Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht |
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Vorträge 4: Fit für Notfall
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Landkarte – Übersicht zur Lehre von Fehlermanagement und Patientensicherheit in der Medizinischen Ausbildung 1Rudolf Frey Lernklinik, Human Factors Department. Universitätsmedizin Mainz der Johannes Gutenberg Universität (JGU); 2TU Dresden, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Bereichsverwaltung - Stabsstelle Gleichstellungs- und Diversitymanagement, Qualitäts- und medizinisches Risikomanagement; 3Technische Universität Dresden, Ethikkommission, Medizinische Fakultät - Referat IT; 4Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, Psychiatrische Dienste Aargau, Windisch (Schweiz) Fragestellung/Zielsetzung Mit dem Referentenentwurf des BMG zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung [1] und der Überarbeitung des NKLM in der Fassung 2.0 vom 27.04.2021 [2], wurde das Thema Patientensicherheit erstmals als neues Ziel der medizinischen Ausbildung (§1 Abs. 8) und im NKLM mit eigenen Kompetenzen und Lernzielen auf verschiedenen Kompetenzstufen longitudinal hinterlegt (u.a. Kapitel VIII.5-10). Da Angaben zu Art und Umfang der Lehre bislang fehlen, legt der aktuelle Referentenentwurf in einer überarbeiteten Fassung vom 08.12.2023 [3] nahe, sich an bestehenden nationalen und internationalen Lernzielkatalogen zu orientieren. Hervorgehoben wird dabei der Lernzielkatalog der WHO, der die Umsetzung in die Medizinische Ausbildung durch ausgestaltete Lehreinheiten konkretisiert. Um den Stand der Lehre zur Patientensicherheit an den medizinischen Fakultäten in Deutschland darzustellen, hat sich der Ausschuss Fehlermanagement und Patientensicherheit (AFuP) der GMA zum Ziel gesetzt, die Aktivitäten der Fakultäten in einer interaktiven Landkarte zu visualisieren. Neben Informationen zum Status quo, d. h. Konzepte, Lernziele, Inhalte, Methoden sowie Prüfungsformate können Ansprechpersonen benannt werden. Ziel ist ein barrierearmer und zielgerichteter Austausch zwischen den Fakultäten um im Sinne der Best Practise die Lehre am eigenen Standort aufzubauen, auszuweiten oder zu optimieren. Methoden: Aktuell erfolgt dazu durch den AFuP eine Abfrage an den Fakultäten, um für eine Teilnahme an dem Projekt zu werben und mit ersten Informationen eine dafür zu entwickelnde IT-Plattform zu speisen, die im Mai 2026 veröffentlicht und über die Seite des AFuP auf der GMA-Homepage erreicht werden soll. Für die Vorbereitung und Umsetzung werden dazu parallel die Anforderungen an eine HTML-Karte mit Kontaktformular spezifiziert und entwickelt. Ergebnisse: Im Vortrag werden die ersten Ergebnisse des Projekts vorgestellt. Neben der Entwicklung der IT-Plattform sollen abhängig von der Beteiligung der Fakultäten erste Ergebnisse hinsichtlich der übergeordneten Zielsetzung erwartet, die Auskunft über die Vielfalt der curricularen Ansätze und über die Lücken zur Lehre zur Patientensicherheit Auskunft geben. Diskussion/Schlussfolgerung Die Bereitstellung einer Landkarte stellt ein ansprechendes und niederschwelliges Informationsangebot dar, bei der sich Interessierte und Lehrende über die Lehre zur Behandlungs- und Patientensicher an den medizinischen Fakultäten in Deutschland informieren können. Dabei ist zu diskutieren, inwieweit sich der Datenschutz, Urheberrechte und der Einsatz von KI den Projektfortschritt beeinflussen. EPA-basierte Selbsteinschätzung als Instrument für Studierende im Nachtdienst Charité - Universitätsmedizin Berlin, Deutschland, Lernzentrum Hintergrund Das Projekt "Nachtdienst - Bist du bereit" findet seit 2013 jährlich am Lernzentrum der Charité statt [1]. Es richtet sich an PJ-Studierende, für die Tutor*innen eine erste Nachtschicht in einer Notaufnahme realitätsnah simulieren. Die Studierenden sollen ihre Handlungssicherheit einschätzen und daraus individuelle Lernbedarfe für das PJ ableiten. Hierfür bietet sich das Konzept der Entrustable Professional Activities (EPAs) an. Eine EPA beschreibt eine Aufgabe, die Lernenden schrittweise mit höherem Grad an Eigenständigkeit anvertraut werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde der Einfluss einer simulierten Nachtschicht auf die Selbsteinschätzung der Handlungssicherheit von PJ-Studierenden in ausgewählten EPAs unter Berücksichtigung klinischer Vorerfahrungen untersucht. Methoden Zu Beginn des Nachtdienstes 2025 wurden die Teilnehmer*innen zu fünf ausgewählten EPAs befragt, wie eigenständig sie sich die jeweilige Aufgabe zutrauen. Die Skala reichte von „Traue ich mir nicht zu“ bis „Traue ich mir eigenständig zu, nur Wichtiges muss überprüft werden“. Die EPAs basieren auf denen des Absolventenprofil des NKLM 2.0 und wurden für den Einsatz im PJ an der Charité angepasst. Ergebnisse Insgesamt nahmen am Nachtdienst 31 Studierende teil, wovon 18 (58%) den Fragebogen vollständig ausgefüllt haben. Diskussion und Schlussfolgerung Auffällig ist, dass sich die Selbsteinschätzung einiger Studierender scheinbar verschlechtert hat. Dies betrifft überproportional Studierende ohne praktische Erfahrung in Notaufnahmen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass das Erleben einer simulierten Nachtschicht zu einer realistischeren Einschätzung geführt hat; dass sich die entsprechenden Studierenden zuvor also eher überschätzt hätten. Diese Annahme soll in zukünftigen Durchgängen näher untersucht werden. NIPS - Lernumgebung Notaufnahme - Triage, Team, Tempo – Interprofessionelle Simulation mit Schauspielpatient*innen 1Medizinische Lehr- und Lernforschung, SkillsLAB, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Hannover, Deutschland; 2Simulationspatientenprogramm, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Hannover, Deutschland; 3Aus- und Fortbildungsstelle für Medizinische Fachangestellte, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Hannover, Deutschland; 4Zentrale Praxiskoordination, Pflege- und OTA-Ausbildung, Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Hannover, Deutschland; 5Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen - Campus Hannover, Deutschland Hintergrund: Die Notaufnahme ist geprägt von Dynamik, Parallelprozessen, Unterbrechungen und multiprofessioneller Zusammenarbeit. Das macht sie zum Hochrisiko-Setting für Kommunikations- und Schnittstellenprobleme, Rollenunklarheit und ineffiziente Ressourcennutzung – mit Folgen für Patient*innensicherheit und Arbeitszufriedenheit. Interprofessionelle Kompetenzen werden zwar zunehmend gelehrt, jedoch oft in wenig authentischen Formaten, die das Zusammenspiel mehrerer Berufsgruppen nicht realistisch abbilden. Projektbeschreibung: NIPS (Night-Shift Interprofessional Simulation) bietet ein gemeinsames, realitätsnahes Trainingsfeld für Lernende verschiedener Gesundheitsberufe. Im Fokus stehen Parallelprozesse, ungeplante Unterbrechungen, wechselnde Prioritäten und hohe Arbeitsdichte in der Notaufnahme sowie klare, ressourcenschonende Teamkommunikation. NIPS macht Rollen und Schnittstellen sichtbar, trainiert strukturierte Übergaben und stärkt Priorisierung/Triage sowie Ressourcenmanagement als Teamaufgabe; Auszubildende aus Pflege, OTA, MFA und Rettungsdienst sowie Medizinstudierende gewinnen Handlungsanker für die Praxis. Didaktisch qualifizierte Mitarbeitende begleiten alle Berufsgruppen; jede Simulation wird durch eine:n SIMFA (Simulation Facilitator) geleitet und direkt debriefed, um Teamprozesse, Kommunikation, Priorisierung und Ressourceneinsatz zu verbessern. Zwei approbierte Ärzt:innen stehen im Hintergrund-Rufdienst bereit, für den Rettungsdienst ist ein Telenotarzt verfügbar. Ein Crew Day bereitet im Sinne der Non-Technical-Skills vor (Setting, Abläufe, Kennenlernen, Erwartungen, Rollen). NIPS umfasst zwei Teile: (1) acht parallele Simulationen plus „banale“ Zusatzfälle zur Erhöhung der Arbeitsdichte und zur Förderung von Triage/Priorisierung unter Unterbrechungen; (2) eine Polytrauma-Simulation mit drei Verletzten in neuer Teamzusammensetzung zur Förderung von Teamadaptation und Rollenklärung. Evaluation & Wissenschaftliche Begleitung: Nach dem ersten Durchlauf erfolgte eine standardisierte Befragung. Den Spaß bewerteten die Teilnehmenden (Likertskala 1-5, n=25) überwiegend positiv: 20 „voll zu“, 3 „zu“, 1 „teilweise“, 1 „überhaupt nicht“. Die Gesamtbewertung im Mittelwert lag bei 12,9/15 Punkten (Oberstufenbewertung). In der Prä-Post-Selbsteinschätzung („Ich traue mir zu, eigene Patient:innen in der Notaufnahme zu behandeln“) stieg das Item „(eher) zutrauen“ von n=2 (prä) auf n=14 (post). Ausblick: Das Konzept wird weiter wissenschaftlich begleitet: nach OER (Open-Educated-Ressource) - Veröffentlichung ist eine multizentrische Studie zur Übertragbarkeit und zum Praxistransfer vorgesehen, um eine standortübergreifende Durchführung zu ermöglichen. Schlussfolgerung: NIPS bildet eine Simulation einer Nachschicht in der Notaufnahme interprofessionell ab und stärkt Kommunikation, Rollenklärung, Priorisierung und Ressourcennutzung. Erste Daten zeigen hohe Akzeptanz und gesteigertes Zutrauen zur eigenständigen Versorgung. Potenzial immersiver Virtueller Simulationen in der Notfalllehre Charite Universitätsmedizin Berlin, Deutschland Zielsetzung Die Vermittlung notfallmedizinischer Handlungskompetenz erfordert Trainingsformate, die praxisnah, realitätsgetreu und zugleich skalierbar sind, um den Transfer von theoretischem Wissen in sicheres klinisches Handeln in komplexen Situationen zu unterstützen. Analoge Simulationen gelten zwar als Goldstandard, sind jedoch ressourcenintensiv und nur eingeschränkt individualisierbar. Immersive Virtual-Reality-(VR)-Lernszenarien bieten durch interaktive, ortsunabhängige und personalisierbare Fallsimulationen eine vielversprechende Alternative zur Förderung kognitiver, praktischer und impliziter („tacit“) Fertigkeiten(1). Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Wahrnehmung und Bewertung VR-basierter Fallsimulationen durch Lernende unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen zu untersuchen und deren Beitrag zur Entwicklung zentraler berufspraktischer Kompetenzen zu analysieren, insbesondere im Bereich des Crew Resource Managements (CRM) und des Clinical Reasoning in der Notfallmedizin(2). Methode In interprofessionellen Wahlpflichtmodulen und Tutorien bearbeiteten 66 Medizinstudierende und 32 Notfallpflegende in VR-Multiplayerszenarien zwölf akutmedizinische Fälle. Die vierstündigen Interventionen fanden zwischen SS 2024 und WS 2025 in einer kontrollierten Lernumgebung statt. Die Arbeit erfolgte in Kleingruppen mit anschließendem formativem Feedback und digitaler Fallauswertung. Erfasst wurden Attraktivität, Lernerfahrung, Immersion, intuitive Anwendung und Zielerreichung. Die Auswertung erfolgte deskriptiv sowie inferenzstatistisch mittels Mann-Whitney-U-Tests. Ergebnisse In den Modulen in 2024 wurde die Attraktivität der Anwendung (M = 1,94; SD = 0,85), die Lernerfahrung (M = 2,26; SD = 0,79) sowie das Immersionserleben (M = 2,16; SD = 0,69) positiv bewertet. Im Jahr 2025 zeigten sich hohe Zustimmungswerte in allen Dimensionen der Simulation (vgl. Abb. 2). Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Durchläufen und Professionen (p > .05). Die Ergebnisse zeigen eine positive Bewertung der VR-Simulation. Sie wird insbesondere als positive Lernerfahrung bewertet und unterstützt Studierende bei dem Erreichen der Lernziele. Schlussfolgerungen Die Ergebnisse zeigen, dass immersive VR-basierte Notfalltrainings von Lernenden unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen durchweg positiv bewertet werden und zentrale Kompetenzbereiche wie Clinical Reasoning, Crew Resource Management, Lernerfahrung und Immersion wirksam adressieren. Die realitätsnahe und standardisierte Abbildung komplexer klinischer Situationen fördert kognitive Entscheidungsprozesse, Teamkommunikation und situatives Handeln und bietet durch mobile Standalone-Headsets ein skalierbares, wiederholbares und ressourceneffizientes Trainingsformat. Trotz fehlender signifikanter Unterschiede zwischen Professionen und Durchläufen verdeutlichen die hohen Zustimmungswerte das Potenzial immersiver VR- Simulationen, analoge Trainingsformate didaktisch sinnvoll zu ergänzen und die Entwicklung notfallmedizinischer Handlungskompetenzen nachhaltig zu unterstützen. Behavioural Marker – Einsatz in der Medizinischen Ausbildung am Beispiel der Interpersonal Competence List (ICL) Universitätsmedizin Mainz, Deutschland Fragestellung / Zielsetzung Die Handhabung des Themas Patientensicherheit als neues Ziel der medizinischen Ausbildung wird aktuell maßgeblich durch den Referentenentwurf zur neuen AO (04.12.2023) und den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM 2.0) bestimmt. Im Spannungsfeld zwischen der Forderung, sich an nationalen und internationalen Lernzielkatalogen zu orientieren, und dem Versteckspiel von Lernzielen im NKLM, wird die Überarbeitung von NKLM 2.1 und des AO‑Entwurfs bis Mitte 2026 mit Spannung erwartet. Eingebunden werden das WHO‑Mustercurriculum Patientensicherheit (2009) [1] sowie die Lernzielkataloge des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS, 2014) [2] und der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA, 2016) [3]. Die WHO berücksichtigt zusätzlich die Prozess‑ und Organisationsebene, während die Lernzielkataloge von APS und GMA auf die Tradition der Behavioural Marker setzen – also die Beschreibung konkreter, beobachtbarer und trainierbarer nicht‑technischer Fähigkeiten (z. B. Kommunikation, Teamarbeit, Entscheidungsfindung), die überwiegend in Crisis‑Resource‑Management‑Seminaren vermittelt werden. Ziel dieses Beitrags ist es
Methoden Eine systematische Literaturrecherche wurde aktualisiert und um Behavioural‑Marker‑Systeme aus den 1990er‑ bis 2010er‑Jahren erweitert, um zusätzlich die Lernzielkataloge von APS (2014) und GMA (2016) zu berücksichtigen. Ergebnisse Der Abgleich der Lernzielkataloge führte zur Entscheidung die 2012 gestarteten Implementierung der Interpersonal Competence List (ICL) als Behavioural‑Marker‑System im longitudinalen Lehrkonzept zur Behandlungs‑ und Patientensicherheit an der Universitätsmedizin Mainz fortzusetzen. Es werden sowohl einführende als auch kompetenzorientierte Veranstaltungen sowie deren Einsatz in der medizinisch‑praktischen Kompetenzentwicklung vorgestellt. Diskussion / Schlussfolgerung Die bevorstehenden Änderungen des NKLM, die internationale Lernzielkataloge stärker einzubeziehen, und die vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) angekündigte Reduktion von Lernzielen im Bereich der übergeordneten Kompetenzen, werden voraussichtlich die Bedeutung von Behavioural Markern in der Ausbildung erhöhen. So bilden sie nicht nur die nicht‑technische Skills (NTS) gezielt ab, sondern unterstützen in geeigneter Weise die Entwicklung der im Absolventenprofil geforderten Entrustable Professional Activities (EPAs). Im Vergleich zu anderen Systemen überzeugt die ICL durch hohe Praktikabilität, klare Kriterien und umfassende Abdeckung der NKLM‑Kompetenzen. | ||

