Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Session 2n: Offenes Format: Bildungstheorie
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Macht.Aufarbeitung.Bildung!? 1: Universität Salzburg, Österreich; 2: Universität Salzburg, Österreich; 3: Universität Salzburg, Österreich; 4: Universität Salzburg, Österreich Forderungen nach Aufarbeitung werden häufig anlassbezogen und im Zuge meist kurzer, intensiver medialer Berichterstattung zu Vorfällen von Grenzverletzungen, Gewalt und Missbrauch in institutionellen (sozial-)pädagogischen Settings laut. Die erst kürzlich im Spätsommer 2025 publik gemachten gewaltvollen Vorfälle in Einrichtungen von SOS-Kinderdorf in Österreich können hier in die Vielzahl anderer auch träger- und einrichtungsübergreifender Fälle eingereiht werden (AG Sozialpädagogik, 19.09.2025). So kann beispielsweise auch die kurzfristig weitreichende mediale Aufmerksamkeit in Bezug auf die Gewalt an gehörlosen und schwerhörigen Kindern und Jugendlichen im Rahmen der sog. ‚Salzburger Landes-Taubstummenanstalt‘ genannt werden, die letztlich deren wissenschaftliche Aufarbeitung für den Zeitraum 1945 bis 1980 veranlasste. Dem medialen und gesellschaftlichen Interesse an Aufarbeitung steht häufig die (Sozial-)Pädagogik und damit auch die Erziehungswissenschaft als disziplinäre Akteurin gegenüber, die Gewalt in institutionellen Kontexten seit 2010 zum Gegenstand wissenschaftlicher Aufarbeitungsforschung macht (Bütow, 2012). Daraus resultiert ein breites Wissensrepertoire und fachliche Expertise, die verschiedene Arbeitsfelder und Institutionen, sowie Räume und Praktiken der Pädagogik in zudem unterschiedlichen Zeiträumen fokussiert, die über genuin sozialpädagogische Handlungsfelder, wie v.a. die Kinder- und Jugendhilfe, hinausreichen. Als (sozial-)pädagogische Praxis adressiert (historische) Aufarbeitung sowohl eine stellvertretende Verantwortungsübernahme für vergangene Gewalt als auch gegenwärtige Verantwortlichkeiten. Wissenschaftliche Studien können lediglich einen Teil von umfangreichen Aufarbeitungsprozessen darstellen (Kavemann et al., 2019, S. 113), da diese notwendigerweise auch politische, institutionelle sowie gesamtgesellschaftliche, teilweise auch gerichtliche Maßnahmen sowie rechtliche Schritte umfassen (müssen). In diesen Aufarbeitungsprozessen mit unterschiedlichen beteiligten Akteur:innen kann die empirische Forschung Kenntnisse zu unterschiedlichen Adressat:innengruppen (Kinder, Jugendliche, Menschen mit Beeinträchtigung(en)/Behinderungserfahrung(en), u.a.m.), Angeboten und Maßnahmen (Kinder- und Jugendhilfe, psychiatrische oder sonderpädagogische Einrichtungen), in verschiedenen (Lebens-)Phasen (Transitionen, Leaving Care) und historischen Kontexten, hinsichtlich verschiedener Praktiken sowie aus verschiedenen Perspektiven – somit auch von Betroffenen selbst – generieren. Der Round Table nimmt die immerwährende Aktualität von Aufarbeitung zum Anlass, anhand von drei durchgeführten Forschungsprojekten Einblicke in empirisches Material zu geben, das disziplinäre, organisationale sowie adressat:innenbezogene übergreifende Strukturen im Kontext von Grenzüberschreitungen thematisiert. Die Spannweite der Studien zur Aufarbeitung von Gewalt an tauben Schüler:innen in einer ‚Taubstummenanstalt‘, zu Leaving Care sowie zur Partizipation von Jugendlichen in sozialpädagogischen Wohngemeinschaften wirft grundlegende Fragen auf, die in einem offenen Austauschformat thematisiert werden sollen: Was kann Aufarbeitungsforschung leisten? Was bedeutet Aufarbeitung für das disziplinäre Wissen? Inwieweit fordert sie das disziplinäre und/oder professionelle Selbstverständnis heraus? Welche kritischen Bildungsprozesse auf den Ebenen von Profession, Disziplin und Organisationen sind möglich? | ||
