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Sitzungsübersicht
Sitzung
Panel6: Institutionelle Bildung und Partizipation
Zeit:
Donnerstag, 16.09.2021:
14:30 - 16:00

Chair der Sitzung: Sonja Ganguin
Chair der Sitzung: Klaus Rummler
Virtueller Veranstaltungsort: Zürcher Zoom (3)
Meeting-URL: https://phzh-ch.zoom.us/j/69055561867?pwd=a0g2L2lPMGJzNkZNTGNPSlhBbmlMUT09 Meeting-ID:690 5556 1867 Kenncode:mpaed2021

Partizipation für alle? Mediale Partizipation im Spannungsfeld zwischen Exklusion und Integration.

Mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Medien erschließen sich neue Möglichkeiten für die gesellschaftliche Teilhabe – anscheinend aber nicht für alle Bevölkerungsgruppen. Das Panel diskutiert Konfliktfelder, die sich hieraus ergeben und zeigt gleichzeitig Potenziale digitaler Medien auf, diese Herausforderungen anzugehen.


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Präsentationen
14:30 - 15:00
ID: 109 / Panel6: 1
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Teilhabe, Partizipation, Inklusion, Digitale Barrierefreiheit, Universal Design

Zwischen Teilhabe und Ausschluss: Digitale Medien als Gatekeeper für gesellschaftliche Partizipation

Claudia Mertens, Franziska Schaper, Nele Sonnenschein, Melanie Wilde

Universität Bielefeld, Deutschland

Weltweit hat die Corona-Pandemie das gesamtgesellschaftliche Leben in der Art und Weise wie wir arbeiten, lernen und mit anderen Menschen interagieren grundlegend verändert. Dabei haben vielfach Verschiebungen in den digitalen Raum stattgefunden, die verdeutlichen, in welchem Ausmaß sich unser gesellschaftliches Miteinander auf mediale und insbesondere digitale Infrastrukturen stützt (vgl. Dickel 2020). Digitalen Medien kommt jedoch nicht nur in der Corona-Pandemie eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Gesellschaft und ihrer zentralen Systeme zu. Sie nehmen heutzutage jederzeit maßgeblich Einfluss auf die Ausgestaltung des öffentlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens und insbesondere die Möglichkeiten, hieran teilzuhaben. Gesellschaftliche Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger muss daher immer zusammen mit Teilhabe in, an und durch digitale Medien gedacht werden (vgl. Bosse, Kamin & Schluchter 2019; Zorn, Schluchter & Bosse 2019; Bosse 2016).

Mit Blick auf die Heterogenität der Gesellschaft, die sich über unterschiedliche Lebenslagen wie auch individuelle Voraussetzungen auf persönlicher Ebene manifestiert, wird jedoch deutlich, dass digitale Medien hierbei durchaus eine ambivalente Position einnehmen. Durch ihre Vielfalt können sie einerseits neue Erfahrungsräume eröffnen, indem unterschiedlichste Themen, Zugänge (interaktiv, visuell, auditiv u.a.) und Komplexitätsgrade geboten oder Einschränkungen in der Alltagsbewältigung durch ihren Einsatz kompensiert werden (z.B. assistive Technologien). Andererseits ergeben sich auf medialer Ebene häufig auch neue oder sogar zusätzliche Barrieren, welche die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschweren können (vgl. ebd.).

Die Chancenungleichheit, die angesichts dessen entsteht, wird in der Literatur als Digital Divide diskutiert (vgl. etwa Zillien & Haufs-Brusberg 2014; Niesyto 2009) und zeigt sich auf verschiedenen Ebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) von Gesellschaft. In einer gesamtheitlichen Betrachtung werden intersektionale Verflechtungen (vgl. Crenshaw 1989) deutlich, die Interdependenzen von Geschlecht, Sexualität, sozialer Klasse, nationaler und ethnischer Zugehörigkeit, Staatsbürgerschaft und Alter im Kontext digitaler Teilhabe implizieren. Die „intersektionale“ Perspektive, die die Wechselwirkungen verschiedener (Un-)Gleichheitsverhältnisse beleuchtet, gilt es daher auch im Hinblick auf digitale Medien einzunehmen und Privilegien sowie gesellschaftliche Verhältnisse kritisch mit Bezug auf Digitalisierung und Digitalität zu hinterfragen. Es hat sich gezeigt, dass digitale Ungleichheiten vielfach mit allgemeinen Diskriminierungstendenzen innerhalb der Gesellschaft einhergehen und bestehende Benachteiligungen auf medialer Ebene reproduziert oder sogar noch verstärkt werden können (vgl. Kutscher & Iske 2020; Allert 2020).

Unter Berücksichtigung verschiedener, aktueller Untersuchungen aus dem Bereich der medienbezogenen Ungleichheitsforschung (z.B. Rudolph 2019; Paus-Hasebrink 2020; ICILS 2018) beleuchtet der Beitrag aus theoretischer Perspektive zunächst die Chancen und Grenzen der Teilhabe an und durch digitale Medien mit Blick auf die nach Luhmann (vgl. etwa 1984) auf Mesoebene unterschiedenen gesellschaftlichen Teilsysteme "Wirtschaft/Arbeit", "Kunst/Kultur" sowie "Erziehung/Bildung". Dabei soll im Hinblick auf den partizipativen Gedanken des gesellschaftlichen Zusammenhalts eine systematisierende intersektionale Analyse der Zugänglichkeit digitaler Medienangebote erfolgen und die Notwendigkeit, den Digital Divide zu schließen und alle Menschen einzubeziehen, offengelegt werden. Der Beitrag fragt entlang der o.g. gesellschaftlichen Teilsysteme nach verschiedenen Voraussetzungen für gesellschaftliche Partizipation auf Ebene der medialen Gestaltung und Zugänglichkeit.

In einer Zuspitzung auf die Mikroebene wird am Beispiel von Barrierefreiheit und Universal Design diskutiert, wie digitale Medienangebote und -inhalte auf operativer Ebene für eine möglichst breite Teilhabe an der Gesellschaft gestaltet werden können (z.B. Informationsangebote, Webinhalte, Lehr-/Lernmaterialien etc.). Neben technischen Aspekten sollen hierbei vor allem auch inhaltliche und pädagogisch-didaktische Gesichtspunkte betrachtet werden. Aus den drei o.g. gesellschaftlichen Teilsystemen wird exemplarisch der Bereich "Erziehung/Bildung" herausgegriffen und pointiert in den Blick genommen werden. Anhand von ausgewählten Beispielen aus eigenen Forschungsprojekten (1. Inklusive Gestaltung des beruflichen Lernens mit digitalen Lernplattformen, 2. Gestaltung digitaler Lehr-Lern-Arrangements im schulischen Kontext, 3. Förderung von inklusions- und digitalisierungsbezogenen Kompetenzen in der Lehrkräftebildung) werden zuletzt auch konkrete Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsperspektiven aufgezeigt und kritisch diskutiert.

Literatur:

Allert, Heidrun (2020): Algorithmen und Ungleichheit. In: merz medien + erziehung, 64. Jg., Heft Nr. 3 (Soziale Ungleichheit), S. 26-32.

Bosse, Ingo (2016): Teilhabe in einer digitalen Gesellschaft - Wie Medien Inklusionsprozesse befördern können. Online verfügbar unter www.bpb.de/gesellschaft/medien/medienpolitik/172759/medien-und-inklusion, zuletzt geprüft am 24.02.2021.

Bosse, Ingo; Kamin, Anna-Maria; Schluchter, Jan-René (2019): Inklusive Medienbildung. Zugehörigkeit und Teilhabe in gegenwärtigen Gemeinschaften. In: Marion Brüggemann, Sabine Eder und Angela Tillmann (Hrsg.): Medienbildung für alle. Digitalisierung. Teilhabe. Vielfalt. München: kopaed (Schriften zur Medienpädagogik), S. 35-52.

Crenshaw, Kimberle (1989): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination: Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics. In: University of Chicago Legal Forum (1), S. 139-167. Online verfügbar unter https://chicagounbound.uchicago.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1052&context=uclf, zuletzt geprüft am 25.02.2021.

Dickel, Sascha (2020): Gesellschaft funktioniert auch ohne anwesende Körper. Die Krise der Interaktion und die Routinen mediatisierter Sozialität. In: Michael Volkmer und Karin Werner (Hrsg.): Die Corona-Gesellschaft. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft. Bielefeld: transcript Verlag.

Eickelmann, Birgit; Bos, Wilfried; Gerick, Julia; Goldhammer, Frank; Schaumburg, Heike; Schwippert, Knut; Senkbeil, Martin und Vahrenhold, Jan (Hrsg.) (2019): ICILS 2018 #Deutschland. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im zweiten internationalen Vergleich und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking. Münster; New York: Waxmann.

Iske, Stefan; Kutscher, Nadia (2020): Digitale Ungleichheiten im Kontext Sozialer Arbeit. In: Nadia Kutscher, Thomas Ley, Udo Seelmeyer, Friederike Siller, Angela Tillmann und Isabel Zorn (Hrsg.): Handbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung. Weinheim, Basel: Beltz Juventa, S. 115-128.

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Niesyto, Horst (2009): Digitale Medien, soziale Benachteiligung und soziale Distinktion. In: Medienpädagogik - Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung (17). Online verfügbar unter https://www.medienpaed.com/article/view/115/115, zuletzt geprüft am 25.02.2021.

Paus-Hasebrink, Ingrid (2020): Mediengebrauch und Ungleichheit. Von Klüften und Spaltungen in Kindheit und Jugend. In: merz medien + erziehung, 64. Jg., Heft Nr. 3 (Soziale Ungleichheit), S.19-25.

Rudolph, Steffen (2019): Digitale Medien, Partizipation und Ungleichheit. Eine Studie zum sozialen Gebrauch des Internets. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Zillien, Nicole; Haufs-Brusberg, Maren (2014): Wissenskluft und Digital Divide. Baden-Baden: Nomos (Konzepte, Band 12).

Zorn, Isabel; Schluchter, Jan-René; Bosse, Ingo (2019): Theoretische Grundlagen inklusiver Medienbildung. In: Ingo Bosse, Jan-René Schluchter und Isabel Zorn (Hrsg.): Handbuch Inklusion und Medienbildung. Weinheim, Basel: BeltzJuventa, S. 16-33.



15:00 - 15:30
ID: 115 / Panel6: 2
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: partizipative Mediendidaktik, Self-Determination Theory, persönliche Lernumgebung, medialer Habitus, Medienkompetenz

Partizipative Mediendidaktik als Einfallstor für ziviles Engagement

Daniela Schlütz1, Ada Fehr1, Malin Fecke1, Christin Tellisch2

1Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Deutschland; 2Hochschule für angewandte Pädagogik Berlin

Der CfP geht davon aus, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt durch soziale Praktiken konstruiert wird. Ein maßgeblicher Faktor dafür ist „das Handeln von Bürger*innen mit verschiedenen Kommunikationsmedien“. Diesen Zusammenhang zwischen partizipativen Praktiken in digitalen Medienumgebungen und zivilem Engagement modellieren Gotlieb und Sarge (2021). Sie verbinden nachvollziehbar die Attribute partizipativer Medienangebote – Expressivität, Performanz und Kollaboration – mit motivationalen Prozessen der Selbstbestimmung (Deci & Ryan, 1985; Deci, Vallerand, Pelletier & Ryan, 1991) sowie der Ausbildung bürgerlicher Fähigkeiten. Die Autorinnen zeigen, dass die Einübung partizipativen Verhaltens sich positiv auf ziviles Engagement auswirkt, welches wiederum förderlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist – Online-Partizipation als „gateway“ zu zivilem Engagement (Gotlieb & Sarge, 2021, S. 129).

In unserem Vortrag argumentieren wir, dass dieses Einfallstor auch im schulischen Kontext genutzt werden kann. Dazu verbinden wir die kommunikationswissenschaftliche Konzeption von Gotlieb und Sarge mit der pädagogischen Modellvorstellung einer teilhabenden Mediendidaktik, die soziale Beziehungen fokussiert, konkret mit dem heuristische Strukturmodell einer partizipativen Mediendidaktik von Mayrberger (2019, 2020). Partizipatives Lernen, so die Grundidee, ist erfolgreich, wenn Erfahrungsräume bereitgestellt, die Selbstbestimmung authentisch erfahrbar machen. Das knüpft an die bildungswissenschaftlichen Ideen von Himmelmann (2016) an, der Demokratie-Lernen – und damit Partizipation – als Herrschafts-, aber eben auch als Gesellschafts- und Lebensform versteht. Damit greift er den demokratischen Lernansatz von Dewey auf, nach dem kooperatives Lernen Demokratiekompetenzen stärkt (vgl. Dewey in Oelkers, 2011, Lange & Himmelmann, 2007). In einem übergeordneten Sinn geht es daher darum, die Akteur*innen, „darin zu bestärken, in demokratischen Prozessen und unterschiedlichen Bildungskontexten als mündige Bürgerinnen und Bürger zu agieren“ (Mayrberger, 2020, S. 61; vgl. auch Wettstein & Raufelder, 2020).

Selbstbestimmtes Lernen gelingt besonders gut, wenn die Akteur*innen eine aktive Rolle in der Ausgestaltung der Räume spielen wie z.B. bei der Nutzung sozialer mobiler Anwendungen in persönlichen Lernumgebungen (vgl. Bernhardt, 2017; Mayrberger & Bettinger, 2014). Wenn diese Umgebungen die o.g. Attribute aufweisen, kann die Nutzung Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit und damit eine intrinsische Motivation begünstigen (Gotlieb & Sarge, 2021, S. 136) bzw. eine Motivation von außen (z.B. durch Lehrkräfte) internalisieren. Diese positive Erfahrung von Partizipation kann ziviles Engagement und damit gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern (Gotlieb & Sarge, 2021, S. 137).

Wir argumentieren, dass digitale Partizipationsräume zur Erfahrung von Selbstbestimmung beitragen können, wenn ihre technische und soziale Ausgestaltung Agency und die kommunikativen Regeln bzw. sozialen Rollen Inklusion ermöglichen. Zudem spielt das Selbstverständnis der Beteiligten eine Rolle, welches als medialer Habitus gefasst werden kann. Das Habitus-Konzept (Bourdieu, 1983, 1987) bezeichnet die individuelle Position im sozialen Raum, die von der Ausstattung mit Kapitalressourcen abhängt und diese gleichzeitig bedingt. Es wurde von Kommer und Biermann (2012) auf Medien im schulischen Kontext bezogen. Sowohl der (mediale) Habitus im Allgemeinen als auch einzelne Kapitalarten im Speziellen (vgl. Domahidi, 2018; Williams, 2019) beeinflussen die Partizipations-Kluft z.B. indirekt über Medienkompetenz, aber auch über die Wertschätzung von digitalen Medienangeboten (Gotlieb & Sarge, 2021, S. 140).

Der Vortrag wird diese theoretischen Überlegungen ausführen und einen Ausblick auf deren empirische Umsetzung im Rahmen eines laufenden BMBF-geförderten Projektes geben.

Referenzen

Bernhardt, Thomas (2017). Einsatz internetbasierter Werkzeuge zur Unterstützung selbstorganisierten Lernens in einer persönlichen Lernumgebung (unveröffentlichte Dissertation an der Universität Bremen) Universität Bremen]. https://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00106268-1.pdf

Bourdieu, Pierre (1983). Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In R. Kreckel (Ed.), Soziale Ungleichheiten. Soziale Welt (S. 183-198). Göttingen, Germany: Verlag Otto Schwartz & Co.

Bourdieu, Pierre (1987). Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt/Main, Germany: Suhrkamp Wissenschaft.

Deci, Edward, & Ryan, Richard M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum Press.

Deci, Edward L., Vallerand, Robert J., Pelletier, Luc G., & Ryan, Richard M. (1991). Motivation and education: The self-determination perspective. Educational Psychologist, 26, 325–346. https://doi.org/10.1080/00461520.1991.9653137

Domahidi, Emese (2018). The Associations Between Online Media Use and Users’ Perceived Social Resources: A Meta-Analysis. Journal of Computer-Mediated Communication, 23(4), 181-200. https://doi.org/10.1093/jcmc/zmy007

Gotlieb, Melissa R. & Sarge, Melanie A. (2021). Civic Learning and Self-Determination: A Model of User-Generated Content and Civic Readiness Among Actualizing Citizens. Communication Theory, 31(1), 127-149. https://doi.org/10.1093/ct/qtaa032

Himmelmann, Gerhard (2016). Demokratie Lernen als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform. Schwalbach/Ts: Wochenschau-Verlag.

Kommer, Sven & Biermann, Ralf (2012). Der mediale Habitus von (angehenden) LehrerInnen. Medienbezogene Dispositionen und Medienhandeln von Lehramtsstudierenden. In Renate Schulz-Zander, Birgit Eickelmann, Heinz Moser, Horst Niesyto & Petra Grell (Hrsg.), Jahrbuch Medienpädagogik 9 (S. 81-108). Springer VS.

Lange, Dirk & Himmelmann, Gerhard (2007). Demokratiebewusstsein: Interdisziplinäre Annäherungen an ein zentrales Thema der Politischen Bildung. Wiesbaden: Springer.

Mayrberger, Kerstin (2019). Partizipative Mediendidaktik. Beltz. Verfügbar unter http://www.content-select.com/index.php?id=bib_view&ean=9783779946991

Mayrberger, Kerstin (2020). Partizipative Mediendidaktik: Darstellung von Eckpunkten und Vertiefung des Partizipationsraums als konstituierendes Strukturelement. MedienPädagogik 17 (Jahrbuch Medienpädagogik), 59-92. https://doi.org/https://doi.org/10.21240/mpaed/jb17/2020.04.26.X

Mayrberger, Kerstin & Bettinger, Patrick (2014). Entgrenzung akademischen Lernens mit mobilen Endgeräten Nutzungspraktiken Studierender in ihrer persönlichen Lernumgebung. In Rudolf Kammerl, Alexander Unger, Petra Grell & Theo Hug (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik 11: Diskursive und produktive Praktiken in der digitalen Kultur (S. 155-172). Springer VS.

Oelkers, Jürgen (Hrsg.), (2011). John Dewey. Demokratie und Erziehung: Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik. Weinheim: Beltz.

Wettstein, Alexander & Raufelder, Diana (2020). Beziehungs- und Interaktionsqualität im Unterricht: Theoretische Grundlagen und empirische Erfassbarkeit. In Gerda Hagenauer & Diana Raufelder (Hrsg.), Soziale Eingebundenheit: Sozialbeziehungen im Fokus von Schule und Lehrer*innenbildung (S. 17-31). Waxmann. Verfügbar unter https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&buchnr=4266

Williams, Joshua R. (2019). The use of online social networking sites to nurture and cultivate bonding social capital: A systematic review of the literature from 1997 to 2018. New Media & Society, 21(11-12), 2710-2729. https://doi.org/10.1177/1461444819858749



15:30 - 16:00
ID: 122 / Panel6: 3
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Online-Kommunikation; POPC; Partizipative Mediendidaktik; WhatsApp-Gruppen, Qualitative Leitfadeninterviews

Der Einfluss der Online-Gruppenkommunikation von Schüler*innen auf ihre partizipativen Fähigkeiten als Bürger*innen von morgen

Malin Fecke, Ada Fehr, Daniela Schlütz

Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Deutschland

Einen maßgeblichen Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – so heißt es im CfP – „stellt [...] die Eingebundenheit in sozio-mediale Gefüge und die damit verbundene Möglichkeit dar, sich mit verschiedenen Individuen, Gruppen und Öffentlichkeiten in Beziehung zu setzen.“ Diese Eingebundenheit erfahren Schüler*innen heutzutage auf verschiedenen Ebenen: im Freundeskreis, in den sozialen Medien, aber auch – und für die Medienpädagogik von besonderem Interesse – im Kontext Schule: (Fast) jede Schulklasse hat heutzutage eine WhatsApp-Gruppe, die ihren Kommunikationsraum um eine Online-Ebene erweitert und so die Art, wie Schulklassen miteinander kommunizieren, verändert (Grabensteiner, 2021). Sie sind damit als Schulklasse ‚permanently online, permanently connected’ (Vorderer et al., 2018).

Weiter heißt es im CfP, dass sich mit dem „Aufkommen kommunikativer Online-Netzwerke für die meisten Menschen der Zugang zur Öffentlichkeit enorm vereinfacht hat“. Dieses Phänomen verdeutlicht die Notwendigkeit, dass bereits Schüler*innen Fähigkeiten zur Teilhabe an der Öffentlichkeit ausformen sollten. Auch bei Mayrberger (2020) heißt es: „Es geht übergeordnet und mit Blick auf derzeitige Bewegungen im gesamtpolitischen Gefüge darum, besonders die nächste Generation [...] darin zu bestärken, in demokratischen Prozessen und unterschiedlichen Bildungskontexten als mündige Bürgerinnen und Bürger zu agieren.“ (Mayrberger, 2020, S.61)

Daran möchten wir anknüpfen und die Gruppenchats von Schulkassen in den Blick nehmen, um zu ergründen, welche Chancen und Risiken diese Chats für die Ausformung partizipativer Fähigkeiten bergen. Die Klassenchats von Schüler*innen eignen sich für dieses Vorhaben besonders, da sie auf drei für die Ausformung partizipativer Fähigkeiten relevanten Ebenen Anknüpfungspunkte bieten: (1) Es ist die Kommunikation von Jugendlichen, denen als Bürger*innen von Morgen eine zentrale Rolle für den (zukünftigen) gesellschaftlichen Zusammenhalt zukommt. (2) Die Kommunikation findet innerhalb einer Online-Umgebung statt, die – wie auch im CfP postuliert wird – der Grund dafür ist, dass Bürger*innen überall und jederzeit Konnektivität erfahren – und damit Partizipation ausüben können. (3) Es wird die private Kommunikation einer Personengruppe untersucht, die aufgrund ihrer nicht-öffentlichen Struktur aufschlussreich für das Verständnis der Ausformung von Online-Privatheitskompetenz sein kann. Damit wird zur Ergründung der Rolle von Privatheit auf gesellschaftlicher Ebene für die Veränderung sozialer Beziehungen und Strukturen beigetragen (Masur et al., 2017).

Unsere Studie hat sich u.A. zum Ziel gesetzt, Chancen und Herausforderungen, die die Gruppenchats von Schulklassen für die Ausformung partizipativer Fähigkeiten bergen, zu ermitteln. Dafür werden fächer- und schulformübergreifend (angehende) Lehrer*innen in qualitativen leitfadengestützten Interviews zu ihren Einschätzungen im Hinblick auf Potentiale und Risiken von Gruppenchats auf den drei oben thematisierten Ebenen befragt. Lehrende als Interview-Partner*innen eignen sich in diesem Zusammenhang besonders gut, weil mit ihnen darüber hinaus – und für die Medienpädagogik besonders interessant – Perspektiven eruiert werden können, wie die Vermittlung und Ausformung partizipativer (Online-)Fähigkeiten in formelle und informelle Lernumgebungen integriert werden können.

Diese geplante qualitative Studie wird im Rahmen eines BMBF-geförderten Drittmittelprojektes durchgeführt und die Ergebnisse in dem Vortrag vorgestellt.

Die Leitfadeninterviews erfolgen entlang der Prinzipien Gerechtigkeit, Selbstbestimmungund Schadensvermeidung (Prinzing et al., 2020). So können mithilfe des von Meyen et al. (2019) vorgeschlagenen Vorgehens Ergebnisse aus den Interviews extrahiert werden, die einen Beitrag zur Frage leisten, welche Kompetenzen Bürger*innen benötigen, um selbstbestimmt und demokratisch Medien nutzen zu können – eine der zentralen Fragestellungen des CfP.

Bibliografie
Grabensteiner, C. (2021). Die vernetzte Schulklasse: Exploration zu Konstruktionen individueller und kollektiver Lernaktivitäten am Beispiel von WhatsApp-Gruppenchats. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 16(Jahrbuch Medienpädagogik), 79–107. https://doi.org/10.21240/mpaed/jb16/2021.01.13.X

Masur, P. K., Teutsch, D., Dienlin, T., & Trepte, S. (2017). Online-Privatheitskompetenz und deren Bedeutung für demokratische Gesellschaften. Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 30(2), 180–189. https://doi.org/10.1515/fjsb-2017-0039

Mayrberger, K. (2020). Partizipative Mediendidaktik: Darstellung von Eckpunkten und Vertiefung des Partizipationsraums als konstituierendes Strukturelement. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 17(Jahrbuch Medienpädagogik), 59–92. https://doi.org/10.21240/mpaed/jb17/2020.04.26.X

Meyen, M., Löblich, M., Pfaff-Rüdiger, S., & Riesmeyer, C. (2019). Qualitative Forschung in der Kommunikationswissenschaft: Eine praxisorientierte Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-658-23530-7

Prinzing, M., Schlütz, D., Kaufmann, K., Kreissl, J., & Rakebrand, T. (2020). Ethikkompetenz als Querschnittsaufgabe: Herausforderungen für die kommunikations- und medienwissenschaftliche Forschung und Lehre. Publizistik, 65. https://doi.org/10.1007/s11616-020-00578-4

Vorderer, P., Hefner, D., Reinecke, L., & Klimmt, C. (2018). Permanently Online, Permanently Connected: Living and Communicating in a POPC World. Routledge.


 
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