Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Session 2h: Symposium: Digitaler Wandel, ökologische Verantwortung
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Futures Literacy. Zukunftsgestaltung an der Schnittstelle von digitalem Wandel und ökologischer Verantwortung. Angesichts globaler Krisen wie Klimawandel, sozialer Ungleichheit und beschleunigter Digitalisierung steht Bildung vor der Herausforderung, Lernende wie Lehrende auf eine grundsätzlich offene, unsichere und gestaltbare Zukunft vorzubereiten. Das Symposium widmet sich der Frage, wie Futures Literacy als pädagogisches Schlüsselkonzept zur Antizipation, Reflexion und Mitgestaltung möglicher Zukünfte beitragen kann und welche Rolle digitale Medien, didaktische Formate und Fragen digitaler Souveränität dabei spielen. Die drei Beiträge beleuchten Futures Literacy aus komplementären theoretischen, didaktischen und systemischen Perspektiven. Ausgangspunkt ist die Analyse der Interdependenzen von Digitalisierung und Nachhaltigkeitsstrategien im Kontext antizipativer Bildung. Dabei wird Futures Literacy als Erweiterung der Bildung für nachhaltige Entwicklung verstanden, die Zukunft nicht nur als Zielperspektive, sondern als aktiven Denk- und Handlungsraum begreift. Digitale Technologien erweisen sich hierbei als zentrale Ermöglicher von Zukunftsdenken, zugleich werden Spannungsfelder wie ökologische Kosten digitaler Infrastrukturen und institutionelle Begrenzungen sichtbar. Daran anschließend rückt mit dem Futures Stories Lab ein innovatives didaktisches Format der Zukünftebildung in den Fokus, das insbesondere Imagination, Partizipation und narrative Aushandlungsprozesse fördert. Empirische Befunde aus Educational Design Research zeigen, dass derartige Lernsettings bereits ab der Primarstufe wirksam implementiert werden können und durch kreative, mediengestützte Zugänge Selbstwirksamkeit, Verantwortungsübernahme und glokale Orientierung stärken. Der dritte Beitrag erweitert die Perspektive um die Frage digitaler Souveränität als Bestandteil von Futures Literacy. Vor dem Hintergrund zunehmender Abhängigkeiten von globalen Plattformanbietern werden europäische Alternativen zu dominanten Bildungsapplikationen analysiert und deren Potenzial für eine reflektierte, zukunftsorientierte digitale Praxis von Lehrpersonen diskutiert. Gemeinsam zeigen die Beiträge, dass Futures Literacy nicht nur eine individuelle Kompetenz, sondern eine strukturelle Bildungsaufgabe darstellt. Das Symposium versteht sich als Impuls, um Zukünftebildung, digitale Professionalisierung und nachhaltige Bildungssteuerung zusammenzudenken und Perspektiven für eine verantwortungsvolle Bildung in der Digitalität zu verankern. Beiträge des Symposiums Antizipative Bildung: Eine Analyse der Interdependenzen von Digitalisierung und Nachhaltigkeitsstrategien In einer durch globale Herausforderungen wie den Klimawandel und soziale Ungleichheit geprägten Zeit stoßen traditionelle Bildungsmuster zunehmend an ihre Grenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Konzept der Futures Literacy an Bedeutung, welches die Fähigkeit beschreibt, sich mögliche Zukünfte vorzustellen, sie zu verstehen und dieses Wissen für das Handeln in der Gegenwart zu nutzen. Während die Bildung für nachhaltige Entwicklung Kompetenzen für zukunftsfähiges Handeln fördert, erweitert Futures Literacy diese Perspektive um die Fähigkeit, verschiedene Zukunftsszenarien aktiv zu imaginieren und daraus Handlungsoptionen abzuleiten. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, in welchem Zusammenhang Futures Literacy mit Bildung unter den Bedingungen der Digitalität steht. Dabei wird untersucht, wie sich diese Konzepte ergänzen, einander bedingen und welche Widersprüche dabei auszumachen sind. Das methodische Vorgehen basiert auf einer strukturierten Darstellung aktueller explorativer Diskurse, die theoretische Grundlagen der Digitalität mit pädagogischen Ansätzen verknüpfen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Medien als wesentliche Ermöglicher für Zukunftsdenken fungieren, da Technologien wie Simulationen oder Virtuelle Realität es erlauben, komplexe Zukunftsszenarien unmittelbar erfahrbar zu machen. Zudem unterstützen kollaborative Online-Tools die gemeinsame Visualisierung und iterative Weiterentwicklung von Zukunftsentwürfen. Als systemische Bausteine werden Computational Thinking zur Problemlösung und Computational Empowerment zur Förderung eines tiefen Verständnisses für ethische sowie soziale Implikationen von Technologie identifiziert. In der Diskussion wird jedoch auch auf die Hindernisse durch starre Bildungsstrukturen sowie auf ökologische Risiken durch den Ressourcenverbrauch digitaler Systeme hingewiesen. Abschließend wird aufgezeigt, dass eine umfassende Neuausrichtung der Lehrendenbildung erforderlich ist, um Futures Literacy und eine kritische digitale Professionalisierung systematisch in der pädagogischen Praxis zu verankern. Bibliografie
Bartosch, R., Adone, D., Hoydis, J., Junker, K., Kumar, S., & Rigby, K. (2023). Zukunftsgestaltungskompetenz im Angesicht der Katastrophe: Ecological literacy als mehrdimensionale Herausforderung. In Futures Literacy. Zukunft lernen und lehren (S. 111–122). Höfler, E. (2023). Connectivism, VUCA und Futures Literacy. Versuch einer Synthese. In C. Sippl, G. Brandhofer, & E. Rauscher (Hrsg.), Futures Literacy. Zukunft lernen und lehren (S. 343–352). Studienverlag. https://doi.org/10.53349/oa.2022.a2.170 Kalz, M. (2023). Zurück in die Zukunft?: Eine literaturbasierte Kritik der Zukunftskompetenzen. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 332–352. https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2023.11.19.X Parveen, A., Bashir, F., Nazir, A., Zimik, P. N., & Jan, S. (2024). Pedagogical Strategies for Developing Digital Literacy: In K. B. Prager & N. Bilge (Hrsg.), Advances in Educational Technologies and Instructional Design (S. 255–274). IGI Global. https://doi.org/10.4018/979-8-3693-2591-9.ch011 Tiandem-Adamou, Y. M. (2024). Navigating the Digital Era and Future Workplaces: Cultivating Critical Skills for Success in the 21st Century. In G. Huzooree & H. Chandan (Hrsg.), Advances in Higher Education and Professional Development (S. 1–36). IGI Global. https://doi.org/10.4018/979-8-3693-3856-8.ch001 Das Futures Stories Lab als methodisches Format der Zukünftebildung Die zunehmende Volatilität globaler Systeme, der beschleunigte technologische Wandel sowie die fortschreitende Klimakrise stellen bereits auch für junge Menschen beachtliche Herausforderungen der Gegenwart dar. Ein positives und reflektiertes Zukunftsdenken, das mögliche, wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte antizipiert, stellt eine zentrale Voraussetzung für eine aktive, mitverantwortliche und auch ökologisch verantwortungsbewusste Mitgestaltung gesellschaftlicher Transformationsprozesse dar (Miller, 2018). Bildung steht vor der Aufgabe, globale Dynamiken und lokale Erfahrungswelten miteinander zu verschränken und Lernende zu befähigen, sich in einer zunehmend unsicheren und offenen Zukunft orientieren und handlungsfähig bleiben zu können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Futures Literacy (UNESCO, o.J.) bereits ab der Primarstufe unter anderem auch mit Hilfe digitaler Medien gezielt gefördert werden kann. Der Beitrag verortet sich im Feld der Futures Literacy Pädagogik und fragt danach, wie Zukünftebildung als didaktischer Zugang auf glokale Herausforderungen reagieren kann. Futures Literacy wird dabei als Fähigkeit, Zukunft als gestaltbaren Möglichkeitsraum wahrzunehmen, kritisch zu reflektieren und narrativ zu erschließen, verstanden. Im Fokus steht die Frage, inwieweit das Format des Futures Stories Lab – eine Zukünftewerkstatt (Sippl, 2025) Mit Hilfe narrativer, kreativer und partizipativer Methoden dazu beitragen kann, um Imagination, Partizipation und Verantwortungsübernahme im Spannungsfeld von lokalen Lebenswelten und globalen Herausforderungen zu fördern. Methodisch basiert der Beitrag auf Educational Design Research (EDR) in Kombination mit Arts-based Research. In iterativen Forschungs- und Entwicklungszyklen wurde das Format der Zukünftewerkstatt mit Schüler*innen der Primar- und Sekundarstufe I sowie mit Lehramtsstudierenden erprobt, reflektiert und weiterentwickelt. Digitale Medien fungierten dabei als Werkzeug zur Auseinandersetzung mit und Gestaltung von Zukunftsbildern. Vorgestellt werden Ausschnitte und Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt Zukunft lernen, Zukünfte lehren sowie aus dem interaktiven Ausstellungsformat Zukunft am Campus (ZaC), das als Real-Labor in der Lehrer*innenbildung eingesetzt wurde. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das didaktische Format der Zukünftewerkstatt geeignet ist, Zukünftedenken bereits ab der Primarstufe gezielt anzuregen und fächerübergreifend zu fördern. Insbesondere der kreative, handlungsorientierte und mediengestützte Zugang eröffnet den Lernenden Möglichkeiten, eigene Zukunftsvorstellungen zu entwickeln, diese narrativ zu gestalten und im Austausch mit anderen zu reflektieren. Der Einsatz digitaler Werkzeuge unterstützt dabei sowohl die Visualisierung als auch die gemeinsame Aushandlung von Zukunftsbildern und trägt zur Stärkung von Partizipation, Selbstwirksamkeit sowie eines Bewusstseins für ökologische Verantwortung in offenen Zukunftsfragen bei. Der Beitrag diskutiert außerdem daraus abgeleitete Designprinzipien für die Didaktik der Zukünftebildung und zeigt auf, wie diese als Bestandteil kulturell nachhaltiger Bildung zur Stärkung glokaler Orientierung und Handlungskompetenz beitragen kann. Bibliografie
Miller, R. (2018). Introduction. Futures Literacy: transforming the future. In R. Miller (ed.), Transforming the Future. Anticipation in the 21st Century (pp. 1–12). UNESCO/Routledge. Sippl, C.(2025). The Futures Stories Lab. A Tool for Futures Literacy Pedagogy.R&E-Source12, 4., 78–116. UNESCO (o.J.). Futures Literacy & Foresight. https://www.unesco.org/en/futures-literacy Digitale Souveränität als Futures Literacy: Europäische Alternativen zu dominanten Bildungstools Der digitale Wandel prägt schulische Bildungsprozesse tiefgreifend und langfristig. Cloud-Dienste, Kollaborationsplattformen, Lernmanagementsysteme und KI-basierte Anwendungen strukturieren zunehmend Unterricht, Organisation und Kommunikation. Damit entstehen nicht nur neue pädagogische Möglichkeiten, sondern auch neue Abhängigkeiten von globalen Technologieanbietern. In Zuge einer „Googlization of education“ (Kerssens, 2024) werden Schulen durch proprietäre, vertikal integrierte Technologie-Stacks aus Geräten, Plattformen, Cloud-Diensten und KI-Services in spezifische Ökosysteme eingebunden, aus denen ein Herauslösen mit zunehmender Nutzung immer schwieriger wird. Im Sinne einer zukunftsorientierten Bildung rückt damit die Frage in den Vordergrund, inwiefern Lehrpersonen in der Lage sind, digitale Lehr- und Lernräume bewusst, reflektiert und verantwortungsvoll zu gestalten. Der Beitrag verortet digitale Souveränität als zentrales Element von Futures Literacy an der Schnittstelle von digitalem Wandel, pädagogischer Professionalität und gesellschaftlicher Verantwortung (Benedikter, 2022). Zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern europäische Alternativen zu verbreiteten digitalen Bildungstools einen Beitrag zur digitalen Souveränität von Lehrpersonen in Österreich leisten können. Ziel der Arbeit ist es, marktprägende digitale Bildungstools systematisch zu analysieren, diesen europäische Alternativen gegenüberzustellen und daraus eine praxisnahe Orientierungshilfe für eine zukunftsorientierte Toolauswahl abzuleiten. Methodisch folgt die Studie einem mehrstufigen Mixed-Methods-Design. Auf Basis einer systematischen Dokumenten- und Literaturanalyse werden verbreitete digitale Bildungstools sowie relevante Tool-Kategorien identifiziert. Darauf aufbauend wird ein kriteriengeleitetes Analyseraster entwickelt (u. a. DSGVO-Konformität, Datensicherheit, Transparenz, Hosting, Abhängigkeitsstrukturen, pädagogische Passung), mit dem sowohl dominierende Tools als auch ausgewählte europäische Alternativen vergleichend untersucht wurden. Ergänzend werden leitfadengestützte Interviews mit Lehrpersonen durchgeführt, um Wahrnehmungen, Entscheidungslogiken, Barrieren und Unterstützungsbedarfe im Kontext digitaler Souveränität zu rekonstruieren. Die Ergebnisse zeigen differenzierte Spannungsfelder zwischen funktionaler Alltagstauglichkeit, institutionellen Rahmenbedingungen und souveränitätsbezogenen Anforderungen. Sie machen sichtbar, in welchen Bereichen europäische Alternativen reale Gestaltungsräume eröffnen und wo strukturelle, organisationale oder funktionale Hürden bestehen. In der Diskussion werden Implikationen für schulische Praxis, Lehrer*innenbildung und strategische Bildungssteuerung abgeleitet. Bibliografie
Benedikter, R. (2022, July 6). In the Age of Recurring Systemic Crises, UNESCO Futures Literacy Becomes a Core Global Policy Task | Global Policy Journal. Durham University. Global Policy Journal. https://www.globalpolicyjournal.com/blog/06/07/2022/age-recurring-systemic-crises-unesco-futures-literacy-becomes-core-global-policy Kerssens, N., Nichols, T. P., & Pangrazio, L. (2024). Googlization(s) of education: intermediary work brokering platform dependence in three national school systems. Learning, Media and Technology, 49(3), 478–491. https://doi.org/10.1080/17439884.2023.2258339 | ||
