Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2m: Einzelbeiträge: BNE Kinder und Jugendliche
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Demokratiebildung im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Schulalltag. Ethnografische Einblicke in eine Grundschule. Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung, Universität Klagenfurt Die aktuellen globalen Herausforderungen wie soziale Ungleichheit, Biodiversitätsverlust und Klimawandel erfordern tiefgreifende gesellschaftliche Transformationsprozesse hin zu nachhaltigeren Lebensweisen. Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wird die zentrale Rolle der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als interdisziplinärer Ansatz zur Unterstützung dieser Prozesse betont. BNE vermittelt Lernenden Wissen, Fähigkeiten, Werte und Haltungen, die notwendig sind, um verantwortungsvolle Entscheidungen im Sinne ökologischer Integrität, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu treffen. Ziel ist die Förderung kritischer Urteilsfähigkeit, reflexiver Auseinandersetzung mit eigenen Handlungsoptionen sowie aktiver Mitgestaltung gesellschaftlicher Transformationsprozesse (Singer-Brodowski et al., 2026). BNE wird zunehmend mit transformativen Lernansätzen verknüpft, die auf eine Veränderung von Bewusstsein abzielen. Gleichzeitig ist das Potenzial individueller Verhaltensänderungen zur Initiierung sozial-ökologischer Transformation begrenzt. Zusätzlich bedarf es demokratischer Lern- und Partizipationsräume, die eine kritische Reflexion von Machtverhältnissen, die Entwicklung alternativer Zukunftsvorstellungen und kollektives Handeln ermöglichen (Kenner, 2025). BNE ist daher eng mit Demokratiebildung verbunden. Empirische Studien zeigen, dass Demokratiebildung politische Kompetenzen, kritisches Denken und Partizipationsbereitschaft stärkt, insbesondere durch partizipative Schulstrukturen wie Klassenräte oder Schüler:innenparlamente. Gerade in der Primarstufe kommt gelebter Demokratie besondere Bedeutung zu. Kinder erwerben hier grundlegende Kompetenzen wie Perspektivenübernahme, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig sind schulische Partizipationsmöglichkeiten durch institutionelle Rahmenbedingungen begrenzt und stark von der Gestaltung durch Lehrpersonen abhängig (Coelen & Wohnig, 2025). Vor diesem Hintergrund untersucht die Dissertation partizipative Schulstrukturen (Klassenrat, Juniorparlament, Schulparlament) an einer österreichischen Volksschule des Netzwerks ÖKOLOGisierung von Schulen und Hochschulen (www.oekolog.at) durch einen ethnographischen Forschungszugang (über die Methoden teilnehmende Beobachtung, Interviews und Dokumentenanalyse). Ziel ist es, zu verstehen, welche Rolle schulische Gremien bei der praktischen Umsetzung von Demokratiebildung an Schulen spielen. Die Forschungsfrage lautet: Wie werden partizipative Entscheidungsprozesse und Konfliktlösungsstrategien im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Schulalltag erworben und erprobt? Die Schulleitung verfolgt das Ziel, Demokratiebildung im Schulalltag erlebbar zu machen und Schüler:innen aktiv an der Gestaltung der Schule zu beteiligen. Seit 1998 findet der wöchentliche Klassenrat in allen Klassen statt, in dem alltagsrelevante Themen offen diskutiert werden. Dadurch sollen soziale und kommunikative Kompetenzen, sowie problemlösendes Denken gefördert werden. Darauf aufbauend erarbeiten die Klassensprecher:innen im Juniorparlament jährliche Schwerpunktthemen, wie Mobilitätsbewusstsein, Glück oder Kinderrechte. Im größten Gremium, dem Schulparlament, treffen Schüler:innen und Lehrkräfte gemeinsam schulweite Entscheidungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung partizipativer Formate stark von der regelmäßigen Umsetzung sowie der pädagogischen Begleitung abhängt und sich im Spannungsfeld von Hierarchie und Autonomie entfaltet. Pädagogische Beziehungen glokal denken: Jugendliche Perspektiven und Implikationen für die Agenda 2030 Universität Innsbruck, Österreich Vor dem Hintergrund der Agenda 2030 erweisen sich pädagogische Beziehungen als Schlüsselfaktor gelingender Bildungsprozesse am lokalen Schulstandort, da sie Wohlbefinden (OECD, 2015), Motivation (Hermann, 2019) und Lernleistung (Felten, 2019) von Schüler*innen maßgeblich prägen. Dieser Beitrag verknüpft Perspektiven Jugendlicher auf pädagogische Beziehungen mit dem Tagungsthema „Bildung in Zeiten der Glokalisierung“, indem er zeigt, wie durch sie globale Leitbilder der Agenda 2030 (SDG 3: Wohlbefinden; SDG 4: Qualitätsbildung) in lokalen Klassenzimmern wirksam werden. Die vorgestellte Studie geht der Frage nach, wie Schüler*innen ihre Beziehungen zu Lehrpersonen erleben und welche Merkmale sie als förderlich bzw. hinderlich beschreiben. Grundlage ist ein qualitatives Forschungsdesign mit asynchronen Audio-Sprachnachrichten (WhatsApp) von Sekundarschüler:innen aus Tirol (n=20). Auf Basis eines breit angelegten Erzählimpulses übermittelten die Jugendlichen ihre Ausführungen über Beziehungen zu ihren Lehrpersonen und deren von ihnen wahrgenommenen Einfluss auf Lernen, Schulalltag, Wohlbefinden und Bildungswege. Die Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen aus Sicht der Jugendlichen einen engen Zusammenhang zwischen relationaler Qualität, Motivation, Leistung und Wohlbefinden. Idealtypisch sind pädagogische Beziehungen, in denen verlässliches, respektvolles professionelles Handeln mit menschlicher Nähe und Fürsorge verbunden sind. Eine gelungene Gestaltung pädagogischer Beziehungen am jeweiligen lokalen Schulstandort stellt ein wesentliches Fundament für das Erreichen globaler Ziele wie qualitätsvoller Bildung (SDG 4) und Wohlbefinden junger Menschen (SDG 3) dar. Daher werden auf Basis der empirischen Untersuchung Schlussfolgerungen für die Professionalisierung im Rahmen der Lehrer*innenausbildung abgeleitet, um die lokale Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele 3 und 4 der Agenda 2030 durch die explizite Integration und Förderung der für Jugendlichen bedeutsamen Aspekte in pädagogischen Beziehungen zu unterstützen. Kognitive Hoffnung, Handlungsintention und Resilienz bei Jugendlichen: Eine Befragung im Kontext der Energiewende 1: Universität Innsbruck; 2: Universität Graz Die Energiewende stellt eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung zur Eindämmung des Klimawandels dar. Jugendliche in Österreich zeigen ein hohes Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Maßnahmen und berichten gleichzeitig von einer zunehmenden Klimawandelangst. Ein übermäßiges Maß an Sorgen kann jedoch die Wahrnehmung der eigenen Handlungsfähigkeit einschränken. Forschungsergebnisse legen nahe, dass kognitive Hoffnung sowie gezielte Interventionen dazu beitragen können, trotz bestehender Ängste die Fähigkeit zu nachhaltigem Handeln zu fördern (Ojala, 2012; Snyder et al., 2002). Das Kooperationsprojekt „WattsAhead – Energiekompetent in die Zukunft“ der Universität Graz und der Universität Innsbruck untersucht die Wechselwirkungen zwischen kognitiver Hoffnung, Risikowahrnehmung und Handlungsintention sowie Resilienz von Jugendlichen im Kontext der Energiewende. Grundlage dafür bildet das Hoffnungsmodell nach Snyder et al. (2002), das drei Dimensionen umfasst: (1.) wünschenswerte Zielsetzungen („Desired Goals“), (2.) Strategien zur Zielerreichung („Pathways Thinking“) und (3.) die Überzeugung, Ziele auch erreichen zu können („Agency Thinking“). Das Hoffnungsmodell nach Snyder et al. (2002) wurde bisher vorrangig auf individuelle Merkmale wie psychische Gesundheit oder Steigerung von Lernerfolge angewandt. Im Kooperationsprojekt wird es erstmals sowohl auf individueller Ebene („Ich …“) als auch auf kollektiver Ebene („Wir in unserer Region …“) betrachtet und auf den Kontext der Energiewende übertragen. Die Berücksichtigung der kollektiven Ebene ist dabei besonders relevant, da eine gelungene Energiewende nur durch Zusammenarbeit und gemeinsames Handeln von Gruppen und Gemeinschaften erreicht werden kann. Die theoretische Fundierung wird durch das Konstrukt der Risikowahrnehmung im Kontext des Klimawandels ergänzt (Xie et al., 2019), da sowohl Hoffnung als auch Risikowahrnehmung entscheidende Faktoren zur Förderung der Handlungsintention darstellen (Ojala, 2012). Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Wie beeinflussen kognitive Hoffnung und Risikowahrnehmung die Handlungsintention von Jugendlichen im Kontext der Energiewende? Es wird die Hypothese aufgestellt, dass sowohl die Dimensionen der kognitiven Hoffnung als auch die Risikowahrnehmung signifikante Effekte auf die Handlungsintention zeigen. Zudem wird angenommen, dass Resilienz und Faktoren der Hoffnung stark miteinander zusammenhängen. Im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung wurden rund 270 Schüler:innen der 8. Schulstufe aus Mittelschulen sowie Gymnasien in der Steiermark und in Tirol zu kognitiver Hoffnung, Risikowahrnehmung, Resilienz und Handlungsintention befragt. Erste Ergebnisse der Status-quo-Erhebung werden im Vortrag vorgestellt und diskutiert. | ||
