Veranstaltungsprogramm
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Session 2j: Einzelbeiträge: Psychische Gesundheit
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Bildung zwischen globalem Wandel und lokaler Verantwortung: One Health Education und Inner Development Goals als glokaler Orientierungsrahmen Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich Bildungssysteme stehen angesichts multipler globaler Krisen vor der Herausforderung, Lern- und Bildungsprozesse unter Bedingungen zunehmender Unsicherheit, Komplexität und gesellschaftlicher Ambivalenz neu zu reflektieren. Der Begriff der Glokalisierung verweist dabei auf das Ineinandergreifen globaler Veränderungsprozesse und lokaler Bildungsrealitäten und macht Bildung als zentralen Raum gesellschaftlicher Vermittlung und Sinnkonstruktion sichtbar. Der Beitrag greift diese Perspektive auf und fragt, wie Bildungsprozesse gestaltet sein müssen, um Lernende im Spannungsfeld globaler Problemlagen und lokaler Handlungsräume zu begleiten. Ausgehend vom One-Health-Konzept (1), das die Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanzen und Umwelt als systemisch miteinander verwoben versteht, wird Bildung als Ort der Auseinandersetzung mit komplexen, nicht-linearen Zusammenhängen diskutiert. Ergänzend werden die Inner Development Goals (IDGs; 2) als bildungstheoretisch anschlussfähiger Orientierungsrahmen eingeführt, der jene inneren Dimensionen menschlicher Entwicklung fokussiert, die für Reflexivität, Verantwortungsübernahme und Handlungsfähigkeit in Transformationsprozessen zentral sind. Der Beitrag argumentiert, dass Bildung in Zeiten glokaler Transformation nicht auf die Vermittlung von Wissen oder Kompetenzen im engeren Sinne reduziert werden kann, sondern auf die Entwicklung von Deutungs-, Urteils- und Gestaltungsfähigkeit zielt. Vor diesem Hintergrund wird One Health Education als konzeptioneller Zugang verstanden, der auf diese glokalen Spannungsverhältnisse reagiert, indem globale Gesundheits- und Nachhaltigkeitsfragen in lokale Bildungsprozesse integriert werden. Abschließend wird diskutiert, inwiefern institutionelle Whole-System-Ansätze (3) erforderlich sind, um Bildungseinrichtungen als lernende Organisationen zu denken, die glokale Spannungen nicht nur thematisieren, sondern strukturell aufgreifen. Der Einzelvortrag leistet damit einen theoretischen Beitrag zur bildungswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Bildung im Spannungsfeld globaler und lokaler Transformationsprozesse und basiert auf einem Forschungsprojekt mit expliziter Transferorientierung. Mehrbedarf an Aufklärungsarbeit zur psychischen Gesundheit in der Sekundarstufe I: Dimensionen aus multiprofessioneller Perspektive Universität Innsbruck - Institut für Erziehungswissenschaft Ausgangspunkt des Beitrags ist die Frage, wie Schulen in der österreichischen Sekundarstufe I auf einen wachsenden Bedarf an Wissen, Orientierung und Unterstützung im Themenfeld psychischer Gesundheit reagieren können. Aufklärungsarbeit im Sinne von Mental-Health-Literacy und Psychoedukation wird dabei als zentrale Voraussetzung verstanden, um Entstigmatisierung zu fördern, Hilfewege sichtbar zu machen und Handlungssicherheit im Schulalltag zu erhöhen. In glokalen Dynamiken wie etwa, wenn global verbreitete Deutungen psychischer Gesundheit über soziale Medien in lokale Schulkontexte hineinwirken, verdichten sich Anforderungen an Bildung und Unterstützungssysteme, ohne dass Zuständigkeiten, Ressourcen und Qualitätssicherung flächendeckend geklärt sind. Der Beitrag folgt der Forschungsfrage: Welche Dimensionen eines Mehrbedarfs an Aufklärungsarbeit zur psychischen Gesundheit lassen sich in der österreichischen Sekundarstufe I identifizieren aus Sicht von Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und Lehrkräften? Ziel ist es, Mehrbedarf nicht als bloßes „Mehr an Angeboten“ zu fassen, sondern als mehrdimensionales Spannungsfeld zwischen strukturellen Bedingungen, professionellen Rollen, Inanspruchnahme und schulischer Praxis herauszuarbeiten. Empirische Grundlage bilden leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Vertreter:innen der drei Berufsgruppen. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz, kombiniert aus deduktiver Anbindung an Theorie und Forschungsstand sowie induktiver Ergänzung aus dem Material. Ergebnisse werden professionsbezogen und vergleichend dargestellt. Die Befunde weisen einen Mehrbedarf in fünf miteinander verschränkten Dimensionen aus: (1) strukturelle Rahmenbedingungen und Ressourcenlage, (2) Verankerung im Schulalltag und Inanspruchnahme der Angebote, (3) Aufgabenprofil und Arbeitsweise im Feld psychischer Gesundheit, (4) Wandel der Problem- und Lebenslagen von Schüler:innen unter medialen Einflussfaktoren sowie (5) Kritik und Verbesserungsvorschläge. Übergreifend zeigt sich, dass Aufklärungs- und Präventionsarbeit häufig punktuell, reaktiv und standortabhängig bleibt, während Krisen- und Fallarbeit präventive Ansätze verdrängt. Zugleich wird eine offene curriculare Verankerung als Faktor beschrieben, der Unterschiede zwischen Schulen begünstigt und Teilhabechancen ungleich verteilt. Diskutiert wird, welche Ansatzpunkte sich daraus für verbindliche, standardisierte und qualitätsgesicherte Formate schulischer Aufklärungsarbeit ableiten lassen, insbesondere im Zusammenspiel der Professionen (Rollenklärung, stabile Ressourcen, verlässliche Kooperations- und Zuweisungsstrukturen sowie stigma-sensible Zugänge). Gefühle und das transformative Potential von Schutzkonzepten. Theoretische Überlegungen zur Bedeutung einer Bildung der Gefühle im Gewaltschutz pädagogischer Institutionen Institut für Erziehungswissenschaft & Bildungsforschung, Arbeitsbereich Sozialpädagogik & Inklusionsforschung, Österreich Die im internationalen Kontext entworfenen Ansprüche an pädagogische Institutionen, einen professionellen Gewaltschutz in Form sogenannter Schutzkonzepte umzusetzen, sind auch in Österreich aktuell als gesetzlicher Auftrag an Schulen formuliert. Auch werden sie – wie im Falle der Kinder- und Jugendhilfe sowie Behindertenhilfe – durch politische Entscheidungsträger:innen sowie Träger pädagogischer Angebote im Kontext der Professionalisierung der Angebotslandschaft forciert. Schutzkonzepte haben, verstanden als Organisationsentwicklungsprozesse, durch die Institutionen nicht nur zu Schutz-, sondern auch zu Kompetenzorten werden sollen, transformatives Potenzial. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass eine Verbesserung des institutionellen Gewaltschutzes teils stagniert. Als Gründe hierfür werden die Überforderung von Fachkräften, mangelnde Ausbildung sowie Personal- und Zeitmangel diskutiert. Doch welche Bedeutung haben implizite Dimensionen sozialen Handelns, wie etwa die Sphäre des Fühlens, für den Gewaltschutz in pädagogischen institutionen? Im Vortrag wird diese Frage mit Bezug auf das geplante FWF-Projekt „Affects and Violence Protection in Residental Care“ im Rahmen von Theoriearbeit diskutiert. Seit den 1980er Jahren haben feministische Wissenschaftler*innen herausgearbeitet, dass ein binäres Verständnis von Gefühl und Rationalität, Körper und Geist sowie Privatheit und Öffentlichkeit der Etablierung einer patriarchalen Geschlechterordnung dient (Penz & Sauer, 2020). Für das Feld der Sozialen Arbeit argumentieren Johanna Hess, Alexandra Retkowski und Nina Thieme etwa, dass Emotionalität lange als Gegensatz von Rationalität bzw. „kognitiver Rationalität“ gedacht und innerhalb von Professionalisierungsdiskursen abgewertet wurde (Hess, Retkowski & Thieme, 2018). Die Autorinnen zeigen auf, zu welchen verkürzten Reflexionsprozessen professionellen Handelns diese Kultur des „Nicht-Fühlens“ führt, und schlagen vor, Rationalität und Emotionalität als interdependent sowie als gleichermaßen wichtige Ebenen der Reflexion professionellen Handelns anzuerkennen. Anschließend an diesen Blick auf Gefühle als bedeutende Ressource des Agierens als potenziell Schutzgewährende im Kontext von Schutzkonzepten umkreist der Vortrag eine Theoretisierung der Bedeutung einer Bildung der Gefühle (Wulf, 2024) pädagogischer Fachkräfte im Kontext des institutionellen Gewaltschutzes. | ||