26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:01:53 MESZ
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Tagesübersicht |
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IV. Freie Themen
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8:30 - 8:45
Buchpräsentation Themen: Sektion III: Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Stichworte: Klassik Formenlehre Unterricht Analyse Musizierpraxis Musikalische Formanalyse nach Heinrich Christoph Koch Hannover, Deutschland Die Bedeutung der 'Melodielehre' von Heinrich Christoph Koch (1749 - 1816) für eine historisch informierte Analyse der Musik seiner Zeit ist in der akademischen Musiktheorie der vergangenen Jahrzehnte weithin anerkannt worden. Weniger gelungen scheint es zu sein, die damit verbundenen Erkenntnisse auch in die Praxis der ausübenden Musiker oder in den Unterricht der allgemeinbildenden Schulen zu übertragen. Mein Buchprojekt Musikalische Formanalyse nach Heinrich Christoph Koch möchte eine Hilfestellung dazu bieten, diesem Mangel abzuhelfen. Es behandelt die Kochsche Lehre anhand der Quellen in einer Breite und Tiefe, wie es sie in der bisherigen musiktheoretischen Literatur noch nicht gab. Die gesamte Veröffentlichung besteht aus einem Textband, einem Band mit darauf zugeschnittenen kommentierten Notenbeispielen und einer Sammlung vieler weiterer herangezogener Partituren, die der LeserIn online zur Verfügung gestellt wird. Im Textband wird zunächst die gesamte Formenlehre Kochs dargestellt, vom Aufbau des einzelnen Taktes bis zur Gestaltung kompletter Konzerte und Sinfonien etc. Dies geschieht, bei steter Berücksichtung der historischen Ausdrucksweisen, allerdings in einer Sprache, welche der heutigen MusikpraktikerIn verständlich ist. Danach wird im Textband eine Neufassung der Kochschen Lehre entfaltet, die ich in jahrzehntelanger Analysepraxis an Schulen und Hochschulen entwickelt habe. Sie dient dazu, von Koch nicht erwähnte Selbstverständlichkeiten seiner Zeit nachzutragen, gewisse Unschärfen seiner Terminologie zu beseitigen, unnötige Umständlichkeiten und Unklarheiten seiner Darstellung aufzuklären und auch dazu, solche Werke und Komponisten einzubinden, die noch außerhalb seines Horizontes lagen, im heutigen Repertoire aber eine wichtige Rolle spielen. Dies betrifft insbesondere die Werke Beethovens, bei denen die Kochsche Theorie mitunter zu neuartigen und überraschend plausiblen Einsichten führt. Auf diese Weise bietet meine Veröffentlichung ein erprobtes Instrumentarium für solche MusikerInnen, die in den Stand gelangen wollen, selbständig historisch fundierte Analysen der von ihnen gespielten, dirigierten oder auch nur gehörten Stücke vorzunehmen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Ulrich Roscher wurde 1955 in Lingen (Ems) geboren. Nach dem dort abgelegten Abitur studierte er Schulmusik mit dem Zweitfach Geschichte in Hannover und arbeitete als Studienrat an mehreren Gymnasien in Niedersachsen. Nach dem Studium zum Diplom-Tonsatz- und Gehörbildungslehrer übte er Lehraufträge in Musiktheorie an den Musikhochschulen in Hannover und Bremen aus. Im Sommer 2026 erscheint sein Buch Syntaktische Formanalyse nach Heinrich Christoph Koch im Verlag Königshausen & Neumann. Roscher trat verschiedentlich auch als Komponist hervor. 8:45 - 9:00
Buchpräsentation Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Georg Friedrich Haas, musikalische Wahrnehmung, Mikrointervallik, Spektralismus Georg Friedrich Haas – Denken in Musik / pensare in musica Konservatorium Bozen, Italien Vom 5.-10. Juni 2023 fanden sich 6 Fachleute und viele Interessierte am Bozner Konservatorium zusammen, um sich mit Georg Friedrich Haas über sein Werk und dessen ästhetische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen auszutauschen. Der Komponist selbst hielt nach einer kürzeren Ansprache am Eröffnungsnachmittag (Komponieren heute) an 4 aufeinanderfolgenden Vormittagen einen jeweils zweistündigen Vortrag zu folgenden Themen: Musik und Notation – oder: Denken IN Musik versus Denken ÜBER Musik (Kap. 2); Trial and error: meine Fehler als Komponist (eine Auswahl) (Kap. 3); …weiter und weiter und weiter…, meine Komposition für Donaueschingen 2022 (Kap. 4); Die Musikalität des Außermusikalischen (Kap. 5). Die abgedruckten Referate sind von Carlo Benzi (Bozen, Kap. 6), Pierluca Lanzilotta (Bozen, Kap. 7), Daniel Ender (Wien, Kap. 8), Manuela Kerer (Bozen, Kap. 9), Hannes Kerschbaumer (Bozen, Kap. 10), Oliver Korte (Lübeck, Kap. 11). Nun liegt der umfangreiche, großzügig mit Musikbeispielen ausgestattete, zweisprachige (deutsch/italienisch) Tagungsbericht vor, der von Pierluca Lanzilotta herausgegeben und bei LIM Libreria Musicale Italiana, Lucca erschienen ist. Neun verlinkte Demonstrationen, d. h. Videoausschnitte aus Haas´ Erläuterungen an zwei Klavieren im Vierteltonabstand, in denen er immer wieder auf besondere Wahrnehmungsvorgänge hinweist, gehören ebenfalls zum sorgsam edierten Band und weisen über die reine protokollarische Dimension hinaus auf eine Reflexion über kulturell bedingte Gewohnheiten menschlichen Hörvermögens und die Vorbedingungen für dessen ebenso kulturell herbeigeführte Modifikation. Insgesamt dürften sich sämtliche Beiträge und insbesondere die ausführlich belegten Äußerungen des „bedeutendsten lebenden Komponisten“ (Classic Voice, 2017) als eine Fundgrube für Forscher:innen und Interessenten herausstellen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Pierluca Lanzilotta (Genua 1965) lehrt Musikwissenschaft und -geschichte am Bozner Konservatorium. Sein Kompositionsstudium führte ihn u. a. nach Basel zu Georg Friedrich Haas. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Leben und Werk von Fausto Romitelli und GFH und mit fundierten analytischen Methoden, anhand derer dieses ständig wachsende Corpus angemessen angegangen werden kann. Seine zeitnah erscheinenden Stellungnahmen und Rezensionen setzen sich mit aktuellen Debatten und Kontroversen im heutigen E-Musikdiskurs auseinander. 9:00 - 9:30
Einzelvortrag Themen: Sektion IV: Freie Themen und Offene Studierenden-Sektion Stichworte: Zeitgenössische Musik, Enno Poppe, Formanalyse, Kompositionstechnik im 21. Jahrhundert „Immer auf der Schwelle zwischen Ordnung und Unordnung“. Form und Formgestaltung bei Enno Poppe: Laub 1: HfM Mainz; 2: HfM Freiburg Der Vortrag untersucht Enno Poppes Ensemblestück Laub (2024) unter dem Gesichtspunkt der Formbildung zwischen systematischer Konstruktion und kompositorischer Freiheit. Poppes Aussage, das Stück befinde sich »immer auf der Schwelle zwischen Ordnung und Unordnung«, verweist dabei auf ein Spannungsverhältnis, das sowohl die Organisation einzelner Klangereignisse auf der Mikroebene als auch großformale Prozesse bestimmt. Der metaphorische Titel eröffnet zugleich eine Perspektive auf Wahrnehmungsprozesse: Wie die einzelnen Laubblätter eines Baumes sich ähneln und dennoch individuell unterscheidbar bleiben, oszillieren auch die einzelnen Klanggestalten des Stücks zwischen Wiedererkennbarkeit und Differenz. Aus ihnen entstehen Formprozesse, deren emergente Eigenschaften sich schließlich nicht allein aus den Einzelereignissen ableiten lassen. Im Zentrum des Beitrags steht daher die Frage, mit welchen systematischen Verfahren Poppe ordnende Strukturen erzeugt und wie diese im weiteren Kompositionsprozess bei der klanglichen Konkretisierung adaptiert, transformiert oder aufgehoben werden. Dabei soll gezeigt werden, inwiefern eine mathematische Organisation der Form nicht als starres Gerüst, sondern vielmehr als ein dynamisches Dispositiv verstanden werden kann. Poppes Komponieren lässt sich vor diesem Hintergrund als ein dialektischer Prozess verstehen, in dem ästhetische Entscheidungen und insbesondere der Einbezug psychoakustischer Phänomene des Musikhörens eine zentrale Rolle spielen. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Philipp Zocha studierte Musiktheorie bei Immanuel Ott und Birger Petersen und Schulmusik mit Hauptfach Fagott, Latein und Mathematik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er unterrichtet die Fächer Musiktheorie und Gehörbildung an der Hochschule für Musik Mainz und der Hochschule für Musik Freiburg. | ||


