Veranstaltungsprogramm

Sitzung
Sesión 05: DID_2: Sitzung
Zeit:
Freitag, 29.03.2019:
9:00 - 10:30

Ort: KL 29/237
Kapazität: 25

Präsentationen

Mehrsprachigkeitsdidaktik und zielsprachliche Kompetenz. Eine empirische Studie aus dem universitären Spanischunterricht

Lukas Eibensteiner1, Amina Kropp1, Johannes Müller-Lancé1, Claudia Polzin-Haumann2, Christina Reissner2

1Universität Mannheim, Deutschland; 2Universität des Saarlandes, Deutschland

Seit nunmehr drei Jahrzehnten plädieren Tertiärsprachenforschung und Mehrsprachigkeitsdidaktik für einen sprachenvernetzenden und integrativen Unterricht der (romanischen) Schulfremdsprachen (z.B. Meißner/Reinfried 1998; Jessner/Allgäuer-Hackl/Hofer 2016). Auch erste mehrsprachigkeitsdidaktische Unterrichtskonzepte und -materialien existieren bereits (z.B. Behr 2005; Holzinger et al. 2012) und werden im Hinblick auf ihre Wirksamkeit überprüft (z.B. Rückl in Druck). Dennoch zeigen Fragebogen-Studien mit Lehrerinnen und Lehrern (z.B. Heyder/Schädlich 2015) und Lehrwerkanalysen (z.B. Müller-Lancé 2001), dass von einer systematischen sprachen¬vernetzenden Herangehensweise in der Praxis nur bedingt gesprochen werden kann. Dies ist möglicherweise u.a. darauf zurückzuführen, dass in der mehrsprachigkeitsdidaktischen Forschung bislang mögliche Vorteile dieser Herangehensweise auf die zielsprachige Kompetenz empirisch nicht umfassend erforscht wurden (Heyder/Schädlich 2015: 248). Studien für den rezeptiven Kompetenzerwerb zu interkomprehensionsbasierten Ansätzen belegen die steile Progression in der Lesekompetenz in der ganzen Gruppe der romanischen Sprachen (z. B. Reissner 2007; Polzin-Haumann 2018). Weitere Ansätze liegen von Seiten der empirischen Bildungsforschung vor (z.B. Göbel/Vieluf 2014).

Ein Forschungsprojekt der Universitäten Mannheim, Salzburg und des Saarlandes greift nun einen weiteren Aspekt dieses Forschungsfeldes auf. Mithilfe eines quasi-experimentellen Untersuchungsdesigns soll der Einfluss einer mehrsprachigkeitsdidaktischen Intervention auf die zielsprachige Kompetenz des Spanischen getestet werden. Die Kontrollgruppe (Studierende auf Anfängerniveau) wurde nach einem am neo-kommunikativen Fremdsprachenunterricht orientierten Ansatz unterrichtet. Die Intervention in der Versuchs-gruppe wird von derselben Lehrperson durchgeführt, die nach Abschluss des Unterrichts in der Kontrollgruppe in Workshops und mit einem speziell für die Studie konzipierten Aufgabendossier vorbereitet wurde.

Die zielsprachige Kompetenz wird durch verschiedene, die am Anfang, in der Mitte und am Ende des Kurses (Herbstwintersemester 2018) durchgeführt werden. Der vorliegende Beitrag möchte das Projekt ausführlicher vorstellen und erste Ergebnisse präsentieren.

Bibliographie (Auswahl)

Behr, Ursula (2005): Sprachen entdecken und Sprachen vergleichen – Kopiervorlagen zum sprachenübergreifenden Lernen Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Latein. Berlin: Cornelsen.

Göbel, Karin/Vieluf, Svenja (2014): „The effect of language transfer as a resource of instruction“. In: Hu, Adelheid/Grommes, Patrick (Hrsg.): Plurilingual education: policies – practice – language development. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins, S. 181-195.

Heyder, Karoline/Schädlich, Birgit (2015): „Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht: Eine Befragung von Lehrern in Niedersachsen“. In: Fernández Ammann, Eva Maria/Kropp, Amina/Müller-Lancé, Johannes (Hrsg.): Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit im Unterricht der romanischen Sprachen. Berlin: Frank & Timme, S. 233-251.

Holzinger, Gabriele/Seeleitner, Isolde/Castillo de Kastenhuber, Claudia/Lara Fernández, Carlos/Rückl, Michaela et al. (2012): Descubramos el español. Spanisch interlingual. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky.

Jessner, Ulrike/Allgäuer-Hackl, Elisabeth/Hofer, Barbara (2016): „Emerging Multilingual Awareness in Educational Contexts: From Theory to Practice“. In: The Canadian Modern Journal Review 72, 2, S. 157-182.

Meißner, Franz-Joseph/Reinfried Marcus (Hrsg.) (1998): Mehrsprachigkeitsdidaktik. Konzepte, Analysen, Lehrerfahrungen mit romanischen Fremdsprachen. Tübingen: Narr.

Müller-Lancé, Johannes (2001): „Grammatikmodelle in modernen Fremdsprachenlehrwerken“. In: Börner, Wolfgang/Vogel, Klaus (Hrsg.): Grammatik lehren und lernen. Didaktisch-methodische und unterrichtspraktische Aspekte. Bochum: AKS (Fremdsprachen in Lehre und Forschung 29), S. 114-136.

Polzin-Haumann, Claudia (2018): „Universitäten: mehrsprachige Räume und Motoren für Mehrsprachigkeit". In: Giessen, Hans W./Krause, Arno/Oster-Stierle, Patricia/Raasch, Albert (Hrsg.): Mehrsprachigkeit im Wissenschaftsdiskurs. Baden-Baden: Nomos, S. 219–233.

Polzin-Haumann, Claudia (2018): „Universitäten: mehrsprachige Räume und Motoren für Mehrsprachigkeit". In: Giessen, Hans W./Krause, Arno/Oster-Stierle, Patricia/Raasch, Albert (Hrsg.): Mehrsprachigkeit im Wissenschaftsdiskurs. Baden-Baden: Nomos, S. 219–233.

Reissner, Christina (2007): Die romanische Interkomprehension im pluridisziplinären Spannungsgefüge. Shaker: Aachen.

Rückl, Michaela (in Druck): „Interlingual Learning of Romance Languages at Austrian Schools: Some Observations on Pluralistic Approaches in Textbooks for Italian and Spanish as Third Foreign Languages in Upper Secondary Level and the Possibility to Investigate their Impact on the Development of Plurilingual Profiles”. In: Jessner, Ulrike/Vetter, Eva (Hrsg.): erscheint 2018 bei Springer.



Mehrsprachigkeit unterrichten? - Ein Seminarkurs zum Thema Mehrsprachigkeit in der Oberstufe eines Berliner Gymnasiums

Katharina Martín Fraile

Gottfried-Keller-Gymnasium, Deutschland

Mit der Einrichtung des Seminarkurses „Mehrsprachigkeit“ hatten wir uns zum Ziel gesetzt, das Thema Mehrsprachigkeit theoretisch und sprachpraktisch zum Unterrichtsgegenstand für die Schüler/innen in der 11. Klasse zu machen und dabei alle Sprachen der Lerner, nämlich Deutsch, die schulischen Fremdsprachen und weitere Herkunftssprachen in den Blick zu nehmen.

Der Vortrag möchte dieses schulpraktische Experiment als eine Möglichkeit vorstellen, Mehrsprachigkeit fächerübergreifend und fächerverbindend an der Schule zum Thema zu machen, und dabei kritisch zurückblicken auf die ganz unterschiedlichen Formate des Kurses, die wir in den letzten Jahren durchlaufen haben.

Folgende Aspekte sollen zur Sprache kommen:

  • die Motivation zur Einrichtung des Kurses;
  • Überlegungen zur Planung des Kurses bezogen auf die Organisation fächerübergreifenden Unterrichtes;
  • Herausforderungen für Unterrichtende und Lernende, die aus dem Ansatz des sprachenübergreifenden Lernens resultieren,
  • Vorstellen von Themenschwerpunkten des Kurses und Prüfungsformaten,
  • der Umgang mit den Sprachen / der Stellenwert des Fremdsprachenerwerbs,
  • die Frage nach dem Erkenntnisgewinn für die Lernenden,
  • Ausblick und Austausch über Ideen zur Weiterentwicklung und mögliche Grenzen des Kurses.