26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 10:09:44 MESZ
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Tagesübersicht |
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III. Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch
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16:30 - 16:45
Praktische Gehörbildung Stichworte: relative Solmisation, Stick-Notation, Singen Solmisieren mit Stick-Notation Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Deutschland Die Kombination aus relativer Solmisation und Stick Notation eröffnet in der Gehörbildung ein hochgradig intuitives Lernfeld, das melodische Strukturen nicht nur hörend, sondern auch kinästhetisch und visuell erfahrbar macht. Beide Ansätze können in der praktischen Lehre synergetisch eingesetzt werden, um musikalische Orientierung, innere Hörfähigkeit und intonatorische Sicherheit nachhaltig zu stärken. Lernende können durch bewegungsbasierte Solmisationsgesten, reduzierte grafische Notation und situatives Singen ein flexibles tonales Verständnis entwickeln. Die Stick Notation fungiert dabei als bewusst vereinfachtes Notationssystem, die relative Solmisation liefert das vokale und kognitive Gerüst, um diese Beziehungen körperlich und auditiv zu verankern. In dieser kurzen Einheit zur praktischen Gehörbildung steht das gemeinsame Solmisieren im Vordergrund. An ausgewählten Beispielen unterschiedlicher musikalischer Genres und Epochen singen die Teilnehmenden gemeinsam unter Verwendung der relativen Solmisation. Verschiedene Möglichkeiten der stick-notation und der Visualisierung von Solmisation werden vorgestellt und ausprobiert. Die Einheit endet mit einem kurzen Ausblick zum Einsatz der Methoden im pädagogischen Kontext. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Rebekka Albrecht studierte Schulmusik (Zweitfach Mathematik) sowie Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater sowie der Universität in Rostock. Ihre Ausbildung ergänzen ein künstlerisches Diplom im Fach Harfe. Pädagogische Erfahrung sammelte sie sowohl an Musikschulen als auch an allgemeinbildenden Schulen sowie im Lehrauftrag an der HMT Rostock. Als Harfenistin war sie von 2011 - 20214 als Soloharfenistin im Philharmonischen Orchester Vorpommern tätig. Seit 2014 ist Rebekka Albrecht künstlerische Mitarbeiterin im Fachbereich Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Dresden und unterrichtet vorrangig im Bereich der pädagogischen Studiengänge sowie am Sächsischen Landesgymnasium für Musik. 16:45 - 17:00
Praktische Gehörbildung Stichworte: Rhythmus, Spiel, musikalisches Gedächtnis Rhythmusspiel im Gehörbindungsunterricht Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich Aus historisch-musikalischer Perspektive wird deutlich, dass sich einzelne Aspekte der musikalischen Sprache verselbständigen und in ihrer Entwicklung an Tiefe gewinnen können. Eine Melodie mit Rhythmus lässt sich relativ leicht memorieren. Rhythmus allein ist dagegen deutlich schwerer zu erfassen, besonders wenn es sich um eine komplexere rhythmische Struktur handelt. Wie kann man das Pulsgefühl stärken? Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen klingendem und notiertem Rhythmus vertiefen? Zu diesem Thema wird ein Rhythmusspiel vorgestellt, durch das diese Zusammenhänge gestärkt werden können. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Aleksandra Savenkova ist Musiktheoretikerin mit langjähriger internationaler Unterrichtserfahrung. Sie studierte Musiktheorie, Musikologie, Klavier und Gesangspädagogik in Moskau und Wien. Im Zentrum ihrer beruflichen Tätigkeit stehen Gehörbildung, Satzlehre und Analyse. Seit 2020 unterrichtet sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. 17:00 - 17:30
Einzelvortrag Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Stichworte: eartraining, digital, Lehre, Gehörbildung, Höranalyse ear-training.org: Erfahrungsbericht und Auswirkungen auf die Lehre in Mannheim Musikhochschule Mannheim, Deutschland Seit über zwölf Jahren betreibt die Mannheimer Musikhochschule die Lehrplattform ear-training.org, die im Rahmen des Förderprogramms der „Stiftung Innovation in der Hochschullehre“ (2021–24) inhaltlich erweitert und technisch modernisiert wurde. Nach der intensiven COVID-bedingten Nutzung zeigt sich nun eine stabile Integration in den hybriden Lehrbetrieb – Anlass für einen ersten systematischen Erfahrungsbericht. Im Zentrum steht dabei weniger die Plattform selbst als die Rückwirkungen ihrer Nutzung auf Präsenzformate und Curricula. Die teilweise Verlagerung des klassischen Musikdiktats ins Digitale schafft Freiräume für komplexere musikalische Praxisformen im Präsenzunterricht – ein Wandel, der Zielsetzung und Charakter des Fachs spürbar verändert. Der nachhaltigste Effekt von ear-training ist somit nicht das digitale Produkt selbst, sondern das dadurch veränderte Profil der Präsenzlehre. Der Beitrag skizziert zunächst die Konzeption und den Einsatzbereich von ear-training. Anschließend werden die daraus resultierenden Veränderungen in der Präsenzlehre erläutert: insbesondere die Verlagerung hin zu einer stärker kompetenz- und praxisorientierten Lehre sowie zu einer individualisierten Profilbildung durch Wahlangebote. Diese Veränderungsprozesse werden jedoch nicht vorbehaltlos als Fortschritt im Sinne einer Optimierung verstanden, sondern kritisch im Kontext der fachhistorischen Entwicklung reflektiert. So geraten grundlegende Spannungsfelder in den Blick, die ein modernes Verständnis der Gehörbildung prägen – etwa das Verhältnis von reproduktivem, kreativem und reflexivem Hören sowie das Zusammenspiel von Theorie, Praxis und Wahrnehmung. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Dres Schiltknecht studierte Klavier, Komposition, Musiktheorie und Dirigieren in Lausanne sowie Klavier und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Nach anfänglicher Aktivität als Pianist (Preisträger des Concours international de piano d’Orléans 2000) folgen ab 2003 diverse Anstellungen als Dozent in Musiktheorie und Gehörbildung (am Konservatorium Bern sowie den Musikhochschulen Lausanne und Mannheim). Seit 2009 ist Dres Schiltknecht Professor für Musiktheorie und Gehörbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Musiktheoretische Veröffentlichungen zu den Themenbereichen Tonfeld-Theorie, Debussy, Intervallwahrnehmung und Enharmonik. Vorträge und Workshops im In- und Ausland, Gestaltung und Konzeption der e-Learning-Plattform »ear-training.org«. 17:30 - 18:00
Einzelvortrag Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Stichworte: Stenografie, Visualisierung, Hörgedächtnis, Muster, Notation Zwischen Generalbass, lead-sheet und Particell – stenografische Notationsformen von Musik im Gehörbildungsunterricht Hochschule für Musik und Theater München, Deutschland Der Vortrag beschäftigt sich mit der Visualisierung musikalischer Abläufe im Gehörbildungsunterricht. Diese kann (wie auch die Notation von aufzuführender Musik) unterschiedlich konkret sein – von einer groben Skizze bis hin zu einer detaillierten Partitur. Ein möglicher Orientierungspunkt bildet der Grundgedanke von Stenografie als „Kurzschrift, die durch vereinfachte Zeichen und Kürzel für Wörter und Silben eine um ein Vielfaches schnellere Mitschrift als die Langschrift ermöglicht“ (vgl. Wikipedia). Der Vortrag demonstriert die Übertragung dieses Ansatzes in einen musikalisch geprägten Lernkontext. Unterrichtsziel ist eine Verschiebung von Notationen mit klar erkennbarer Nähe zum üblichen Notentext hin zu Gedankenstützen („soviel wie nötig, so wenig wie möglich“). Angestrebt wird die praktische Wiedergabe eines Beispiels aus dem Hörgedächtnis. Letzteres soll sich sukzessive verbessern – und damit einhergehend die notwendige Notation immer „knapper“ werden lassen. Die Erarbeitung epochenübergreifender Muster (analog zu Wörtern und Silben) verbessert dabei auch in anderen Formaten gehörbildnerischen Arbeitens das Erinnerungsvermögen und bietet eine gewinnbringende Schnittmenge zur Musiktheorie. Viele stenografische Notationsformen werden dabei in der musikalischen und kompositorischen Praxis schon lange verwendet: basso seguente, lead-sheets, Particelli, guidelines, … Der Vortrag gibt einen Überblick über die verwendeten Notationsformen, die Entwicklung im Unterricht und reflektiert die gemachten Erfahrungen. Dazu gehört die Wahl der Kurzschrift im Zusammenhang mit den musikimmanenten Strukturen des Beispiels sowie die individuelle Reflexion der eigenen Fähigkeiten durch die Studierenden (Welcher Grad von Notation ist notwendig, damit ich das Beispiel sicher wiedergeben kann?). Ergänzend soll auch der umgekehrte Weg, also die Verwendung von Kurzschriften als Ausgangspunkt einer zunehmend ins Detail gehenden Beschäftigung (z.B. unter Einbezug von Fehlerhören), vorgestellt werden. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Tanja Spatz studierte Schulmusik, Musiktheorie und Gehörbildung an der HfM Freiburg. Nach Stationen in Hannover, Freiburg und Stuttgart lehrt sie seit dem SoSe 2026 als Professorin für Gehörbildung an der HMT München. 18:00 - 18:30
Weitere Formate Themen: Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Nicht-Hören, Gehörlosenkultur, taktile Musikwahrnehmung, visuelles Musikverständnis, Gebärdensprache Das Wunder des Nicht-Hörens. Musikwahrnehmung in der Gehörlosenkultur Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich In der Gehörlosenkultur wird Musik in zweierlei Hinsicht verstanden: Einerseits bezieht sie sich auf die Musik der Hörenden, die von gehörlosen Menschen taktil (durch Vibration) oder visuell (zum Beispiel durch einen/eine Gebärdensprachdolmetscher*in) wahrgenommen werden kann. Andererseits werden damit gebärdensprachliche Kunstformen wie beispielsweise Gebärdensprachpoesie oder Visual Vernacular bezeichnet, die ausschließlich visuell performt und wahrgenommen werden und als visuelle Musik oder Augenmusik bezeichnet werden. Wie Musik wahrgenommen wird oder welche Musikform bevorzugt wird, hängt sowohl vom Schwerhörigkeitsgrad als auch von der soziokulturellen Prägung der gehörlosen Person ab. Der Vortrag gliedert sich in drei Teile: Zunächst werde ich mich mit Definitionen von Gehörlossein und Musik in der Gehörlosenkultur befassen. Im zweiten Teil fokussiere ich mich auf die Musik der Hörenden, die von gehörlosen Menschen wahrgenommen wird. Hier kommen beispielsweise technische Geräte zum Einsatz, die Gehörlosen dabei helfen, Musik durch Vibrationen wahrzunehmen, sowie Gebärdenraps, die auf Rapmusik der Hörenden zurückzuführen sind, aber in Gebärdensprache gedichtet werden. Im dritten Teil beschäftige ich mich mit gebärdensprachlichen Kunstformen, die von gehörlosen Menschen als MUSIK oder LIED bezeichnet werden (die Großschreibung soll auf die betreffenden Gebärden hindeuten). Hierzu werde ich meine ethnographische Forschung zum Berliner Gebärdenchor präsentieren, dessen Mitglied ich seit 2017 bin. Mein Vortrag, der das Hören selbst in Frage stellt, kann auf den ersten Blick etwas provokant wirken und stellt womöglich einen Widerspruch zu anderen Beiträgen dar. Die Beschäftigung mit der Musikwahrnehmung in der Gehörlosenkultur soll jedoch nicht nur dazu dienen, einen Einblick in die Gehörlosen-Musikkultur verschaffen, sondern auch zum Nachdenken über unser Hörend-Sein (Hearingness) hinsichtlich der Musik anregen. Denn Hearingness reflektiert „not only hearing ability but also one’s attitudes, beliefs, and values about Deaf culture.“ (Risser und Lewis 1996) Mit anderen Worten möchte ich auch das Wunder des Nicht-Hörens demonstrieren, das meiner Ansicht nach komplementär zum Wunder des Hörens fungiert. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Chae-Lin Kim is a cellist and ethnomusicologist. She is currently a research fellow at the Music and Minorities Research Center, University of Music and Performing Arts Vienna, where she is leading a FWF-funded research project entitled “Music for the Eye? An Ethnographic Study of Sign Choirs in German-speaking Countries”. She holds a diploma in cello performance from Frankfurt University of Music and Performing Arts. After receiving her MA in musicology from Freie Universität Berlin, she completed her PhD in musicology at Berlin University of the Arts. Her research interests include music in Deaf culture, sign choirs, and sign language literature. | ||


