteiner, I. Brunner, C. Hansen, B. Schober, & C. Spiel (Hrsg.), Pädagog*innenbildung. Evaluationen und Analysen (S. 63–188). Medien Heiligenkreuz. Prenzel, M., Huber, M., Muller, C., Höger, B., Reitinger, J., Becker, M., Hoyer, S., Hofer, M., & Lüftenegger, M. (2021). Der Berufseinstieg in das Lehramt. Eine formative Evaluation der neuen Induktionsphase in Österreich. Waxmann. https://doi.org/10.25656/01:21942 Mentoring in der Induktionsphase: Wahrnehmungen von Betreuung, Stil und Inhalten im Vergleich von Mentees und Mentor*innen Seit der Einführung der PädagogInnenbildung Neu werden in Österreich alle Berufseinsteiger*innen im Lehrberuf im Rahmen der Induktionsphase durch Mentor*innen begleitet. Neben den begleitenden Lehrveranstaltungen an Pädagogischen Hochschulen rückt damit die Qualität des Mentorings zunehmend in den Fokus der Professionalisierungsforschung (Dammerer et al., 2020). Mentoring wird dabei als professionelle, relationale Praxis verstanden, die sowohl Qualifikations- als auch Reflexions- und Lernprozesse auf Seiten der Mentees wie auch der Mentorinnen ermöglicht. Seine Qualität ist u. a. abhängig von der Qualifizierung der Mentor*innen, der konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit, der Passung zwischen Mentor*in und Mentee sowie den strukturellen Rahmenbedingungen, insbesondere verfügbaren zeitlichen Ressourcen (Prenzel et al., 2021). Vor dem Hintergrund veränderter gesetzlicher und struktureller Rahmenbedingungen der Induktionsphase liegen für Österreich bislang nur begrenzt empirisch gesicherte Erkenntnisse zur konkreten Ausgestaltung des Mentorings vor. Der Beitrag adressiert diese Forschungslücke und untersucht folgende Fragestellung: Inwiefern unterscheiden sich die Wahrnehmungen von Mentees und Mentor*innen hinsichtlich Betreuung, Stil und Inhalten des Mentorings in der Induktionsphase? Zur Beantwortung dieser Frage wurden Berufseinsteigerinnen (N = 656) sowie Mentor*innen (N = 213) im Rahmen einer standardisierten Online-Erhebung befragt. Erfasst wurden die Form der Betreuung, Möglichkeiten und Inhalte der Zusammenarbeit sowie der wahrgenommene Mentoringstil. Die Auswertung erfolgt deskriptiv und inferenzstatistisch vergleichend. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Unterschiede in der Wahrnehmung der Betreuung und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Mentees und Mentor*innen abzeichnen. Insbesondere betreuungsbezogene Themen sowie verfügbare Zeitressourcen erweisen sich als Spannungsfelder, die für die Qualität der Induktionsphase bedeutsam sind. Die Befunde verweisen auf Optimierungsbedarf in struktureller wie professioneller Hinsicht und unterstreichen die Bedeutung einer systematischen Qualifizierung und institutionellen Rahmung von Mentoring. Daraus ergeben sich Implikationen für die Aus- und Weiterbildung von Mentor*innen sowie für die evidenzbasierte Weiterentwicklung der Induktionsphase im österreichischen Bildungssystem. Bibliografie
Dammerer, J., Wiesner, C., & Windl, E. (Hrsg.). (2020). Mentoring im pädagogischen Kontext: Professionalisierung und Qualifizierung von Lehrpersonen (Pädagogik für Niederösterreich, Band 10). Studienverlag. https://doi.org/10.53349/oa.2022.a2.120 Frey, A., & Pichler, S. (2022). INDUK – Begleitforschungen zur Berufseinstiegsphase (Induktion) in der österreichischen Lehrerinnenbildung im Bundesland Vorarlberg. In G. Schauer, L. Jesacher-Rößler, D. Kemethofer, J. Reitinger, & C. Weber (Hrsg.), Einstiege, Umstiege, Aufstiege: Professionalisierungsforschung in der Lehrerinnenbildung (S. 265–291). Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830995883 Prenzel, M., Huber, M., Muller, C., Höger, B., Reitinger, J., Becker, M., Hoyer, S., Hofer, M., & Lüftenegger, M. (2021). Der Berufseinstieg in das Lehramt: Eine formative Evaluation der neuen Induktionsphase in Österreich. Waxmann. https://doi.org/10.25656/01:21942 Schulleitungshandeln im Berufseinstieg von Lehrpersonen – Erfahrungen, Aufgaben und Herausforderungen aus Sicht von Schulleitungen Der Berufseinstieg in das Lehramt stellt eine besonders sensible Phase professioneller Entwicklung dar, in der sich berufliche Selbstverhältnisse, Handlungsroutinen und professionelle Orientierungen nachhaltig ausformen. Während individuelle Voraussetzungen der Berufseinsteiger:innen bereits untersucht wurden, wird von Ingersoll und Strong (2011) vor allem auf die zentrale Bedeutung der den Berufsanfänger:innen zugewiesenen Mentor:innen hingewiesen. Demgegenüber ist die Rolle von Schulleitungen im Kontext des Berufseinstiegs bislang vergleichsweise wenig empirisch beleuchtet, obwohl ihnen eine zentrale Funktion bei der Gestaltung schulischer Rahmenbedingungen und professioneller Arbeitszusammenhänge zugeschrieben wird (Kocher et al., 2025). Vor diesem Hintergrund setzt die hier vorgestellte Studie an einer bestehenden Forschungslücke an und untersucht das Schulleitungshandeln im Zusammenhang mit dem Berufseinstieg von Lehrpersonen in Österreich. Auf der Grundlage zentraler Ansätze der Schulleitungs- und Leadershipforschung wird Schulleitung dabei nicht primär als direkte Begleitinstanz verstanden, sondern als Akteur:in, die über verschiedene Handlungsfelder (Kruse et al., 2022) die Bedingungen professioneller Entwicklung mitgestaltet. Ziel der Studie ist es, diese Handlungsfelder im Kontext des Berufseinstiegs systematisch zu untersuchen und im Hinblick auf Gelingensbedingungen sowie wahrgenommene Herausforderungen zu analysieren. Leitend sind dabei folgende Forschungsfragen:
Methodisch basiert die Studie auf qualitativen leitfadengestützten Interviews, die 2026 im Rahmen des österreichweiten Forschungsnetzwerks Berufseinstieg (FONEB) mit Schulleitungen geführt wurden. Insgesamt nahmen n = 13 Schulleitungen aller Schulstufen aus unterschiedlichen Regionen Österreichs an der Studie teil. Die Interviews wurden vollständig transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse eröffnen Einblicke in zentrale Handlungslogiken, wahrgenommene Verantwortungsbereiche sowie strukturelle Spannungsfelder, die sich aus Sicht von Schulleitungen im aktuellen Berufseinstieg ergeben. Diese werden im Beitrag entlang ausgewählter Handlungsfelder von Schulleitung diskutiert und im Kontext bestehender schulleitungs- und professionsbezogener Forschung verortet. Damit leistet der Beitrag einen empirischen und theoretischen Beitrag zur multiperspektivischen Erfassung des Berufseinstiegs und ergänzt bestehende Befunde um die bislang unterrepräsentierte Perspektive der Schulleitungen. Bibliografie
Ingersoll, R. M. & Strong, M. (2011). The impact of induction and mentoring programs for beginning teachers: A critical review of the research. Review of Educational Research, 81(2), 201-233. doi: 10.3102/0034654311403323 Kruse, C., Grigoleit, E. & Tulowitzki, P. (2022), Perspektiven der Landesinstitute zur Steuerung digitalisierungsbezogener Professionalisierung von Schulleitungen zwischen Erwartung und Unterstützung: „Aber wenn er nicht ‚Piep‘ sagt, dann kommen wir nicht.“, Gr Interakt Org 53, 491-502. https://doi.org/10.1007/s11612-022-00656-3 Kocher, M., Locher, A. & Košinàr, J. (2025). Die Rolle der Schulleitung in der berufspraktischen Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Zeitschrift für Bildungsforschung. https://doi.org/10.1007/s35834-025-00517-1 | ||
