26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Bitte beachten Sie, dass sich alle Zeitangaben auf die Zeitzone des Konferenzortes beziehen.
Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:02:19 MESZ
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
I. Musikalische Wahrnehmung und Gestalt
| ||
| Präsentationen | ||
11:00 - 11:30
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Höranalyse, Sonatenform, Dramaturgie „Durchbruch“ und „Einbruch“ als dramaturgische Topoi und Kategorien auditiver Formanalyse Universität Leipzig, Deutschland Musikalische Form wurde lange primär aus der Perspektive motivisch-thematischer Strukturen untersucht (vor allem in der deutschsprachigen Musikanalyse und -theorie). Dabei sind komplexere Prozesse auf dieser Ebene kaum heraushörbar und spielen daher für die auditiv-emotionale Wahrnehmung des Formverlaufs von (Instrumental-)Musik nur eine untergeordnete Rolle. Das Fach Gehörbildung wiederum war lange primär auf Mikrostrukturen und deren möglichst genaue Rekonstruktion im Sinne eines Notendiktats ausgerichtet und nicht auf längere Musikabschnitte oder ganze Stücke (außer in Frankreich, wo es eine lange Tradition des „Commentaire d’écoute“ gibt). In dem Beitrag geht es um Formaspekte, die sich besonders für einen auditiven Zugang anbieten. Sie sind stark durch Parameter geprägt, die in der klassischen Analyse oft als „sekundär“ abgetan wurden und die der amerikanische Musikpsychologe und -analytiker Leonard B. Meyer als „quantitativ“ bezeichnet hat, da sie sich auf einer Plus-Minus-Skala abbilden lassen (Lautstärke, Tonregister und -dichte, Kontinuitätsgrad). Aus spektakulären Veränderungen auf den Ebenen dieser Parameter haben sich (oft in Kombination mit einem Wechsel zwischen Dur und Moll) einige Topoi herausgebildet, die für die Formdramaturgie vieler klassischer und romantischer Instrumentalsätze von zentraler Bedeutung sind. Dazu zählen insbesondere „Durchbruch“ und „Einbruch“, die Theodor W. Adorno als Kategorien der von ihm lediglich skizzierten „materialen Formenlehre“ benannte. Beide sind durch eine dramatische Inszenierung von Diskontinuität gekennzeichnet, wobei dem in der Regel positiv konnotierten Durchbruch auch ein teleologisches Moment eignet, während der meist traumatische Einbruch stets plötzlich auftritt. In dem Beitrag werden diverse Beispiele für diese beiden dramaturgischen Topoi vorgestellt und deren Relevanz für die Form der betreffenden Werke und deren auditive Wahrnehmung aufgezeigt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: seit 2019 Univ.-Prof. für Musikwissenschaft (Musikgeschichte) an der Univ. Leipzig 11:30 - 12:00
Einzelvortrag Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Stichworte: Gehörbildung; Höranalyse; Interpretationsanalyse; Methodik; Kriterienbildung „… the music as you hear it …“ Zur Methodik der Interpretationsanalyse per Gehör – nebst einigen Gedanken über fachliche Zuständigkeiten Universität der Künste Berlin, Deutschland Die musikalische Interpretationsforschung hat sich, nach ersten Anfängen in den 1990er Jahren, seit der Jahrtausendwende zu einem wichtigen Bereich der neueren Musikforschung entwickelt. Zu ihren zentralen Disziplinen zählt die Interpretationsanalyse als Auswertung von Tonaufnahmen (den Dokumenten realer oder im Studio fingierter musikalischer Aufführungen). Viel Aufmerksamkeit hat in den letzten Jahren die Methode des distant oder augmented listening gefunden, also der Softwaregestützte[n] Interpretationsanalyse (so der Titel eines von J. Caskel u.a. edierten Sammelbands; Würzburg 2023). Weniger im Vordergrund stand demgegenüber die Methode des close listening, also das Ensemble von Strategien, die bei der Interpretationsanalyse ›mit bloßem Ohr‹ Anwendung finden. Der Vortrag lädt die Fächer Musiktheorie und Gehörbildung dazu ein, diesen Diskurs aktiv mitzugestalten, denn die systematische, kriteriengeleitete Höranalyse zählt traditionell zu ihren wichtigsten Disziplinen. Er plädiert dafür, einerseits Inhalte der Interpretationsanalyse in den Gehörbildungsunterricht zu integrieren, andererseits die spezifische Expertise der Fachgemeinschaft einem Forschungsdiskurs zur Verfügung zu stellen, der von dieser fächerübergreifenden Zusammenarbeit nur profitieren kann. Im Vortrag reflektiert werden methodische Anforderungen einer Form von Höranalyse, die ihre Kriterien nicht primär in Analogie zum Notentext entwickelt, sondern aus dem Klangbild konkret aufgeführter Musik gewinnt. Dabei wird unter anderem auf Impulse reagiert, die das jüngst erschienene Handbuch Musikanalyse (hg. von A. Jeßulat u.a., Kassel/Berlin 2025) zum Thema Höranalyse setzt. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Kilian Sprau studierte Schulmusik, Musiktheorie/Gehörbildung und Klavier in München und Salzburg. Nach dem Studium war er als freiberuflicher Liedbegleiter sowie in Forschung und Lehre tätig (u.a. Musikhochschule München; Universität Augsburg). 2019 übernahm er eine Professur für Musiktheorie an der Universität der Künste Berlin. Im Zentrum seines Interesses stehen Wechselwirkungen zwischen Musik und Sprache; sein vorrangiges Engagement gilt dem Kunstlied und seiner Aufführungsgeschichte. 2016 wurde er mit einer Dissertation zur zyklischen Liedkomposition um 1850 promoviert. 2022 habilitierte er sich auf der Grundlage eines eigenen DFG-Projekts mit einer Arbeit zum performativen Stilmittelgebrauch im spätromantischen Kunstgesang. Von 2013 bis 2019 war er Mitherausgeber der Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie. | ||


