Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

Bitte beachten Sie, dass sich alle Zeitangaben auf die Zeitzone des Konferenzortes beziehen. Die momentane Konferenzzeit ist: 25. Sept. 2021 12:04:02 MESZ

 
Nur Sitzungen am Veranstaltungsort 
 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Panel5: Medienkritik
Zeit:
Donnerstag, 16.09.2021:
14:30 - 16:00

Chair der Sitzung: Ruth Wendt
Chair der Sitzung: Jessica Kühn
Virtueller Veranstaltungsort: Münchner Zoom (2)
Zoom-Meeting beitreten https://lmu-munich.zoom.us/j/92060135548?pwd=emZtSmtPbHdtTWxQWXJMejQ1bFhWZz09 Meeting-ID: 920 6013 5548 Kenncode: mpaed2021

Medienkritik als Kernkompetenz in der Mediengesellschaft. Was macht digitale Souveränität aus?

Unsere Welt erfährt durch die digitale Transformation eine gewaltige Veränderung, die alle Lebensbereiche weitreichend durchdringt. Das gilt gleichermaßen für das Privatleben des Einzelnen wie auch für das öffentliche Leben. In der individuellen Lebensführung, in gesellschaftlichen Prozessen, in der Wirtschaft – jeder Einzelne ist kontinuierlich über den gesamten Bildungsverlauf gefordert, digitale Kompetenzen zu entwickeln. Ein kompetenter und verantwortungsvoller Umgang mit den durch die Digitalisierung entstehenden Veränderungen ist Voraussetzung, um an der digitalen Gesellschaft teilzuhaben: Evaluative Medienkompetenz gilt hier als Schlüsselqualifikation.


Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen
14:30 - 15:00
ID: 107 / Panel5: 1
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Nachrichtenkompetenz, Fehler in Nachrichten, Publikumswahrnehmung, experimentelle Onlinebefragung

Je kompetenter desto kritischer? Zum Einfluss von Nachrichtenkompetenz auf Wahrnehmung und Bewertung von Fehlern in Nachrichten

Stefanie Holtrup, Jakob Henke, Wiebke Möhring

TU Dortmund, Deutschland

Je kompetenter desto kritischer? Zum Einfluss von Nachrichtenkompetenz auf Wahrnehmung und Bewertung von Fehlern in Nachrichten

Forschungshintergrund

Medien spielen im öffentlichen Diskurs für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt eine tragende Rolle. Durch ihre Informations- und Integrationsfunktion befähigen sie Bürger*innen, selbstbestimmt und demokratisch zu handeln und Medien auf diese Weise zu nutzen (Hasebrink et al., 2020; Ruß-Mohl, 2016). Voraussetzungen dafür sind zum einen, dass journalistische Medien objektiv berichten, reliable Informationen liefern und vollständig alle Interessen in der Gesellschaft abbilden (Burkhart, 2019). Zum anderen benötigen Rezipient*innen die Kompetenz, selbstbestimmte und demokratisch mit Medien umgehen zu können. Nachrichtenkompetenz – definiert als Teilaspekt von Medienkompetenz und als notwendiges Wissen und Motivation, um Journalismus zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen (Maksl et al., 2015) – beeinflusst sowohl die Wahrnehmung von Medieninhalten als auch das allgemeine Medienvertrauen (Vraga & Tully, 2015; Vraga et al., 2012) und ist im Rahmen der Medienpädagogik relevant für die kindliche als auch Erwachsenenbildung (von Hippel, 2010).

Durch Veränderungen in den journalistischen Produktionsbedingungen und -prozessen aufgrund neuer Technologien ist es, etwa angesichts steigenden Aktualitätsdrucks, wahrscheinlicher, dass Fehler in Nachrichten vorkommen. Deshalb gewinnen die Anforderungen, korrekte Informationen zu liefern oder zumindest Fehler zu korrigieren, an Bedeutung (Karlsson & Clerwall, 2018; Karlsson et al., 2017). Bisherige Forschung zeigt, dass Fehler in Nachrichten vom Publikum eher als negativ bewertet werden, wobei sowohl die objektive Stärke der Fehler als auch die Präsenz einer Korrektur Wahrnehmung und Bewertung durch die Rezipient*innen beeinflussen (Karlsson et al., 2017; Wilner et al, 2021). Zudem haben Fehler und Korrekturen Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in Nachrichten (Karlsson & Clerwall, 2018). Bisher ist noch nicht untersucht, welchen Einfluss die Nachrichtenkompetenz auf die Fehlerwahrnehmung des Publikums hat und welche Rolle das Vorhandensein von Korrekturen hat. Mit der hier vorgestellten Studie möchten wir die Frage adressieren, ob Initiativen zur Förderung von Nachrichtenkompetenz hilfreich sein können, um die Rezipient*innen zum eigenständigen Umgang mit Medien zu befähigen.

Methode

Im Kontext einer größer angelegten Untersuchung wurden zwei quoten-repräsentative experimentelle Onlinebefragungen durchgeführt, wobei das Nachrichtengenre (Politik vs. Sport) der Befragungen variiert wurde, um die Robustheit der Ergebnisse zu testen. Die Auswertung wurde getrennt für beide Genres durchgeführt (Politik: N=856, MAlter=51,07, SDALter=17,86, 49 % weiblich, 34% hoch gebildet; Sport: N=839, MAlter=52,12, SDALter=17,9, 51% weiblich, 34% hoch gebildet). In den Experimenten wurden den Teilnehmer*innen verschiedene Vignetten mit unterschiedlichen Fehlern präsentiert, die sowohl hinsichtlich des Vorhandenseins einer Korrektur (keine Korrektur/ Korrektur/ Korrektur mit Entschuldigung) als auch des Zeitungstyps (lokal/ überregional) variierten. Nachrichtenkompetenz (modifiziert in Anlehnung an Ashley et al., 2013) wurde vor den Vignetten abgefragt. Die Wahrnehmung und Bewertung von Fehlern wurde jeweils nach den Vignetten anhand des wahrgenommenen Stärkegrades, der Häufigkeit und der Tragweite des Fehlers erfasst.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Fehlermeldungen mit Korrekturen (und Entschuldigungen) als signifikant kleiner und schwächer wahrgenommen werden als ohne Korrekturen. Auf die wahrgenommene Häufigkeit hatte die Existenz einer Korrektur keinen Einfluss. Nachrichtenkompetenz hingegen führt bei politischen Nachrichten zu einer signifikant höheren wahrgenommenen Fehlerstärke, -tragweite und -häufigkeit, während diese keinen Einfluss auf Sportnachrichten hat.

Die Ergebnisse werden im Vortrag detaillierter ausgeführt und im Hinblick auf deren Bedeutung für medienpädagogische Maßnahmen, öffentliche Diskurse und den sozialen Zusammenhalt diskutiert.

Referenzen

Ashley, S., Maksl, A., & Craft, S. (2013). Developing a News Media Literacy Scale. Journalism & Mass Communication Educator, 68(1), 7–21. https://doi.org/10.1177/1077695812469802

Burkart, R. (2019). Kommunikationswissenschaft: Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft (5. Aufl.). UTB. Böhlau.

Hasebrink, U., Schmidt, J.-H., Loosen, W. & Schulz, W. (2020). Medien und gesellschaftlicher Zusammenhalt. In N. Deitelhoff, O. Groh-Samberg & M. Middell (Hg.), Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ein interdisziplinärer Dialog (S. 333–348). Campus Verlag.

Karlsson, M., & Clerwall, C. (2018). Transparency to the Rescue? Evaluating citizens’ views on transparency tools in journalism. Journalism Studies, 19(13), 1923–1933. https://doi.org/10.1080/1461670X.2018.1492882

Karlsson, M., Clerwall, C., & Nord, L. (2017). Do Not Stand Corrected: Transparency and Users’ Attitudes to Inaccurate News and Corrections in Online Journalism. Journalism & Mass Communication Quarterly, 94(1), 148–167. https://doi.org/10.1177/1077699016654680Maksl, A., Ashley, S., & Craft, S. (2015). Measuring News Media Literacy. Journal of Media Literacy Education, 6(3), 29-45. Retrieved from https://digitalcommons.uri.edu/jmle/vol6/iss3/3

Ruß-Mohl, S. (2016). Journalismus: Das Lehr- und Handbuch (1. Aufl.). Frankfurter Allgemeine Buch. http://gbv.eblib.com/patron/FullRecord.aspx?p=4625196

von Hippel A. (2010). Vermittlung von Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung – eine Analyse der Angebots- und Nachfrageseite. In Herzig B., Meister D.M., Moser H., Niesyto H. (eds) Jahrbuch Medienpädagogik 8. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-92135-8_19

Vraga, E. K. & Tully, M. (2015). Media Literacy Messages and Hostile Media Perceptions: Processing of Nonpartisan Versus Partisan Political Information. Mass Communication and Society, 18(4), 422–448. https://doi.org/10.1080/15205436.2014.1001910

Vraga, E. K., Tully, M., Akin, H., & Rojas, H. (2012). Modifying perceptions of hostility and credibility of news coverage of an environmental controversy through media literacy. Journalism, 13(7), 942–959. https://doi.org/10.1177/1464884912455906

Wilner, T., Wallace, R., Lacasa-Mas, I., & Goldstein, E. (2021). The Tragedy of Errors: Political Ideology, Perceived Journalistic Quality, and Media Trust. Journalism Practice, 1–22. https://doi.org/10.1080/17512786.2021.1873167



15:00 - 15:30
ID: 126 / Panel5: 2
Unabhängige Präsentation / Projektbericht
Themen: Unabhängige Präsentation / Projektbericht
Stichworte: Digitale Souveränität, Datenkompetenz, Jugendliche

Datenkompetenz Jugendlicher als Beispiel zur Notwendigkeit individueller Digitaler Souveränität

Jane Müller, Mareike Thumel

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland

Wie junge Menschen den Umgang mit digitalen Medien erlernen, wird vielfach auf den formalen Bildungskontext bezogen. Zwar sollen in Deutschland schulische Akteur*innen Medienbildung umfassend aufgreifen (KMK, 2016, 2012; BMBF, 2016), jedoch wird diese nach wie vor hauptsächlich informell erworben (Schelhowe 2019; Bastian 2017). So sind Jugendliche “permanently online, permanently connected” (Vorderer, 2015) und setzen ganz selbstverständlich digitale Medien ein, um Schulaufgaben zu bearbeiten, ihren Alltag zu gestalten und ihre eigene Entwicklung zu unterstützen (u.a. JIM, 2019). Empirische Arbeiten zum Medienumgang von Kindern und Jugendlichen beziehen sich oft auf deren persönliche Kompetenzen im Umgang mit Medien. Externe Faktoren werden als gegebene Bedingungen gesetzt. Ihr Einfluss auf den Erfolg mit digitalen Medien selbst gesetzte Ziele zu erreichen, wird kaum reflektiert. Vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden Mediatisierung (Hepp 2018) „ist eine souveräne Lebensführung […] zunehmend davon geprägt […] mit und über Medien das eigene Leben zu gestalten.“ (Schorb & Wagner, 2013, S. 18). Dem steht die Beobachtung gegenüber, dass Heranwachsende in ihren mediatisierten Beziehungen in der Familie, zwischen Gleichaltrigen und in der Schule zunehmend unweigerlich und von klein auf zu Datenlieferanten gemacht werden – vielfach ohne eigenes Mitspracherecht. Zur souveränen Lebensführung bedarf es seitens der jungen Menschen dementsprechend einer umfassenden Datenkompetenz. Souveränität reicht also über Medienbildung hinaus. Als Digitale Souveränität hilft sie individuelle Potenziale zu entfalten und ermöglicht so gesellschaftliche Teilhabe (Jörissen, 2019; ARB, 2018).

Der Ansatz Digitaler Souveränität erfreut sich in den letzten Jahren vor allem in politischen und wirtschaftsorientierten Strategiepapieren, aber zunehmend auch in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen großer Beliebtheit. Betont wird ihre zentrale Bedeutung: für Deutschland, für Europa, für Unternehmen, aber auch für Individuen. Es wird deutlich, dass die verschiedenen Ebenen untereinander verbunden sind und jeweils in engem Zusammenhang zu technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen (etwa Schicha, 2019). Stubbe (2017) betont zudem den sozialen Zusammenhang Digitaler Souveränität (vgl. auch Groebel, 2016). Eine systematische Ausarbeitung einer individuellen Digitalen Souveränität und ihrer Relationen steht bisher jedoch noch aus.

Verschiedene Autor*innen setzen sich im Kontext Digitaler Souveränität mit Aspekten der (Medien‑)Bildung, aber auch der Nutzung digitaler Technologien auseinander (u.a. Brüggen, 2015; Mertz et al., 2016; Stubbe, 2017; ARB, 2018). Nutzende digitaler Technologien geraten dabei auch immer wieder als Verbraucher*innen in den Blick (Goldacker, 2017; Palmetshofer et al., 2017). Bisher wurde insbesondere eine Reihe von Anforderungen an digital souveräne Individuen definiert. Die Perspektive der Nutzenden selbst wurde bislang nicht erfasst.

Der vorliegende Beitrag greift den Ansatz individueller Digitaler Souveränität auf. Er stellt theoretische Vorüberlegungen und Ausgangspunkte des Forschungsprojektes „Digitale Souveränität Jugendlicher“ (DiSoJu; Nachwuchsforschungsgruppe gefördert durch das BMBF) vor. Hierfür entwickelt er eine erste Systematisierung des Konzeptes und stellt diese zur Diskussion. Er verdeutlicht die Überlegungen am Beispiel der Datenkompetenz Jugendlicher. Dabei definiert er Digitale Souveränität als Fähigkeit eigene Handlungsentwürfe im Umgang mit digitalen Medien kompetent, selbstbestimmt und sicher zu realisieren. Er verweist auf ihre Relationalität und unterstreicht so die Abhängigkeit dieser Fähigkeit von individuellen, sozialen aber auch technischen und rechtlichen Aspekten (Müller et al. 2020).

Bibliografie
Aktionsrat Bildung (ARB) (2018): Digitale Souveränität und Bildung. Gutachten. Unter Mitarbeit von Hans-Peter Blossfeld, Wilfried Bos, Hans-Dieter Daniel, Bettina Hannover, Olaf Köller, Dieter Lenzen et al. 1. Auflage. Münster: Waxmann. Online verfügbar unter https://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Dokumente/Gutachten_pdfs/ARB_Gutachten_Digitale_Souveraenitaet.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2019.
Bastian, Jasmin (2017): Lernen mit Medien – Lernen über Medien? Eine Bestandsaufnahme zu aktuellen Schwerpunktsetzungen. In: DDS - Die Deutsche Schule 109 (2), S. 146–162. Online verfügbar unter https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&id_artikel=ART102179&uid=frei.
Brüggen, Niels; Dreyer, Stephan; Gebel, Christa; Lauber, Achim; Müller, Raphaela; Stecher, Sina (2019): Gefährdungsatlas. Digitales Aufwachsen. Vom Kind aus denken. Zukunftssicher handeln. Hg. v. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Online verfügbar unter https://www.bundespruefstelle.de/blob/142084/2c81e8af0ea7cff94d1b688f360ba1d2/gefaehrdungsatlas-data.pdf, zuletzt geprüft am 05.08.2020.
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Hg.) (2016): Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft. Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Online verfügbar unter https://www.bmbf.de/files/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf, zuletzt geprüft am 12.01.2020.
Goldacker, Gabriele (2017): Digitale Souveränität. 1. Aufl. Online verfügbar unter https://www.oeffentliche-it.de/documents/10181/14412/Digitale+Souver%C3%A4nit%C3%A4t.
Groebel, Jo (2016): Zur Psychologie der digitalen Souveränität: Bedürfnis, Gewöhnung, Engagement. In: Mike Friechsen und Peter-J. Bisa (Hg.): Digitale Souveränität. Vertrauen in der Netzwerkgesellschaft. Fachmedien: Springer VS, S. 399–413.
Hepp, Andreas (2018): Von der Mediatisierung zur tiefgreifenden Mediatisierung. In: Jo Reichertz und Richard Bettmann (Hg.): Kommunikation – Medien – Konstruktion. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 27–45. Online verfügbar unter http://link.springer.com/10.1007/978-3-658-21204-9_2.
Jörissen, Benjamin (2019): Die Digitalisierung und ihr Einfluss auf die Gesellschaft. In: Deutsche Telekom Stiftung (Hg.): Digitale Kompetenzen in der Jugendarbeit, S. 7–17.
Kultusministerkonferenz (KMK) (Hg.) (2012): Medienbildung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012. Online verfügbar unter https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_03_08_Medienbildung.pdf.
Kultusministerkonferenz (KMK) (Hg.) (2016): Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 08.12.2016. Online verfügbar unter https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2017/Strategie_neu_2017_datum_1.pdf, zuletzt geprüft am 12.01.2020.
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (MPFS) (2020): JIM-Studie 2019. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Online verfügbar unter https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf, zuletzt geprüft am 03.08.2020.
Mertz, Marcel; Jannes, Marc; Schlomann, Anna; Manderscheid, Enza; Rietz, Christian; Woopem, Christiane (2016): Digitale Selbstbestimmung. Hg. v. Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres). Köln. Online verfügbar unter https://ceres.uni-koeln.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Dokumente/ceres-Digitale_Selbstbestimmung_2.pdf.
Müller, Jane; Thumel, Ina Mareike; Potzel, Katrin; Kammerl, Rudolf (2020): Digital Sovereignty of Adolescents. In: Medien Journal. Zeitschrift für Kommunikationskultur (Special Issue 02/2020 “Digital Culture, New Media and Youth”), 30-40.
Palmetshofer, Walter; Semsrott, Arne; Alberts, Anna (2016): Der Wert persönlicher Daten. Ist Datenhandel der bessere Datenschutz? Hg. v. Sachverständigenrat für Verbraucherfragen beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Open Knowledge Foundation Deutschland. Berlin. Online verfügbar unter http://www.svr-verbraucherfragen.de/wp-content/uploads/Open_Knowledge_Foundation_Studie.pdf.
Schelhowe, Heidi (2019): Handeln zwischen Virtualität und Stofflichkeit. In: Deutsche Telekom Stiftung (Hg.): Digitale Kompetenzen in der Jugendarbeit, S. 22–23.
Schicha, Christian (2019): Medienethik. Grundlagen - Anwendungen - Ressourcen (utb Medien- und Kommunikationswissenschaft).
Schorb, Bernd; Wagner, Ulrike (2013): Medienkompetenz – Befähigung zur souveränen Lebensführung in einer mediatisierten Gesellschaft. In: Hoffmann, Bernward, Dagmar, Hugger, Kai-Uwe, Kammerl et al. (Hg.): Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme. Berlin, S. 18–23.
Stubbe, Julian (2017): Von digitaler zu soziodigitaler Souveränität. In: Volker Wittpahl (Hg.): Digitale Souveränität. Bürger | Unternehmen | Staat. Berlin, Heidelberg: Springer, S. 43–59.
Vorderer, P., Hefner, D., Reinecke, L., & Klimmt, C. (Eds.) (2018). Permanently online, permanently connected: Living and communicating in a POPC world. New York, London: Routledge. Online verfügbar unter https://www.taylorfrancis.com/books/9781315276472


15:30 - 16:00
ID: 131 / Panel5: 3
Präsentation mit Bezug zum Call
Themen: Präsentation mit Bezug zum Call
Stichworte: Social Media, Populismus, Praxeologie, Medienpraktiken, Kompetenzen

Populismus als Social Media-Praktik. Ein Weg zu medienkritischen Kompetenzen

Johannes Gemkow

Universität Leipzig, Deutschland

Der idealistischen Assoziation, Social Media könne zu einer noch einzulösenden deliberativen Öffentlichkeit führen, indem unterschiedliche Akteure zu Wort kommen können, stehen problematische Erscheinungen gegenüber, die eine Fragmentierung der Gesellschaft begünstigen.
Zu diesen Erscheinungen gehören populistische Kommunikationspraktiken, die vermehrt über Social Media (teil-)öffentlich kommuniziert werden. Die Aktivitäten populistischer Akteure auf Social Media hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen (vgl. Reinemann et al. 2019). Populistische Bewegungen profitieren vor allem von ihrer Kommunikation in sozialen Medien und durch deren verstärkte Darstellung in klassischen Medien (vgl. Schemer et al. 2018).

Die Online-Plattformen, wie Facebook, Twitter und YouTube als ein Werkzeug, welches Populisten nutzen, abzutun, verhindert eine Diskussion über deren Medienspezifik. Unter der Medienspezifik des Digitalen können figurative und medientechnologische Prädisposition von Kommunikation gefasst werden, die populistische Kommunikationspraktiken begünstigen. Hierzu gehören Praktiken, wie die selektive Informationssuche, das Verschwinden journalistischer Gatekeeper, Skandalisierung der Narrative durch Fake News und Empörung sowie technologische Aspekte wie die Instrumentalisierung Algorithmen-basierter Anzeigemechanismen und das Schaffen von Meinungstendenzen und alternative Realitäten durch Social Bots.

Populismus wurde bisher vor allem als akteurszentrierten Ansatz diskutiert (Mudde 2004; Aalberg et al. 2017). Der akteurszentrierte Ansatz untersucht Populismus als inkorporierte Ideologie von Parteien, Organisationen oder Individuen vor allem in Verbindung mit zusätzlichen Ideologien wir Rassismus oder Sozialismus. DeVreese et al. (2018) nuancierten den akteurszentrierten Ansatz durch den kommunikationszentrierten Zugang. Der kommunikationszentrierte Ansatz inkorporiert Populismus nicht, sondern zielt auf den kommunikativen Stil und nicht die dahinterliegende Ideologie ab. Beide Ansätze lassen aber bislang die medienspezifischen Praktiken von Social Media-Plattformen außer Acht.

Dieser Beitrag stellt mit dem Fokus auf Medienpraktiken einen praxeologischen Zugang zu Populismus vor. Der praxeologische Zugang analysiert Populismus weder in einem Sender-Empfänger Verhältnis noch zielt er allein auf die Infrastruktur der Social Media-Plattformen ab. Die Praxeologie ermöglicht es, Populismus als durch die Medienhandelnden ständig hervorgebrachte Erscheinung zu analysieren. Hierbei geraten nicht nur Routinen im alltäglichen Umgang mit populistischen Botschaften auf Social Media in den Fokus, sondern ebenfalls die Rolle praktischen Wissens, sozio-kulturellen Normen und der Beziehung von Körper und Code.
Über das Verständnis von alltäglicher Hervorbringung und Auseinandersetzung mit Populismus kann es gelingen, medienkritische Kompetenzen konkret auszuformulieren, die sich nicht allein auf einer kritischen Dekodierung von Populismus berufen, sondern eine Reflexion über das eigene Medienhandeln anstoßen.

Der Beitrag speist sich inhaltlich aus dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Zum Zeitpunkt der Tagung sollten planungsgemäß erste empirische Ergebnis vorliegen.

Bibliografie
Gemkow, J. (2021). Die Mediatisierung des Wissens. Eine Dispositivanalyse zur Rolle der Medienkompetenz. Wiesbaden: Springer VS.

Gemkow, J. (2019). Die Macht am Wissen und die Rolle der Medienkompetenz. Formen der Meinungsbildung in der Wikipedia. merzWissenschaft 2019, ‚Meinungsbildung in sich wandelnden Öffentlichkeiten‘, Jg. 15., S. 29–39.

Gemkow, J. (2017). Medienkompetenz und die Mediatisierung des Wissens. Zum Potential der Dispositivanalyse am Beispiel mediatisierter Wissensbestände. merzWissenschaft 2017, ‚Medienpädagogik zwischen Digital Humanities und Subjektorientierung‘, Jg. 13., S. 19–30.


 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: MPAED 2021
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.141
© 2001 - 2021 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany