Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 4/1d: Einzelbeiträge: Schulleitung
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Entrepreneuriale Dispositionen in der schulischen Führung: Die Rolle von Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit für die Entwicklung von Führungsidentität und Führungsmotivation im deutschen Schulkontext 1: Private Pädagogische Hochschule Burgenland, Österreich; 2: The Education University of Hong Kong; 3: Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland Ausgangslage und theoretischer Hintergrund Modernes Schulleitungshandeln wird zunehmend als kooperative Aufgabe von formalen Schulleitungen und Lehrkräften in erweiterten Verantwortungsrollen verstanden. Beide Gruppen tragen dazu bei, strategische Orientierung zu geben und schulische Entwicklungsprozesse wirksam zu gestalten, insbesondere vor dem Hintergrund tiefgreifender Transformationsprozesse, die durch Digitalisierung und generative Künstliche Intelligenz, wachsende Heterogenität sowie gesellschaftliche Veränderungen im Zuge des Klimawandels ausgelöst oder beeinflusst werden. Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung einer tragfähigen und innovativen Führungskultur. Gleichzeitig besteht bislang eine Forschungslücke hinsichtlich der Frage, wie entrepreneuriale Dispositionen von Lehrkräften, die theoretisch als innovationsfördernd beschrieben werden, die Entwicklung ihrer Führungsselbstidentität sowie ihre Motivation zur Übernahme von Führungsverantwortung beeinflussen. Dies begrenzt das Verständnis darüber, welche individuellen Voraussetzungen Lehrkräfte dazu befähigen, aktiv und gestaltend in Führungsprozesse einzutreten. Forschungsfrage und Zielsetzung Die zentrale Forschungsfrage der Studie lautet: Inwieweit stehen die Wahrnehmungen von Lehrkräften hinsichtlich unternehmerischer Dispositionen, wie Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit, in Beziehung zu ihrer Führungsidentität und ihrer Motivation zur Führung im deutschen Schulkontext? Ziel ist es, das theoretische Verständnis von entrepreneurialen Dispositionen im Kontext von Führung in Schulen zu vertiefen sowie Implikationen für Professionalisierung und zukünftige Forschung abzuleiten. Methodisches Vorgehen Die Datenerhebung erfolgte im November 2023 mittels einer Online-Panel-Stichprobe (Bilendi und Norstat). Von 1.144 eingeladenen Lehrkräften aus dem gesamten Bundesgebiet Deutschlands gingen 652 vollständige und valide Antworten ein (Rücklaufquote: 57 %). Das Querschnittsdesign basiert auf validierten Multi-Item-Likert-Skalen (vierstufiges Antwortformat von 1 = trifft nicht zu bis 4 = trifft vollständig zu). Zur Analyse wird eine Strukturgleichungsmodellierung mit dem robusten WLSMV-Schätzer eingesetzt. Ergebnisse und Diskussion Die Befunde weisen auf eine differenzierte Rolle der beiden entrepreneurialen Dispositionen hin. Selbstwirksamkeit erwies sich als starker Prädiktor der Führungsidentität (β = .816, p < .001) und als moderater Prädiktor der Führungsmotivation (β = .197, p < .001). Dies betont die Bedeutung zuversichtsbasierter Mechanismen bei der Internalisierung und Aufrechterhaltung von Führung. Eigeninitiative zeigte hingegen einen kleinen negativen Zusammenhang mit Führungsidentität (β = −.200, p = .014) und keinen signifikanten direkten Effekt auf die Führungsmotivation. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Einfluss von Eigeninitiative kontextspezifisch ist und auf strukturelle Besonderheiten des deutschen Schulsystems zurückgeführt werden könnte. Zudem erwiesen sich extravertierte Persönlichkeitsmerkmale als relevante Prädiktoren sowohl für Eigeninitiative als auch für Selbstwirksamkeit, während kulturelle Werte lediglich Selbstwirksamkeit antizipierten. Vom Vertrauen zum Handeln: Innovationsbezogene Selbstwirksamkeit österreichischer Schulleitungen 1: Pädagogische Hochschule Vorarlberg; 2: Pädagogische Hochschule Thurgau Ausgangslage und theoretischer Hintergrund In Zeiten der Glokalisierung stehen Schulen vor der Herausforderung, auf sich stetig wandelnde gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren und diese im eigenen Schulalltag umzusetzen. Schulleitungen nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, indem sie Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten und die Kooperation zwischen Lehrpersonen, Schulaufsicht und Bildungsverwaltung koordinieren (Kemethofer, 2022; Pietsch & Tulowitzki, 2017). In der komplexen Governance-Struktur des österreichischen Schulwesens agieren sie dabei in einem Spannungsfeld zwischen erweiterten Handlungsspielräumen und administrativen Erwartungen (Brauckmann-Sajkiewicz et al., 2022; Groß Ophoff et al., 2025). Organisationales Vertrauen bildet hierbei das Fundament für psychologische Sicherheit und schafft so einen Schutzraum, um die mit Veränderungsprozessen einhergehenden Unsicherheiten auszuhalten und zwischenmenschliche Risiken einzugehen (Joo et al., 2023; Luhmann, 2014). Darüber hinaus gilt die innovationsbezogene Selbstwirksamkeit – das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Veränderungen erfolgreich zu gestalten – als wesentlicher Prädiktor für innovatives Verhalten (Röhl et al., 2022). Dieses Verhalten wird im Zusammenhang mit organisationaler Ambidextrie als dynamische Fähigkeit konzeptualisiert, gleichzeitig bestehende Prozesse zu optimieren (Exploitation) und Neuerungen zu erschließen (Exploration) (Mom et al., 2007). Forschungsfragen und Ziele Der vorliegende Beitrag untersucht, wie das Vertrauen der Schulleitung in zentrale Akteursgruppen (Lehrkräfte, Schulaufsicht, Bildungsverwaltung) sowie die eigene psychologische Sicherheit - die Erwartung, zwischenmenschliche Risiken ohne Furcht vor negativen Konsequenzen eingehen zu können- ihre innovative Selbstwirksamkeit beeinflussen. Daran anknüpfend wird geprüft, inwieweit die Selbstwirksamkeit als Mediator für exploratives und exploitatives Handeln von Schulleitungen fungiert. Methodisches Vorgehen Auf Basis von Daten des Schulleitungsmonitors Österreich 2022 wurde eine schultypenübergreifende Stichprobe österreichischer Schulleitungen (N = 1827) untersucht. Mittels Strukturgleichungsmodellierung wurde ein indirektes Pfadmodell spezifiziert, um die vermittelnde Rolle der innovationsbezogenen Selbstwirksamkeit für die postulierten Zusammenhänge zu prüfen Ergebnisse und Diskussion Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Vertrauen in die Lehrkräfte sowie – in geringerem Maße – in die Schulaufsicht, aber auch die wahrgenommene psychologische Sicherheit als signifikante Prädiktoren der innovationsbezogenen Selbstwirksamkeit fungieren. Demgegenüber leistet das Vertrauen in die Bildungsverwaltung keine inkrementelle Validität zur statistischen Erklärung dieser Überzeugung, Innovationen in der eigenen Schule umsetzen zu können. Die Befunde sprechen außerdem für die Rolle der Selbstwirksamkeit als Mediator zum tatsächlichen Innovationshandeln, wobei sich ein Spannungsverhältnis zwischen explorativen und exploitativen Aktivitäten offenbart. Die Befunde verdeutlichen, dass ein vertrauensbasiertes schulinternes Gefüge zwar eine notwendige Voraussetzung darstellt, dessen Innovationspotenzial jedoch maßgeblich von systemischen Handlungsspielräumen innerhalb der vorgegebenen Steuerungsstrukturen abhängt. Diese Bedingungen stellen entscheidende Ansatzpunkte dar, um Leitungskapazitäten für Innovationsanforderungen im Governance-System zu stärken und somit auf glokale Herausforderungen zu reagieren. | ||
