26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:01:13 MESZ
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Tagesübersicht |
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Keynotes, Preisverleihungen
Preisverleihungen. Wissenschaftliche Wettbewerbe der GMTH | ||
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Keynote
Sektion II. Musikalische Wahrnehmung aus Sicht der Neuro- und Kognitionswissenschaften sowie der Psychoakustik Universität Graz, Österreich Eberhard Zwicker beschrieb die Erforschung des Hörens als ein „Sich-im-Wundern-Üben“. Bereits Hermann von Helmholtz hatte in seiner Lehre von den Tonempfindungen auf subjektive Unterschiede der Klangwahrnehmung hingewiesen: Manche Hörerinnen und Hörer nehmen Klänge eher synthetisch als verschmolzene Klanggestalt wahr, andere eher analytisch, mit bewusster Differenzierung einzelner Obertöne. Die heutige Neuro- und Kognitionswissenschaft kann dieses „Wunder des Hörens“ mit modernen psychoakustischen und neurophysiologischen Methoden deutlich präziser beschreiben. Gerade die musikalische Wahrnehmung zeigt, wie fein das Gehirn zeitliche und spektrale Merkmale kodiert, wie komplementär beide Gehirnhälften an Rhythmus, Melodie, Klangfarbe und Tonhöhenverarbeitung beteiligt sind und wie stark sich individuelle Hörprofile unterscheiden. Im Zentrum des Vortrags stehen daher individuelle Klang- und Hörwahrnehmungsprofile: von elementaren Merkmalen wie Grundton-Salienz, Obertongewichtung, Tonhöhenrichtung und Klangverschmelzung bis hin zu komplexeren Qualitäten wie Klangfarbe, harmonisch-komplexen Strukturen, Rhythmus, Melodie und musikalischer Vorstellungskraft („Audiation“). Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie sich solche Wahrnehmungsprofile auf Gehirnebene abbilden lassen. Hierzu werden psychoakustische Tests mit EEG/MEG- und fMRT-Befunden verknüpft, etwa zu hemisphärischer Spezialisierung, auditorischer Expertise, absolutem und relativem Gehör sowie entwicklungsbezogenen Unterschieden. Ausgehend von diesen neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Klangwahrnehmung wird diskutiert, welche Impulse sich daraus für Hochschulpädagogik, musikalische Eignungsdiagnostik und Aufnahmeprüfungen ergeben. Dabei stellt sich auch die Frage, ob ein differenzierteres Verständnis individueller Hörprofile helfen kann, jene Unsicherheiten besser einzuordnen, die häufig mit dem „ungeliebten Nebenfach“ Gehörbildung/Hörerziehung verbunden sind. Darüber hinaus werden klinische und pädagogische Bezüge zu Tinnitus, Geräuschempfindlichkeit, AD(H)S, Autismus-Spektrum, Lese-Rechtschreib-Schwäche sowie zum musikalischen Lernen abgeleitet und unser aktuelles Wissen zur Entwicklung des musikalischen Gehörs von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter skizziert. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Peter Schneider ist Physiker, Kirchenmusiker und Neurowissenschaftler. Nach seinem Studium in Freiburg im Breisgau und Heidelberg schloss er 1994 das Diplom in Kirchenmusik ab. 1998 gründete er an der Neurologischen Klinik Heidelberg die Arbeitsgruppe „Musik und Gehirn“, in enger Kooperation mit Musikhochschulen unter anderem in Mannheim, Basel und Riga. Dort promovierte er im Jahr 2000 und habilitierte sich 2012 über die neurologischen Grundlagen der individuellen Klangwahrnehmung und Hörfähigkeit bei Musikern und Nichtmusikern. Als Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft leitete er zahlreiche durch BMBF und DFG geförderte Forschungsprojekte zur Klangwahrnehmung, Musikalität, auditorischen Verarbeitung und musikalischen Begabung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Musik und Gehirn, absolute und relative Hörfähigkeit, Tinnitus, musikalisches Lernen sowie Hör- und Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Seit 2021 ist die Forschungsgruppe „Musik und Gehirn“ nach Graz übersiedelt; parallel gründete Peter Schneider die Heidelberger Hörakademie. Keynote
Sektion III. Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch: „Das Hochschulfach Gehörbildung in seiner jüngsten Entwicklung – Schlaglichter auf Geschichte, Gegenwart und Perspektiven“ Universität Mozarteum Salzburg, Österreich Angesichts der an vielen Hochschulen stattfindenden Kürzungen und Umstrukturierungen von Studienplänen zeichnet der Beitrag die Entwicklung des Faches Gehörbildung an deutschsprachigen Musikhochschulen seit den 1950er-Jahren nach. Grundlage bildet eine vergleichende Untersuchung von Studienplänen unterschiedlicher Studienrichtungen, die heute den Bereichen Lehramt, Konzertfach, Dirigieren, Komposition und Musiktheorie zugeordnet sind. Im Mittelpunkt stehen drei exemplarische Zeitfenster zwischen 1950 und der Gegenwart. Darauf aufbauend werden die fachlichen Inhalte und ihre Veränderungen analysiert. Abschließend werden Fragen nach ihrer heutigen Relevanz und zukünftigen Bedeutung sowie nach den verwendeten Methoden aufgeworfen. Der Beitrag versteht sich nicht nur als Einblick in die jüngere Fachgeschichte, sondern auch als Orientierungshilfe im Kontext aktueller hochschulpolitischer Entwicklungen. Zugleich möchte er Impulse für einen fachinternen didaktischen Diskurs geben, der im deutschsprachigen Raum bislang – von wenigen Einzelveröffentlichungen abgesehen – nur in Ansätzen geführt wird. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Univ.-Prof.in Dr.in phil. Juliane Brandes ist seit 2021 Universitätsprofessorin für Musiktheorie an der Universität Mozarteum Salzburg. Nach Studien der Musiktheorie, Schulmusik und Germanistik in Freiburg, einem Auslandsjahr im Fach Violine sowie einem weiteren Studium der Theorie der Alten Musik und Komposition an der Schola Cantorum Basiliensis war sie als Hochschullehrerin in Freiburg, Karlsruhe und Basel sowie als freischaffende Musikerin tätig. Es folgten Professurvertretungen in Freiburg, Dresden und Hannover. 2017 promovierte sie zur Kompositionslehre der Münchner Schule um Ludwig Thuille. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Bereich einer praxisbasierten historischen Kompositionslehre. Mit Publikationen zu fachlichen und pädagogischen Themen sowie mit Vorträgen und Meisterkursen ist sie international präsent. Darüber hinaus wirkt sie regelmäßig als Jurorin bei wissenschaftlichen und künstlerischen Wettbewerben. Seit Herbst 2022 gehört sie dem Leitungsteam des künstlerischen Wettbewerbs der GMTH an; seit 2024 ist sie zudem stellvertretende Departmentleiterin des Departments für Komposition und Musiktheorie an der Universität Mozarteum Salzburg. Juliane Brandes war Stipendiatin des Cusanuswerks. | ||


