Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
Session 5b: Einzelbeiträge: Fachdidaktik
| ||
| Präsentationen | ||
Di/g/ary – Journaling towards Media Literacy. Medienbildung als kritische Demokratiebildung im Kunst- und Gestaltungsunterricht Universität für angewandte Kunst Wien, Österreich, Zentrum Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht Digitale Desinformation, algorithmische Kuratierung und visuelle Bildmanipulation verdeutlichen, wie globale Vernetzungsprozesse lokale Wissensgenese durchdringen. Gerade im Bereich der Demokratiebildung als Teil politischer Bildung zeigt sich im schulischen Kontext ein erhöhter Handlungsbedarf: Der Nationale Bildungsbericht 2024 identifiziert Demokratiebildung als zentrales Entwicklungsfeld und konstatiert, dass die vorhandenen Ansätze den gegenwärtigen multiplen Krisen nicht hinreichend gerecht werden (Lange et al., 2024). Gefordert wird eine stärkere Gewichtung im Fachunterricht und als fächerübergreifende Aufgabe. Der Unterrichtsgegenstand Kunst und Gestaltung steht damit vor der Herausforderung Lernende zu befähigen, sich in digitalen Öffentlichkeiten kritisch und mündig zu positionieren. Während demokratiereflexive Bilderfahrungen im Kunstunterricht theoretisch diskutiert werden, etwa mit Blick auf Ambiguitätstoleranz (Sabisch, 2020) oder als demokratiereflexive Bildzugänge (Johns, 2025), fehlen in Österreich empirische Schulprojekte, die ästhetisch-bildende, reflexive Zugänge systematisch mit digitaler Medienbildung und Demokratiebildung verschränken. Der Beitrag stellt das Forschungsprojekt Di/g/ary – Journaling towards Media Literacy vor und fragt, wie Bildungsprozesse im Kunst- und Gestaltungsunterricht gestaltet werden können, die ein Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen lokaler und globaler Ebene fördern. Untersucht wird, inwiefern Visual Diaries als Ansatz demokratiereflexiver Bildung in der Sekundarstufe II dazu beitragen, dass Schüler*innen die Verflechtung globaler Informationsströme mit lokaler demokratischer Urteilsbildung erkennen und ästhetisch-produktiv bearbeiten. Das Projekt wird von Januar bis April 2026 mit Schüler*innen der 11. und 12. Schulstufe am Lauder Chabad Campus Wien durchgeführt. Durch Exkursionen in die Demokratiewerkstatt des Parlaments und in das Haus der Geschichte verbindet es außerschulische Lernerfahrungen mit künstlerischer Praxis und digitaler Medienproduktion. Aufbauend auf den Exkursionen dokumentieren die Schüler*innen in ihren Tagebüchern (Visual Diaries) alltägliche Bildwahrnehmungen entlang sechs thematischer Felder, darunter beispielsweise Zensur und Unsichtbarkeit. Anschließend entsteht kollaborativ ein Magazin mit Auszügen aus den Tagebüchern, in dem die Schüler*innen den Rollenwechsel von Rezipient*innen zu Produzent*innen vollziehen und in ihrer Doppelrolle der Prosument*innen gestärkt werden. Die Datenerhebung umfasst Artefaktanalyse (Visual Diaries, Magazin), teilnehmende Beobachtung und Gruppendiskussion. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse zur Frage, welche Möglichkeiten ästhetisch-produktive Zugänge im Kunst- und Gestaltungsunterricht im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse eröffnen können. Insbesondere wird diskutiert, wie die Auseinandersetzung mit visuellen Medien ein Bewusstsein für glokale Wechselwirkungen fördern und welche Rolle kollaborative künstlerische Produktion hin zu einer kritischen Demokratiebildung unter den Bedingungen digitaler Glokalisierung spielen kann. Das Projekt ist Teil der kumulativen Dissertation „Kritische Demokratiebildung im ästhetisch-bildenden, praxis-orientierten Vermittlungskontext“ und wurde im Rahmen eines Austrian Marshall Plan Foundation Fellowships am Institute of European Studies der University of California Berkeley sowie mit Unterstützung des Lauder Chabad Campus ermöglicht. Global denken – lokal handeln? Neoliberale Gouvernementalität im Kunstunterricht unter glokalen Bedinungen Mozarteum Salzburg, Österreich Lokal handeln und global denken – das ist die Formel, mit der Foucault (2015) eine wichtige Praxis und Denkweise der neoliberalen Ökonomie und somit des neoliberal agierenden Bürger:in beschrieben hat. Sie kennzeichnet eine ökonomische Rationalität, die zwar wie die liberale Ökonomie als systemischer Denk- und Handlungsraum verstanden werden kann, Krisen, Zufällen, Wahrscheinlichkeiten und Kreativität jedoch eine wichtige Rolle einräumt (Foucault 2015). Lernen und Bildung und damit Schulen und Bildungseinrichtungen spielen bei dieser Weise des ökonomischen Handels eine zentrale Rolle, und zwar als Innovationsmotor in lebensbegleitender Weise. ‘Glokalisierung’ lässt Schule somit als zentralen Akteur für die Einübung und Aufrechterhaltung neoliberaler Denk- und Handlungsstrukturen in den Blick geraten: Lernen und Bildung ermöglichen dem Subjekt das Finden, Einüben und Transformieren von lokalen Praktiken, die sich im globalen Kontext als nützlich erweisen (können). Für den Kunstunterricht - als vermeintlichen Motor für Kreativität und Bildkompetenz - stellt sich die Frage, ob und wie sich neoliberale Rationalität (z.B. Wettbewerbsorientierung, Output- und Kompetenzlogiken, Selbstverantwortungsimperativ) in Unterrichtsarrangements, Aufgabenformaten und Bewertungspraktiken zeigen und welche bildungstheoretischen Konsequenzen daraus folgen. Aus einer gouvernementalitätstheoretischen Perspektive verstehen wir Neoliberalismus als spezifische Regierungsrationalität, die Subjekte über Freiheit, Wahl und Selbststeuerung adressiert und Lern- und Bildungsprozesse als Investition in Humankapital sowie als lebenslange Optimierungsaufgabe rahmt. Glokalisierung hilft dabei, diese neoliberale Rationalität als zirkulierendes, aber lokal situiert wirksam werdendes Ordnungsstruktur zu fassen: Kunstunterricht wird so zu einem Ort, an dem globale Normen (z. B. Kreativität/Innovation als Schlüsselressource) in konkreten didaktischen Praktiken (z. B. Projektlogiken, Sichtbarkeits- und Urteilsregime, Feedbackformate) stabilisiert, transformiert aber auch irritiert werden. Konzeptuell beziehen wir uns auf die Figuren des „unternehmerischen Selbst“ (Bröckling) und des “künstlerischen Genies” (Kant), um Subjektivierungsweisen zu beschreiben, die sich zwischen Selbstentfaltung, Performance-Druck und Vergleichbarkeit bewegen. Empirisch stützt sich der Beitrag auf Daten aus dem Forschungsprojekt Joint Aesthetic Judgments: videografierten Kunstunterrichtssequenzen, Feldbeobachtungen und einer Lehrer:innen-Umfrage (Primarstufe und Sekundarstufe II). Methodisch arbeiten wir in den Beobachtungsdaten mikro- und makroanalytisch und fallbezogen: Analysiert werden Aufgaben- und Bewertungslogiken, Formen des Urteilens über ästhetische Artefakte und Interaktionsmomente, in denen Anerkennung, Stimme, Konkurrenz und Ausschluss praktisch hergestellt werden. Die Umfragedaten werden statistisch ausgewertet und dienen der Kontextualisierung der beobachteten Fälle. Ziel des Beitrags ist es, die glokale Übersetzung neoliberaler Praktiken im Kunstunterricht sichtbar zu machen, Spannungen zwischen ästhetischer Bildungslogik und ökonomisierten Steuerungsformen herauszuarbeiten und Konsequenzen für Demokratie- und Subjektbildung bzw. Kritische Ökonomisierung zu diskutieren – insbesondere dort, wo ästhetisches Urteilen von gemeinschaftlicher Aushandlung in individualisierte Leistungs- und Vergleichspraktiken kippt oder umgekehrt als Gegenpraxis wirksam wird. Musik- und Tanzprojekte als Raum für Partizipation: Chancen und Grenzen aus der Sicht von Teilnehmenden Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik Feldkirch, Österreich Bewegungs- und tanzorientierte Praxiskonzepte ermöglichen den Teilnehmenden musikbezogene Partizipation und niedrigschwelligen, gemeinsamen ästhetischen Ausdruck. Im Rahmen des Kooperationsprojekts “Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch Musik, Bewegung und Tanz“ haben drei Hochschulen in der Vierländerregion Bodensee die Chancen und Grenzen zur Partizipation in Praxisformaten mit Musik, Bewegung und Tanz untersucht. Musik und Bewegung stehen in enger Wechselbeziehung (Amrhein 2001, S.10; Weise 2013, S. 10) und können durch ihre Verknüpfung Transformations- und Bildungspotential entfalten (Vliex 2015, S. 119). Spychiger (2019) hat bezogen auf rhythmisch-musikalische Koordination gezeigt, welche Rolle hierfür flexible Anpassungen bzw. „Entrainment“ (S. 196) auf individueller und sozialer Ebene spielen. Die Möglichkeiten zur Selbst- und Mitbestimmung wurden z. B. von Mischke und Welte (2023) bezogen auf Gruppenimprovisation dargestellt. In sozialräumlichen Kontexten fördert gemeinsames Musizieren und Tanzen im Sinne eines “communal music makings” die musikalische und soziale Zusammenarbeit, indem ein “bottom-up-Prozess” durch die Interaktion der Teilnehmenden gestaltet wird (Banffy-Hall & Hill 2017, Higgins 2017). Für die Auseinandersetzung mit musikalisch-sozialen Räumen, die durch Bewegung und Musik entstehen, sind die Theorien von Löw und Sturm (2005, S. 42-43) zur Bedeutung des sozialen und räumlichen Umfelds für die Gestaltung sozialer Beziehungen anschlussfähig. Dieser Beitrag stellt Ergebnisse aus teilnehmender Beobachtung und Leitfadeninterviews mit Teilnehmenden zum Praxisformat „Mit-Tanzen“ vor. Dieses Format bietete monatliche Veranstaltungen an wechselnden öffentlichen Orten. Für die Untersuchungen standen die folgenden Fragen im Zentrum: · Wie werden die Zusammensetzung, Partizipation und Interaktion innerhalb der Gruppe von den Interviewten wahrgenommen und beschrieben? · Welche partizipativen Prozesse lassen sich anhand der Interviewaussagen rekonstruieren? · Welche Bedeutungen haben die gewählten musik- und bewegungsbezogenen methodischen Ansätze aus Teilnehmendensicht? Der Datensatz umfasst Videodokumentationen und 30 Leitfadeninterviews mit einer Länge von 10-20 Minuten, die bei drei Veranstaltungen geführt und mit qualitativen Inhaltsanalysen (Mayring 2022) analysiert wurden. In den Ergebnissen der Teilnehmendenbefragungen zeigt sich, welche Möglichkeiten und Grenzen zur Partizipation wahrgenommen wurden und wie z. B. die wahrgenommene Aufgeschlossenheit und Offenheit der Gruppe die Interaktion geprägt haben. Die Interviewten beschreiben sowohl ihre grundlegende Motivation zur Teilnahme an den Veranstaltungen sowie im Detail ihre Wahrnehmungen zum Ein- und Austreten in das Gruppengeschehen. Dabei geht aus den Fallvergleichen hervor, wie klare und einfache Strukturen der Tänze und Anleitungen sowie die Live-Musik mit der Partizipation und Interaktion in Zusammenhang stehen und diese positiv befördern können. Der Beitrag lädt auf Basis der dargestellten Ergebnisse zur Diskussion ein, welche Chancen und Grenzen musik- und bewegungsorientierte Formate zur Gestaltung von Partizipation in sozialen Räumen sowie für schulische Kontexte bieten. | ||
