26. Jahreskongress der
Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)
Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen
Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft
02. – 04. Oktober 2026
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 01. Sept. 2026 11:04:36 MESZ
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Tagesübersicht |
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III. Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch Ort: EHK, Chorsaal | |
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14:15 - 14:30
Praktische Gehörbildung Stichworte: Höranalyse, Klangwahrnehmung, Elektronische Musik, Handlungsorientierung Klang organisieren, Hören verstehen Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Deutschland Der Beitrag stellt ein niedrigschwelliges Format vor, das elektronische Musik bzw. Musik mit Live-Elektronik als Wahrnehmungs- und Handlungspraxis erfahrbar macht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich viele klangzentrierte Werke nur bedingt über traditionelle musiktheoretische Kategorien wie Harmonik oder Motivik erschließen lassen. Stattdessen rücken Klangfarbe, Räumlichkeit, Dichte, Schichtung und Prozesshaftigkeit in den Mittelpunkt. Die zentrale These lautet: Elektronische Musik eignet sich besonders zur Schulung differenzierten Hörens, weil ihre musikalischen Parameter durch aktives Eingreifen unmittelbar hörbar, veränderbar und reflektierbar werden und man ihnen so durch eigenständiges Tun näher kommt - höranalytisch ebenso wie ästhetisch. Das Format besteht aus einer betreuten, aber selbstständig absolvierbaren „Elektronik-Station“ mit vier kurzen Übungseinheiten. Über einen eigens entwickelten Max/MSP-Patcher, der wie eine einfache „App“ bedient wird, arbeiten die Teilnehmenden mit Laptop und MIDI-Controller explorativ an Klangmaterial, ohne Voraussetzung spezifischer Softwarekenntnisse. Kleine Manipulationen erzeugen große hörbare Konsequenzen. Die Übungen behandeln grundlegende Prinzipien elektronischer Klangorganisation: In einer ersten Übung werden vielstimmige Akkorde durch Panning und räumliche Bewegung im Stereofeld auseinandergezogen, sodass einzelne Stimmen hörend verfolgt und räumlich unterschieden werden können. Eine zweite Übung arbeitet mit einem überladenen mehrschichtigen Loop, der durch Lautstärke, Filter, Mute/Solo und einfache EQ-Eingriffe „entrümpelt“ wird; Mixing erscheint dabei als Organisation von Aufmerksamkeit und Salienz. In einer dritten Übung wird ein Klang über längere Zeit durch nur einen Parameter – etwa Filter, Hall oder Verzerrung – verändert, um graduelle Transformationen und klangliche Kipppunkte wahrzunehmen. Die vierte Übung nutzt einen Sampler mit unterschiedlichen Sounds für eine kurze Improvisation, die aufgenommen und anschließend höranalytisch auf Spannung, Dichte, Kontrast und formbildende Momente befragt wird. Didaktisch knüpft das Format an konstruktivistische und handlungsorientierte Ansätze an: Analyse entsteht aus Handlung und Reflexion; Theorie folgt auf Erfahrung. Der Beitrag zeigt damit, wie elektronische Musik zugleich als ästhetische Richtung erschlossen und als Medium zur Schulung grundlegender Hörfähigkeiten genutzt werden kann. Kurzer Lebenslauf der vortragenden Autorin / des vortragenden Autors: Thilo Ruck ist E-Gitarrist im Bereich Neue Musik und Dozent für Theorie und Hörerziehung an der HMDK Stuttgart. Er verfügt über Lehrerfahrung in Gitarre an der HMDK Stuttgart und der PH Heidelberg sowie in zeitgenössischer Improvisation an der HfM Karlsruhe. Als Interpret wirkte er an über 100 Uraufführungen mit, u. a. bei Musikfest Bern, den Darmstädter Ferienkursen, den Donaueschinger Musiktagen, an der Staatsoper Stuttgart und bei Ultraschall Berlin. Er studierte Musiktheorie u. a. bei Hubert Moßburger und Matthias Hermann sowie im Konzertexamen bei Tillmann Reinbeck. 2013 erhielt er den 1. Preis beim Karlsruher Wettbewerb für die Interpretation zeitgenössischer Musik. Aktuell arbeitet er im Rahmen einer Artistic Research zum Themenkomplex Virtuosität, Interpretation und Höranalyse. | |


