Veranstaltungsprogramm
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Session 4/1a: Symposium: Professionalisierung und organisationales Lernen
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Reflexion in Bewegung: Professionalisierung und Organisationales Lernen in Schulen In diesem Symposium werden drei Forschungsprojekte zu Reflexionsformaten im Kontext der Professionalisierung von Lehrer:innen vorgestellt und diskutiert. Im Mittelpunkt steht die systematische Erforschung von Handlungen, Deutungen und Interaktionen von Berater:innen sowie weiterer Akteur:innen in den Feldern Schulentwicklungsberatung, Supervision und gruppendynamischen Lernformaten, die als komplementäre Professionalisierungsansätze verstanden werden. Alle Projekte teilen das Verständnis von Schule als lernende Organisation, deren Entwicklung wesentlich durch strukturierte, erfahrungs- und reflexionsbasierte Prozesse angestoßen und getragen wird. Supervision eröffnet professionelle Reflexionsräume auf individueller und gruppenbezogener Ebene und unterstützt die Auseinandersetzung mit beruflichen Rollen, Beziehungen und organisationalen Anforderungen (vgl. Krall, 2008). Gruppendynamische Ansätze ergänzen diese Perspektiven, indem sie soziale Prozesse in Gruppen erfahrungsbasiert sichtbar und reflexiv bearbeitbar machen und Kompetenzen wie Selbstreflexion, Beziehungsgestaltung sowie den Umgang mit Macht, Autorität und Zugehörigkeit fördern (Kreutzmann et al., 2022). Die verbindende theoretische Klammer bildet das Konzept des organisationalen Lernens, das Lernen nicht als Summe individueller Prozesse, sondern als Entwicklung der gesamten Organisation versteht. Organisationales Lernen vollzieht sich auf der individuellen Ebene, der Gruppen- bzw. Teamebene sowie der organisationalen Ebene, die dann erreicht ist, wenn sich Lernprozesse in nachhaltigen Veränderungen von Strukturen und Organisationskultur niederschlagen. Einen zentralen Bezugsrahmen für Reflexionsformate stellt die Aktionsforschung dar. Als praxisnaher Ansatz verbindet sie Forschung und Entwicklung in zyklischen Prozessen von Planung, Handlung, Beobachtung und Reflexion (vgl. Altrichter et al., 2018). Ziel ist es, die schulische Praxis gemeinsam mit den beteiligten Akteur:innen zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Aktionsforschung fördert dabei professionelle Haltungen wie Reflexivität, Verantwortungsübernahme und kollektives Lernen. Supervision und Gruppendynamik können in diesem Zusammenhang als strukturgebende Rahmungen für Prozesse verstanden werden, in denen Elemente der Aktionsforschung integriert sind. Diese Perspektive wird im Symposium anhand konkreter Forschungsprojekte entfaltet: Das Projekt „Professionelles Lernen durch Action Research und Supervision in mehrsprachigen Schulen“ (Imamović, Oberreiter & Zehetmeier) nutzt sprachliche Diversität als Ausgangspunkt aktionsforschender Unterrichts- und Organisationsentwicklung. Anhand des Projekts „Entscheidungslogiken in der Schulentwicklungsberatung“ (Reisinger) werden Entscheidungs- und Handlungslogiken von Berater:innen als zentrale Stellgrößen reflexiver Schulentwicklungsprozesse untersucht. Ergänzend untersucht das Projekt „Lernen in gruppendynamischen Settings als Beitrag zur Professionalisierung von Lehrkräften” (Mayr), wie erfahrungsbasierte Gruppenprozesse die Professionalisierung von Schulleitungen sowie das organisationale Lernen in Schulen unterstützen können. Beiträge des Symposiums Professionelles Lernen durch Action Research und Supervision in mehrsprachigen Schulen Diese Studie untersucht die Bedingungen, unter denen Lehrkräfte und Schulleitungen in supervisierten Settings eigene Action-Research-Projekte durchführen können. Im Zentrum steht die Frage, wie Supervision die Umsetzung forschender Praxis unterstützt und welche Voraussetzungen professionelles sowie organisationales Lernen in schulischen Entwicklungsprozessen begünstigen. Der Fokus liegt dabei auf Schulen, in denen sprachliche Vielfalt und Fragen der Bildungsgerechtigkeit besonderen Einfluss auf Herausforderungen und Lernanlässe haben. Action Research wird als reflexionsbasiertes Professionalisierungsformat verstanden, das systematische Reflexion mit konkreter Handlungserprobung verbindet und Lehrpersonen als forschende Praktiker:innen adressiert (Altrichter et al., 2018). Diese forschende Praxis ist durch Offenheit, Unsicherheit und komplexe Entscheidungsanforderungen gekennzeichnet. Supervision übernimmt in diesem Zusammenhang eine zentrale professionstheoretische Funktion, indem sie als extern begleiteter, ergebnisoffener Reflexionsraum Vertrauen innerhalb der Gruppen fördert, reflexive Distanz ermöglicht und individuelle sowie kollektive Lernprozesse strukturiert begleitet. Die Studie richtet den Blick darauf, wie Supervision die Durchführung von Action-Research-Projekten rahmt und wie Reflexionsprozesse in organisationale Lernzusammenhänge eingebettet werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der diskursiven Aushandlung von sprachlicher Vielfalt und Bildungsgerechtigkeit. Mehrsprachigkeit wird nicht primär als individuelles Merkmal von Schüler:innen, sondern als organisational relevantes Lernfeld verstanden, in dem pädagogische Normen, professionelle Selbstverständnisse und institutionelle Hierarchien verhandelt werden sowie „emotional hardships“ (Jessner & Kramsch, 2015, S. 6). Die Untersuchung fragt danach, wie sprachbezogene Deutungsmuster, Zuschreibungen und Praktiken im Rahmen von Supervision und Action Research thematisiert, reflektiert und weiterentwickelt werden. Empirisch basiert die Studie auf qualitativen Interviews mit zentralen schulischen Akteur:innen (Lehrkräften, Schulleitungen, Eltern) sowie auf Befragungen von Schüler:innen. Ergänzend werden organisationale Perspektiven auf sprachbezogene Praxisprozesse erhoben, um individuelle Reflexionsprozesse mit kollektiven und organisationalen Lernbewegungen in Beziehung zu setzen. Theoretisch verbindet die Studie Konzepte der Professional Learning Communities (PLCs; Lave & Wenger, 1991) mit Ansätzen des organisationalen Lernens. Supervision fungiert dabei als verbindendes Element, das Reflexion systematisiert, kommunikativ absichert und an organisationale Strukturen rückbindet. Ziel der Studie ist es, die Verschränkung von Action Research und Supervision als reflexive Lernschleife zu konzeptualisieren, in der professionelles Lernen, sprachsensible Schulentwicklung und organisationales Lernen wechselseitig aufeinander bezogen sind. Damit leistet die Untersuchung einen Beitrag zur theoretischen und konzeptionellen Weiterentwicklung reflexionsbasierter Professionalisierungsformate in mehrsprachigen Schulen. Bibliografie
Altrichter, H., Posch, P., & Spann, H. (2018). Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht (5. Aufl.). Klinkhardt. Jessner, U., & Kramsch, C. (2015). The Multilingual Challenge. De Gruyter. Lave, J., & Wenger, E. (1991). Situated learning. Cambridge University Press. Prozessregulation in der Komplementärberatung Das Forschungsvorhaben geht von der Beratungspraxis aus und untersucht drei Schulentwicklungsberatungsprozesse, die von Berater:innen des Beratungszentrums der PHDL (Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz) begleitet wurden. Diese Prozesse lassen sich aufgrund ihrer methodischen und inhaltlichen Ausrichtung – mit dem Schwerpunkt „Neue Autorität“ als Konzept einer gewaltfreien Pädagogik zur professionellen Beziehungsgestaltung – im Ansatz der Komplementärberatung verorten, in dem Fach- und Prozessberatung miteinander verbunden werden. Dieses Beratungsformat erweist sich insbesondere in der Schulentwicklungsberatung als vielversprechend, da nachhaltige Entwicklung im Sinne einer „Next Practice“ zwar starke externe Impulse benötigt, diese jedoch über reine Wissensvermittlung hinausgehen müssen. Erst im koordinierten Zusammenspiel von Individuum, Gruppe und Organisation sowie in der reflektierten Auseinandersetzung mit Identität und Haltung (Hattie & Zierer, 2018) kann organisationales Lernen entstehen. Um ein vertieftes Verständnis dafür zu gewinnen, wie Berater:innen unter diesen komplexen Bedingungen Schulentwicklungsprozesse gestalten, stellt das Projekt die Regulation von Beratungsprozessen sowie die damit verbundenen prozessstrukturierenden Interventionen in den Mittelpunkt. Der Begriff der „Regulation“ wird bewusst dem der „Steuerung“ vorgezogen, da er das sich wechselseitig entwickelnde Geschehen zwischen Beratungs- und Beratungssystem betont. In Anlehnung an Maag Merki (2020) wird Regulation als sozial konstituierter und situierter Prozess verstanden, der in die alltäglichen Routinen schulischer Akteur:innen eingebettet ist und dann relevant wird, wenn bestehende Routinen nicht mehr ausreichen, um Ziele zu erreichen oder neue Herausforderungen zu bewältigen. Aus systemtheoretischer Perspektive (Königswieser et al., 2006) wird davon ausgegangen, dass es für komplexe Systeme keine einfachen Erfolgsrezepte gibt, sondern nur iterative, kontextbezogene und zugleich riskante, theoriegeleitete Interventionen. Diese werden daher als situative, reflexive Entscheidungsangebote verstanden, die neue Entscheidungs- und Handlungsmuster ermöglichen, zugleich aber auf den Entscheidungsprozessen der Berater:innen selbst beruhen. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, durch die Reflexion prozessrelevanter Interventionen implizite, in der Praxis entstandene Entscheidungslogiken sichtbar zu machen, zu systematisieren und aus einer ganzheitlich-integralen Perspektive theoretisch einzuordnen. Auf diese Weise soll Orientierungswissen für die Gestaltung und Professionalisierung wirksamer Schulentwicklungsberatung bereitgestellt werden. Methodisch ist das Projekt in der Aktionsforschung verankert: Die eigene Beratungspraxis wird in strukturierten Reflexionsräumen untersucht. Gruppendiskussionen mit Berater:innen dienen dazu, Interventionen als Entscheidungsprozesse zu rekonstruieren und deren Tiefenstrukturen zu versprachlichen. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Verfahren zur Rekonstruktion habitualisierter Praktiken und handlungsleitender Orientierungen. Bibliografie
Hattie, J., & Zierer, K. (2018). Kenne deinen Einfluss! „Visible learning“ für die Unterrichtspraxis (3., erw. Aufl.). Schneider Verlag Hohengehren. Königswieser, R., & Exner, A. (2006). Systemische Intervention: Architekturen und Designs für Berater und Veränderungsmanager (9. Aufl.). Klett-Cotta; Schäffer-Poeschel. Maag Merki, K. (2020). Das Educational Governance-System im Dienste der Schulentwicklung. Oder: Wie kann Steuerung die Weiterentwicklung von Schulen unterstützen? In I. van Ackeren, H. Bremer, F. Kessl, H. C. Koller, N. Pfaff, C. Rotter, D. Klein & U. Salaschek (Hrsg.), Bewegungen. Beiträge zum 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (S. 405–417). Barbara Budrich. Lernen in gruppendynamischen Settings als Beitrag zur Professionalisierung von Lehrkräften Ausgehend von der Annahme, dass Schulleitungen eine Schlüsselrolle im organisationalen Lernen von Schulen einnehmen (vgl. Oberreiter, 2021), untersucht dieses Projekt, wie gruppendynamische Lernprozesse zur Professionalisierung von Schulleitungen und zum organisationalen Lernen von Schulen beitragen können. Gruppendynamik beschreibt dabei einerseits soziale Prozesse, die in und zwischen Gruppen stattfinden, und stellt andererseits eine erfahrungsbasierte Lernpraxis dar, die Selbstreflexion, Beziehungskompetenz sowie die Fähigkeit zur Aushandlung von Differenz fördert. Obwohl gruppendynamische Ansätze seit den 1980er-Jahren in der Lehrer:innenbildung zunehmend an Bedeutung verloren haben, zeigen aktuelle Professionalisierungsansätze, dass Selbsterfahrung sowie die Reflexion über Macht, Autorität und soziale Interaktion zentrale Dimensionen professionellen Handelns sind – genau jene Aspekte, die die Grundlage gruppendynamischen Erfahrungslernens bilden (vgl. Spaller, 2024). Der empirische Teil der Arbeit ist als Aktionsforschung angelegt und untersucht eine gruppendynamische Fortbildungsveranstaltung für Schulleitungen, die als Jahresgruppe mit fünf festen Terminen konzipiert ist. Inhaltlich orientiert sich die Fortbildung an zentralen gruppendynamischen Themen mit besonderem Fokus auf Führung, Autorität, Macht und organisationale Zusammenhänge. Im Zentrum stehen dabei nicht nur individuelle Reflexionsprozesse, sondern insbesondere die Reflexion in der Gruppe sowie die Bezugnahme auf das eigene professionelle Führungshandeln im schulischen Alltag. Aktionsforschung wird als kooperativer Erkenntnis- und Entwicklungsprozess verstanden, in dem die dynamische Interaktion zwischen Forschenden und Beforschten konstitutiv für den Wissensgewinn ist. Ergänzend wird das Konzept des subjektiven Relevanzempfindens (Seyfried, 2022) herangezogen, um zu analysieren, welche Erfahrungen Schulleitungen als persönlich bedeutsam erleben und wie daraus Lern- und Veränderungsprozesse entstehen. Dem Projekt liegen folgende forschungsleitende Hypothesen zugrunde: Auf dieser Grundlage wird ein theoretisch-konzeptionelles Modell entwickelt, das Aktionsforschung und subjektives Relevanzempfinden miteinander verbindet und gruppendynamisches Lernen als Brücke zwischen individueller Professionalisierung und organisationalem Lernen konzeptualisiert. Bibliografie
Oberreiter, E. (2021). Die Wirkung von Supervision für die Organisationsentwicklung von Schulen (Dissertation, Universität Klagenfurt). Seyfried, C. (2022). Das Reflexionsmodell »Subjektive Relevanz« – SuRe. In C. Seyfried & B. Marschke (Hrsg.), Kollegiale Fallberatung für Pädagogen und Pädagoginnen (S. 43–64). transcript. Spaller, C. (2024). Gruppendynamik und Schule. Gruppe. Interaktion. Organisation, 55, 509–516. | ||
