Veranstaltungsprogramm
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Session 4/1c: Symposium: Übergänge im Bildungswesen
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Wirkfaktoren zur resilienzförderlichen Gestaltung von Übergängen im Bildungswesen - Bausteine der Resilienz I Aktuelle gesellschaftliche, wirtschaftliche, technologische und ökologische Herausforderungen machen deutlich, wie essentiell die Bewältigung von Krisen durch Menschen, die sich als selbstwirksam erleben und in Beziehung zu anderen selbstreflexiv und partizipativ ihre Stärken einbringen, ist. Wenn Menschen, trotz widriger Umstände und im Umgang mit Krisen bzw. Herausforderungen, psychisch gesund und adaptiv handelnd bleiben, spricht man von resilienten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (z.B. Noecker & Petermann, 2008). Angenommen wird, dass psychische, soziale und strukturelle Ressourcen Voraussetzungen für einen resilienten Prozess sind. Wie Opp (2017) darlegt, brauchen Kinder und Jugendliche zum Aufbau von Kompetenzen zur Alltagsbewältigung sichere Räume, in denen sie Erfahrungen machen, reflektieren und daraus lernen können. Die Möglichkeit von “fürsorglichen Erfahrungen in den unterschiedlichen Beziehungsverhältnissen mit verlässlichen erwachsenen Bezugspersonen, in unterschiedlichen Mentorenverhältnissen, in gelingenden Peereinbindungen, Freundschaften, Partnerschaften” (Opp, 2017, S. 86) ist dafür eine wichtige Grundlage. Zumeist wird zur Erhöhung bzw. Förderung von Resilienz, trotz einer multidimensionalen Konzeptualisierung, vorrangig die psychische/individuelle Komponente akzentuiert. Entsprechend des Verständnisses von Resilienz als dynamisches und multidimensionales Konstrukt (Ratcliff et al. 2019, Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff 2023) können Bildungsinstitutionen kontinuierlich dazu beitragen, die Resilienz der ihnen anvertrauten Heranwachsenden zu stärken. Im Rahmen des interdisziplinären B3-Projektes „Bausteine der Resilienz“ werden anhand verschiedener Dissertationsprojekte psychische, soziale und strukturelle Faktoren zur Resilienzförderung in Bildungsinstitutionen (vom Übergang in die Primarstufe bis hin zur Universität) erfasst, gefördert und evaluiert. In dem hier dargelegten Symposium I wird ein besonderes Augenmerk auf Transitionsprozesse, die in individuellen Bildungsverläufen als besonderer Risikofaktor gelten, gelegt. Im ersten Beitrag stehen Faktoren im Fokus, die aus Sicht der Heranwachsenden das Risiko negativer Entwicklungsverläufe verringern. Im zweiten Beitrag werden Effekte einer mehrteiligen Lehrer:innenfortbildung auf die Resilienz von Kindern beim Übergang in die Primarstufe dargestellt und diskutiert. Der dritte Beitrag fokussiert die Transition in die Hochschule als kritisches Lebensereignis und stellt Effekte eines über mehrere Semester evaluierten Peer-to-Peer-Mentoring-Programms auf Studienerfolg, Lebenszufriedenheit und Resilienz vor. Das Symposium wird durch ein zweites ergänzt, das strukturelle Ressourcen als Beitrag zur Resilienzentwicklung des Bildungswesens diskutiert. In beiden Symposien werden die Bausteine differenziert analysiert und in der Zusammenschau jene Faktoren herausgearbeitet, die Bildungsinstitutionen als resilienzförderliche Partner:innen von Schüler:innen und Studierenden stärken. Die Synthese zielt auf den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die schulische Praxis, die Aus-, Fort- und Weiterbildung (angehender) Lehrpersonen sowie auf die Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen und für verschiedene Zielgruppen. Beiträge des Symposiums Risiko- und Schutzfaktoren in der weiterführenden Schule aus Sicht der Schülerinnen und Schüler: Möglichkeiten für resilienzförderliche Unterrichtsentwicklung in der Transitionsphase Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen sind aktuell ein viel diskutiertes Thema. Rund ein Fünftel der österreichischen Schüler:innen zwischen 10 und 17 Jahren schätzen sich selbst als psychisch belastet ein oder berichten über psychische Probleme. Ein Anstieg der Belastungen wird vor allem für den schulischen Kontext beschrieben, mit gleichzeitig sinkender Beziehungsqualität innerhalb der Peergroups oder zu den Lehrkräften (HBSC 2023). Phasen des Übergangs gelten mit ihren komplexen Herausforderungen in der Resilienzforschung als besonders vulnerable Phasen. Vor allem der schulische Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe (in Österreich nach der 4. Schulstufe) erfordert durch die Anhäufung unterschiedlicher individueller, interaktionaler und kontextueller Belastungsfaktoren neue Bewältigungskompetenzen von den Kindern (Griebel und Niesel 2020). Vorliegender Beitrag im Mixed-Methods-Design widmet sich einerseits der Frage, wie Schüler:innen den Unterricht in dieser ersten Zeit nach dem Übergang erleben, und ob sie diesen als strukturelle und soziale Ressource wahrnehmen. Von Interesse ist, welche Parameter sie dabei aus ihrer Perspektive als förderlich oder aber als belastend beschreiben. Um die subjektive Sichtweisen der Kinder zu erfassen, wurden 33 Interviews mit Schüler:innen in der 5. Schulstufe eines Gymnasiums in Österreich geführt. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2024). Andererseits war von Interesse, wie sich personale und soziale Resilienzressourcen in den ersten Wochen und Monaten nach dem Übergang bei den Schüler:innen entwickeln. In einer quantitativen Längsschnittstudie (4 MZP) wurden dazu Resilienzverläufe der Kinder (N=327) untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine eher negative Entwicklung der Resilienzressourcen in den ersten Monaten nach dem Übergang. Als schützende bzw. risikoerhöhende Faktoren im Unterricht werden vor allem Wirkfaktoren wie kooperative und selbstbestimmte Lernformen, Kumulation von Leistungsanforderungen, wirksame Unterstützung bei Lern- und sozialen Schwierigkeiten, Möglichkeiten für den Aufbau sozialer Beziehungen, etc. genannt. Diese Erkenntnisse dienen als Grundlage für standortbezogene Unterrichtsentwicklung. Konkrete Möglichkeiten für resilienzförderliche Maßnahmen im Unterricht werden daraus abgeleitet und diskutiert. Bibliografie
Felder-Puig, R., Teutsch, F., Winkler, R. (2023). Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern. Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2021/22. Wien: BMSGPK. Griebel, W. & Niesel, R. (2020): Übergänge verstehen und begleiten. Transitionen in der Bildungslaufbahn von Kindern. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr. Kuckartz, U. & Rädiker, S. (2024). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz. Weinheim Basel: Beltz Juventa. Startklar? Resilienzförderung im Schulübergang: Interventionsstudie zur Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung Der Übergang von der Elementar- in die Primarstufe stellt eine besonders vulnerable Phase im Lebenslauf eines Kindes dar und ist für viele Schulanfänger:innen ein Moment zwischen Vorfreude, Unsicherheit und zahlreichen Veränderungen. In dieser Phase zeigt sich, wie gut sie sich an neue Routinen gewöhnen, Beziehungen aufbauen und Lernanforderungen bewältigen können (Griebel & Niesel, 2020). Entsprechend gewinnt die Förderung von Resilienz am Schulübergang an Bedeutung. Bisherige Forschung fokussiert jedoch vor allem individuelle Resilienzfaktoren wie Problemlösefähigkeit oder Selbst- und Fremdwahrnehmung (Fröhlich-Gildhoff, 2024). In der vorliegenden Studie wird Resilienz hingegen als dynamischer Entwicklungsprozess in einem bio-psycho-sozialen System verstanden (Helmreich, 2024; Ratcliff et al., 2019). Vor diesem Hintergrund wird untersucht, welchen Einfluss soziale Wirkfaktoren – insbesondere die Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung (LSB) – auf die Resilienzentwicklung von Kindern im ersten Schuljahr haben. Die Untersuchung ist als quasi-experimentelle Interventionsstudie konzipiert. Lehrpersonen von ersten Klassen nahmen bereits vor Schulbeginn sowie begleitend während des ersten Schuljahres an einer Fortbildung zur Förderung der Beziehungsqualität teil und erhielten begleitendes Material zur pädagogischen Beziehungsarbeit auf Basis des RULER-Ansatzes (Brackett et al., 2019). Zentrale Hypothese dieser Studie ist, dass die Teilnahme der Lehrpersonen an der Intervention indirekt zu einer Stärkung der individuellen Resilienz der Schüler:innen beiträgt. Darüber hinaus wird geprüft, ob einzelne Dimensionen der LSB unterschiedliche Zusammenhänge mit der Resilienz aufweisen. Die Stichprobe umfasst rund 480 Schüler:innen aus 24 Volksschulklassen an insgesamt 15 Volksschulen. Die Datenerhebung erfolgt zu drei Messzeitpunkten im Verlauf des ersten Schuljahres. Die Qualität der LSB wird mithilfe des FBZK-Fragebogens (Leitz, 2015) erfasst, die Resilienz der Kinder mit der RS-GS-Skala (Fröhlich-Gildhoff, 2017). Zur Datenanalyse wird ein Multilevel Latent Growth Mediation-Modell eingesetzt, um zu prüfen, ob Veränderungen in der Beziehungsqualität als Mediator zwischen Intervention und Resilienz fungieren. Die Datenerhebung zum ersten Messzeitpunkt zu Schulbeginn ist bereits abgeschlossen, der zweite Messzeitpunkt läuft aktuell, der dritte erfolgt am Ende des Schuljahres. Die endgültigen Ergebnisse sollen im Rahmen des Symposiums vorgestellt und diskutiert werden. Die Studie leistet einen Beitrag zur Frage, wie pädagogische Beziehungsarbeit als wirksamer Ansatz zur Resilienzförderung im kritischen Übergang in die Schule gestaltet werden kann, und liefert Impulse für eine inklusive und zukunftsorientierte Lehrer:innenbildung. Bibliografie
Fröhlich-Gildhoff, K. (2024). Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen – Perspektiven über das Individuum hinaus. In R. Göppel & U. Graf (Eds.), Was Resilienz stärkt: Chancen und Risiken eines boomenden Konzepts (pp. 23–33). Kohlhammer. Griebel, W., & Niesel, R. (2020). Übergänge verstehen und begleiten: Transitionen in der Bildungslaufbahn von Kindern (6. Aufl.). Verlag an der Ruhr. Helmreich, I. (2024). Das Resilienz-Paradox in Forschung und Prävention. In R. Göppel & U. Graf (Eds.), Was Resilienz stärkt: Chancen und Risiken eines boomenden Konzepts (pp. 58–64). Kohlhammer. Mentoring als sozialer Resilienzfaktor im ersten Semester: Zunahme sozialer Kontakte sagt ECTS über drei Semester voraus Bildung kann als lebensveränderndes Ereignis und als eine der wichtigsten Ressourcen des 21. Jahrhunderts betrachtet werden. Der Übergang in die Hochschulbildung ist jedoch für viele junge Erwachsene mit erheblichem Stress verbunden, und zahlreiche Studierende brechen ihr Studium bereits innerhalb der ersten beiden Semester ab. Mentoring gilt als vielversprechender Ansatz zur Unterstützung eines erfolgreichen Studienstarts, wird jedoch häufig für seine unzureichende theoretische und empirische Fundierung kritisiert. Aufbauend auf dem Social-Cure-Ansatz sowie dem Social Identity Model of Identity Change (SIMIC) untersucht die vorliegende Studie, wie Mentoring die Entwicklung einer studentischen Identität während des Übergangs in die Hochschulbildung fördert und welche Auswirkungen dies auf einen resilienten Anpassungsprozess hat. Die Ergebnisse linearer Mixed-Model-Analysen (N = 934) zeigen, dass Erstsemesterstudierende, die an einem Peer-to-Peer-Mentoring teilnahmen, im Interventionssemester sowie in den beiden darauffolgenden Semestern signifikant mehr ECTS-Punkte erwarben als Studierende einer Kontrollgruppe. Darüber hinaus entwickelten wir ein Gruppenmentoring, das auf den Prinzipien von Groups 4 Health (G4H) basiert. Die Teilnehmenden des Gruppenmentorings bearbeiteten zu Beginn und am Ende des ersten Semesters das oSIM-Instrument und nahmen während des Semesters an wöchentlichen ökologischen Momentaufnahmen (Ecological Momentary Assessment) teil. Die Ergebnisse (N = 45) zeigen, dass Studierende, die ihre sozialen Gruppen positiver bewerteten, über höhere Resilienz und Lebenszufriedenheit berichteten. Weitere lineare Mixed-Model-Analysen (N = 434) ergaben zudem, dass insbesondere die Identifikation mit neuen Gruppen (z. B. neu entstandenen universitären Freundschaften) wirksam dazu beitrug, den Einfluss zunehmender Belastung auf Angstsymptome im ersten Semester abzufedern. Insgesamt unterstreichen die Befunde die Bedeutung von sozialen Identitätsprozessen in der kritischen Phase der Transition in die Hochschule. Bibliografie
Gehreke, L., Schilling, H., & Kauffeld, S. (2024). Effectiveness of peer mentoring in the study entry phase: A systematic review. Review of Education, 12(1), e3462. https://doi.org/https://doi.org/10.1002/rev3.3462 Haslam, C., Cruwys, T., Haslam, S. A., Dingle, G., & Chang, M. X.-L. (2016). Groups 4 Health: Evidence that a social-identity intervention that builds and strengthens social group membership improves mental health. Journal of Affective Disorders, 194, 188–195. https://doi.org/10.1016/j.jad.2016.01.010 Haslam, C., Haslam, S. A., Jetten, J., Cruwys, T., & Steffens, N. K. (2021). Life Change, Social Identity, and Health. Annual Review of Psychology, 72(1), 635–661. https://doi.org/10.1146/annurev-psych-060120-111721 | ||
