26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:04:06 MESZ
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Tagesübersicht |
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IV. Freie Themen Ort: Händel-Haus, Saal | |
| Präsentation 4 | |
15:30 - 16:00
Einzelvortrag Themen: Sektion I: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt Stichworte: Musikalische Form, Rock, Annotationstools, Dramaturgie, Analyse Kartografien des glatten Raums: Klangliche Meereswelten und musikalische Form bei Jimi Hendrix und Pink Floyd Anton Bruckner Privatuniversität Linz, Österreich Die beiden innerhalb weniger Jahre erschienenen Songs 1983… (A Merman I Should Turn to Be) (Jimi Hendrix, 1968) und Echoes (Pink Floyd, 1971) weisen auffällige Parallelen auf, die zu einem analytischen Vergleich einladen. Beide folgen einer groß angelegten AABA-Form, in der ein ausgedehnter, von Klangexperimenten geprägter Instrumentalteil (B) von konventioneller gestalteten Strophen (A) gerahmt wird. Die Instrumentalsektionen verbinden improvisatorische Elemente mit metrisch und tonal freien Soundscapes, die mithilfe damals neuer Studiotechnik und erweiterter Spieltechniken eine Meereswelt evozieren. Das Thema des Ozeans wird in beiden Texten explizit aufgerufen, jedoch mit entgegengesetzter Bedeutung: Hendrix schildert die Flucht aus einer kriegszerrissenen Welt in eine mythologisch aufgeladene Meereswelt; Pink Floyd behandeln das Meer aus biologischer Perspektive als Ursprung eines kontinuierlichen Strebens, das einfache Lebensformen vom Wasser ans Land führte und sich in den Ambitionen der Menschheit fortsetzt Der Vortrag analysiert die Gestaltung dieser Instrumentalteile vor dem Hintergrund der übrigen Songabschnitte. Vielschichtige digitale Annotationen dienen dazu, die musikalische Struktur zu kartografieren. Während sich die Gesangsteile in hierarchisch gegliederte Zeitspannen mit klaren Funktionen und Formtypen ordnen lassen, widersetzen sich die Instrumentalteile einer solchen Gliederung: Kontinuierliche Übergänge vermitteln den Eindruck eines kontinuierlichen Raumes. Die Analyse muss in diesen Teilen eher an konkreten Klanggestaltungen und übergeordneten Dramaturgien ansetzen, an statt von hierarchischen Funktionen zu sprechen, was zugleich eine Herausforderung für formale Theoriebildung darstellt. Die von Deleuze und Guattari in Tausend Plateaus entwickelte Opposition gekerbter und glatter Räume (striated/smooth spaces) – mit dem offenen Meer als Paradebeispiel des glatten Raumes – bietet hierfür eine produktive Metapher. Grade von Ordnung und Vertrautheit verleihen den Bewegungen im Raum eine Bedeutung, die die textliche Dramaturgie unterstreicht: Hendrix inszeniert besonders den Zerfall ordnender Prinzipien, auf den eine Folge von Soli folgt; Pink Floyd stellen, aus einem fremd und lebensarm wirkenden Mittelteil ansetzend, in einem langsamen Crescendo schrittweise Metrik, Tonalität und Melodie wieder her. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Maik Köster studierte Musikwissenschat in Mainz und Köln und ist seit September 2024 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im vom Schweizer Nationalfond geförderten Forschungsprojekt „Towards a Unified Model of Musical Form: Bridging Music Theory, Digital Corpus Research, and Computation“ unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Neuwirth angestellt. | |


