Tagung des Deutschen Spanischlehrkräfteverbands –
Jornadas hispánicas 2026
Umbrales. Polifonía, pluricentrismo y post-digitalidad
26.–28. Februar 2026 in Freiburg
Veranstaltungsprogramm
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Tagesübersicht |
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Sektion 2: Plurilingüismo postdigital
Sitzungsthemen: Sektion 2: Plurilingüismo postdigital
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9:00 - 9:45
Reflexion der eigenen (nicht-lebensweltlichen) Mehrsprachigkeit anhand eines authentischen creador digital aus den sozialen Netzwerken Universität Münster, Deutschland Einer engen Definition folgend, bezeichnen sich Schüler*innen selbst häufig nicht als ‚mehrsprachig‘, wenn sie das Ideal des Native Speakers als nicht erfüllt sehen (vgl. Aronin & Singleton 2012, 1-2). Dies kann dazu führen, dass sich nur lebensweltlich Mehrsprachige – und auch diese je nach Kompetenzgrad ggf. nur eingeschränkt (vgl. Morris 2025) – als solche anerkennen und erstere ihre ‚Nicht-Mehrsprachigkeit‘ ihrem einsprachigen Lebensumfeld zuschreiben, auf das sie keinen Einfluss zu haben scheinen. Bei dem Erkenntnisgewinn, dass durch mindestens Deutsch, Englisch und Spanisch auch sie mehrsprachig sind und aktiv Einfluss auf ihre eigene Mehrsprachigkeit nehmen können, kann als Reflexionsanlass eine Person herangezogen werden, die authentisch, d. h. nicht für den Fremdsprachenunterricht gedacht, über ihre eigene nicht-lebensweltliche Mehrsprachigkeit umfänglich Auskunft gibt. Solche Akteure können z. B. in sozialen Netzwerken gefunden werden. In diesem Vortrag wird ein creador digital ins Zentrum gerückt, der in seinen kurzen Reels hauptsächlich Spanisch spricht – obwohl er aus einem rein japanischsprachigen Umfeld stammt. Anhand seiner Videos wird rezeptives Hör-Seh-(Lese-)Verstehen geübt. Zudem bieten seine expliziten Aufforderungen sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu eigenen Sichtweisen auf Sprachen diverse Schreib- und Sprechanlässe, die ab dem 3. Lernjahr für Abwechslung im Spanischunterricht sorgen können. Der Fortsetzungscharakter der Reels kann als Ritual, z. B. einmal pro Woche über ein, zwei Monate, anregen, sich wohlwollend wie kritisch mit den Videos, der dahinterstehenden Person, seinen Ansichten auseinanderzusetzen und gleichzeitig die eigene Mehrsprachigkeit zu reflektieren. Der ungewöhnliche Blick soll Lernenden die eigene Einflussnahme auf ihre Mehrsprachigkeit aufzeigen und Möglichkeiten offenbaren, in ihrer Freizeit mit dem Spanischen auf unterhaltsame Weise in Kontakt zu kommen. Literatur Aronin, Larissa/Singleton, David (2012): Multilingualism. Amsterdam: John Benjamins. Morris, Partricia Louise (2025): „‚dein Sprachstil ist dann einfach nicht mehr clean‘ – Das Native-Speaker-Konstrukt als Hemmnis für Fremdsprachen-lernende und Herkunftssprachensprecher*innen“, in: ZRomSD 19/1, 37-62.
9:45 - 10:30
Subjektive Theorien von Spanischlehrkräften der Sekundarstufe zum Umgang mit sprachlicher Variation im unterrichtlichen Handlungsfeld: Ergebnisse einer explorativen Interviewstudie Universität Potsdam, Deutschland Die vorgestellte Studie untersuchte, welche subjektiven Theorien (vgl. Groeben et.al 1988, Kallenbach 1996) bei praktizierenden Spanischlehrkräfte in Brandenburg zu innersprachlicher Variation vorliegen und wie diese Varietäten in ihren Unterricht integrieren. Während sich die bisherige Forschung vor allem auf angehende Lehrkräfte konzentrierte (z. B. Kruse 2016, Corti 2019, Wieland 2024), fehlten Einblicke in die Perspektiven erfahrener Lehrkräfte an deutschen Schulen. Die Arbeit zielte entsprechend darauf ab, ein differenzierteres Bild über die Relevanz von Sprachvariation im Spanischunterricht zu generieren sowie Potenziale und Herausforderungen für eine plurizentrische Fremdsprachendidaktik abzuleiten. Hierzu wurden fünf erfahrene Lehrkräfte aus Brandenburg mittels leitfadengestützter Experteninterviews befragt. Die transkribierten Aufzeichnungen wurden mithilfe der Dokumentarischen Methode (vgl. Bohnsack 2020 & 2012) ausgewertet, um subjektive Theorien und Muster im Umgang mit Sprachvariation zu rekonstruieren. Der fachdidaktische Rahmen der Studie beruht auf dem Konzept der rezeptiven Varietätenkompetenz (vgl. Hägi 2006, Reimann 2016 & 2017), welches Lernende befähigt, verschiedene Varietäten im Hör- und Leseverstehen zu erkennen. Darüber hinaus stellen die durch Leitzke-Ungerer (2017) postulierte Formel „Produktive Ein-Standard-Kompetenz plus rezeptive in mehreren Standardvarietäten“ (ct. 51) sowie Ansätze, welche die dichotome Unterscheidung „español de España vs. español de América“ als unzureichend kritisieren und differenziertere Varietätenkonzepte für den Unterricht vorschlagen (vgl. Reimann 2017, Kanngiesser-Krebs 2017) zentrale Grundgedanken, auf deren Basis die Studie konzipiert wurde. Die Ergebnisse offenbaren ein breites Spektrum an Einstellungen zur Förderung rezeptiver Varietätenkompetenz. Zwar ist ein Grundbewusstsein für die Notwendigkeit vorhanden, Lernende auf Sprachvariation vorzubereiten, doch erschweren begrenztes Wissen, Zeitmangel und monozentrische Überzeugungen eine systematische Umsetzung. Die Ergebnisse der Arbeit relativieren das Konzept rein rezeptiver Varietätenkompetenz, heben die Rolle hispanophoner MuttersprachlerInnen als Ressource hervor und formulieren als ergänzendes Prinzip die Förderung von Varietäten-Autonomie, welche eine offene, reflektierte Lehrhaltung sowie verbesserte Lehrmaterialien fordert. Im Rahmen des Beitrags werden die Ergebnisse der Studie mittels aussagekräftiger Beispiele der Stichprobe veranschaulicht, welche im Anschluss diskutiert und durch eigene Erfahrungen der Teilnehmenden ergänzt werden können.
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