5. Schweizer Landschaftskongress 2026
3. - 4. September 2026
Davos, Schweiz
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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P17 Landschaft und Naturgefahren
Sitzungsthemen: Siedlungsentwicklung im Zeichen veränderter Naturgefahren
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11:30 - 11:45
Landschaftspflege, Bevölkerungsschutz und Biodiversität im Berggebiet 1: Naturpark Pfyn-Finges; 2: agriBratsch GmbH; 3: Global Mountain Biodiversity Assessment, University of Bern; 4: StromIdee GmbH Zusammenfassung Der Naturpark Pfyn-Finges ist ein Hotspot der Biodiversität. Die Region, die er umfasst, zeichnet sich durch aussergewöhnliche Lebensräume und reich strukturierte, mosaikartige sowie extensiv bewirtschaftete Kulturlandschaften aus. Ein Beispiel für solche Kulturlandschaften sind Terrassenlandschaften, die gleichzeitig ein bedeutendes kulturelles Erbe darstellen, das Landschaftsbild prägen, und durch ihre Strukturvielfalt wertvolle Lebensräume für bedrohte Arten bieten. Diese Landschaften sind jedoch durch Nutzungsintensivierung bzw. Aufgabe bedroht. Im Naturpark ist die Berglandschaft unterhalb des Dorfes Bratsch (Gemeinde Gampel-Bratsch) eine dieser Natur- und Kulturlandschaften, welche durch Verbuschung, wie auch durch Intensivierung gefährdet ist. Seit 2020 arbeitet der Naturpark Pfyn-Finges zusammen mit dem zertifizierten BioSuisse Betrieb agriBratsch GmbH auf deren Flächen daran, eine ökologische Landschaftspflege zu fördern, die sowohl dem Schutz der Bevölkerung als auch der Erhaltung und Förderung der Biodiversität dient. Dieser Vortrag liefert eine Übersicht der Massnahmen (1) zur Erhaltung der Einzigartigkeit und Strukturvielfalt des Gebietes, (2) zur ökologischen Vernetzung, und (3) zur Stärkung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion durch extensive Bewirtschaftung. Zu diesen Massnahmen gehört eine klimagerechte, ressourcenschonende Bewässerung durch ein vollautomatisches, bedarfsgesteuertes Bewässerungssystem, das in einer Pilotphase betrieben wird. 11:45 - 12:00
Mountan habitability and relocation in the face of climate change 1: Department of Geography, University of Zurich; 2: WSL; 3: School of Agriculture, Forest and Food Sciences (HAFL), Bern University of Applied Sciences; 4: WSL-Institut SLF Zusammenfassung Recent events and disasters in the Swiss Alps such as in Blatten, Brienz (GR) or Bondo have sparked the public and political discussion on how much we, as a society, want to invest to protect alpine settlements and infrastructure, and where the point may be reached where managed retreat and relocation may be become a viable or necessary alternative. The public and political discourse is not well structured and often aligns with long-standing narratives such as defending population against nature, or mountains as part of Swiss DNA. Habitability is in fact an existential aspect of life as it connects to basic needs like shelter, community togetherness, or attachment to place. Here we provide a framework that should facilitate a more structured discussion and is based on a broad range of pertinent, recent interdisciplinary research at the crossroads of climate change impacts and adaptation, natural hazards and disaster risk, and social and cultural anthropology. Based on the study of several cases in Switzerland and other mountain regions, we analyze which environmental, social and political mechanisms and drivers shape the debates, and constrain or facilitate the adaptation solution space. We specifically look at relocation processes, and when and where they may be feasible, and how they impact land-use planning and landscape development. 12:00 - 12:15
Umsiedlungen: verlieren, um zu gewinnen? WSL Zusammenfassung Während des Zweiten Weltkriegs baute die Schweizer Armee ein unterirdisches Munitionslager unter Mitholz in den Berner Alpen. Es explodierte 1947, tötete neun Menschen und zerstörte einen Teil des Berges. Eine Risikobeurteilung von 2020 stellte fest, dass noch rund 3500 Tonnen explosiver Munition verbleiben und ordnete deren Räumung an. 51 Personen müssen unfreiwillig umsiedeln, 87 können dies «freiwillig» tun. Obschon eine solche Umsiedlung auf die Unversehrtheit der Betroffenen abzielt, verweisen Studien seit Jahrzehnten auf diverse negative Auswirkungen. Die Studie untersucht, wie Betroffene während der Umsiedlung Verluste erleben und bearbeiten. Gestützt auf ein heuristisches Modell aus Umsiedlungs- sowie soziologischen Verlust-, Netzwerk- und Handlungstheorien wurden 16 Interviews, 3 Gruppendiskussionen und 2 Behördeninterviews (2023 bis 2024) qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen materielle und vor allem immaterielle Verluste, die das subjektive Wohlbefinden multidimensional beeinträchtigen. Betroffene nutzen unterschiedliche Verlustpraktiken, von Abschiedsritualen bis zu konflikthaften Aushandlungen. Diese können jedoch (un-)beabsichtigt neue Verlusterfahrungen auslösen und zu einer «rekursiven Verlustschleife» führen, die Narrative und Handlungsmöglichkeiten (de-)stabilisiert. Der Fall Mitholz verdeutlicht Umsiedlung als komplexen Prozess sozialen Wandels und spricht für wertfrei, partizipativ und konfliktsensibel gestaltete Ansätze. 12:15 - 12:30
Mit dem Landschaftsansatz das Risikomanagement für Naturgefahren stärken 1: Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP), SCNAT; 2: Nationale Plattform Naturgefahren (PLANAT); 3: incolab Zusammenfassung 2025 wurden in einer Veranstaltung des FoLAP Potentiale des Landschaftsansatzes im Umgang mit Naturgefahren ausgelotet und festgehalten, dass dieser das integrale Risikomanagement (IRM) inhaltlich ergänzen und stärken kann. Das IRM als ganzheitliches Konzept umfasst Methoden und Tätigkeiten, mit denen Risiken aus Naturgefahren für die Bevölkerung auf ein tragbares Mass begrenzt werden. FoLAP und PLANAT als Wissensplattformen in den Bereichen Landschaft bzw. Naturgefahren werden diese Schnittstelle 2026 in einem Workshop mit Expert:innen weiterentwickeln. Ausgehend von der Frage nach den landschaftlichen Dimensionen von Naturgefahren und Risikoprävention werden gemeinsame Ansatzpunkte von Modellen der Landschaftsentwicklung und des Naturgefahrenmanagements identifiziert und herausgearbeitet, inwiefern das IRM und der Risikodialog von Kompetenzen und Methoden der integrierten Landschaftsentwicklung profitieren können. Mögliche Inputs sind etwa in der Gestaltung von Partizipationsprozessen, bei der Erarbeitung der angemessenen Sicherheit, der Entwicklung identitätsstiftender Landschaftselemente sowie beim interdisziplinären Zusammenbringen unterschiedlicher Fachexpertisen im Raum denkbar. Ausserdem könnte das Konzept der Landschaftsleistungen eine Hilfestellung bei der Beurteilung von Projektvarianten sein. Der Beitrag präsentiert die im Workshop entwickelten Hypothesen zu möglichen Synergien von Landschaftsansatz und integralem Risikomanagement. | ||