Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 5a: Symposium: Berufseinstieg Lehramt
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Frühzeitiger Berufseinstieg von Studierenden zwischen Professionalisierung, Fachlichkeit und Motivation – Aktuelle empirische Befunde aus Deutschland und Österreich Vor dem Hintergrund eines anhaltenden und regional unterschiedlich ausgeprägten Lehrkräftemangels gewinnen neue Formen frühzeitiger Praxiseinbindung im Lehramtsstudium im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung. Eine dieser Formen ist der Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte (sVLK) bzw. Frühbeginner:innen (FB), bei dem Lehramtsstudierende bereits während ihres Studiums eigenverantwortlich unterrichten (Bacher et al., 2024; Ebert et al., 2024; Winter et al., 2023). Dieses Modell stellt eine lokal verankerte Antwort auf globale Herausforderungen im Bildungssystem dar, die sich aus dem Zusammenspiel von demografischem Wandel, strukturellem Personalmangel und steigenden schulischen Anforderungen ergeben. Damit lässt sich der Einsatz von sVLK/FB exemplarisch als glokales Phänomen verstehen, denn globale Problemlagen zeigen sich in konkreten schulischen Praktiken vor Ort, während lokale Lösungen zugleich neue Fragen der Professionalisierung und Qualitätssicherung aufwerfen. Der vorzeitige Berufseinstieg von Studierenden wird mitunter als positiv wahrgenommen und wirkt als Bestätigung zur Berufswahl (Ebert et al., 2024), gleichsam ist er durch die fehlende Betreuung sowie unterschiedliche Rollenerwartungen an vielfältige Aufgaben, und damit auch an eine höhere Beanspruchung, die einen Einfluss auf das Belastungserleben haben können, gebunden. Neben der Doppelrolle als Studierende und Lehrende treten Unsicherheiten im Umgang professionellen Rollenanforderungen (Himmelsbach et al., 2024), Anforderungen an eine Praxisprofessionalisierung (Klomfaß & Warsow, 2025) und Fragen zu Motivation auf (Helm & Hagenauer, 2024). Hinzu kommt, dass sVLK/FB nicht selten fachfremd unterrichten, also außerhalb ihrer studierten Fächer eingesetzt werden. Fachfremder Unterricht ist bislang vor allem im Kontext ausgebildeter Lehrkräfte untersucht worden; für Studierende im vorzeitigen Berufseinstieg liegen hingegen wenige empirische Befunde vor. Gerade diese Konstellation eröffnet einen aufschlussreichen Zugang zur Analyse früher Professionalisierungsprozesse unter Bedingungen struktureller Knappheit. Das geplante Symposium greift diese Forschungslücke auf und bündelt drei empirische Projekte, die sich aus unterschiedlichen methodischen und theoretischen Perspektiven mit studentischer Vertretungslehrtätigkeit befassen. Gemeinsam ist allen Beiträgen das Interesse an der Frage, wie Studierende frühe eigenverantwortliche Unterrichtspraxis, insbesondere unter fachfremden Bedingungen, wahrnehmen, deuten und bewältigen und welche Implikationen sich daraus für Professionalisierung, Motivation und Beziehungsarbeit ergeben. Der erste Beitrag untersucht durch eine quantitative Auswertung Unterschiede in der Wahrnehmung professioneller Kompetenzen sowie der Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Studierenden, die fachfremd unterrichten, und jenen, die in ihren Studienfächern eingesetzt sind. Der zweite Beitrag ergänzt diese Perspektive, nähert sich dem Phänomen qualitativ und analysiert anhand leitfadengestützter Interviews typische Modi der Bearbeitung fachfremden Unterrichts im vorzeitigen Berufseinstieg. Der dritte Beitrag richtet den Blick auf die Motivation der Studierenden im frühzeitigen Berufseinstieg und analysiert Zusammenhänge zwischen Unterrichtstätigkeit und motivationalen Orientierungen. Das Symposium beleuchtet demnach glokale Professionalisierungsdynamiken im Lehramtsstudium und diskutiert vorliegende Befunde. Beiträge des Symposiums Lehramtsstudierende unterrichten fachfremd oder in ihren Studienfächern: Unterschiede in der Wahrnehmung professioneller Kompetenzen und in der Lehrer-Schüler-Beziehung? Aufgrund des akuten Lehrkräftemangels sind sowohl in Deutschland als auch Österreich Lehramtsstudierende vor dem Abschluss ihres Studiums bzw. ihrer Lehramtsausbildung als Lehrperson tätig. Aus ersten Arbeiten (Winter et al., 2025; Kampa & Zviagintsev, 2024) ist bekannt, dass die Studierenden auch regelmäßig fachfremd unterrichten, also außerhalb ihrer Studienfächer. Studien zeigen u.a., dass sich Lehrkräfte als weniger selbstwirksam oder enthusiastisch in Bezug auf das Unterrichten in fachfremd erteilten Fächern im Vergleich zu fachkonform unterrichteten Fächern einschätzen (Porsch & Wilden, 2022). Bislang liegt keine Studie vor, die Lehrkräfte im vorzeitigen Berufsbeginn fokussiert und untersucht, inwieweit sie ebenfalls Unterschiede in ihren professionellen Kompetenzen im Vergleich der gewählten Studienfächer wahrnehmen. Ferner ist bislang nicht exploriert worden, inwieweit die Situation in Bezug auf die Lehrer-Schüler-Beziehung differiert. Die 2025/26 durchgeführte Studie hat mithilfe eines digitalen Fragebogens Lehramtsstudierende an vier Studienstandorten in Deutschland und Österreich befragt. Skalen zu professionellen Kompetenzen sollten zu einem Fach ausgefüllt werden, welches ein Studienfach darstellt, sowie zu einem Fach, welches regelmäßig unterrichtet wird, aber kein gewähltes Studienfach ist. Für diese Bedingungen lagen 130 Datensätze vor, die die Stichprobe für die Auswertung bilden. Diese Daten werden mittels deskriptiver Statistik beschrieben, Gruppenunterschiede mit dem T-Test für abhängige Stichproben geprüft, Effektstärken mit Cohen’s d angegeben. Erste Analysen zeigen signifikante Unterschiede mit moderaten Effekten hinsichtlich des Unterrichtsenthusiasmus und dem fachspezifischen Enthusiasmus zugunsten des Unterrichtens in den Studienfächern. Gleiches gilt für die professionelle Planung von Unterricht und der Unterrichtsgestaltung sowie der selbstberichteten Anwendung von Differenzierungsmaßnahmen im Unterricht. Die wahrgenommene Qualität der Beziehung zwischen Lehrpersonen im vorzeitigen Berufseinstieg und Schüler*innen hängt hingegen nicht davon ab, ob die Studierenden in ihren Studienfächern oder außerhalb unterrichten. Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass Lehramtsstudierende je nachdem, ob sie in ihrem Studienfach unterrichten oder außerhalb ihrer Studienfächer, zu unterschiedlichen Einschätzungen hinsichtlich ihres Enthusiasmus am Unterrichten und am Fach sowie ihres Planungs- und Unterrichtsverhaltens kommen. Ihnen kann eine Wahrnehmung der eingeschränkten Fachkenntnisse zugesprochen werden, die im Unterrichten außerhalb der gewählten Studienfächer besteht. Diese Unterschiede wurde bereits bei Lehrkräften im Vergleich zwischen fachkonform und fachfremd unterrichtenden Lehrkräften beobachtet (z. B. Pendergast et al., 2025). Allerdings konnten quantitative Studien kaum belegen, dass sich Lehrkräfte der Unterschiede in ihrer Unterrichtsplanung und ihrem Verhalten im Unterricht bewusst sind, da Gruppen von verschieden qualifizierten Lehrkräften verglichen wurden. Die wahrgenommene Lehrer-Schüler-Beziehung ist nicht von der Fachqualifikation der (angehenden) Lehrkräfte abhängig. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Bedeutung fachfremd erteilten Unterrichts im vorzeitigen Berufseinstieg und in der Lehramtsausbildung diskutiert. Bibliografie
Pendergast, D., McManus, S., Du Plessis, A., & Deagon, J. (2025). Investigating the perceptions of self-efficacy of in-field and out-of-field home economics teachers. Family and Consumer Sciences Research Journal, 53, e70006. https://doi.org/10.1111/fcsr.70006 Porsch, R., & Wilden, E. (2022). Teaching English Out-of-Field in Primary School: Differences in Professional Characteristics and Effects on Self-Assessed Instructional Quality. In L. Hobbs & R. Porsch (Hrsg.), Out-of-field Teaching Across Teaching Disciplines and Contexts (S. 117–134). Singapore: Springer. https://doi.org/10.1007/978-981-16-9328-1_6 Winter, I., Kaiser, T., Nonte, S., Bellenberg, G., & Reintjes, C. (2024). Fachfremder Vertretungsunterricht von Lehramtsstudierenden – Eine Bestandsaufnahme in Niedersachsen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 27(6), 1545–1568. https://doi.org/10.1007/s11618-024-01266-z Frühzeitiger Berufseinstieg von Studierenden im Spannungsfeld von fachfremdem Unterrichten, Praxisanforderungen und Professionalisierung Vor dem Hintergrund des anhaltenden Lehrkräftemangels gewinnen im deutschsprachigen Raum neue Formen frühzeitiger Praxiseinbindung im Lehramtsstudium an Bedeutung. Insbesondere der Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte (sVLK) und Frühbeginnern (FB) führt dazu, dass Studierende bereits während des Studiums in eigenverantwortliche Unterrichtssituationen eingebunden werden (Artmann et al., 2024; Winter et al., 2023). Diese Entwicklung kann als lokal situierte Reaktion auf strukturelle Engpässe verstanden werden, die zugleich Ausdruck übergreifender bildungspolitischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse ist. Ein zentrales, bislang wenig systematisch untersuchtes Phänomen in diesem Kontext ist das fachfremde Unterrichten durch Studierende im vorzeitigen Berufseinstieg (Winter et al., 2024). Neben den allgemeinen Herausforderungen des Berufseinstiegs sind Studierende zusätzlich damit konfrontiert, Unterricht außerhalb ihrer studierten Fächer zu übernehmen und dies häufig ohne entsprechende Vorbereitung oder Unterstüzung. Fachfremd unterrichten wird damit zu einer spezifischen Anforderungssituation, in der sich lokale schulische Bedarfe und individuelle Professionalisierungsprozesse in besonderer Weise verschränken. Das Forschungsprojekt VoBeL untersucht in diesem Rahmen entlang qualitativer Forschungsdaten, wie Studierende im Einsatz als sVLK/FB fachfremden Unterricht erleben und bearbeiten. Grundlage bilden bislang 16 leitfadengestützte Interviews aus Österreich und Deutschland, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024) ausgewertet und anschließend in einer Typenbildung nach Kelle und Kluge (Kelle & Kluge, 2010) verdichtet wurden. Erste Ergebnisse zeigen, dass fachfremd erteilter Unterricht von den Befragten zunächst als Bestandteil schulischer Praxis wahrgenommen wird, der in einer gewissen Unregelmäßigkeit, zugleich aber mit struktureller Normalität auftritt. Die Analyse macht unterschiedliche Modi der Bearbeitung sichtbar. Während fachfremdes Unterrichten von Studierenden als selbstverständlicher Teil der Tätigkeit legitimiert und Unsicherheiten diesbezüglich als normale Begleiterscheinung schulischer Praxis akzeptiert werden, rahmen andere fachfremden Unterricht als notwendige, aber klar begrenzte Ausnahme und differenzieren deutlich zwischen studienbezogenem Fachunterricht und fachfremden Vertretungssituationen. Der Beitrag zeigt damit, dass fachfremdes Unterrichten im vorzeitigen Berufseinstieg nicht nur als individuelle Belastung, sondern als glokal verankertes Phänomen zu verstehen ist, das lokale schulische Anforderungen und übergreifende Professionalisierungsfragen miteinander verschränkt. Vor diesem Hintergrund wird der Bedarf weiterer Forschung sowie institutioneller Unterstützungsstrukturen diskutiert. Bibliografie
Artmann, M., Rakoczy, K., & Seifert, A. (2024). Studentische Aushilfslehrkräfte zwischen Professionalisierungserwartungen und Krisenmanagement. Journal für LehrerInnenbildung, 24(1), 58–65. https://doi.org/10.25656/01:30055 Kelle, U., & Kluge, S. (2010). Vom Einzelfall zum Typus: Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung (2., überarbeitete Auflage). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-92366-6 Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2024). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (6. Auflage). Juventa Verlag. Winter, I., Kaiser, T., Nonte, S., Bellenberg, G., & Reintjes, C. (2024). Fachfremder Vertretungsunterricht von Lehramtsstudierenden – Eine Bestandsaufnahme in Niedersachsen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 27(6), 1545–1568. https://doi.org/10.1007/s11618-024-01266-z Winter, I., Reintjes, C., & Nonte, S. (2023). Unterrichten neben dem Studium. Eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der studienunabhängigen Vertretungslehrkrafttätigkeit von Lehramtsstudierenden in Niedersachsen. In D. Behrens, M. Forell, T.-I. Idel, & S. Pauling (Hrsg.), Lehrkräftebildung in der Bedarfskrise. Programme – Positionierungen – Empirie: Bd. Studien zur Professionsforschung und Lehrer:innenbildung (S. 133–155). Verlag Julius Klinkhardt. https://doi.org/10.25656/01:27678 "If I have to work anyway, I’d rather work in my future profession": An Organismic Integration Theory Analysis of Motivation Quality Among Preservice Teachers Who Teach While Studying Background: In many countries, including Austria, preservice teachers often work in schools while completing their degrees due to teacher shortages. While this phenomenon is documented in research (Kreis & Güdel, 2023; Porsch et al., 2025; Winter et al., 2023), we know little about why these students choose to teach while studying. Organismic Integration Theory (OIT), a sub-theory of Self-Determination Theory developed by Deci and Ryan (1985), offers a useful framework for examining motivation quality. According to OIT, different motivation types exist on a continuum from controlled (external and introjected regulation) to autonomous (identified, integrated, and intrinsic regulation). Since motivation quality is linked to important outcomes like wellbeing and persistence (Howard et al., 2021), understanding what motivates preservice teachers to teach while studying is important. Thus, this study investigates: To what extent do preservice teachers show controlled versus autonomous motivation for teaching while studying? Method: We analyzed open-ended survey responses from 538 Austrian preservice teachers who taught in schools while completing bachelor's or master's degrees. Responses on reasons for teaching during studies were first coded into themes, then categorized according to OIT’s motivation types. Ambiguous segments which could not be clearly identified (n = 80, 7.0%) were excluded. Findings: Analysis of 1,061 motivational segments from 522 participants showed that identified regulation was most common (45.1% of segments) and appeared in 64.8% of participants’ responses. This means many find teaching while studying important for their professional development. External regulation was also frequent (37.1% of segments), with 63.6% of participants mentioning practical benefits like earning money. Introjected regulation was less common (9.9% of segments), mentioned by 18.4% of participants. This shows few teach due to internal pressure posed by external conditions. Fully autonomous motivation (integrated and intrinsic regulation combined) was least frequent (7.9% of segments), appearing in only 15.7% of responses. This suggests that few choose to teach because of pure joy and interest in teaching. Overall, controlled motivations accounted for 47% of segments, while autonomous motivations represented 53%. Notably, 52.3% of participants showed mixed motivations, most often combining external and identified regulation. We will further analyze links between motivation types and job-related wellbeing, to be presented at the conference. Implications: Considering established links between motivation quality, wellbeing, and persistence, it is important to pay attention not only to whether preservice teachers work while studying, but also why they do so. These findings help support systems better predict retention and buffer teacher dropout. Bibliografie
Deci, E. L., & Ryan, R. M. (Eds.). (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. Springer US. https://doi.org/10.1007/978-1-4899-2271-7 Howard, J. L., Bureau, J., Guay, F., Chong, J. X. Y., & Ryan, R. M. (2021). Student Motivation and Associated Outcomes: A Meta-Analysis From Self-Determination Theory. Perspectives on Psychological Science : A Journal of the Association for Psychological Science, 16(6), 1300–1323. https://doi.org/10.1177/1745691620966789 Kreis, A., & Güdel, T. (2023). Schulische und ausserschulische Erwerbstätigkeit der Studierenden im Studiengang SEK I. Bericht zur Kurzbefragung aller Studierenden der Studienprogramme SEK I an der PHLU im Herbstsemester 2022. https://doi.org/10.13140/RG.2.2.27528.29443 Porsch, R., Zviagintsev, R., & Kampa, N. (2025). Lehramtsstudierende im vorzeitigen Berufseinstieg in Österreich: Beanspruchungserleben, Zufriedenheit, Berufs- und Studienwahlsicherheit. In A. Bach, & G. Hagenauer (Ed.), Motivation und Emotion von Lehrpersonen. Winter, I., Reintjes, C., & Nonte, S. (2023). Unterrichten neben dem Studium. Eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der studienunabhängigen Vertretungslehrkrafttätigkeit von Lehramtsstudierenden in Niedersachsen. In D. Behrens, M. Forell, T.-S. Idel, & S. Pauling (Eds.), Lehrkräftebildung in der Bedarfskrise. Programme – Positionierungen – Empirie. Verlag Julius Klinkhardt. | ||
