Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Panel1: Kommunikations- und Lernräume
Zeit:
Donnerstag, 16.09.2021:
10:30 - 12:00

Chair der Sitzung: Karsten D. Wolf
Chair der Sitzung: Anneke Elsner
Virtueller Veranstaltungsort: Leipziger Zoom (1)
Zoom-Meeting beitreten: https://uni-leipzig.zoom.us/j/61010410038?pwd=NlhDMFFZeXorOVhGR1ZpcjF3THV4Zz09

Verbundenheit, Zugehörigkeit und Einbinding in Kommunikations- und Lernräume.

Die Konstruktion sozialer Räume einschliesslich der darin stattfindenen Kommunikation ist Thema dieses Panels. Dabei geht es zum einen um Verbundenheit und Zugehörigkeit der Akteure innerhalb dieser Räume, seien es digitale Lernräume Studierender oder physische Sozialräume von Individuen. Zum anderen geht es um die Herstellung von Einbindung in digitale Lernräume durch Designelemente und der darin implizierten Wissensbestände.


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Präsentationen
10:30 - 11:00
ID: 108 / Panel1: 1
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: digitales forschendes Lernen, interdisziplinäre Kommunikation, kollektive Identifikation, soziale Integration

Ein Teil vom Ganzen – Zugehörigkeit trotz Distanz in Student Crowd Research

Nele Katharina Groß, Daria Paul, Alexa Kristin Brase, Gabi Reinmann

Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen, Universität Hamburg, Deutschland

Fragestellung und Hintergrund

Interdisziplinäres forschendes Lernen von Studierenden in der Crowd kann, so die Grundannahme des Vortrags, für unterschiedliche Perspektiven sensibilisieren, Verständigung außerhalb der eigenen Fachsprache ermöglichen und ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer heterogenen Großgruppe fördern. Doch wie gelingt es, Studierende auf einer Online-Lernplattform trotz Distanz und eingeschränkter Kommunikationswege zum gemeinsamen Forschen zu motivieren?

Die Analyse, die von dieser Frage ausgeht, ist eingebettet in ein laufendes Verbundforschungsprojekt, das mit Design-Based Research (DBR) als methodologischem Rahmen (Design-Based Research Collective, 2003; Reinmann, 2020) zwei Ziele verfolgt: eine Plattform für studentische Forschungsprojekte zu gestalten und bildungswissenschaftliche Erkenntnisse zur Förderung forschenden Lernens zu gewinnen. Auf der Plattform treffen Studierende verschiedener Hochschulen und unterschiedlicher Fachdisziplinen aufeinander, um als Crowd videobasiert zu Themen aus dem Bereich Nachhaltigkeit zu forschen. „Student Crowd Research“ bezeichnet eine kollaborative Form des forschenden Lernens, wobei forschendes Lernen als Lernen durch (Selber-)Forschen definiert wird (vgl. Huber & Reinmann, 2019). Die Studierenden stehen, vor der Herausforderung, ihre eigenen Teiltätigkeiten und die Kooperation beim Forschen selbstständig auszuhandeln, dafür eine gemeinsame Sprache zu finden und dies unter den gegebenen technischen Möglichkeiten zu realisieren. Insgesamt stellt das Forschen auf der Plattform für die Studierenden eine motivational herausfordernde und neue Situation dar, die hypothetisch durch eine vertrauensvolle und wertschätzende Kommunikationsatmosphäre innerhalb der Crowd erleichtert werden kann: Diese soll durch Interventionen entsprechend gefördert werden.

Theoretische Einbettung

Aus der theoretischen Perspektive einer temporären und virtuellen Community of Practice (Wenger, 1998) verfolgen die Studierenden auf der Plattform ein gemeinsames (Forschungs-)Ziel. Mit dem rahmenden Thema „Nachhaltigkeit“ steht ein sinnstiftendes geteiltes Identifikationsmerkmal zur Verfügung, das die Studierenden aus verschiedenen Fächern untereinander potenziell über einen „Sense of Community“ (Sarason, 1974; McMillan & Chavis, 1986) verbindet. Um diesen Gemeinschaftssinn im virtuellen Raum zu entwickeln, müssen Studierende zunächst Zugehörigkeit empfinden und Möglichkeiten der eigenen Einflussnahme wahrnehmen (Koh & Kim, 2003). In Online-Lernumgebungen kann sich ein Zugehörigkeitsgefühl unter den Studierenden positiv auf den Lernerfolg auswirken, indem trotz räumlicher Distanz ein Klima des Vertrauens und gegenseitiger Unterstützung entsteht (Arnold & Putz, 2000; Ragusa & Crampton, 2018). Wie ein solches Klima im Kontext von Crowd Research geschaffen werden kann, ist eine noch offene Frage. Der hier verfolgte Weg nutzt die hohe Relevanz von Forschungsthemen zur Nachhaltigkeit, um Studierenden bewusst zu machen, dass unter den Teilnehmenden geteilte Werte und Ziele existieren und der eigene Beitrag den Erfolg des gemeinsamen Projektes mitbestimmt. Weiterhin soll Studierenden verdeutlicht werden, wie wichtig interdisziplinäre Kooperation für ein gemeinsames Ziel ist; sie sollen in der Folge erkennen, dass es gute Gründe gibt, trotz räumlicher und eventuell fachperspektivischer Distanz zu interagieren. Interaktionen zwischen Studierenden sind allerdings nicht per se förderlich. Der transaktionalen Theorie von Moore (1993) zufolge beeinflussen sich die Bereiche Interaktion (Dialog), Struktur und Autonomie gegenseitig; dies muss beim Design von Online-Lernumgebungen berücksichtigt werden, um die wahrgenommene Distanz zu reduzieren.

Methodisches Vorgehen

Basierend auf diesen Annahmen sollen im Beitrag interaktionsfördernde, strukturierende und autonomieregulierende Gestaltungsentscheidungen für die Forschungsplattform eingeordnet und vorgestellt werden. Der angestrebte Beitrag nimmt vor allem die Kommunikation Studierender in zwei einander ähnlichen didaktischen Settings in den Blick, die sich durch die Gestaltung technischer Kommunikationsmöglichkeiten und didaktischer Unterstützung unterscheiden. Dem DBR-Prinzip folgend, wird die didaktische Gestaltung der Plattform nach einer prototypischen Umsetzung mit Studierenden im Wintersemester 20/21 umfassend evaluiert und nach einem didaktischen Re-Design im Folgesemester erneut erprobt. Dafür werden in einem virtuell-ethnografischen Vorgehen (Hine, 2015) Beobachtungen und Artefakte der Kommunikation und Zusammenarbeit auf der Plattform gesammelt und ausgewertet.

Literatur

Arnold, P. & Putz, P. (2000) Communities of Practice als Orientierungsrahmen für die Gestaltung virtueller Lernumgebungen. In F. Scheuermann (Hrsg.), Medien in der Wissenschaft. Bd. 10: Campus 2000. Lernen in neuen Organisationsformen. Münster: Waxmann. S. 97–109.

Design-Based Research Collective (2003). Design-Based-Research - An Emerging Paradigm for Educational Inquiry. Educational Researcher, 32(1), 5–8.

Hine, C. (2015). Ethnography for the Internet: Embedded, Embodied and Everyday. Bloomsbury Academic.

Huber, L. & Reinmann, G. (2019). Vom forschungsnahen zum forschenden Lernen an Hochschulen. Wege der Bildung durch Wissenschaft. Berlin: Springer VS.

Koh, J., & Kim, Y.-G. (2003). Sense of virtual community: A conceptual framework and empirical validation. International Journal of Electronic Commerce, 8(2), 75.

McMillan, D. W., & Chavis, D. M. (1986). Sense of community: A definition and theory. Journal of community psychology, 14(1), 6-23.

Moore, M. (1993). Theory of transactional distance. In D. Keegan (Ed.), Theoretical principles of distance education (Vol. 1, pp. 22-38). London: Routledge.

Ragusa, A. T. & Crampton, A. (2018). Sense of connection, identity and academic success in distance education: Sociologically exploring online learning environments. Rural Society, 27(2), 125-142.

Reinmann, G. (2020). Ein holistischer Design-Based Research-Modellentwurf für die Hochschuldidaktik. EDeR. Educational Design Research, 4(2).

Sarason, S. B. (1974). The psychological sense of community: Prospects for a community psychology. San Francisco: Jossey-Bass.

Wenger, E. (1998). Communities of practice: Learning, meaning and identity. Cambridge: Cambridge University Press.

Bibliografie
1.Schwippert, K., Lehmann-Wermser, A., Busch, V., Groß, N. & Krupp-Schleußner, V. (2019). Implementierung und langfristige Wirkungen des Projekts ‚Jedem Kind ein Instrument‘. Anlage und Durchführung der Längsschnittstudien SIGrund und WilmA. In K. Schwippert, A. Lehmann-Wermser & V. Busch (Hrsg.), Mit Musik durch die Schulzeit? Chancen des Schulprogramms JeKi – Jedem Kind ein Instrument (S. 17–29). Münster: Waxmann.

2.Groß, N. & Schwippert, K. (2019). Einfluss des Musizierens auf die Alltagsbewältigung und Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. In K. Schwippert, A. Lehmann-Wermser & V. Busch (Hrsg.), Mit Musik durch die Schulzeit? Chancen des Schulprogramms JeKi – Jedem Kind ein Instrument (S. 59–77). Münster: Waxmann.

3.Groß, N. (2018). Macht musizieren resilient? Untersuchung von sozialen, familiären und personalen Ressourcen für die psychische Gesundheit von Jugendlichen. Münster: Waxmann.

4.Groß, N. & Schwippert, K. (2016). Untersuchungen von Transfereffekten musikalischer Angebote. Ergebnisse aus der Studie Wirkungen und langfristige Effekte musikalischer Angebote (WilmA-Teilprojekt Transfer). In Koordinierungsstelle des BMBF-Forschungsschwerpunkts 'Musikalische Bildungsverläufe' (Hrsg.), Musikalische Bildungsverläufe nach der Grundschulzeit. Ausgewählte Ergebnisse des BMBF-Forschungsschwerpunkts zu den Aspekten Adaptivität, Teilhabe und Wirkung (S. 83-101). Dortmund: Technische Universität Dortmund, Musikpädagogische Forschungsstelle.


11:00 - 11:30
ID: 125 / Panel1: 2
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Digitale Medien, App-Analyse, Ed-Tech-Kulturen, Online-Gemeinschaften, Lern-Technologien

Konstruktionen sozialer Einbindungen in ‚Lern- und Bildungsapps‘ – Diskurse und Praktiken von Lerngemeinschaften in App-Umgebungen

Denise Klinge

Universität der Bundeswehr München, Deutschland

Mit dem Aufkommen digitaler Technologien und deren umfassenden Verschränkungsmöglichkeiten von physischer Welt und digitalen Ebenen – so wird postuliert – würden sich soziale und kulturelle Prozesse und Phänomene grundlegend verändern (Berry 2011; Manovich 2013). In diesem Sinne wird auch die Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Sphäre in Frage gestellt, da digitale Artefakte, digitale Datenstrukturen und Praktiken zum alltäglichen Bestandteil des Lebens geworden sind (u. a. Biniok und Hülsmann 2016). Befragungen zeigen eine Durchdringung des Alltags mit Kleintechnologien: Im Jahr 2020 besitzen mindestens 96 % der unter 50-Jährigen ein Smartphone (Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse 2020).

In diesem Kontext finden entsprechend auch vielfältige soziale Praktiken mit und durch digitale Technologien statt, die hauptsächlich aus kommerziellem Interesse entwickelt wurden. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Marktforschungsstudien jedes Jahr aufs Neue ein Umsatz-Rekordhoch für Apps ausrufen (BITKOM 2011, 2019, 2020). Für erziehungs- und bildungswissenschaftliche Fragen ist das insofern relevant, als dass die in den Stores deklarierten „Lern- und Bildungsapps“ (welche den drittgrößten Anteil der Apps auf dem Markt ausmachen) auf Anbieterseite umfassende selbstgesteuerte Lernmöglichkeiten und teilweise sogar Selbsterkenntnis (wie dies in Self-Tracking Diskursen und Praktiken bspw. propagiert wird) mittels ihrer kommerziellen Produkte versprechen. Sie werden unter der Kategorie „Lernen“ bzw. „Bildung“ in den Google- oder Apple-Stores angeboten und proklamieren z. B. das Fremdsprachenlernen, das Gedächtnistraining oder den Wissenserwerb über bestimmte Themen. Dabei sind Apps nicht pädagogisch neutral, sondern transportieren sehr spezifische Annahmen über die Nutzer*innen und die Gesellschaft (Decuypere 2019; Autorin1 2019, 2020).

Dabei werden sich in der Entwicklung nicht nur Vermittlungsweisen im Sinne des Behaviorismus, wie konstantes Feedbacketc. bedient, sondern auch – und das ist der Fokus und die Annahme des Beitrags – Gemeinschaften konstruiert, die das gemeinsame Handeln von App und Nutzer*in sozial rahmen. So gibt es u. a. die augenfälligen Modi, Freund*innen einzuladen (wie bei der Sprachlern-App Duolingo) oder in einer nicht näher bestimmten Nutzer*innengruppe zu wetteifern (wie bei der Gehirnjogging-App GEIST). Vor diesem Hintergrund fragt dieser Beitrag, wie 'das Soziale' als Gemeinschaft, Interaktion und Kommunikation in App-Umgebungen konstruiert wird und welche weiteren Modi sich rekonstruieren lassen bzw. wie jene sich vor welchen Orientierungen bezüglich Lernen und Gemeinschaft vollziehen.

Auf diskursiver Ebene lassen sich seit Beginn der Computer-Entwicklung Diskussionen über den epistemischen Status von (Online-)Gemeinschaften als Matrix sozialer Interaktionen (Jones 1998), als „Netzwerkgesellschaft“ (Wittel 2001) oder als Lerngemeinschaften (Wenger 1998) feststellen, welche in Abgrenzung zu sozialer Zugehörigkeit definiert werden. Neben diesen Diskursen bezüglich des Gegenstandes lassen sich aber auch (Entwicklungs-)Praktiken der Konstrukteur*innen von Technologien verorten, (Berry 2011), deren (implizite) Wissensbestände und Weltsichten (bezüglich Lernen und Gemeinschaften) im Produkt gerinnen. In diesem Zusammenhang betont Seaver (2018), dass sich soziale und „Software-Architekturen“ gegenseitig widerspiegeln (S. 376).

Die Rekonstruktion jener (impliziten) Wissensbestände innerhalb von Apps wird mit einer App-Analyse (Decuypere 2019; Dieter et al. 2019; Autorin1 2019) anvisiert. Über die Analyse des Graphical-User-Interface mit seinen visuell-assoziativen, auditiven und haptischen Angeboten (Warnke 2018), werden entsprechend nicht nur die schriftsprachlichen Inhalte, sondern auch Visualisierungen, Sound, Vibrationen, Interaktionen und Konnektivität fokussiert. Dazu wird zunächst ein Beschreibungsprotokoll des Kontextes der App und der App selbst (über Screenshots und Beschreibung der Interaktivität) angefertigt und dieses dann im Sinne einer multiparadigmatischen Analyse (Autorin1 2019) interpretiert. Untersucht werden die (impliziten) diskursiven Wissensbestände mittels der dokumentarischen Diskursanalyse (Nohl 2016), insbesondere das ikonologische Wissen mit Hilfe der Bildanalyse der Dokumentarische Methode (Bohnsack 2020) sowie die Interaktionsweisen gemäß der Konversationsanalyse (Ayaß 2008). Im Beitrag werden exemplarisch Ergebnisse der App-Analyse von der Sprachlern-Apps „Duolingo“ und „Babbel“ und der Sachbuch-App „Blinkist“ vorgestellt, welche auf dem Markt besonders erfolgreich sind. Die Analysen sollen Aufschluss darüber geben, wie Lerngemeinschaften als Sozialitäten in Apps konstruiert werden.

Bibliografie
Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse. (2020). Anteil der Smartphone-Nutzer in Deutschland nach Altersgruppe im Jahr 2020. Statista, Stastista GmbH. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/459963/umfrage/anteil-der-smartphone-nutzer-in-deutschland-nach-altersgruppe/. Zugegriffen: 11. Mai 2021.
Ayaß, R. (2008). Konversationsanalyse. In U. Sander, F. von Gross & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik (1. Aufl., Bd. 52, S. 346–350). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Berry, D. M. (2011). The Philosophy of Software. Code and Mediation in the Digital Age. London: Palgrave Macmillan UK.
Biniok, P. & Hülsmann, I. (2016). 21st Century Men and the Digital Amalgamation of Life. A Science and Technology Perspective on Lifelogging. In S. Selke (Hrsg.), Lifelogging. Digital self-tracking and lifelogging - between disruptive technology and cultural transformation (S. 81–108). Wiesbaden: Springer VS.
BITKOM. (2011). Mobile Anwendungen der ITK Branche. Umfrageergebnisse. Zugegriffen: 27. November 2017.
BITKOM. (2019). Deutscher App-Markt auf Umsatz-Rekordhoch. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutscher-App-Markt-auf-Umsatz-Rekordhoch.
BITKOM. (2020). App-Boom setzt sich fort. https://www.bitkom-research.de/de/pressemitteilung/app-boom-setzt-sich-fort.
Bohnsack, R. (2020). Iconology and Documentary Method in the Interpretation of Divergent Types of Visual Materials. In L. Pauwels & D. Mannay (Hrsg.), The SAGE handbook of visual research methods (Sage reference, Second edition, S. 396–410). Los Angeles: Sage.
Decuypere, M. (2019). Researching educational apps: Ecologies, technologies, subjectivities and learning regimes. Learning, Media and Technology, 414–429.
Dieter, M., Gerlitz, C., Helmond, A., Tkacz, N., van der Vlist, F. N. & Weltevrede, E. (2019). Multi-Situated App Studies: Methods and Propositions. Social Media + Society 5 (2), 1-15.
Jones, S. G. (1998). Information, Internet, and Community: Notes toward an Understanding of Community in the Information Age. In S. G. Jones (Hrsg.), Cybersociety 2.0. Revisiting computer-mediated communication and community (New media cultures, Bd. 2, [4th. print.], S. 1–34). Thousand Oaks, Calif: Sage Publ. Zugegriffen: 29. Januar 2020.
Autorin1 (2019)
Autorin1 (2020)
Manovich, L. (2013). Software Takes Command. New York [u.a.]: Bloomsbury.
Nohl, A.-M. (2016). Dokumentarische Methode und die Interpretation öffentlicher Diskurse. Zeitschrift für Diskursforschung 4 (2), 115–136.
Warnke, M. (2018). Nicht mehr Zahlen und Figuren. Oder: Die ozeanische Verbundenheit mit dem Smartphone. In O. Ruf (Hrsg.), Smartphone-Ästhetik. Zur Philosophie und Gestaltung mobiler Medien (Medien- und Gestaltungsästhetik, Bd. 1, S. 63–73). Bielefeld: Transcript.
Wenger, E. (1998). Communities of Practice. Learning, Meaning, and Identity. Cambridge: Cambridge University Press.
Wittel, A. (2001). Toward a Network Sociality. Theory, Culture & Society 18 (6), 51–76.


11:30 - 12:00
ID: 130 / Panel1: 3
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Mediennutzung, Zugehörigkeit, sozialräumliche Anbindung, Medienrepertoires, Zusammenhalt

Kommunikative Praktiken und Muster sozialräumlicher Anbindung als Bausteine gesellschaftlichen Zusammenhalts

Hannah Immler, Sascha Hölig, Uwe Hasebrink

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut

Soziale Praktiken, durch welche sich Individuen mit anderen in Beziehung setzen, können als essentiell für die Konstruktion von Gesellschaft und ihrem Zusammenhalt betrachtet werden (vgl. Hasebrink et al. 2020). Eine entscheidende Rolle in diesem Kontext nehmen die sozialen Räume ein, zu denen Menschen sich selbst als zugehörig empfinden. Aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive erfolgt die Konstruktion dieser Bezugsräume durch die wechselseitige Verflechtung von Akteuren durch ihre kommunikativen Praktiken (vgl. Hepp & Hasebrink 2017). Medial gestützter Kommunikation wird dabei das Potential zugesprochen, konkrete territoriale Räume wie das unmittelbare, ortsgebundene Lebensumfeld zu überwinden und sich mit weiteren sozialen Räumen zu verbinden. Die durch Medien und deren Gebrauch vollzogene Erweiterung und Ausdifferenzierung von persönlichen Bezugsräumen vor allem in der räumlichen und der zeitlichen Dimension (vgl. Lingenberg 2014) wird in der Literatur mit verschiedenen Konzepten wie „mobilisiert mediatisierte Lebenswelten“ (Lingenberg 2014), „mobile Kommunikationsgesellschaft“ (Wallner & Adolf 2014), „Translokalität“ (Hepp 2004) oder „De-Territorialisierung (Wallnder & Adolf 2014) adressiert.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in dem vorgeschlagenen Tagungsbeitrag, wie individuelle Praktiken der Mediennutzung mit der subjektiv empfundenen Verbundenheit mit verschiedenen sozialen Bezugsräumen zusammenhängen, so etwa der lokalen Umgebung, dem Nationalstaat oder einer bestimmten Weltregion. Dabei werden sowohl Formen der Nutzung traditioneller Massenmedien als auch Aspekte der mediengestützten Individualkommunikation und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten von sozialen Medien einbezogen. Die forschungsleitende Fragestellung ist, wie verschiedene sich aus diesen kommunikativen Praktiken ergebende Medienrepertoires mit spezifischen Mustern der Verbundenheit mit den verschiedenen Bezugsräumen zusammenhängen und im oben genannten Sinne zur (De-)Territorialisierung sozialer Räume beitragen.

Die Datenanalyse stützt sich auf Befragungsdaten des Projekts „The Peoples‘ Internet (PIN)“, die repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ihm Jahr 2018 erhoben wurden (N= 1517). In diesem Projekt, das primär auf das durch individuelle Kommunikationspraktiken gestaltete Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Markt und Staat ausgerichtet war, wurden neben einem breiten Spektrum an Indikatoren für Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten auch Gefühle der Verbundenheit mit verschiedenen sozialen Räumen erhoben. In unserer Sekundäranalyse untersuchen wir anhand von Korrelations- und Regressionsanalysen den Zusammenhang zwischen Verbundenheitsgefühlen auf verschiedenen Ebenen und den entsprechenden Kommunikations- und Mediennutzungspraktiken.

Erste Ergebnisse zeigen, dass lokal und national orientierte Personen in höherem Maße traditionelle massenmedial vermittelte Kommunikationspraktiken aufweisen, während Menschen, die sich eher mit weiteren Bezugsräumen verbunden fühlen, häufiger asynchrone Kommunikationstechniken wie Streamingangebote oder persönliche Textnachrichten und E-Mails sowie Printmedien nutzen. Zugleich zeigen vor allem global orientierte Befragte eine vielfältige Internetnutzung. Die dazu vorliegenden Indikatoren deuten darauf hin, dass sich Personen vor allem mithilfe des Internets und der sozialen Medien über kulturelle und nachrichten- und berufsbezogene Aspekte zu einer global verstandenen Gesellschaft in Beziehung setzen.

Werden soziodemographische Kontrollvariablen in die Rechnung einbezogen, wird deutlich, dass sowohl jüngere Befragte als auch Personen mit höherer formaler Bildung eine stärker global ausgeprägte Verbundenheit aufweisen, während ältere Befragte sich eher lokal oder national orientieren. Dennoch zeigen sich auch nach Kontrolle von Alter, Geschlecht und Bildung verbundenheitsbezogene Unterschiede in den kommunikativen Praktiken von interpersonaler und (zeitlich souveräner) Massenkommunikation.

Literatur

Hasebrink, U., Schmidt, J.-H., Loosen, W. & Schulz, W. (2020). Medien und gesellschaftlicher Zusammenhalt. In N. Deitelhoff, O. Groh-Samberg & M. Middell (Hrsg.), Gesellschaftlicher Zusammenhalt - Ein interdisziplinärer Dialog (S. 333–348). Frankfurt/New York: Campus Verlag.

Hepp, A. (2004). Netzwerke der Medien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Hepp, A., & Hasebrink, U. (2017). Kommunikative Figurationen. Ein konzeptioneller Rahmen zur Erforschung kommunikativer Konstruktionsprozesse in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung. Medien & Kommunikationswissenschaft, 65(2), 330–347.

Lingenberg, S. (2014). Mobilisiert-mediatisierte Lebenswelten und der Wandel des öffentlichen Raums. In J. Wimmer & M. Hartmann (Hrsg.), Medienkommunikation in Bewegung: Mobilisierung – Mobile Medien – Kommunikative Mobilität (S. 69–86). Wiesbaden: Springer VS.

Wallner, C. & Adolf, M. (2014). Räume und Kontexte öffentlicher Kommunikation. In J. Wimmer & M. Hartmann (Hrsg.), Medienkommunikation in Bewegung: Mobilisierung – Mobile Medien – Kommunikative Mobilität (S. 87–101). Wiesbaden: Springer VS.

Bibliografie
Die aufgeführten Publikationen stellen eine Auswahl thematisch relevanter Texte des Zweit- und Drittautors dar:

Hasebrink, U., Schmidt, J.-H., Loosen, W. & Schulz, W. (2020): Medien und gesellschaftlicher Zusammenhalt. In: N. Deitelhoff, O. Groh-Samberg & M. Middell (Hrsg.), Gesellschaftlicher Zusammenhalt - Ein interdisziplinärer Dialog (S. 333–348). Frankfurt/New York: Campus Verlag.

Hasebrink, U. (2019): Strukturwandel von Öffentlichkeit. Wie tragen Individuen durch ihre Mediennutzung zum Strukturwandel von Öffentlichkeit bei? In: M. Eisenegger, L. Udris und P. Ettinger (Hrsg.): Wandel der Öffentlichkeit und der Gesellschaft. Gedenkschrift für Kurt Imhof (S. 407–417). Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Behre, J., Hölig, S. & Hasebrink, U. (2020): Combining Old and New: Patterns of Media Use across Legacy and Online Media in Germany. Comunicazioni Sociali 1 (S. 8–21).


 
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