14:00 - 15:30Vortragspanel
Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und KunstanspruchStichworte: Transposition, Differenzielles Lernen, spielpraktische Zugänge, Anki-Karten, Zirkeltraining
Gehörbildung jenseits von Stift und Papier
Antoine Billet, Jakob Büschking, Imke Constapel, Konrad Georgi, Yutong Huang, Jakob Kasakowski, Marlene Krause, Clarissa Merz, Joss Reinicke
Hochschule für Musik Freiburg, Deutschland
›Gehörbildung jenseits von Stift und Papier‹
Spielpraktische Zugänge in der Gehörbildung
1) Transposition im Kontext historisch informierter Lernsituationen; Quellen und Methoden
Wenn Daniel Gottlob Türk 1791 in seinem Lehrwerk ›Kurze Anweisung zum Generalbaßspielen‹ schreibt: »...Auch das Versetzen in andere Tone (das Transponiren) ist dem lernenden sehr anzurathen«, so formuliert er ein Anliegen, das mit Bezug auf die Gehörbildung in zahlreichen historischen Quellen zu entdecken ist. Carl Czerny etwa gibt in Kapitel 16, im 3. Teil seiner Pianoforte-Schule, Op. 500, detaillierte Anweisungen zum Studium der Transposition. Der Vortrag beschäftigt sich mit Quellen, Lehrtraditionen und Wiederbelebungen dieser Methode. Abgerundet wird der Beitrag mit einer musikalischen Kostprobe des ›Transpositionswettbewerbs‹ aus dem vergangenen Sommersemester 2026.
2) Integrativer Instrumentalunterricht
Der Instrumentalunterricht basiert häufig lediglich auf dem Erwerb instrumentaler Bewegungsabläufe, der Entwicklung motorischer Fähigkeiten sowie der schrittweisen Bewältigung technischer Schwierigkeiten. Theoretische, auditive und analytische Kompetenzen werden hingegen meist in eigenständigen Fächern vermittelt, die oft zu spät in der musikalischen Ausbildung hinzutreten. Sie werden mitunter als zusätzliches Wissen empfunden, das bestehenden instrumentalen Gewohnheiten nachträglich übergestülpt wird, anstatt von Beginn an ein konstitutiver Bestandteil musikalischen Denkens zu sein. Der Beitrag beschäftigt sich mit wiederentdeckten Begleitstimmen bedeutender Solfeggi sowie mit Facetten einer integrativen Instrumentalpädagogik.
3) Loops für die Gehörbildung
Instrumental- und vokalpraktische Lernvorgänge bedürfen Wiederholungsszenarien, die nicht ermüden, sondern im besten Falle während der praktischen Umsetzung Vertiefung und Erkenntniszuwachs kombinieren. Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Einsatz von Loops im Gehörbildungsunterricht. Satzmodelle werden analog und computergestützt ausgeführt - sequenziert, transponiert, rhythmisiert und variiert.
4) Differenzielles Lernen in der Gehörbildung
Lernen beruht auf neuronaler Vernetzung und baut diese um. Die Verknüpfung korrespondierender Literaturstellen zu inhaltlichen Netzen ermöglicht assoziatives Lernen. Die Abfolge bestimmter Klangphänomene in wechselnder Umgebung erhöht mit methodischer Hilfe des Differenziellen Lernens die Fähigkeit spontaner Zuordnung.
Mit Anki-Karten und dem akustischem Memory u.a. werden Möglichkeiten einer literaturbezogenen Lernumgebung aufgezeigt.
Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors:
Antoine Billet studierte Cello in Frankreich u.a. bei Frank van Lamsweerde, Xavier Gagnepain, Hortense Cartier-Bresson und Florian Lauridon. An der HfM Freiburg setzte er seine Studien u.a. bei Prof. Adriana Contino fort. Als engagierter Kammermusiker tritt er regelmäßig mit dem Trio Varnhagen sowie dem Ensemble Découvertes auf, das barocke und zeitgenössische Musik auf historischen Instrumenten zur Aufführung bringt. Neben seiner Tätigkeit als Kammermusiker widmet er sich mit besonderer Leidenschaft der Musikpädagogik, unterrichtet Kinder und Jugendliche in Freiburg und Umgebung und lehrt Violoncello sowie Gehörbildung an der Hochschule für Musik Freiburg.
Jakob Büschking erhielt Klavierunterricht bei Janina Rathje und Prof. Josef Anton Scherrer sowie – während eines Auslandsjahres in Estland an der Tallinn Music High School – bei Mariin Aavik. Weitere Anregungen bekam er in Meisterkursen unter anderem bei Prof. Manfred Aust, Prof. Michel Béroff und Elisabeth Leonskaja. Beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ 2023 war er in der Kategorie Klavier solo Preisträger auf Bundesebene. Seit dem Wintersemester 2023/2024 studiert er bei Prof. Gilead Mishory und – im Wintersemester 2025/2026 – bei Prof. Nicholas Rimmer an der Hochschule für Musik Freiburg. Seit dem Wintersemester 2024/2025 studiert er zusätzlich im Minor Musiktheorie bei Prof. Dr. Hans Aerts.
Imke Constapel studierte im fächerübergreifenden Bachelor Musik und Germanistik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Im Hauptfach Musiktheorie bekam sie Unterricht von Prof. Castor Landvogt und Prof. Stefan Mey. Seit dem Wintersemester 2025/26 studiert sie im Master Musiktheorie an der Hochschule für Musik Freiburg und wird dort von Prof. Dr. Cosima Linke und Prof. Dr. Hans Aerts im Hauptfach betreut. Seit 2022 engagiert sich Imke Constapel als Tutorin in den Fächern Gehörbildung und Musiktheorie und ist darüber hinaus Gründungsmitglied des Bundesjugendchores.
Konrad Georgi studierte Schulmusik, Jazz u. Popularmusik an der Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Frankfurt sowie Musiktheorie und Hörschulung an der Hochschule für Musik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach einer langjährigen Tätigkeit als Lehrer für Musiktheorie am Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz leitete er von 2005 bis 2007 kommissarisch die Jazzabteilung an der HfM Mainz. Von 2007-2016 lehrte er am gleichen Institut Musiktheorie und Hörschulung in allen Studiengängen. Seit 2016 ist Konrad Georgi Professor für Gehörbildung an der Hochschule für Musik Freiburg.
Yutong Huang begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel. Von 2019 bis 2024 studierte sie an der Mittelschule des Xinghai-Konservatoriums für Musik in Guangzhou bei Dr. Minshan Du und Yi Yao. Seit dem Sommersemester 2025 studiert sie Hauptfach Klavier an der HfM Freiburg in der Klasse von Prof. Christoph Sischka. Zusätzlich studiert sie im Nebenfach Korrepetition bei Prof. Nicholas Rimmer. Zu ihren jüngsten Auszeichnungen zählen der 2. Preis (Hauptjury), der 1. Preis (Juniorjury) sowie mehrere Sonderpreise beim Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten „Merci, Maestro!“ (Brüssel, 2026). Außerdem erhielt sie den 2. Preis sowie einen Sonderpreis beim 3. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb für junge Pianisten in Vilnius (2026).
Jakob Kasakowski studiert derzeit Musiktheorie im Master bei Prof. Dr. Ludwig Holtmeier und Prof. Dr. Cosima Linke an der HfM Freiburg. Zuvor absolvierte er einen Bachelor in Musiktheorie sowie einen künstlerischen Bachelor und Master im Fach Klavier an der HfM Saar bei Jörg Nonnweiler und Kristin Merscher. Weitere künstlerische Impulse erhielt er von Pierre-Laurent Aimard, Bernd Goetzke und Sheila Arnold. Neben solistischen Auftritten ist er auch in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen aktiv. Darüber hinaus ist er Stipendiat des Claudia-Meyer-Stipendiums sowie der Richard-Wagner-Stipendienstiftung, aktueller Träger des Theo-Brandmüller-Preises und erreichte 2022 die Höchstplatzierung beim 21. Walter-Gieseking-Wettbewerb.
Marlene Krause studiert seit Oktober 2025 im Master Gehörbildung bei Prof. Konrad Georgi an der HfM Freiburg. Nach Abschluss ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Chor- und Ensembleleiterin (2020) an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, studierte sie im Bachelor Angewandte Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bei Prof. Dr. Kathrin Schlemmer und Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard (Abschluss 2025 mit Auszeichnung). Pädagogische Schwerpunkte bildete sie in der Kinder- und Posaunenchorleitung sowie als Fachlehrerin für Musik an der Montessorischule.
2022 wurde Marlene Krause beim 37. Bundeswettbewerb „Jugend Komponiert“ mit einem Bundespreis ausgezeichnet.
Clarissa Merz studierte Schulmusik, Germanistik, Philosophie und Chordirigieren in Frankfurt, Freiburg und Wien. Neben ihren Studien arbeitete sie als Dramaturgie-Assistentin am Volkstheater Wien. Sie ist Stipendiatin des Cusanuswerks, des Richard-Wagner-Verbandes Freiburg und des FrauenFörderStipendiums Musik an der HfM Freiburg. Derzeit arbeitet sie als Chorleiterin und studiert im Master Gehörbildung bei Prof. Konrad Georgi an der HfM Freiburg.
Joss Reinicke, in Dänemark aufgewachsen, studierte Schulmusik und Musiktheorie an der HfM Freiburg, Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Dirigieren und Chorleitung an den Musikhochschulen Trossingen und Saarbrücken. Wichtige Impulse erhielt er während prägender Aufenthalte an der Eastman School of Music (Rochester/USA), der Schola Cantorum Basiliensis (Schweiz) und in Montréal (Kanada). Als Dozent lehrt Reinicke an der HfM Freiburg, der UdK Berlin, der HfMDK Frankfurt, der HfM Weimar, der HfM Karlsruhe sowie an der Universität Freiburg. Für seine künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. durch die Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes (2018), das Deutschlandstipendium (2017), DAAD-Stipendien für Auslandsaufenthalte in Montréal und Rochester sowie das Bayreuth-Stipendium der Richard-Wagner-Gesellschaft (2022).
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